DAX-Rekord in der Krise

Der „Dax steigt über 15.100 Punkte“ heute, was ein neuer Rekord ist, nachdem er vorgestern schon die Marke von 15.000 Punkten geknackt hatte. Während die reale Wirtschaft und die ganze Gesellschaft noch unter den Corona-Maßnahmen leiden, antizipieren die Börsen nicht nur deren trotz aller politischen Rhetorik nahende Lockerung, sondern sie werden auch von der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken befeuert sowie dem geplanten Stimulus von rund 2 Billionen Dollar in den USA. Dieser wird zwar eigentlich zu spät kommen, nämlich während eines beginnenden Aufschwungs mit wieder anziehender Inflation, aber mit starken Gegenmaßnahmen rechnet momentan kaum jemand. Die Risiken sind groß, aber angesichts von Negativzinsen bei gleichzeitiger Geldschwemme sind die Anlagealternativen nicht besser.

35 Gedanken zu „DAX-Rekord in der Krise

      • Aber die 7 Prozent gab es eben auch, obwohl früher Tagesgeld etc. wesentlich mehr Zinsen gebracht haben.

        Was ist eigentlich Ihre Erklärung für das Equity Premium Puzzle?
        https://en.wikipedia.org/wiki/Equity_premium_puzzle
        Eine gewisse Risikokompensation (man kann sich nicht sicher sein, dass man das eingesetzte Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung hat) ist nachvollziehbar. Aber gerade in Zeiten eines niedrigen Zinses müssten die Renditen gemäß den Standardmodellen eigentlich niedriger sein als das, was wir derzeit sehen. 2-3 Prozent ja, aber 7 Prozent?

      • Ein höheres Zinsniveau sollte langfristig (!) auch mit einer höheren Aktienrendite verbunden sein, insbesondere nominal. Zinsveränderungen wirken jedoch in die Gegenrichtung. Die ständigen Zinsssenkungen haben also zu Kurserhöhungen und damit einer höheren Rendite geführt, bei Zinserhöhungen wäre es umgekehrt. Für die Eigenkapitalprämie (also höhere Rendite als Zinsen) ist das Risiko nicht die einzige Erklärung, zumal es langfristig kaum höher ist. Regulierung spielt eine große Rolle, wobei die Aktienkäufe durch die Notenbanken kurzfristig die Rendite erhöhen und langfristig senken sollten.

      • Die Preissteigerung bei Vermögenswerten spiegelt die reale Inflation wider. Auch der Goldpreis ist in den letzten Monaten sehr stark gestiegen.

      • Wenn Sie unter Inflation die Geldmengenausweitung selbst verstehen, ist das richtig. Normalerweise wird unter Inflation jedoch ein Anstieg des Konsumgüterpreisniveaus verstanden, der deutlich geringer ausgefallen ist, wobei die Corona-Maßnahmen die Messung beeinträchtigen, da viele Dienstleistungen offiziell gar nicht mehr verfügbar sind oder nur noch durch viel teurere Ausweichmaßnahmen.

      • Sind die Zinserhöhungen die Ursache oder die Folge von bestimmten Verlaufen am Aktienmarkt? Schauen Sie sich die Entwicklung der Leitzinsen in den USA an, etwa von 2004 bis 2006:
        https://www.finanzen.net/zinsen/leitzins/usa
        Die Zinsen stiegen an und die Kurse stiegen, beides bis zum Crash im Rahmen der weltweiten Finanzkrise. Davor wurden die Zinsen in einem kurzen Zeitraum stark gesenkt, was mit der Dotcom-Krise zusammenhängt. Ähnliches war 2020 zu beobachten, als die Zinsen wegen des Coronacrashes plötzlich gesenkt wurden.

      • Die Zinsen werden von den Notenbanken gesetzt, die vor allem die Inflation beeinflussen wollen. Die Aktienkurse unterliegen mehr Einflussfaktoren. Im Boom steigen die Kurse und die Inflationsrisiken zugleich, deshalb werden die Zinsen erhöht, die aber ihrerseits gerade dämpfend wirken sollen. In der Krise ist es umgekehrt. Außerdem sind für die Kursentwicklung die Zukunftserwartungen wichtiger als der schon erreichte und eingepreiste Stand.

