Wahlergebnisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

In Baden-Württemberg haben heute die Grünen mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann um 2,5 Prozentpunkte zugelegt auf 32,8 Prozent, ihr bestes Landtagswahlergebnis aller Zeiten (mit allerdings etwas weniger Stimmen als vor fünf Jahren wegen einer um 6,6 Prozentpunkte auf 63,8 Prozent gesunkenen Wahlbeteiligung, siehe „Vorläufiges Ergebnis der Landtagswahl 2021“ mit 69 von 70 ausgezählten Wahlkreisen). Ihr Juniorpartner in der Regierung, die CDU, verlor 2,9 Prozentpunkte auf 24,0 Prozent. Die AfD verlor am meisten, 5,4 Prozentpunkte, auf 9,7 Prozent, womit sie zur kleinsten Partei im Landtag wird. Die SPD verlor 1,7 Prozentpunkte auf 11,0 Prozent, während die FDP 2,2 Prozentpunkte zulegte auf 10,5 Prozent. Zu nennen sind noch die Linke, die um 0,7 Prozentpunkte zulegte auf 3,6 Prozent, und die Freien Wähler, die am meisten gewonnen haben, nämlich 2,8 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent.

In Rheinland-Pfalz bleibt die SPD mit Ministerpräsidentin Marie-Luise Dreyer stärkste Partei mit 35,7 Prozent, 0,5 Prozentpunkte weniger als 2016 (siehe „Vorläufiges Ergebnis der Landtagswahl“). Die CDU verlor 4,1 Prozentpunkte auf 27,7 Prozent. Auch hier verlor die AfD am stärksten, nämlich 4,3 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent. Die FDP verlor 0,7 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent. Die Grünen gewannen heute am meisten, nämlich 4,0 Prozentpunkte auf 9,3 Prozent, während die Freien Wähler um 3,2 Prozentpunkte zulegten auf 5,4 Prozent, womit sie erstmals in diesen Landtag einziehen, und Die Linke 0,3 Prozentpunkte verlor auf 2,5 Prozent.

Es gilt noch immer dieser Satz von meinem Fazit von 2016 (siehe ‚Wahlergebnisse in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt‘): „Abgestraft wurde jeweils der Juniorpartner der Landesregierung, während der Seniorpartner zulegen konnte oder zumindest nur mäßig verlor.“ Eine Ausnahme bilden die erfolgreichen Grünen in Rheinland-Pfalz. Dafür ist der Höhenflug der AfD gestoppt, die ohnehin nur noch bürgerliche Mehrheiten verhindert, die sonst immer noch möglich wären. Begrüßenswert ist der Einzug der Freien Wähler in den Landtag von Rheinland-Pfalz, der eine rot-grüne Regierung verhindert. Theoretisch könnten sie die Ampelkoalition ablösen durch Ersetzen der FDP oder auch der Grünen. In Baden-Württemberg wäre nun neben der Fortsetzung der grün-schwarzen Regierung auch eine Ampelkoalition unter grüner Führung möglich.

44 Gedanken zu „Wahlergebnisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

  1. Der Höhenflug der Grünen passiert doch nicht zufällig:
    1) ARD und ZDF, sowie die allmeisten Zeitungen fördern die Grünen massiv.
    2) CDU/CSU gehen auf grüne Wünsche ein, statt Gegenposition zu beziehen.
    3) Gesellschaftliche Gruppen hecheln einem grünen Modetrend, bzw. Zeitgeist hinterher.
    4) Die linksradikalen Grünen täuschen „Bürgerlichkeit“ vor.
    5) Dummheit, Gutgläubigkeit und Gehirnwäsche bei der Masse der Wähler.

    • Ich sehe keinen grünen Höhenflug. Lediglich in den Metropolen und im direkten Umkreis konnten sie noch etwas zulegen (über die Verluste der SPD hinaus). Und dort ist die Wahlbeteiligung am höchsten, teils 10% höher als in den konservativeren Regionen. Ein konservativer Politiker, der dieses Wählerpotenzial ausschöpft, und die Grünen müssten sich in Opposition üben. Die konservativ-liberale Elite muss endlich aufwachen, um nicht auch noch dieses Potenzial zu verlieren. Die Städte sind verloren. Ein konfrontativerer Kurs dort dürfte kaum mehr Wählerstimmen kosten. Man darf nur nicht wie Trump überziehen und enttäuschte Wähler auch noch selbst abzustoßen. Das ist nun auch der AfD passiert.

