Diskussionspapier zu Kapitalwert bei Null- und Negativzinsen

Im Diskussionspapier des Instituts für Organisationsökonomik 4/2021 behandle ich den „Kapitalwert bei Null- und Negativzinsen“. Mit dem Kapitalwert lassen sich bei bekannten Ein- und Auszahlungen vernünftige Investitionsentscheidungen treffen. Diese Eigenschaft geht bei Zinsen von null oder noch darunter nicht verloren. Insbesondere für Unternehmen kann es durchaus gewinnmaximierend sein, selbst bei einer negativen Rendite eine Investition zu tätigen, wenn der Zinssatz noch niedriger ist und keine Investitionsprojekte mit positiver Rendite mehr zur Verfügung stehen. Das Unternehmen leiht sich z. B. 1.000 Euro, erwirtschaftet damit nach einem Jahr 995 Euro und zahlt an die Bank 990 Euro zurück mit Gewinn von 5 Euro. Könnte es aus den 1.000 Euro mehr Geld machen oder sie einfach kostenfrei liegen lassen, wäre das natürlich noch besser. Dagegen lohnen sich gesamtgesellschaftlich solche Investitionen mit negativer Rendite nur, wenn sie zur Glättung des Konsums nötig sind, z. B. weil nächstes Jahr nur deutlich weniger verdient werden kann. Bei steigenden Einkommen ist es hingegen besser, gleich zu konsumieren, da nächstes Jahr ohnehin mehr vorhanden ist und durch die negative Rendite Konsummöglichkeiten verloren gehen.

16 Gedanken zu „Diskussionspapier zu Kapitalwert bei Null- und Negativzinsen

  1. Wie kann man nur so dumm sein, sein Geld auf der Bank zu lassen und jedes Jahr negative Zinsen abgezogen bekommen? Ich verstehe ja, dass es Rücklagen (Pensionsfonds, Wohnungseigentümergemeinschaften, …) gibt, wo das angesparte Kapital gar nicht anders anlegen darf. Aber ich werde niemals Negativzinsen bezahlen! Entweder das Ersparte kommt in den eigenen Tressor, ins Ausland oder wird anders angelegt (Aktien, Sachwerte, …).

    • Wenn die Preise stärker sinken, als der nominale Zins negativ ist, dann ist der Realzins positiv. Inflation reduziert hingegen den Realzins, kann aber das Horten von materiellen Dingen attraktiver machen.

  2. „…ist es hingegen besser, gleich zu konsumieren, da nächstes Jahr ohnehin mehr vorhanden ist und durch die negative Rendite Konsummöglichkeiten verloren gehen.“
    Das mag für einen Beamten gelten, der sich um seine Pension keine Gedanken zu machen braucht. Wer jedoch seine Altersversorge selber sicherstellen muß, wird das etwas anders sehen.

    • Sie haben die Bedingung steigender Einkommen übersehen. Wenn diese absehbar sinken werden, z. B. durch eine Rente deutlich unter dem Arbeitslohn, kann Sparen für diese Zeit trotz negativer Zinsen sinnvoll sein.

  3. “ . . .bei bekannten Ein- und Auszahlungen vernünftige Investitionsentscheidungen treffen . . .“
    Diese Prämisse schränkt das Zinskriterium so ein, dass es für Investitions- und Konsumentscheidungen einen Sonderfall darstellt. Tatsächlich wird dieses Kriterium in den meisten Fällen von vielen anderen Entscheidungskriterien überlagert.

    • In der Realität gibt es Risiko und Unsicherheit. Für die hier betrachtete Frage sind sie aber nicht so wichtig bzw. machen die Analyse komplizierter, ohne das zentrale Ergebnis zu ändern, wenn z. B. der Zins mit Risiko positiv ist, der risikolose Zins hingegen negativ.

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