  1. Die Aktienkurse erreichen gerade Höchststände, wegen einer Geldentwertung durch unrealistische, für mich betrügerischen, Geldmengenausweitung durch sämtliche westlichen Zentralbanken. Beteiligungen an guten Unternehmen sind dagegen echten Werte, Geld leider nur wertloses Papier.

    • Auch ohne digitalen Euro ist das Geld größtenteils schon digital, nämlich auf den Konten der Banken. Die Geldmengenausweitung schlägt bislang kaum auf die Konsumgüterpreise durch, wobei aktuell vieles gar nicht mehr gekauft werden darf, also in gewisser Weise unendlich teuer geworden ist. Die Vermögensgüterpreise steigen vor allem durch die Null- und Negativzinsen. Sollte die Zinsen irgendwann wieder steigen, brechen die Kurse ein.

      • Das „wertlose Papier“ war nicht so wörtlich gemeint. Ob Bargeld oder Buchgeld, auch als „Digitalwährung“, haben keinen echten Wert. Es sind ungedeckte Schecks…!

      • Schecks sind mit Geld gedeckt oder eben auch nicht. Aber womit sollte das Geld gedeckt sein und was gibt ihm seinen echten Wert? Die Primärfunktion des Geldes ist die Verwendbarkeit als Tauschmittel. Diese lässt sich durch Übereinkunft (sei es durch die Marktteilnehmer oder auch staatliche Setzung) für fast alles erzeugen. Muscheln und Gold unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht grundsätzlich von Buch- oder Giralgeld. Auch Bitcoins haben keinen Gegenwert, sondern einfach ein begrenztes Angebot und eine im Verhältnis dazu recht große (allerdings auch stark schwankende) Nachfrage.

      • Eine X-beliebig aufgeblähte Geldmenge ist wie ungedeckte Schecks. Stabile Währungen sind mit echten Werten besichert. Das muss nicht Gold sein. Auch andere Sachwerte wie Immobilien gehören dazu. Die Geldmenge muss im richtigen Verhältnis zum Volksvermögen und der Wertschöpfung stehen. Alles andere ist Spielgeld.

      • Fiat Money ist nicht durch Sachwerte besichert, sondern letztlich die Steuerkraft des Staates (beim Euro die des deutschen Staates).

  2. „An der Börse wird weder Glocke wenn es bergaufwärts noch abwärts geht geläutet und dass irgendwann der Tag kommt an dem es wieder abwärts geht „.

    Weisheit solange es Börse gibt und das seit Jahrhunderten. “ Gier nach immer mehr und mehr und größeren Gewinn schlägt Verstand .

    Profiteure, Verlierer nicht lernfähig. Es gibt keinen Börsencrash ohne vorherigen Boom.

    Am 24. Oktober 1929 – schwarzer Donnerstag – gab es berühmten Crash. Panik.

    Nächste große Blase an der Börse 1989.

    Später – allen in der Finanz- und realen Wirtschaft unvergessliches n e g a t i v e s Erlebnis 1999 mit “ New Economy“ , Medienunternehmen und Grüne Jungs mit Start-Up-Gründungen waren x – fach mehr wert – auf dem Papier – als Industrieunternehmen.

    „Unsere“ Allianz – Hort von Solidität – hatte auch mit gezockt , Vorstand wurde – nach Schamzeit – dafür gefeuert.

    2008 die große Finanzkrise durch Kreditvergaben für Immobilien in USA. Auch die letzte kleinste Immobilie – fahrbare Häuser – mit Mini-Grundstücken 100 % Hypotheken beliehen. Nach 2007 fielen Hauspreise um zwei Drittel fast ins bodenlose.

    Sehr viele Bürgermeister Deutschlands zockten mit ! Weltweite Hype von Island bis GB etc.