    • Alles richtig, aber ein wichtiger Befund fehlt. Größere Teile der Bevölkerung üben sich wieder in Wahlenthaltung, weil sie von der Gegenposition nicht erreicht wurden oder sich sogar abgestoßen fühlen. Es braucht entschiedene Opposition, aber eben auch eine seriöse. Ob man mit der Opposition nun fair umgeht, sei mal dahin gestellt. Aber man sollte nicht auch noch die Argumente für Kritik liefern. Ich glaube nicht mehr, dass die AfD und CDU die Kurve (aus den im Prinzip gleichen Problem nur mit anderen Vorzeiczhen) noch bekommen. Die FDP ist für breite Bevölkerungsschichten ebenfalls kein Thema. Die FW werden es wohl nicht werden. Hierin liegt das Problem, das man lösen muss.

  2. Wer durfte bei Phönix direkt nach der Wahlprognose um 18 Uhr als erstes reden? Das grüne Bundesduo aus Baerböck_In und Möchtegern-Rockstar Harbeck! Als kleinste Bundestagspartei haben grüne Politiker den größten Anteil an Auftritten in bekannten TV-Talkrunden. Und ZDF-Chefredakteur Frey macht im Zwangsgebühren-Fernsehen sogar Beratung für die Grünen:
    https://www.zdf.de/nachrichten/politik/landtagswahlen-rlp-bw-kommentar-frey-100.html

    • Alles richtig, nur muss man erst mal vor der eigenen Haustüre kehren. Eine Selbstbeschäftigung und Selbstbeweihräucherung wie auf TE, wo man mit Maaßen und Sarrazin spricht und über die bösen ÖR lästert, hilft nicht weiter. Diese Wagenburgmentalität führt in den Abgrund. Es sei denn, man gibt sich mit einer dauerhaften Herrschaft von GRR zufrieden.

  3. Die ?DU wird die Verantwortung für diese Wahlniederlagen den beiden Maskendealern in die Schuhe schieben und dabei das Kernproblem ignorieren:
    Unter Merkel wurde eine Generation aalglatter Karrierefunktionäre hochgespült, die völlig befreit von einem inneren Wertesystem jeden von der Chefin vorgegebenen Standpunkt vertreten können, ohne sich selbstzuverleugnen.
    Wenn so einer die Gelegenheit für einen kleinen Deal am mageren Abgeordnetensalär vorbei sieht, dann greift der natürlich zu …

  4. Das Ergebnis ist grundsätzlich ernüchternd und verheißt wenig Gutes, es gibt aber einige Auffälligkeiten, die zumindest Hoffnung machen.

    Ich sehe keinen auffälligen Wechsel ins linke Lager, v.a. wenn man die Umstände der letzten Wahlen berücksichtigt.

    Das bürgerliche Lager ist stark zu den Nichtwählern gewechselt. Die Wähler sind daheim geblieben. Ein Stratege erkennt das. Er richtet seine Arbeit auf diese Wähler aus und läuft nicht den verlorenen Wählern im anderen Block hinterher. Diese Nichtwähler böten eine Basis für eine erneuerte Union oder auch für eine neue bürgerliche Partei. Ob die AfD dafür nochmal die Kraft besitzt, ist höchst fraglich.

    Die FW böten für frustrierte Wähler ein Ventil im Herbst. Sobald die 5 Prozent erreichbar erscheinen, kann das eine Eigendynamik entwickeln. Scheitern sie knapp, dann kann das aber auch GRR oder GS verursachen. CDU, FDP und AfD wächst hier neue Konkurrenz.

    Die Wagenburgmentalität der politischen Rechten und deren Medien schadet ihr ebenso wie die Selbstaufgabe von CDU und FDP. Man hat dort noch nicht begriffen, dass es nicht reicht, sich selbst zu feiern und sich für klüger zu halten. Man muss andere Menschen für sich überzeugen. Wenn man sich auf Twitter und Co umschaut, dann reicht diese Selbstgerechtigkeit bis in die Werte Union hinein. Auch wenn die Medien einem ggü. feindlich eingestellt sind, darf man sich nicht trotzig selbst aus der Diskussion nehmen und sich auf Selbstbeweihräucherung beschränken.

