Ökonomenpanel zur Corona-Wirtschaftspolitik

Beim 33. Ökonomenpanel von ifo und FAZ ging es um die Frage: „Wie beeinflusst Corona die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands?“ Die Mehrheit der antwortenden Kollegen ist zwar unzufrieden mit der aktuellen Corona-Wirtschaftspolitik, aber nicht so locker wie ich bzw. nur für Lockerungen bei Inzidenzwerten von unter 35, was eine große Minderheit auch noch ablehnt. Entsprechend findet auch eine relative Mehrheit die willkürliche Herabsetzung des relevanten Inzidenzwertes von 50 auf 35 gut. Immerhin sind die meisten für eine Ausweitung der Teststrategie, die die Politik aber bis heute nicht hinbekommen hat. Dagegen glaubt eine relative Mehrheit, dass die Aufhebung des Lockdowns die Zahl der Insolvenzen nicht reduzieren würde. Immerhin ist dann doch wieder eine deutliche Mehrheit mit mir der Ansicht, dass Prämien für zusätzliche und schnellere Impfstoffe sinnvoll wären im Gegensatz zum Enteignen von Patenten. Im Folgenden dokumentiere ich wieder die Fragen und meine Antworten:

Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Corona-Wirtschaftspolitik in Deutschland?

Sehr unzufrieden, weil die völlig unverhältnismäßigen Corona-Maßnahmen ganze Branchen ruinieren und die Hilfsmaßnahmen dagegen zu willkürlich und zu spät kommen.

Wie beurteilen Sie die folgenden viel diskutierten Strategien im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland unter Ausweitung der Teststrategie ab März (inkl. Antigen-Tests, sowohl durch medizinisches Personal als auch als Laien-Selbsttest):

Sofortige und umfängliche Lockerungen: Sehr positiv

Weitreichende Lockerungen (inkl. Einzelhandel, Kultureinrichtungen, Gastronomie und Gastgewerbe) bei einer gemessenen Inzidenz unter 35: Neutral

Weitreichende Lockerungen (exkl. Einzelhandel, Kultureinrichtungen, Gastronomie und Gastgewerbe) bei einer gemessenen Inzidenz unter 35: Eher negativ

Verbindliche Stufenpläne für Lockerungen nach gemessener Inzidenz: Neutral

Lockerungen erst dann, wenn die regionalen Gesundheitsämter neue Infektionsfälle verlässlich und schnell nachverfolgen können: Neutral

Kommentarfeld für weitere Strategien und/oder Begründungen:

Die Inzidenzzahl 35 ist völlig willkürlich. Bislang wurde behauptet, dass eine Inzidenzzahl von 50 erreicht werden müsste zur Nachverfolgung von Infektionen, was bereits nicht stimmte. Die Inzidenzzahl ist willkürlich und hängt vor allem vom Testen ab. Richtig wäre es, gezielt die Risikogruppen zu schützen.

Wie beurteilen Sie die Herabsetzung des gemessenen Inzidenzwertes von 50 auf 35, welche am 10. Februar verkündet wurden, für „den nächsten Öffnungsschritt“ (Merkel)?

Sehr negativ, weil beide Werte willkürlich sind, aber die Herabsetzung ein weiterer Wortbruch ist und die Begründungen für schwere Grundrechtsbeschränkungen völlig austauschbar und beliebig geworden sind.

Wie beurteilen Sie die angekündigte Ausweitung der Teststrategie in Deutschland? 

Eher positiv, weil Testen tatsächlich effektiv und effizient sein kann, allerdings die vermehrten Tests auch zu höheren Inzidenzwerten führen, die dann fälschlich mit mehr Infektionen verwechselt werden.

Würde eine sofortige und vollumfassende Aufhebung des Lockdowns die Anzahl von anstehenden Unternehmensinsolvenzen reduzieren?

Ja, weil jeder zusätzliche Tag zu hohen Verlusten wegen laufender Kosten ohne Einnahmen führt.

Wie beurteilen Sie die Zahlung von Prämien an Impfstoffhersteller für zusätzlichen, schneller gelieferten Impfstoff?

Sehr positiv, weil die Impfstoffe jetzt fehlen und schnellere Impfungen viel mehr wirtschaftliche Schäden und auch Todesfälle verhindern.

Wie beurteilen Sie die eine Vergemeinschaftung von Patenten in Verbindung mit Kompensationszahlungen an Patent-Inhaber mit dem Ziel einer schnelleren Impfstoffproduktion?

Eher negativ, weil die schneller Produktion doch auch freiwillig erreicht werden kann zu geringfügig höheren Kosten, ohne die Anreize zur Entwicklung zukünftiger Impfstoffe und Medikamente stark zu reduzieren.

Ihr öffentlicher Kommentar zur aktuellen Corona-Politik (optional):

Die Politik ist in jeglicher Hinsicht inkompetent bis katastrophal mit mehr Todesfällen als nötig bei zugleich gravierenden Grundrechtsbeschränkungen und enormen finanziellen sowie sozialen Schäden.

14 Gedanken zu „Ökonomenpanel zur Corona-Wirtschaftspolitik

  1. Wie beurteilen Sie die Zahlung von Prämien an Impfstoffhersteller für zusätzlichen, schneller gelieferten Impfstoff?
    Diese Frage ist schon ein Skandal für sich. Dass Sie diese Frage positiv beantworten lässt mich hoffen, dass ich diese Frage falsch verstanden habe.

