Identitätspolitische SPD gegen alte weiße Sozialdemokraten

Wolfgang „Thierse erwägt SPD-Austritt“. Dabei ist er ein Urgestein der Sozialdemokratie. Wenn Persönlichkeiten wie er keinen Platz mehr in der SPD haben, ist sie nicht mehr dieselbe Partei und ihr Niedergang wohl gar nicht mehr aufzuhalten.

Was ist geschehen? Es gab einen „FAZ-Beitrag von Wolfgang Thierse – ‚Wie viel Identität verträgt die Gesellschaft‘ Identitätspolitik darf nicht zum Grabenkampf werden, der den Gemeinsinn zerstört: Wir brauchen eine neue Solidarität“. Darin hatte er neben rechter oder linke Identitätspolitik oder zumindest deren Übertreibungen einschließlich „Cancel Culture“ kritisiert (siehe für meine Kritik daran ‚Identitätspolitik vs. Individualismus‘) wie auch im Interview „Wolfgang Thierse (SPD) über Identitätspolitik: ‚Ziemlich demokratiefremd'“.

Prompt wurde er selbst (wie auch Gesine Schwan, die ihm beigesprungen war und auch an anderer Stelle nicht hinreichend politisch korrekt war) ein Opfer dieser linken Identitätspolitik und Cancel Culture. Die „SPD-Spitze distanziert sich von Schwan und Thierse“, namentlich die SPD-Vorsitzende Saskia Esken und ihr Stellvertreter Kevin Kühnert. Daraufhin hat Herr Thierse Frau Esken seinen Austritt angeboten. Sie suchte schließlich das Gespräch mit ihm, aber es bleiben „Gegnerische Blöcke in der SPD“.

Denn Identitätspolitik tritt weder für Freiheit noch Gleichheit ein, sondern umgekehrt für eine Kasten- bzw. Ständegesellschaft, als hätte es die Aufklärung nie gegeben. Linke und rechte Identitätspolitiker streiten nur darüber, welche Kasten bzw. Stände es geben und wo diese in der Hierarchie angesiedelt sein sollen. Dagegen wollten Sozialdemokraten und sogar stramme Sozialisten und Kommunisten früher einmal eine klassenlose Gesellschaft, während Liberale bis heute Individuen und ihrer Freiheit den Vorrang vor Kollektiven und Zwang geben.

20 Gedanken zu „Identitätspolitische SPD gegen alte weiße Sozialdemokraten

  1. Die dänische Schwesterpartei der SPD wurde mit AfD-ähnlichen Inhalten in die Regierung gewählt. Mit Sarrazin statt Kühnert könnten die Sozis noch punkten…!

    • Die SPD wird in Deutschland auch ohne AfD-Inhalte im Herbst wieder in die Regierung gewählt, und zwar im Rahmen einer Ampel, nachdem CDU/CSU im Zuge der immer schlechter werdenden Coronapolitik historische Verluste erleiden.

      • Wäre für mich gar nicht so schlecht. Dann kommt das „bedingungslose Grundeinkommen“. Das hole ich mir und verleben es im Ausland… 🙂

      • Das ist zwar für BaWü am 14.3. inzwischen recht wahrscheinlich, aber im Bund ist es bis dahin noch ein langer Weg.

      • Die Regierung hat im Moment ein schlechtes Momentum, was in erster Linie der CDU als Kanzlerpartei angelastet wird. Das dürfte sich durch die Landtagswahlen noch verstärken. Es reiht sich in der Coronapolitik Fehler an Fehler und es gibt keine Selbsteinsicht.

      • Interessanterweise schlägt sich der CDU-Anteil an der Kakistokratie kaum auf die Umfrageergebnisse für die Bundestagswahl nieder.

      • Sollte das tatsächlich eintreten, wäre es der ultimative Beweis für die beliebige Austauschbarkeit aller „etablierten“ Parteien. Es geht ihnen nicht um Inhalte, sondern nur um die Machtergreifung und die damit zusammenhängenden Pfründe.

      • In Baden-Württemberg könnte das tatsächlich funktionieren, anderswo sind die ideologischen und programmatischen Differenzen zu groß.

      • Die FDP macht sich dadurch aber für viele Menschen unwählbar. Nämlich bei jenen, die nicht indirekt die Grünen unterstützen wollen.

        Positiv am Schwenk der FDP zu den Grünen ist allerdings, dass sich die CDU nicht mehr sicher sein kann in der Regierung zu sitzen. Ob das allerdings etwas Gutes bewirkt, lass ich mal offen.

        Man darf gespannt sein, was Friedrich Merz aktuell plant. Ich gehe davon aus, dass er nach einer Blamage im Herbst einen letzten Angriff starten.

      • Es wäre gut, wenn die CDU nächsten Sonntag möglichst stark abgestraft würde. Herr Merz wollte doch direkt Kanzler werden, vielleicht noch Minister, aber nicht wieder Oppositionspolitiker.

      • Merz ist 65 und finanziell satt. Von ihm dürfen wir keine Höchstleistungen mehr erwarten. Die einzige Triebfeder wäre, dass er mit Merkel eine Rechnung offen hat…!?!

      • So ist es. Weder Friedrich Merz noch sonst ein verschmähter „Junger Wilder“ aus dem Andenpakt von 1979 (!) wird in der CDU noch irgendetwas reissen. Diese betagten Herren sind alle mindestens in etwa in Merkels Alter. Erneuerung sieht anders aus.

      • Die Wahlniederlage im Herbst wird kommen. Zur stärksten Fraktion wird es dennoch reichen. Falls sich also keine Mehrheit für eine Ampel oder RRG ergibt, wird die Union wieder den Kanzler stellen. Da Merz im Hochsauerland (so er denn aufgestellt wird) ein erstklassiges Erststimmenergebnis erzielen dürfte, würde ich damit rechnen, dass er nochmal zum Angriff bläst. Ein hohes Ministeramt oder der Fraktionsvorsitz dürften das Minimum seiner Wünsche sein. Merz hat bestimmt nicht vor einfacher Abgeordneter zu sein, so viel ist sicher.

      • Aber wer sollte ihm denn solch ein Amt geben wollen? Frau Merkel ganz sicher nicht, aber ohne sie wird er auch nicht mehr gebraucht.

    • Die SPD könnte auch noch mit klassischer sozialdemokratischer Politik punkten. Doch ein Juso brachte die heutige SPD-Position in einem Tweet auf den Punkt: „Die sog. ‚Arbeiter‘ gibt es in Deutschland nicht mehr. Man kann nicht vergraulen, was es nicht gibt.“

      • Ein Juso hat geschnallt, dass es in Deutschland keine Arbeiter mehr gibt?
        Es geschehen offenbar noch Wunder …

        ABER: Wer soll dann die neue symbolische Kernzielgruppe der SPD werden?

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