    Die FDP sollte die Ampelträume schnell beerdigen. R-P zeigt, dass sie sich sonst eher mit 5% zufrieden geben muss. Kein unzufriedener bürgerlicher Wähler wählt sie, wenn er damit den Grünen an die Macht verhilft.

    • Herr Burger, das haben Sie klug und richtig analysiert. Insbesondere bei der FDP sieht man das Wahlergebnis meines Erachtens zu positiv. Dabei wäre die „Ampel“, die sie sich in beiden Ländern erträumt, schon am Wahlabend beinahe an einer rot-grünen Parlamentsmehrheit gescheitert.

      Es ist kein gutes Zeichen, dass mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten bei so wichtigen Wahlen inmitten der größten Krise in der Geschichte der Bundesrepublik zu Hause geblieben ist, anstatt die Wahl (auch) zu einer Abstimmung über die Corona-Politik zu machen. Und ohne alle Wahlanalysen zu kennen, habe auch ich den Eindruck, dass diesmal vor allem das bürgerliche Lager ein Mobilisierungsproblem hatte. Die FDP hätte doch deutlich stärker von den Stimmenverlusten bei CDU und auch AfD profitieren müssen. In Rheinland-Pfalz hatte sie natürlich das Problem, „Mehrheitsbeschaffer“ für Rot-Grün (gewesen) zu sein. Aber auch das FDP-Ergebnis in Baden-Württemberg war unter den gegebenen Voraussetzungen nicht gerade berauschend.

      Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Freien Wähler tatsächlich zu einer neuen bürgerlichen Alternative auch im Bund werden und wem sie ggf. am meisten schaden werden: CDU, FDP oder AfD. Dem bürgerlichen Lager insgesamt werden die Freien Wähler hoffentlich nutzen, indem sie Bürgerliche davon abhält, ins Lager der Nichtwähler abzuwandern – auf die Mehrheitsverhältnisse auswirken wird sich dies aber natürlich nur, wenn die Fünf-Prozent-Hürde dann auch übersprungen wird.

    • Herr Aiwanger ist ambitioniert und will den Einzug in den Bundestag. Diesen September traue ich ihm einen Achtungserfolg von etwa 3 bis 4% zu. Bei guter Weiterentwicklung kann er es 2025 schaffen – und die AfD sich verabschieden.
      Interessant, wie es mit dieBasis weitergeht und ob sie sich perspektivisch mit den FW zusammentun. Heute im Interview auf nzz.ch:
      https://www.nzz.ch/international/chef-der-freien-waehler-fordert-oeffnungen-auch-bei-hoher-inzidenz-ld.1606794

      • @Andreas Walter

        Kluge Worte von Hubert Aiwanger. Wie so oft wird es abei den Worten bleiben. Aiwanger ist wie Horst Seehofer – als Bayerischer Löwe losgesprungen und als Fußabstreifer gelandet.

      • Da ist viel Geblubber bei, etwa das Thema Hotels über Ostern. Wollen wir wetten, dass er sich damit nicht durchsetzen wird? Ich erkenne auch sonst nicht viel, das er neben der starken CSU durchsetzen konnte. Vielleicht liegt es daran, dass die CSU jederzeit mit den Grünen weiterregieren könnte.

  5. Bei einer Detailanalyse der B-W-Wahl sind für mich 3 Befunde auffällig

    Die Kluft zwischen Stadt und Land wächst weiter. In den Städten gewinnt GR teils deutlich dazu. Auf dem Land sieht das anders aus. Dort ergibt sich ein anderer Effekt. Besonders in den industriestarken Regionen stürzt die CDU teils gnadenlos ab und fällt teils deutlich hinter FDP und AfD zurück, die zusammengenommen bis zu einem Drittel der Stimmen gewinnen können. Der dritte Befund ist, dass die Wahlbeteiligung in den Städten besonders hoch ist, das Wählerpotenzial der Grünen ist also größtenteils ausgereizt. Insb. die „prekäreren“ Wähler in den Vororten oder auch auf dem Land scheinen sich mir in Wahlenthaltung geübt zu haben. Wähler, die vor 5 Jahren noch AfD und CDU gewählt haben.

    Wie man bei diesen 3 Befunden der CDU empfehlen kann „jünger“ und „weiblicher“ zu werden, wie es Oettinger heute tut, ist mir schleierhaft. Der CDU sollte vielmehr zu denken geben, dass sie nun auch noch auf dem Land und m.E. vor allem in der Arbeiterschaft die Verankerung verliert. Die Städte hat sie längst verloren.