    • Wie haben Sie die Frage denn verstanden? Ich sehe keinen Skandal darin, dass für eine schnellere Lieferung von mehr Impfstoff auch mehr bezahlt wird. Immerhin ist das mit höheren Kosten für die Hersteller verbunden, aber es rettet Leben und durch eine schnellere Öffnung der Wirtschaft würde viel, viel mehr gewonnen, auch für den Staat an Steuereinnahmen und durch kürzere Hilfszahlungen.

    • Die Fragestellung ist tatsächlich missverständlich. Man hätte präzisieren können: Zur Förderung der Auftragsfertigung (z.B. Sanofi, Bayer u.a. haben bestehende Anlagen für die Auftragsfertigung zugelassener Impfstoffe umgerüstet), Realisierung nicht geplanter und kalkulierter Kapazitätenerweiterung (mit zunehmendem Wettbewerb einerseits und Bedarfsdeckung andererseits muss auch ein späterer Kapazitätenüberhang kalkuliert werden).

      • Wenn ich für Impfstoff als Staat eine Zusatzprämie zahle, für schneller gelieferten Impfstoff, dann haben andere Staaten das Nachsehen. Um dieses Nachsehen zu kompensieren gehen Staaten hin, die es sich leisten können und zahlen noch höhere Prämien nach dem Motto, je höher die Prämie, je schneller die Lieferung.
        Die Quinteszens wird sein, dass die Hersteller ihren Impfstoff knapp halten, um höhere Erträge zu erzielen. Man darf den Impfstoff nicht dazu nutzen, einen monetären Wettbewerb in Gang zu setzen. Ihr Argument rettet keine zusätzliche Leben, da die Leben dort verloren gehen, wo keine Zusatzprämien gezahlt werden.
        Ich habe nichts gegen ihre Antwort, die Frage hätte aber so nicht gestellt werden dürfen, weil sie eine klare hintergründige Richtung aufzeigt.

      • Sie haben die Frage tatsächlich missverstanden. Es wurde explizit nach Prämien für zusätzlichen Impfstoff gefragt, nicht zur bevorzugten Zuteilung einer fest begrenzten Menge. Letzteres kann tatsächlich zu einem Bieterwettbewerb führen, bei dem die EU allerdings bislang keinen Vorteil, sondern das Nachsehen hat. Die Prämie für zusätzliche Impfstoffe muss auch nicht einfach aus einem höheren Kaufpreis bestehen, sondern könnte z. B. gezielt für das schnelle Bereitstellen zusätzlicher Produktionskapazitäten gezahlt werden. Ohne solche Anreize ist es für die Hersteller betriebwirtschaftlich sinnvoller, die Produktion über die Zeit zu strecken.

    • Ja, aber extrem schlechte. Die Politiker schließen lieber ganze Branchen und bereichern sich an Maskenbestellungen, statt ordentlich und zügig Impfstoffe zu bestellen und an die Impfwilligen zu bringen. Bei den Schnelltests sind auch ALDI und die Apotheken schneller als die Regierung.

      • Ja, die aktuelle Versorgung mit Impfstoff, Schnelltests und Masken ist ein schulbuchtaugliches Beispiel dafür, dass der Staat die Versorgung immer am schlechtesten macht.

        Seit gut einer Woche gibt es überall in der Dominikanischen Republik mobile Impfzentren. In der ersten Stufe werden jetzt die über 60-jährigen, Ärzte, Pfleger, Polizei und Militär geimpft. In den nächsten Wochen kommen dann alle anderen dran, auch für Ausländer mit Aufenthaltsgenehmigung kostenlos. Eigentlich wollten sich meine Frau und ich nicht impfen lassen. Aber wir müssen im Mai nach Deutschland fliegen, über den Sommer dort arbeiten (wenn wir Arbeit finden?) und spätestens im November wieder in die DomRep zurückkehren. Es könnte gut sein, dass wir bis dahin in Deutschland noch immer nicht beim Impfen dran sind, Fluggesellschaften dann aber nur Geimpfte befördern. Das Risiko zwangsweise einen häßlichen Winter in Deutschland zu verbringen, möchte ich nicht eingehen… 🙂

      • Warum arbeiten Sie nicht in der DomRep bzw. warum muss es ausgerechnet Deutschland sein?

      • Ich lebe hier nicht in einer touristischen Zone und die Durchschnittseinkommen liegen nur bei ca. 200 US $. Selbst ein General verdient nur ca. 1.000 US $. Es fehlen mir noch ein paar Jahre bis zur Rente mit 63 (wenn das nach der BT-Wahl nicht geändert wird). Außerdem habe ich auch Familie und Eigentum in Deutschland. Wer hätte ab Mitte Mai eine Job für mich…?

      • Ein Renteneintritt mit 63 ist eigentlich nicht mehr abschlagsfrei möglich. Was für eine Art von Job suchen Sie denn bzw. könnten Sie erledigen?

      • Die globalen ökonomischen Unterschiede sind wirklich auffällig. In San Francisco bekommen Sie unter $2000 keine Wohnung.

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