Röttgen will lieber schlecht als gar nicht regieren

Am Samstag soll endlich der neue CDU-Vorsitzende gewählt werden. Der Außenseiterkandidat Norbert Röttgen schießt dabei im Interview mit der Augsburger Allgemeine gegen die FDP:

Kann ja sein, dass die FDP jetzt auf einmal wieder auf die Idee gekommen ist, dass der Sinn von Politik auch darin bestehen könnte, zu gestalten, zu entscheiden und zu regieren. Doch die FDP hat ein historisches Versagen zu verantworten, indem sie sich nach zwei Großen Koalitionen einem neuen Anfang und der Regierungsverantwortung verweigert hat. Das werden die Wähler nicht vergessen. Auf eine Partei, die mal Lust hat zu regieren und dann wieder nicht, kann man sich nicht verlassen. Das sind unsichere Kantonisten, auf die ich nicht setzen würde.

Das ist gleich mehrfach falsch. Nach der ersten Großen Koalition von Frau Merkel trat die FDP durchaus in eine Regierung mit ihr ein, was der FDP und dem Land gar nicht gut bekommen ist. Die FDP flog in der Folge erstmals aus dem Bundestag. Bei den Koalitionsverhandlungen 2017 sollte sie dann wieder über den Tisch gezogen werden. Die FDP wollte durchaus regieren, aber nicht um jeden Preis, so wie es Herr Röttgen offenbar plant. Unvergessen ist seine historische Wahlniederlage, in die er 2012 die CDU in NRW führte. Danach wollte er nicht länger im Land für die CDU tätig sein, sondern lieber in Berlin Minister bleiben, bis ihn Frau Merkel vor die Tür setzte.

Aber auch sonst erzählt er einigen Unsinn in dem Interview. So meint er zu seiner Bewerbungsrede beim virtuellen Parteitag: „Als Redner spricht man in eine dunkle Kamera hinein. Man spürt nicht, wie die Delegierten reagieren, kann nicht mit ihnen inter-agieren. So etwas lässt sich nicht üben.“ Gerade das einsame Sprechen in eine Kamera kann man jedoch üben, während bei der Interaktion mit vielen Menschen in einem Raum sehr viel passieren kann, was sich eben nicht üben lässt. Wichtiger ist, dass er sich für eine Frauenquote ausspricht, nur nicht an der Parteispitze. Außerdem lobt er Markus Söder für die gute Kommunikation (seiner schlechten Corona-Politik): „Ich finde, was Markus Söder in dieser Krise auszeichnet, ist seine klare Kommunikation.“ Da kann ich nur hoffen, dass keiner von beiden Kanzler wird.

29 Gedanken zu „Röttgen will lieber schlecht als gar nicht regieren

  1. Röttgen ist seit seiner Jugend ein Linksausleger in der CDU und Mitglied der „Pizza Connection“, die seit vielen Jahren die Union anschlussfähig an die Grünen machen will. Auch wenn Merkel ihn zum Bauernopfer gemacht hat, liegt er doch inhaltlich voll auf ihrer Linie.

    Es ist richtig, dass die FDP in der Regierung 2009-2013 sehr wenig geleistet hat, Merkel sie aber auch an ihrem langen Arm quasi verhungern ließ, weil sie schon immer lieber mit linken Kräften sympathisiert hat. Die große Chance, die Euro/Griechenland-Rettungspakete, wie von Frank Schäffler anregt, zu blockieren, hat die FDP leider nicht genutzt, was die Gründung der AfD damals vielleicht sogar hätte überflüssig gemacht.

    Wer Röttgen will, kann auch gleich Merkel behalten!

  2. Ich traue den ?DU-Funktionären jede Schweinerei und jede Dummheit zu. Aber wenn sie den Röttgen wählen, wäre das politischer Selbstmord. Und so blöd sind die nun auch wieder nicht.

    Also wird Röttgen weder schlecht noch gut sondern gar nicht regieren.

