Robert Mundell gestorben

„Robert Mundell ist tot“. Der gebürtige Kanadier ist am Ostersonntag, den 4. April, im Alter von 88 Jahren in seiner Wahlheimat Italien gestorben. 1999 hatte er den Wirtschaftsnobel(gedenk)preis erhalten „for his analysis of monetary and fiscal policy under different exchange rate regimes and his analysis of optimum currency areas.“ Insbesondere „A Theory of Optimum Currency Areas“ von 1961 machte ihn zum akademischen „Vater des Euro“. Dabei galt er eigentlich „zusammen mit seinem Freund Arthur Laffer als einer der Väter moderner Angebotspolitik und damit auch als einer der intellektuellen Wegbereiter der Wirtschaftspolitik Ronald Reagans“. Entsprechend war er auch „ein überzeugter Anhänger der These, dass in einer funktionierenden Währungsunion jeder Staat sein wirtschafts- und finanzpolitisches Haus in Ordnung halten müsse. Daher lehnte der Kanadier eine gemeinsame europäische Verantwortung für die Finanzpolitik in der Eurozone entschieden ab. Mundells Euro war ein Euro ohne Eurobonds und ohne europäischen Haushalt, aber mit nationaler Disziplin in der Finanz- und in der Sozialpolitik.“

Eigentlich ist die Eurozone nach seiner gut lesbaren Theorie auch gar kein optimaler Währungsraum, der durch hohe Faktormobilität im Inneren, aber nicht nach außen gekennzeichnet ist. Bei immobilen Faktoren, insbesondere Arbeit und Kapital, können flexible Wechselkurse für einen Ausgleich von Ungleichgewichten sorgen, der ansonsten nur durch Inflation in Überschuss- oder Arbeitslosigkeit in Defizitländern möglich ist. Dass die Überschüsse zwischen souveränen Staaten ohne echte Gegenleistung transferiert werden könnten, hatte er hingegen nicht erwartet. Innerhalb von Staaten sind solche Transfers hingegen eher möglich und ist meistens auch die Faktormobilität höher, was dafür spricht, dass eben doch in der Regel ein Staat für sich einen optimalen Währungsraum bildet, insbesondere wenn er nicht zu klein ist. Auch kleine Staaten sollten lieber ihre Währung an eine andere mit festem Wechselkurs binden, als sie vollständig aufzugeben.

3 Gedanken zu „Robert Mundell gestorben

  1. Ich habe von ihm nie gehört, aber man braucht kein Hellseher zu sein, um zu erkennen, daß der Euro sein Lebensalter niemals erreichen wird.

  2. Ihr Kollege Lars Feld kommentiert in der NZZ heute, am 7.4.21
    „Das Bundesverfassungsgericht will den Weg in die Fiskalunion verhindern“
    sehr optimistisch, dass das BVG endlich die Gefahr der Next Generation Resiliencefazilität sieht. Diese zielt dahin, der EU eine eigene Finanzbasis zu verschaffen, für die die einzelnen Mitglieder (BRD) gesamtschuldnerisch haften könnten. Dies würde außerdem eine verbotene Staatsfinanzierung auf kaltem Wege ermöglichen.
    Der Artikel erscheint mir sehr lesenswert.
    https://www.nzz.ch/meinung/bundesverfassungsgericht-koennte-weg-in-die-fiskalunion-verhindern-ld.1609753?kid=nma_2021-4-7&trco=&mktcid=nled&ga=1&mktcval=124&reduced=true

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