    Ohne Verleumdung, ist u.a. in NW ( Neue Westfälische ) Zeitung nachzulesen. Einen Zocker den ich persönlich kenne heißt Müller-Zahlmann (SPD) in Bad Oeynhausen, kleine Stadt B.O. verlor rund 2 Mio € Steuergelder , Gerichts-Verfahren gegen ihn – persönlich – ergebnislos, er bzw. Kämmerer hatten schlicht in englisch verfassten mehrere hundert Seiten langen Imponderabilien mit Risiken Bewertungen nicht gelesen, nicht lesen können (?). Und da größere Stadtbeispiele gleich wie in B.O. gezockt hatten – Vorbildfunktionen – konnte er Insolvenz bei den Investmentbanken nicht ahnen. Bei der nächsten Bürgermeister-Wahl verlor er den Posten. Mehr nicht.

    Aktuell ist Geld zu fast Null Zinsen – real bei 2 % – zu haben, Einlagen mit Negativzinsen etc. Ist das normal ? Präsident Biden befeuert lt. Professor Alexander Dilger Finanzmarkt mit 1,7 Billionen $ an.

    Meine Wenigkeit – siehe Beispiele vor – glaubt aus Erfahrung nicht an nachhaltigen Erfolg.

    • Man weiß allerdings nur ex post, wann man vor dem Crash hätte aussteigen sollen. Außerdem ging es bisher im globalen Aktienmarkt immer wieder nach oben. Das Stichwort ist die Risikoprämie, die ich im anderen Beitrag erwähnte.

    • Schon nominal kann man Kredite deutlich unter zwei Prozent Zinsen bekommen, real sogar zu Negativzinsen (nominal bei einzelnen Banken kleine Kredite auch schon, aber das sind eher Lockvogelangebote). Wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen, werden die Kurse sinken. Ob es zu einem Börsencrash kommt, hängt von der Art der Zinsanstiegs ab und auch den Folgen wie Insolvenzen von Häuslebauern, Unternehmen und sogar Staaten. Ganz langfristig sind Aktien trotzdem eine bessere Geldanlage als Anleihen (deren Kurse dann auch einbrechen), Bargeld (das durch Inflation entwertet wird) oder auch Gold.

      • Insolvenz von Häuslebauern? Ich dachte, die würden vollautomatisch immer reicher?

      • Langfristig haben Immobilien eine positive Rendite, die aber bei Aktien höher ist. Kurz- und mittelfristig droht eine Pleite, wenn man auf Pump kauft (was viel mehr Haus- als Aktienkäufer tun) und die Zinsen stark steigen und/oder die Preise deutlich einbrechen.

      • @Naiver Blauäugiger

        Das hängt fast ausschließlich von der Lage ab.

  3. Ich lebe davon, dass es rauf und runter geht. Geldpolitik spielt für mich keine Rolle. Ich habe die Erfahrung gemacht, mich nicht durch die Öffentlichkeit beteiligen zu lassen, sondern durch eigene Recherchen und Tendenzen. Langzeitanlagen sind mir zu langweilig. und Spekulationen sind klar Unwissenheit. Ich bin hier klar auf Freude gepolt. Wenn die Aktienkurse fallen ärgere ich mich, dass ich den Tiefpunkt verpasst habe. Ich achte darauf, Aktien nie länger als 2 Jahre halten zu müssen.

    • Im Grunde ist meine Aktienstrategie das genaue Gegenteil. Ich kaufe Aktien, um sie langfristig zu halten, was vor allem Transaktionskosten spart. Die einzelnen Werte halte ich außerdem für viel weniger wichtig als eine breite Streuung, um die Risiken zu reduzieren (was langweilig, aber vernünftig ist). Ich will den Markt auch gar nicht schlagen, sondern am langfristigen Aufwärtstrend partizipieren. Deshalb kaufe ich allerdings in der gegenwärtigen Situation mit Kursrekorden trotz realer Probleme und Risiken eher nicht, sondern werde bei einer Kursbereinigung wieder aktiv werden.

      • Damit betreiben Sie allerdings Market Timing, was von Experten nicht empfohlen wird. Kursrekorde und Risiken, das ist keine seltene Kombination. Wer sagt Ihnen, dass der Markt nicht noch weitere 50% heraufgeht, bevor er um 30% heruntergeht? Und warum sollte man ausgerechnet bei einer Kursbereinigung kaufen, wenn die Gefahr besteht, dass der Markt dann noch weiter fällt? Ich denke, dass regelmäßig bediente Sparpläne für Kleinanleger das Sinnvollste sind. Also stumpf jeden Monat X Euro investieren und sich das Depot erst wieder in Y Jahren anschauen.

