Sparquote auf Rekordniveau

„Die Deutschen sind 393 Milliarden Euro reicher“ geworden im letzten Jahr. Das Geldvermögen stieg auf 7,1 Billionen Euro. Vor allem stieg die Sparquote auf einen Rekord von schätzungsweise 16 oder sogar 17 Prozent. 2019 lag sie noch bei 10,9 Prozent und der bisherige Rekord (im wiedervereinigten Deutschland) betrug 12,9 Prozent in den Jahren 1991 und 1992. Der Grund für den aktuellen Rekord sind die Corona-Pandemie bzw. die Maßnahmen dagegen. Viele sparen aus Angst vor Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit. Die Schließungen im Einzelhandel waren ein weiterer Grund, aber vor allem die Beschränkungen bis hin zu Verboten von vielen Dienstleistungen.

Für vieles, wofür wir bislang unser Geld ausgegeben haben, dürfen wir es nicht mehr. Das ist ‚Verdeckte Inflation durch Corona-Maßnahmen‘ oder eigentlich noch schlimmer eine Kommandowirtschaft, bei der das Geld seine Steuerungsfunktion verliert. Bei Lockerung der Maßnahmen rechne ich für mich und die gesamte Volkswirtschaft mit wieder zunehmenden Konsumausgaben, aber keinem Nachholen des ausgefallenen Konsums. Ausgefallene Haarschnitte lassen sich schlecht nachholen, der Hunger wird auch nicht größer und für Reisen bleibt die Zeit knapp, für mich in unserer Familie übrigens noch am wenigsten, doch meine Frau muss in Dortmund arbeiten und unser Sohn in die Schule gehen, in die unsere Tochter dieses Jahr kommen soll.

26 Gedanken zu „Sparquote auf Rekordniveau

  1. Also durch Kurzarbeit bin ich nicht reicher geworden. Aber viele glückliche Staatlich oder Städtisch Angestellte und Beamte haben da mehr Glück. Meine Tochter als Kita Erzieherin hat da so einiges an Zulagen und Weihnachtsgeld, neben dem vollen Gehalt, bekommen. In der „freien“ Wirtschaft siehts anders aus. Aber die Kosten werden wir wieder voll mittragen müssen. Der Staat schenkt nichts, er verteilt nur um.

    • Der ÖD erlebt gerade einen Boom. Daran dürfte sich dank guter medialer Lobbyarbeit und monetärer Staatsfinanzierung die nächsten Jahre auch nichts ändern. Langfristig hängt freilich auch das Schicksal des ÖD am Erfolg der gesamten deutschen Volkswirtschaft.

      • Ja, es kommt auf den Erfolg der gesamten Volkswirtschaft an, zu dem ein gut funktionierender öffentlichen Dienst allerdings beitragen kann. Das Problem sind doch auch nicht die normalen Angestellten und Beamten, sondern die Politiker an der Spitze.

  2. Lieber Alexander,
    da Du demnächst nicht mehr im EFH leben darfst wenn die Grünen an die Macht kommen kannst Du jetzt schon mal Üben und deine leeren Zimmer mit Senioren füllen. siehe diesen Bericht:

    Grüner Vorschlag 2020: Alte in Wohngemeinschaften statt 1-Familien-Häuser – was ist mit Corona? (neopresse.com)

    In Köln wollen die Grünen die EFH verbieten, in Dormagen 20 km weiter darf nur ein EFH auf 5.000 m² Grundstücken gebaut werden mit jeweils einer Küche und einem Badezimmer.

    Wie wäre es mit eine Wohnungsbau Partei?

  3. Es bleibt abzuwarten, wie die Eingriffe in die Wirtschaft auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Erfüllen sich die Erwartungen an den ePkW-Absatz ? Setzt sich die Auslagerung von Werkbänken ins Ausland infolge der Energie- Politik weiter fort ?
    In der Print-Ausgabe des „Spiegel“ 1-2021 haben Frank Dohmen, Alexander Jung unter der Überschrift „Grüne Staatswirtschaft“ ein für dieses Blatt erstaunliches, geradezu vernichtendes Urteil über die deutsche Energiewirtschaft gefällt. Mir scheint alles Bemühen der GROKO derzeit darauf gerichtet zu sein, bis zur Bundestagswahl über die Runden zu kommen.

    • Frau Merkel fährt doch explizit nur auf Sicht, die noch einmal kürzer geworden sein sollte. Es gibt keinerlei Pläne über nächsten September hinaus. Selbst der Lockdown wird von Woche zu Woche geplant und ist nicht Teil einer auch nur mittelfristigen Strategie.

  4. Meine Sparquote ist gestiegen, aber Konsum wird allenfalls partiell nachgeholt werden. Was ich unbedingt brauchte, habe ich via Amazon auch im Lockdown bekommen. Vielleicht wird man hier und da mal mehr ins Restaurant gehen, eine kleine Urlaubsreise mehr anstreben. Dann ist die Freizeit aber bereits voll. Und nach einigen Monaten kehrt man ohnehin in einen Normalzustand zurück.

    Obendrein sparen vor allem jene Haushalte mehr, die ohnehin bereits eine hohe Sparneigung haben. Einigen hochbezahlten Arbeitskräften wird es aber v.a. in der Industrie an den Kragen gehen.

    Gute Chancen sehe ich hingegen für den Immobilienmarkt, wo das gestiegene EK eine höhere Kreditaufnahme ermöglicht. Allerdings darf die Arbeitslosigkeit im Bereich des zahlungskräftigen Klientel nicht zu stark ansteigen. Zumindest die großen Industiebetriebe dürfen demnach nicht zu sehr abbauen.