  3. ….Danke, möchte zu Norbert Röttgen ein für mich – und viele andere – riesiges Desaster ergänzen. Fast vergessen aber auf der ganzen Welt präsent.

    Norbert Röttgen als Umweltminister und E 10 „Biosprit“ . Wie die Grüne Partei wohlklingend und doch so falsch “ ….aus nachwachsendem Rohstoff “ machte er Werbung für den Bio – Sprit und setzte sich durch.

    Ergebnis – voraussehbar – Monokulturen in Deutschland, in Brasilien, Indonesien werden Urwälder jeden Tag hektarweise gerodet. Umweltschaden für den ganzen Erdball.

    Monokulturen haben Deutschlands Umwelt fundamental geschadet, Tierwelt, Klima, Böden ausgelaugt, irre viel Steuergeld wird subventioniert und dann verbrannt oder über den Auspuff ausgeblasen. Sinnlos für die Umwelt, gut für profitable Landwirtschaft.

    E 10 als Billigware taugt so viel wie Norbert Röttgen als CDU – Vorsitzende und analog die Zustimmung , Beliebtheit einer breiten Bevölkerungsschicht in Deutschland zur E 10 Tanke.

    • Guter Punkt. Auch darin ist er den Grünen nahe, dass seine Umweltpolitik dieser mehr geschadet als genutzt hat. Das gilt auch für den deutschen Atomausstieg wegen eines Tsunamis in Japan, wenngleich dafür Frau Merkel die Hauptverantwortung trägt.

      • Wie die NOx- Affaire war die Einbeziehung nachwachsender Rohstoffe in die Umweltpolitik bereits bei Helmut Kohl angelegt. Zu dessen Zeit wurden Palmöl-Produkte in temperierten Transportern von deutschen Häfen zu – geförderten – Blockheizkraftwerken zur Verfeuerung gebracht. Eine Erfindung von Klaus Töpfer (?), dessen Gelber Sack eine ebenso unausgegorene Sache war.

    • Bleibt noch anzumerken, dass die meisten Benziner mit E10 deutlich mehr verbrauchen als mit E5 (nach meiner persönlichen Erfahrung bei zügiger Fahrt etwa 5% bis 8% Mehrverbrauch). Das führt nicht nur den vermeintlichen Preisvorteil an der Tankstelle, sondern auch die ganze CO2-Diskussion ad absurdum.

      • Genau so ist es. Die typische Rosstäuschernummer vermeintlicher Ökopolitik.

  4. Bin ich denn der einzige, der hier für Merz stimmt? Wenn ihr jetzt mal nachdenkt, wäre, wirtschaftlich und finanzpolitisch gesehen, Laschet doch eine Katastrophe. Gerade wenn die Pandemie zu Ende geht, sind diese beiden Felder für Fehler sehr empfindlich. Also, Merz muss nach oben.

    • Im Beitrag geht es nur um Herrn Röttgen. Herr Merz ist wohl der beste der zur Wahl stehenden Kandidaten, wobei wir nicht mitwählen dürfen. Aber Herr Laschet hat auch gute Chancen und wäre ein besserer Kanzler als Herr Söder oder gar weiter Frau Merkel.

      • Markus Söder ist schlimmer als Merkel. Er ist charakterlich völlig ungeeignet für jedes höhere Amt. Seine Wahl als Kanzler wäre eine einzige Katastrophe. Die FDP wird zunehmend gänzlich aus dem System ausgeschlossen. Die FDP könnte davon profitieren, wenn sie die Rolle als Ausgestoßener mit erhobenem Haupt und klarer, aber nicht verbitterter, Kante ausfüllen würde. Möglicherweise sollte die FDP mit Kubicki in den Wahlkampf ziehen. Das wird Lindner nicht zulassen, aber mit Kubicki wäre ein zweistelliges Ergebnis denkbar. Mit Lindner wird es schwierig, überhaupt die 5-Prozent-Hürde zu überwinden.

