Sperren von Trump und Parler

Nun wird nicht nur in Deutschland und der EU, sondern auch in den USA die ‚Meinungsfreiheit faktisch eingeschränkt‘. ‚Trump-Anhänger stürm[t]en [das] Kapitol […]‘, woraufhin dem noch immer amtierenden Präsidenten der USA die Accounts von Facebook, Instagram und Twitter gesperrt wurden. Dabei handelt es sich um die Entscheidungen privater Unternehmen und kein ‚Netzwerkdurchsetzungsgesetz soll Zensur durchsetzen‘ in den USA. Solange es Alternativen gibt, ist die Meinungsfreiheit nicht in Gefahr, da sie nicht impliziert, dass jeder überall seine Meinung verbreiten darf oder gar andere gegen ihren Willen sie anhören oder lesen müssen.

Das eigentliche Problem ist deshalb auch nicht die Sperre von Donald Trump durch einige soziale Medien, während echte Diktatoren und explizite Gewaltaufrufe dort weiter prominent vertreten sind, sondern Folgendes: „Ein Rückzugsort für Trump-Fans wird unerreichbar“. Facebook und Google haben die Möglichkeit des Herunterladens der jeweiligen App vom relativ neuen sozialen Netzwerk Parler gestoppt. Im nächsten Schritt könnten sie die App vom unliebsamen Konkurrenten ganz deaktivieren, der dann allerdings immer noch über das Internet erreichbar wäre, auch über Smartphones, nur eben umständlicher. Deshalb ist es viel bedenklicher, dass Amazon diese Nacht Parler von seiner Cloud-Plattform AWS verbannt. Damit kann Parler vorerst gar nicht mehr im Internet operieren und muss sich entweder einen anderen Anbieter suchen oder selbst hinreichend Server kaufen und betreiben.

Von der Grundidee her ist Parler übrigens besser als Twitter (und Facebook):

Die Plattform funktioniert ganz ähnlich wie Twitter, mit zwei entscheidenden Unterschieden. Nutzer, die sich gegenseitig folgen, sehen die Updates, genannt „Parlays“, der abonnierten Nutzer. Bei Parler entscheidet jedoch kein Algorithmus, was die Nutzer prominent zu sehen bekommen. Sie sehen alle Posts der von ihnen abonnierten Kanäle in umgekehrt chronologischer Reihenfolge, die neuesten zuerst. Anders als Facebook und Twitter sammelt Parler auch nicht Unmengen an Daten der Nutzer, um ihnen personalisierte Werbung anzuzeigen.

Außerdem finde ich die größere Meinungsfreiheit als Liberaler grundsätzlich besser. Gewaltaufrufe und andere eindeutig illegale Beiträge sollten allerdings gelöscht werden, aber das tun die etablierten sozialen Netzwerke ebenfalls nicht systematisch, sondern sehr selektiv, wobei ihre Algorithmen solche Sachen auch noch besonders stark verbreiten. Wichtig bei sozialen Medien ist natürlich vor allem, wer sonst noch so dort ist. Das scheint bei Parler bislang recht einseitig zu sein, was sich vielleicht noch ändert oder noch weiter verstärkt, was den öffentlichen Diskurs noch weiter spalten würde.

30 Gedanken zu „Sperren von Trump und Parler

  1. Der Tenor des Posts ist insgesamt unglaubwürdig, da Sie auf Ihrem Blog häufig Personen sperren oder Beiträge aus wenig nachvollziehbaren Gründen nicht freischalten. Zwar gibt es andere politische Plattformen im deutschsprachigen Raum, aber auch nicht viele, schon gar nicht für liberale Gedanken. Fairer wäre es, wenn alle Beiträge erscheinen dürften und dann ggf. nachher gelöscht würden.

    • Ich sperre nur ganz selten Personen bei groben Regelverletzungen nach Verwarnung, wobei es häufig auch noch dieselben mit verschiedenen Pseudonymen sind. 72.115 Kommentare wurden freigeschaltet und 783 nicht (wenn man von reinem Spam absieht, den meist das System schon ausfiltert), weil sie ebenfalls nicht den Regeln entsprachen, häufig keinerlei sachlichen Inhalt hatten oder die Personen schon gesperrt waren. Eine spätere Löschung ist problematischer, insbesondere wenn es schon eine Diskussion dazu gab.