    Bei den oberen Befunden kann man es drehen und wenden, wie man es möchte. Mit Merz würde die CDU sicherlich deutlich besser abschneiden. Die Verluste an die Grünen wären sicherlich geringer als der Gewinn im rechten Nichtwählerbereich. Die Frage ist, inwiefern der ergrünte Söder bei diesen Wählern auf Stimmenfang gehen könnte.

    • Herzliche Bitte, Herr Burger: Können Sie die von Ihnen erwähnten industriestarken
      Regionen bzw. 1 oder 2 solche Wahlkreise nennen? Danke!

      • Naja, industriestark sind fast alle Regionen in B-W, die ländlich geprägten Regionen aber in Württemberg stärker als in Baden. Vor allem die KMU sitzen verteilt im ganzen Land, man muss da die Region Stuttgart, die natürlich schon ziemlich ergrünt ist, ein wenig verlassen.

        Sie können hier ein wenig herumspielen.
        https://www.swr.de/swraktuell/wahl/bw/landtagswahl-2021/ergebnisse-landtagswahl-landesergebnis-baden-wuerttemberg-2021-100.html

        Extrembeispiele wären z.B. Pforzheim, Enzkreis, Rottweil oder Freudenstadt.

        Dass im konservativen Lager FDP/AfD/FW ein Drittel der Stimmen holen, ist für die CDU mehr als bedenklich. Vor allem, wenn das Wahlkreise sind, in denen vor 15-20 Jahren noch regelmäßig 50% geholt wurden und man heute noch froh darüber sein muss, dass es überhaupt 25% werden.

        Aber die CDU hechelt lieber den verlorenen Wählern in der Großstadt hinterher. Wobei auch dort Stimmen in den Außenbezirken zu holen wären. Dort sind nämlich gestern viele Wähler zuhause geblieben. Die Innenstädte sind dagegen restlos verloren. Je mehr sie dort versucht zu gewinnen, desto mehr wird sie auf dem Land verlieren.

  6. @Peter Burger
    „Die Kluft zwischen Stadt und Land wächst weiter.“

    Treffend formuliert. Und genau an dieser Bruchstelle baut sich seit Jahren die größte gesellschaftliche Spannung der Zukunft auf. Nicht nur das Wahlverhalten betreffend.

  7. 2015 hat ein Stratege des sog. Flügels der AfD die „aberwitzige Heterogenität“ der Partei beklagt. Wenn sie erst ihre liberalen Mitglieder los sei, homogener und geschlossener sei, dann könne sie hemmungslos provozieren, um die Nichtwähler (angeblich allesamt potenzielle AfD-Wähler) an die Wahlurnen zu treiben und zur stärksten Partei zu werden.

    Heute ist die AfD – vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung – viel homogener. Sie hat einen beträchtlichen Teil ihrer beruflich und gesellschaftlich integrierten Mitglieder weggeekelt (das haben nicht die bösen Altparteien getan, sondern die vielgerühmte Basis). Sie hat sich freiwillig in eine Wagenburg zurückgezogen. Im Ergebnis fällt sie in einzelnen Großstadtwahlkreisen (Mainz, Stuttgart) wieder unter 5 %.

    Vermutlich wird sie sich jetzt den Schluss ziehen, noch nicht homogen und radikal genug gewesen zu sein, ihr verbliebenes vorzeigbares Personal (Meuthen) auch noch wegekeln, und nach der nächsten Wahlniederlage finstere Mächte für ihren weiteren Rückgang verantwortlich machen.

    • Unter Berücksichtigung der deutlich geringer als 2016 ausgefallenen Wahlbeteiligung hat die AfD in BW und RP de facto mehr als 40% ihrer einstigen Wähler verloren (also in absoluten Zahlen).

      Wenn sich vor diesem Hintergrund in der AfD nicht in Windeseile die Erkenntnis durchsetzt, dass man mit Fabianischem Sozialismus und dem noch immer hofierten nationaletatistischen Narrensaum um Gauland und Höcke in einem auch sonst von Etatismus und Sozialismus durchtränkten Parteienumfeld keinen Blumentopf gewinnen kann, dann war es das wohl mit der ‚Alternative für Deutschland‘. Schade eigentlich.

      • In BW stand aber der Meuthen-Flügel zur Wahl, nicht der Höcke-Flügel…

        Die AfD ist Opfer geworden ihrer unklaren Coronapolitik, ihres eigenen innerparteilichen Zwists und der Zersetzungsstrategie des tiefen Parteienstaats (ÖRR und VS). In der Reihenfolge.

