EZB will Immobilienpreise in den Verbraucherpreisindex aufnehmen

„Warum Hauspreise künftig in die Inflation einfließen sollen“, ist mir nicht wirklich klar. Aktuell würde die ohnehin schon zu hohe Inflationsrate (siehe ‚EZB will noch mehr Anleihen kaufen trotz zu hoher Inflation‘) dadurch noch etwas steigen, während in einer Krise die Deflationsgefahr größer erschiene. In jedem Fall handelt es sich bei Immobilien eher um Vermögenswerte als Konsumgüter. Durch die steigenden Preisen werden die Hausbesitzer zumindest rechnerisch reicher. Davon profitieren auch Hauskäufer, für die es mehr auf die Finanzierungskosten ankommt. Niedrige Zinsen treiben die Immobilienpreise, doch zugleich senken sie den Zinsaufwand, was für viele (potentielle) Käufer wichtiger sein dürfte.

Richtig wäre ein Einbezug der Kosten des Wohnens, wobei Mieten bereits berücksichtigt werden, nicht aber die Kosten selbstgenutzter Wohnungen und Häuser, die vor allem der Staat in die Höhe treibt. Die Immobilienpreise bilden diese Kosten aber nicht richtig ab, da die höheren Hauspreise zugleich einen entsprechenden Vermögenswert darstellen und die Finanzierung eher leichter wird. Für Hausbesitzer ist es deshalb ein größeres Problem, wenn die Immobilienpreise fallen und die Häuser vielleicht sogar weniger wert werden als die mit ihnen besicherten Hypotheken. Niedrigzinsen erhöhen diese Gefahr, die sich allerdings erst bei wieder steigenden Zinsen realisiert.

4 Gedanken zu „EZB will Immobilienpreise in den Verbraucherpreisindex aufnehmen

  1. Ob hier nicht vielleicht eher – analog zu den Mieten – die „anlagebedingten“ Kosten der eigengenutzten Immobilie, also Instandhaltungen, Wartung, Gebühren, Schuldzinsen u.a. gemeint sind ? Wobei dann die Rolle der AFA, der Instandhaltungsrücklage diskutiert werden müsste.

  2. Der Verbraucherpreisindex ist seit Jahren zweifelhaft. Da fließen viele ganz verschiedene Waren und Dienstleistungen ein. Der moderate Anstieg der Verbraucherpreise in den letzten Jahrzehnten hat auch damit zu tun, dass manche Sachen (Computer, Möbel, Kleidung, Technik, …) billiger geworden sind. Aber das sind keine Artikel des täglichen Konsums! Würde man nur die Artikel des täglichen Konsums (Lebensmittel, Treibstoff, Strom, Gas, Handwerkerleistungen, …) bewerten, ergäben sich schon seit vielen Jahren deutlich höhere Preissteigerungen.

    • Bei Computern etc. ist noch das Problem, dass sie gar nicht billiger, sondern ständig besser werden, was als deflationär gewertet wird, auch wenn man als Verbraucher gar nichts davon hat (ich mache ungefähr dasselbe mit verschiedenen Computern seit etlichen Jahren, während Smartphones sogar ständig erneuert werden müssen, weil nach wenigen Jahren der Speicherplatz nicht einmal mehr fürs größere Betriebssystem reicht). Bei den Mieten steigt der große Bestand auch nur langsam, selbst wenn sie bei Neuvermietungen an manchen Orten explodieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.