      Jeder kann doch einfach seinen eigenen Blog betreiben oder über soziale Medien posten, was er will. Zu meinem Blog gibt es wirklich genug Alternativen und Wettbewerb. Zur Meinungsfreiheit gehört auch, dass jeder seinen Blog so gestalten darf, wie er es für richtig hält, und nicht alle Blogs gleich sein müssen. Wo gar nicht moderiert wird, verdrängen häufig die Pöbler die inhaltlich Interessierten.

      • Manchmal schreibe auch ich schneller, als sachlich zu denken. Daher wurde hier mein ein oder anderer launischer Kommentar nicht freigeschaltet. Aber wir alle sollten respektieren, dass es der persönliche Blog von Herrn Dilger ist und er das „Hausrecht“ hat. „Liberal“ (im deutschen Sinne) heißt nicht, dass jeder machen kann, was er will…!

      • Alle Kommentare von Ihnen mit einer sachlichen Aussage habe ich freigeschaltet. Im Übrigen soll jeder möglichst machen können, was er will, aber das findet eben manchmal seine Schranke beim Willen und der entsprechenden Freiheit anderer. Konkret ist mein Wille in meinem Blog stärker, was ich aber nicht ausnutzen möchte. Wer sich trotzdem eingeengt fühlt, hat genug andere Möglichkeiten, um sich auszudrücken.

      • In den Kommentaren zum neuesten Blogbeitrag wetzen Sie doch bereits wieder die Messer… Geben Sie es doch zu, ein bisschen genießen Sie die Macht, die Sie hier über Kommentare bzw. Nutzer haben.

      • Wenn Sie diese Kommentare von Herrn Meister (300sel) für sinnvoll halten, warum führen Sie dann nicht zusammen anderswo eine Trolldiskussion? Ich mag das überhaupt nicht und habe deshalb schon mehrfach überlegt, entweder den ganzen Blog oder zumindest die Kommentarfunktion zu schließen.

      • Gehört nicht zur Wahrheit, dass viele Ihrer Blogbeiträge solche Kommentare anziehen?

      • Zur Wahrheit gehört, dass es fast überall im Internet solche Probleme gibt, nur der Umgang damit ist verschieden. Die Grundsätze, möglichst jeden Beitrag freizuschalten und sachlich zu diskutieren, stehen leider in einem gewissen Spannungsverhältnis zueinander.

  2. Es sind – im Unterschied zu China und Russland – jedenfalls privatwirtschaftliche Initiativen. Und ich halte es schon für etwas unglücklich, liberale Prinzipien ausgerechnet gegen das Recht von Verfassungsfeinden auf Publizität abzuwägen. Das ist die „reine Lehre“, der ich politisch nicht folge. Wenn aber hinter den hehren Absichten der bestehenden sozialen Medien Konkurrenz-Abwehr stehen sollte: Auf Dauer sollten sich diese -wie auch Amazon – vor Zerschlagung nicht sicher fühlen.

    • Die Meinungsfreiheit ist ein extrem wichtiges Grundrecht. Einzelne private Unternehmen müssen sie nicht jedem vollumfänglich gewähren, aber die Gesamtheit der sozialen Medien sollte sie auch nicht willkürlich beschränken. Deshalb halte ich das Ausschalten des Konkurrenten Parler für problematischer als die Facebook- und Twitter-Sperren von Donald Trump, wobei es schon bemerkenswert ist, dass der US-Präsident zensiert wird. In den meisten Ländern wäre es umgekehrt, dass der Präsident seine Kritiker zensieren und freche Unternehmer zur Rechenschaft ziehen würde.

      Die Meinungsfreiheit ist nicht nur ein Individualrecht, sondern auch für eine funktionierende Demokratie wichtig. Einzelnen Verfassungsfeinden könnte sie beschränkt werden, aber auch hier ist zu beachten, dass der US-Präsident gesperrt wurde, der zwar nicht wiedergewählt wurde, aber immer noch im Amt ist und 74 Millionen Stimmen erhielt. Soll wirklich fast die Hälfte der Wähler systematisch ausgegrenzt werden?

      • “ . . .Soll wirklich fast die Hälfte der Wähler systematisch ausgegrenzt werden?“

        Die Medien-Verantwortlichen werden die Motivation der Trump-Wähler anders als Sie einschätzen. Es sind schließlich auch deren Kunden.