      • @Eurokanadier

        Von wegen … der Landesverband Baden-Württemberg ist durchsetzt von Geflügel und einige der nun gewählten sind diesem klar zuzurechnen.

        Im Übrigen sind sowohl die unklare Coronapolitik der AfD (manchmal ist es besser sich gar nicht zu positionieren als sich in Widersprüche zu verstricken) als auch der jahrelange innerparteiliche Dauerstreit und nicht zuletzt die Stigmatisierung durch ÖRR und Verfassungsschutz das Ergebnis von mehr als sieben Jahren Untätigkeit gegenüber dem Treiben der noch immer tätigen Provokationsagenten Gauland und Höcke sowie ihrer Gefolgschaft.

      • Der Höckeflügel hätte noch schlechter abgeschnitten, auch wenn Sie das nicht verstehen möchten. Der Meuthenflügel wird erst gute Ergebnisse erzielen können, wenn es den Höckeflügel nicht mehr gibt und dies auch gesellschaftlich anerkannt und positiv gewürdigt wird. Da beides nicht eintreten dürfte, ist der Weg nach unten vorgezeichnet. Am Ende wird ein harter Höcke-Kern übrig bleiben. Das kann auch deutschlandweit für den Bundestag reichen, zweistellige Ergebnisse sind damit aber unerreichbar.

      • Übrigens standen sehr unterschiedliche Charaktere zur Wahl. Da waren durchaus einige unappetitliche Flügelanhänger dabei. Mandic hat es übrigens mit einem unterdurchschnittlichen Ergebnis nicht in den Landtag geschafft und möchte nun die Partei verlassen. Lag das auch an Meuthen?

      • Dass Mandic die Partei verlässt, glaube ich erst nach vollzogenem Austritt. Egal, was er gerade in Interviews andeutet oder sonst so von sich gibt. Mit welchem Ziel überhaupt? Kehrt er zurück in sein sicheres Herkunftsland? *Ironie aus*

      • Bei einer Niederlage des Meuthenlagers als Konsequenz den Austritt des Höckelagers zu fordern, ist so postfaktisch, daß eine Diskussion nicht lohnt. Da wird mehr an Aufarbeitung in der AfD kommen müssen, als die immer gleichen Schuldzuweisungen abzulassen. Da braucht es jetzt Mut zur Kritik und verständige Leute, die wissen, was jenseits jedes Flügeldenkens bewahrenswert ist und was endlich geändert werden muß.

      • Es handelt sich nicht um „eine Niederlage des Meuthenlagers“, sondern um das Ergebnis von jahrelangem, unglaubwürdigem Geschlossenheitsgedöns. Es ist nicht möglich so Gegensätzliches wie die ursprüngliche AfD mit als „Sozialpatrioten“ getarnten Fabianischen Sozialisten zwangszuvereinen. Das musste uns früher oder später auf die Füße fallen. Und jetzt, im Superwahljahr 2021, ist es eben so weit. So viel Mut zur Wahrheit muss sein.

      • @ 300sel
        Leider wahr. Das „Flügel“-chen müssen wir jetzt absprengen. Hätte früher passieren können, aber es haben sich immer wieder Kaninchen aus Angst vor der Schlange mit den NPD-light-Typen verbündet. Der Einzug der Freien Wähler in den Landtag von Rheinland-Pfalz könnte ein neues Kapitel rechts der inzwischen linken CDU aufschlagen…

      • @francomacorisano

        Wenn sich diese Erkenntnis nur endlich auch einmal im Bundesvorstand durchsetzen würde. Nach den Vorstandsnachwahlen auf dem Bundesparteitag in Kalkar hätte ich mir das eigentlich erwartet. Aber passiert ist wieder nichts.

      • Man muss viel eher befürchten, dass Meuthen demnächst abgesetzt wird. Das wäre aber das endgültige Ende der AfD.

        Eine erneute Zwischenlösung vor einer Übernahme des Flügels dürfte es nicht geben.

      • @Peter Burger

        Jörg Meuthen ist zur Zeit das wichtigste Aushängeschild der AfD.
        Leider gelingt es ihm aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht, endlich richtig durchzugreifen. Dies, obwohl er dafür doch (zumindest gefühlt) seit Kalkar eine recht komfortable Mehrheit im Bundesvorstand hinter sich haben müsste.