      • Ich bin eben kein „Experte“, sondern Wissenschaftler und zugleich Anleger. Es ist schwer, den Markt zu schlagen, aber in mancher Hinsicht ist es leichter als in anderer. Bei der Auswahl einzelner Unternehmen wettet man gegen Profis, die allgemeine Marktentwicklung unterliegt jedoch noch anderen Faktoren, die z. B. Notenbanker und Politiker beeinflussen, die nach anderen Regeln spielen.

        Natürlich weiß ich nicht, wie lange und hoch die Kursrekorde sich fortsetzen werden, aber es wird nicht unendlich sein ohne zwischenzeitliche Kursbereinigung, deren Tiefe natürlich ebenso unsicher ist. Doch auch ohne spezifisches Wissen ist antizyklisches Verhalten grundsätzlich empfehlenswert. Deshalb kaufe ich jetzt nicht (ich verkaufe auch nicht, was jedoch andere Gründe hat).

      • Ich will Sie ja auch nicht zu Käufen drängen, aber mit dieser Einstellung könnten Sie halt noch jahrelang an der Seitenlinie stehen.

      • Ich stehe nicht an der Seitenlinie, sondern bin fast vollständig in Aktien investiert (und noch etwas in ein Einfamilienhaus, was für sich genommen keine optimale Geldanlage ist). Sonst wird eher ein Anteil von z. B. 50 Prozent empfohlen, was antizyklisch wirkt. Allerdings will ich mir die langfristig höhere Aktienrendite nicht entgehen lassen und auch die Transaktionskosten klein halten. Flexible Neuanlagen sind dann ein gutes Substitut. Vielleicht sollte ich das einmal formalisieren und mit historischen Daten prüfen.

      • @Sebastian Kunze

        Manchmal ist es besser an der Seitenlinie zu stehen, als mit den Lemmingen unterzugehen.
        Daher kann ich Herrn Dilgers Anlagestrategie nur beipflichten.

      • Sie können als erste Näherung die Performance etwa des Fonds ARERO (der pauschal 60% weltweit diversifizerte Aktien, 25% Staatsanleihen und 15% Rohstoffe enthält) vergleichen mit einem Fonds, der zu 100% weltweit diversifizierte Aktien besitzt (z.B. FTSE All-World). Letzterer schneidet zumindest in den letzten Jahren durchgehend besser ab trotz des Coronaeinbruches.

        https://www.fondsweb.com/de/vergleichen/ansicht/isins/LU0360863863,IE00B3RBWM25

      • Dass Aktien langfristig eine höhere Rendite haben, bestreitet hier doch auch niemand. Kurzfristig kommt es hingegen doch auf den Referenzzeitpunkt an. Hätten Sie Anfang 2020 Ihr ganzes Geld im reinen Aktienfonds angelegt, wäre Ihr Verlust größer gewesen als mit dem Mischfonds.

      • Der letzte Satz stimmt nicht. Mit beiden Fonds wäre man aktuell im Plus, mit dem Aktienfonds aber mehr. Das können Sie in der Grafik mit Balkenbewegungen herausfinden. Generell kann man natürlich Zeiträume finden, in denen ein Mischportfolio besser abgeschnitten hätte. Ich selber bin auch nicht zu 100% in Aktien investiert…

      • Meine Aussage stimmt, da mit „kurzfristig“ üblicherweise unterjährig gemeint ist, nicht bis heute. Einen wirklich großen Crash hat es durch Corona ohnehin nicht gegeben.

  4. Die meisten Menschen, ca 50% in Deutschland leben von der Hand im Mund und müssen für ihren notwendigen Dispo im Durchschnitt 9,75%p.a. berappen. Geld ist immer noch teuer, für die Menschen mit nichts in der Tasche. Wer vom billigen Geld sprechen kann steht auf der Sonnenseite in Deutschland. Am besten der Staat schenkt jeden Bürger 100.000€ um zu investieren.

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