      • @Klaus Wolfgang Berger
        „Die Medien-Verantwortlichen werden die Motivation der Trump-Wähler anders als Sie einschätzen. Es sind schließlich auch deren Kunden.“

        (A)“Soziale Medien“ sind Global Player. 75 Mio. Trump-Anhänger in den USA fallen da insgesamt nicht so sehr ins Gewicht.

      • Vor allem sind die Nutzer der sozialen Medien nicht deren zahlende Kunden. Sie werden nur benötigt, um Werbeeinnahmen zu generieren.

      • So ist es. Die Zahl der Nutzer (mitunter auch deren „Qualität“) ist letztlich nur Kalkulationsgrundlage für die Werbepreise und sonst nichts.

    • KI könnte bereits jetzt helfen, problematische Inhalte zu erkennen. Dasselbe gilt für andere Nutzer, wobei am Ende Menschen darüber entscheiden müssen. Es gibt hier öffentlichen Druck in beide Richtungen, aber die Konzerne scheinen rein opportunistisch stets auf Seiten der jeweiligen (oder jetzt unmittelbar nachfolgenden) Regierung zu stehen.

  3. Hat die reale Welt keine ernsteren Probleme als sich tagein, tagaus prominent auf analogen und digitalen Titelseiten mit der Sperrung oder Nichtsperrung von Twitteraccounts und der virtuellen Parallelwelt der asozialen Medien zu befassen?

      • O-Ton Alexander Dilger an anderer Stelle in diesem Blog:
        „Wer sich trotzdem eingeengt fühlt, hat genug andere Möglichkeiten, um sich auszudrücken.“

      • Das gilt für meinen Blog, aber nicht unbedingt für die großen Internetkonzerne, wenn sie neben dem US-Präsidenten auch ihre eigenen kleineren Wettbewerber sperren.

  4. Wenn man gegen die Regeln verstößt, wird man gesperrt oder erst verwarnt oder ähnlich. Facebook und Twitter sind private Unternehmen und deren Regeln sind einzuhalten. Meinungsrecht, Freiheit und Meinungsfreiheit, Zensur und persönliche Unterschiede spielen doch überhaupt keine Rolle. Wer gegen die Regeln verstößt, kann auch auf rechtlichem Weg keinen Zugang erzwingen. FB und Twitter könnten auch morgen den Laden dicht machen und 2 Wochen später wieder aufmachen. Sie können sogar dem Präsidenten eines Staates sagen, mach dich vom Acker. Einem Präsidenten, der den Koffer in der Hand hält, und auf Knopfdruck die ganze Welt zerstören kann.

    • Der US-Präsident hat diese Macht nicht. Formal benötigt er sowieso die Zustimmung des Verteidigungsministers, um einen Atomschlag auszulösen. De facto können dann auch noch diverse andere Personen in der Befehlskette verhindern, dass ein Angriff erfolgt.

      • Ein US-Präsident, der wirklich einen Atomkrieg wollte, könnte ihn durchaus herbeiführen. Aber das wollte zum Glück noch nie einer (im Gegensatz zu einigen Militärs weiter unten in der Befehlskette).

    • Das Problem sind die Willkür und der Opportunismus bei den Sperren. Donald Trump durfte über viele Jahre viel schlimmere Sachen schreiben als die, für die er nun gesperrt wurde. Andere schreiben noch viel schlimmere Sachen ohne jede Konsequenz. Es sind auch schlimme Diktatoren dort vertreten, nur der US-Präsident nicht mehr, der überhaupt keinen Krieg angefangen hat und in den letzten Tagen auch keinen Atomkrieg mehr starten wird.

    • Keine Sorge, Herr Krebs. Donald Trump wird den Roten Knopf nicht drücken. Da gibt es sehr viel realere Bedrohungen unserer Freiheit und unseres Lebens. Auch hier in Europa.

      • 300sel, immerhin wissen sie schon mal, dass dieser Knopf rot ist. Sie stecken mit Trump sicher unter einer Decke.

      • Klar. Ich passe auf, dass Donald den Knopf nicht drückt. Jetzt wo er nicht mehr twittern kann, muss er sich ja eine Ersatzbeschäftigung suchen! 😎

    • Es gibt viele Punkte, bei denen man den US-Präsidenten von Kompetenzen entlasten könnte. Denken Sie etwa an all die Executive Orders, die in der Vergangenheit getätigt wurden.

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