EZB will noch mehr Anleihen kaufen trotz zu hoher Inflation

„Die EZB lässt die Geldschleusen offen“: „Die Anleihekäufe im Rahmen des Krisenprogramms sollten weiterhin ’signifikant‘ umfangreicher ausfallen als in den ersten Monaten des Jahres“, obwohl auch die Inflation jetzt signifikant höher ist und mit zwei Prozent bereits über dem offiziellen Inflationsziel der EZB liegt. Dabei soll die EZB eigentlich Preisniveaustabilität garantieren, die sie selbst als eine Inflationsrate knapp unter zwei Prozent interpretiert. In Deutschland liegt die Inflation mit 2,5 Prozent schon deutlich darüber und könnte in der zweiten Jahreshälfte auf 4 oder sogar 5 Prozent steigen. Die EZB geht von einer danach wieder sinkenden Inflationsrate aus, doch sicher ist das nicht und vor allem kein Grund, jetzt noch mehr Anleihen zu kaufen, die Leitzinsen bei 0,0 Prozent zu belassen und die Einlagenzinsen negativ bei minus 0,5 Prozent zu halten.

Richtig wäre ein antizyklisches Verhalten, um die Inflation und auch Konjunktur jetzt nicht noch weiter anzuheizen und in dem Fall, das doch irgendwann eine echte Deflation ernsthaft drohen sollte, mehr Spielraum zum Gegensteuern zu haben. Doch die ‚EZB will lieber Zinsen statt Inflation bekämpfen‘ und die ‚EU-Kommission hält das Bundesverfassungsgericht für vertragswidrig‘, nur weil es wollte, dass die EZB die Verhältnismäßigkeit ihrer Anleihenkäufe erklärt. Dem ‚Bundesverfassungsgericht genügt [sogar eine] geheime Verhältnismäßigkeitsprüfung der EZB-Staatsanleihenkäufe‘, obwohl eine überzeugende Erklärung gar nicht geheim gehalten werden müsste. Doch selbst das geht der EU-Kommission und dem EuGH zu weit, da sie offensichtlich selbst nicht an eine gute Erklärung glauben.

14 Gedanken zu „EZB will noch mehr Anleihen kaufen trotz zu hoher Inflation

  1. Niemand von uns dürfte überrascht sein, dass die EZB so handelt. Sie ist längst auf Staatsfinanzierung getrimmt, was immer offensichtlicher wird. Ich befürchte leider, dass Inflation nicht nur ein kurzfristiges Phänomen sein wird, sondern längerfristig unsere Kaufkraft mindert und Ersparnisse entwertet. Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale könnte real werden.

    In dem FAZ-Artikel heißt es, die Inflationsrate sei in Griechenland negativ und in Portugal nur leicht positiv. Ist das an sich nicht eine gute Nachricht? Die Südländer müssen doch abwerten, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden, und wenn das nicht extern über die Währung geht, dann intern über die Lohn- bzw. Preisentwicklung.

    • Echte Deflation hat aber viele negative Begleiterscheinungen. Es ist nicht sinnvoll, die Krisenländer immer weiter in der Krise zu halten. Es wäre viel besser, und zwar für alle Beteiligten, die Eurozone aufzulösen und den Südländern zu erlauben, wieder nach eigenem Ermessen zu inflationieren und abzuwerten.

      • Da stimme ich Ihnen voll zu, es ist wesentlich sinnvoller und ökonomisch verträglicher, Ungleichgewichte über den Wechselkurs auszugleichen. Für mich einer der wichtigsten Gründe, den Euro abzulehnen. Auch wenn mittlerweile niemand mehr über die Eurokrise redet.

      • Das habe ich lange nicht mehr gehört , die Eurozone aufzulösen. Dafür sind wir doch vor 8 Jahren aktiv geworden. Waren unsere Argumente damals alle falsch?

      • Nein, die meisten Argumente waren richtig und sind es immer noch. Es wurden acht Jahre verloren, in denen die Wirtschaft in vielen Euroländern schwächelte, viele neue Schulden zu den alten hinzugefügt wurden, aber auch die EZB viele Anleihen aufkaufte und Geld in Umlauf brachte. Die Auflösung der Eurozone wird immer teuer, was wohl auch Zweck der Übung war, sie aber nicht dauerhaft verhindern kann.

  2. Die EZB handelt illegitim, denn die Verträge zum Euro verbieten genau solche geldpolitischen Taschenspielertricks. Falschmünzer nannte man das früher. Ich räume gerade das Bargeld vom Konto ab.

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