        Zwar bin ich der Auffassung, dass in politischen Parteien niemand unersetzbar sein darf, aber auch ich fürchte, dass Sie mit Ihrer Prognose für den Fall einer Abwahl Meuthens Recht haben.

      • Ich könnte mir vorstellen, dass Herr Meuthen Ende des Jahres einfach nicht mehr als Bundessprecher antritt.
        Kann jemand noch was zu den FW in RLP sagen? Sind sie tatsächlich etwas konservativ-liberaler als die Union? Wäre ja schön. Denn in NRW gibt es auch eher linke Strömungen bei den FW.

      • Falls Jörg Meuthen nicht mehr antritt, abgewählt oder nicht wieder gewählt wird, dann wird es bei der derzeitigen Auswahl an Personalalternativen ganz schön haarig für die AfD. Ich sehe weit und breit niemanden, der das Format hat, dem Flügel Paroli zu bieten UND für das Amt eines Bundesvorsitzenden zur Verfügung stünde.

      • Jörg Meuthens Vorstellungen von liberaler Wirtschaftspolitik sind vermutlich einzigartig im politischen Diskurs. Das wäre ein großer Verlust. Für bürgerliche Wähler das letzte Argument die AfD zu wählen.

      • Sonderbar, dass man doch hier unterschiedlich zu dem Schluss kommt, dass die wohl recht einmalige Verlustigkeit von 41,2 % der Wähler – im Saldo der beiden LTW – gegenüber den da schon bescheidenen Verlusten von 19,8 % der CDU nicht an Meuthen und seinem schädlichen Anhang liegen könnte.

        Das scheint mir dann doch schon mehr als absurd.

        Wie ich es nach dem noch weit extremeren Scheitern bei der Kommunalwahl in NRW doch Kreisverband für Kreisverband eindeutig nachwies – unterbot man den schon um 67% hinter der eigenen Prognose nochmals deutlich.

        Wahlkampf fand in diesen Kreisen faktisch nicht statt – Meuthens Schildbürger, sich ‚Apell der 100‘ nennend brachte es nur auf die Hälfte des Durchschnitts.

        Noch schlimmer sieht es bei den Mitgliedern und deren Entwicklung aus. Obwohl der Meuthenlandesvorstand bei uns auf nimmt und so elementar auf die Mitgliederentwicklung Einfluss nimmt – gab es in den Meuthennahen Kreise massivste Rückgänge – einfach wegen totaler Untätigkeit. Wenn die Kommunale Liste nicht passte, wurde sie einfach anulliert.

        Selbst bei Mandic wird hier eine Fake-News verbreitet – dieser lag mit 5,3 % Verlust eben immer noch über dem Landesschnitt – und der hat sicherlich an die 50.000 € eigenes Geld in den Wahlkampf gesteckt.

        Anders sieht es bei den Sozialisten aus, die Meuthen so schön nach oben gehoben hat, kaum dass sie in der Partei ankamen.

        Jetzt könnte man nach meinem langen Text annehmen, ich huldige Höcke oder seinen Sozialpatrioten.

        Nein – aber man muss in der AfD eben begreifen, dass der Wähler nicht dumm ist. Auch in Hessen, ein weiteres Meuthenland besetzt von Sozialisten – gab es eine deutliche Wahlschlappe, auch wenn man noch deutlich über NRW abschloss.

        Und – auch hier das gleiche Bild: Mandatsträger auf allen Ebenen, die rein gar nichts leisten. Kommune für Kommune.

        Nein – die AfD muss spätestens in Dresden klare Kante zeigen, sonst wird sie 2025 nicht mehr im Bundestag sein.

      • @erwinelsen
        „Anders sieht es bei den Sozialisten aus, die Meuthen so schön nach oben gehoben hat, kaum dass sie in der Partei ankamen.“

        Meuthen?
        Sozialisten?

        Lieber Erwin,
        das bitte ich Dich genauer zu erläutern. Ich kenne Jörg Meuthen als alles andere als sozialistisch. Die Sozialisten in der AfD nennen sich „soziale Patrioten“ und huldigen Maximaletatisten wie Alexander Gauland, Björn Höcke, Jürgen Pohl und auch Albrecht Glaser aber ganz sicher nicht Jörg Meuthen.