      • Herrn Söder halte ich auch für völlig ungeeignet, aber das macht ihn weniger schlimm als Frau Merkel. Er könnte sich nicht 16 Jahre als Kanzler halten, vielleicht nicht einmal vier.

        Die FDP macht zu wenig aus ihren Möglichkeiten, was insbesondere an Herrn Lindner liegt. Die tiefere Ursache ist jedoch liberale Prinzipienlosigkeit. Liberalismus wird mit Opportunismus verwechselt, der jedem kurzfristigen Vorteil nachläuft und deshalb langfristig völlig in die Irre führt (wie Frau Merkel das ganze Land). Bezeichnend ist dieses offene Plädoyer dafür, dem Zeitgeist nachzulaufen: „Die Liberalen sind keine weinerlichen Underdogs“.

      • Ich bin kein sonderlicher Anhänger von Friedrich Merz. Letztlich tingelt er auch nur mit kernigen Sprüchen durch die Talkshows. Armin Laschet regiert immerhin das größte Bundesland und macht diese Arbeit alles in allem gar nicht so schlecht.

      • Herr Laschet wäre eine Verbesserung gegenüber Frau Merkel, aber einen echten Bruch gäbe es nur mit Herrn Merz. Dass Herr Merz langfristig ein guter Kanzler wäre, glaube ich auch nicht. Wahrscheinlich schmeißt er bald wieder hin, vielleicht schon in schwierigen Koalitionsverhandlungen, was allerdings mit dem Risiko verbunden wäre, dass Frau Merkel doch noch weitermacht.

      • Manchmal hat auch die vielgescholtene Merkel einen lichten Moment. Der Rauswurf Röttgens ist zwar schon länger her, aber er war so einer.

      • …es wurde ein Bauernopfer gebraucht, wofür Röttgen geeignet war. Ich hatte aber damals kein Mitleid mit ihm und werde auch keines mit ihm haben, wenn er nicht CDU-Vorsitzender wird, denn Röttgen steht für alles, warum ich die CDU schon Anfang der 90er verlassen haben.

      • Nein, für Rot-Rot-Grün wird es keine Mehrheit geben. Es gäbe sogar mehr Stimmen für Schwarz-Grün durch Herrn Merz, weil durch ihn zwar Stimmen von der CDU zu den Grünen wandern würden, er aber andere Stimmen für die CDU hinzu- bzw. zurückgewinnen könnte.

      • Muss man vor R2G noch Angst haben? In den fast 16 Merkel-Jahren, davon 12 in großer Koalition, haben die Grünen doch indirekt immer mit auf der Regierungsbank gesessen. Es waren/sind jedenfalls schlimmere Jahre, als die 7 Jahre Rot/Grün unter Schröder und Fischer.

      • Wo wäre der Unterschied?
        Die Genossen von Schwarz, Rot und Grün gleichen sich doch ideologisch wie ein Ei dem anderen.

      • Herr Schröder hat durchaus eine andere Politik gemacht als Frau Merkel. Davon war auch nicht alles gut, aber in Summe war sie besser. Nun ist Herr Scholz nicht Herr Schröder, aber es kommt auch nicht nur auf den Kanzler an, sondern z. B. auch eine ernsthafte Opposition.

      • Schröder ist 1998 Kanzler geworden und wurde 2005 von Merkel abgelöst.
        Das ist lange her. Aber seit Merkel Kanzlerin ist, ist die DDRisierung weit fortgeschritten.

      • Das ist doch genau der Punkt. Nicht unter Herrn Schröder, sondern unter Frau Merkel ist es schlimmer geworden. Inzwischen sind wir in wesentlichen Bereichen weniger frei als in der DDR.

      • So ist es. Selbst unter Gerhard Schröder war die Regierungspolitik besser als unter Kohls FDJ-Mädel.

  5. Pingback: Laschet neuer CDU-Vorsitzender | Alexander Dilger

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