      • Lieber Michael,

        die wenigen Anhänger, die der seinerzeit von Petry aus dem Hut gezauberte Meuthen noch hat, kommen ganz überwiegend aus der SPD, gelegentlich auch aus der LINKE oder den GRÜNEN.

        Nützlich dabei das NRW System Delegierte wählen Delegierte – wobei dann ganz zufällig die unfähigen Kreise – wie z.B. Bochum und Dortmund (beide mit weitem Abstand Schlusslicht im Pott) doppelt so viel Delegierte entsenden, als sie Mitglieder haben. Eben so mein Kreisverband, der jetzt bei den Kommunalwahlen gerade mal das hälftige Ergebnis schaffte, das einst die REPS hatten.

        Ich möchte hier jetzt die Namen der Meuthen Unterstützer nicht öffentlich nennen. Aber geh sie doch einfach mal durch – angefangen mit dem ‚Apell der 100‘.

        Und die sitzen oft in Mandaten – und doch holen sie in ihren Kreisen in NRW nur die Hälfte der oft ehrenamtlichen Konkurrenz im Zuwachs bei den Wählerstimmen der letzten Kommunalwahl.

      • Lieber Erwin,

        ich kenne die Verhältnisse in der NRW-AfD nicht besonders gut, glaube Dir aber gerne, dass Marcus Pretzell hier tiefe Spuren hinterlassen hat, die sich noch heute auswirken.

        Jörg Meuthen und Frauke Petry / Ihr ehemann Marcus Pretzell waren sich allerdings spinnefeind.
        Und das Meuthen-Anhänger vor allem aus dem RRG-Spektrum kommen sollen, passt überhaupt nicht ins Bild. Das ist doch eher die Anhägerschaft von Guido Reil, oder?

        LG
        Michael

      • Lieber Michael,

        natürlich gehe ich hier öffentlich nicht ins Detail – aber ein Blick auf die Hintergründe des ‚Apell der 100‘ und deren politische Herkunft könnte zum Nachdenken bewegen.

        Ob Meuthen oder Höcke – die Mitglieder in ihrer überwiegenden Mehrzahl tendieren zu Beiden nicht – wollen weder Sozialismus noch Etatismus.

      • Lieber Erwin,

        Meuthen ist kein Sozialist. Aber leider schließt er zu viele Kompromisse mit den Etatisten.

        Höcke hingegen ist („nationaler“) Sozialist und Etatist, was ja auch keineswegs Antipoden sind.

      • Wir sind ja durch die „zweite Runde“ an Landtagswahlen seit Gründung der AfD mittlerweile in der Lage Gewinne und Verluste zwischen West und Ost in Prozent zu vergleichen. Damit entfällt auch das bisherige Argument, daß die AfD es im Westen weit schwerer habe, denn wir können jetzt relative Änderungen zur eigenen Performanz ermitteln.

        Die Höcke-AfD liegt in Thüringen bei 23 % (2019: 23,4 %). Also praktisch keine Verluste. Wohingegen die Meuthen-Weidel-AfD in BW über ein Drittel der Wähler verloren hat.

        Woran liegt es? Jetzt mal so ohne Ausreden wie „Mandic“.

      • Natürlich liegt es an der Rechtsradikalisierung der AfD, für die Herr Höcke steht, die aber auch Herr Meuthen viel zu lange zugelassen und Herr Gauland aktiv befördert hat. Der Anteil der Wähler, die das wollen oder denen das zumindest egal ist, ist eben begrenzt, wobei im Westen diese Gruppe deutlicher kleiner ist als im Osten. Warum sollte umgekehrt ein rechtsradikaler Wähler lieber zu Hause bleiben oder z. B. noch die NPD statt die AfD wählen?

      • @Eurokanadier

        Es liegt daran, dass die Menschen in den Alten Bundesländern (und das sind 85% der wahlberechtigten Bevölkerung Deutschlands) weder Maximalprovokateure noch nationale Sozialisten in den Parlamenten sehen wollen. So einfach ist das.

      • @ 300sel

        Meuthen und Weidel und ihr Landesverband sind nationale Sozialisten?

      • Das stand weder zur Diskussion, noch habe ich Derartiges behauptet. Aber es gibt zuhauf nationale Sozialisten in der AfD (vor allem in „Mitteldeutschland“) und diese stehen ja auch dazu. Wie wollen Sie also den Wählern im Westen glaubhaft vermitteln, dass es sich dabei nicht um Repräsentanten derselben Partei handele?

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