    • Zumindest bislang wurde die meisten Unternehmen und Arbeitsplätze geredet. Das ist aber keine Dauerlösung, insbesondere wenn es den Strukturwandel aufhält, der durch die Maßnahmen noch einmal beschleunigt wurde.

  5. Theoretisch könnten teure langlebige Konsumgüter von den höheren Ersparnissen profitieren. Das Auto wäre ein klassisches Beispiel. Allerdings hat man hier das Problem, dass man sich aktuell verbotsbedingt nur noch ungern einen Verbrenner kauft, aber gleichzeitig E-Autos mit dem aktuellen technologischen Stand für jeden Zweck oberhalb des Zweitautos für Eigenheimbesitzer in der Vorstadt völlig untauglich sind. Vielleicht ist der Verbraucher blöd genug und kauft trotzdem. Das böse Erwachen und das Chaos an den Zapfsäulen dürfte kommen.

    • Genau das Beispiel trifft auf mich zu. Ich überlege ernsthaft, mir einen Neuwagen zuzulegen. Zwar wohne ich in der Stadt, aber perspektivisch zieht es mich in den ländlichen Raum und Autofahren macht einfach Spaß. Die Anti-Verbrenner-Politik verunsichert aber in der Tat und sorgt für eine gewisse Investitionsunsicherheit. Zudem wird Sprit immer teurer. Ein Elektroauto kommt für mich nicht in Frage, nicht nur wegen der geringen Reichweite. Ich habe einfach keine Lust, mit maximal 150 km/h auf der Autobahn rumzugurken. Aber vielleicht kommt auch deshalb bald ein Tempolimit auf Autobahnen, um uns die Lust auf Verbrenner weiter zu vergällen?

      • Mit 150 würden sie nicht mal 100 Kilometer weit kommen mit den meisten Autos. Das ist noch das viel größere Problem. 150 Km/h würden mir zumindest ausreichen. Das Limit, das die Politik anstreben wird, wird eher zwischen 100 und 120 Km/h liegen. Ein Auto, das nicht mal einen längeren Tagesausflug oder Wochenendtrip ermöglicht, ist in der Praxis als Erstauto völlig untauglich. Mit dem ID3 kommt man nicht mal von Stuttgart nach München unter realen Bedingungen und das soll ein Familienauto sein.

      • Reine E-Autos sind für normale Autofahrer weiterhin völliger Unsinn. Da würde ich besser mit dem Fahrrad nach Münster fahren.

      • Wenn Ihnen Autofahren Spass macht, sollten Sie perspektivisch überlegen, Deutschland zu verlassen, welches sich zum Autohasserland entwickelt, obwohl die Automobilindustrie immer noch die wichtigste Branche ist. Kurzfristig würde ein Hybridauto lohnen, welches steuerlich bevorzugt wird und Extrabeschleunigung durch den zweiten Motor erlaubt, der allerdings ordentlich wiegt und insgesamt mehr Sprit verbraucht statt spart. Langfristig dürfte es auch dafür Fahrverbote geben und gibt es auf jeden Fall keinerlei Planungssicherheit mehr.

      • Ihre Folgerung ist bitter, aber wahr, Herr Dilger.

        Der Kauf eines Plug-in-Hybrids wäre unter den gegebenen Umständen vielleicht rational(er), aber ich sträube mich dagegen, von einer umweltschädlichen Subvention im Namen des Umweltschutzes zu profitieren. Zudem könnte ich mir vorstellen, dass Hybridautos störungsanfälliger sind. Wenn überhaupt, finde ich Mild-Hybride zur Rückgewinnung der Bremsenergie (technologisch) sinnvoller. Dafür gibt es jedoch keine staatlichen Subventionen, wobei sich ein Mild-Hybrid von allein rentieren sollte, wenn sich tatsächlich Kraftstoff damit einsparen lässt.

      • Als Vielfahrer mit inzwischen etwa 4 Mio. kumulierten Kilometern Fahrpraxis rate ich Ihnen, sich das Auto zu kaufen, das ihren tatsächlichen Bedürfnissen am nächsten kommt. Für mich sind das Langlebigkeit, Sicherheit und Freude am Fahren. Zu Letzterem zählt auch, keinen sinnfreien Ballast wie komplexe Batteriesysteme an Bord zu haben und Fahrten nicht nach beschränkter Reichweite oder dem Vorhandensein von Ladestationen planen zu müssen. Damit scheiden Elektroautos für mich von vornherein aus. Egal ob vollelektrisch oder Hybride.

  6. Für unsere sozialistischen Politiker jeder Coleur ist die hohe Sparquote eine gute Nachricht, handelt es sich hier doch um Vermögen, über das sie jederzeit verfügen können, da die Bürger es nur für den Staat aufbewahren.

      • Eine Vermögensabgabe auf Staatsanleihen ist doch eine prima Sache. Da spart sich der Staat einen Großteil der Tilgung! Tragen Sie Ihr Geld direkt zum Staat, dann müssen sie es nicht mehr versteuern.

        Aber aufgepasst – es lauert noch mehr Enteignung!

        Änderung des Einkommensteuergesetzes

        Das Einkommensteuergesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Oktober 2009 (BGBl. I S. 3366, 3862), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 4. August 2019 (BGBl. I S. 1122) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:

        1.Nach § 20 Absatz 6 Satz 4 werden die folgenden Sätze eingefügt:
        „Verluste aus Kapitalvermögen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 dürfen nur in Höhe von 10 000 Euro mit Gewinnen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 und mit Einkünften im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 11 ausgeglichen werden; die Sätze 2 und 3 gelten sinngemäß mit der Maßgabe, dass nicht verrechnete Verluste je Folgejahr nur bis zur Höhe von 10 000 Euro mit Gewinnen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 und mit Einkünften im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 11 verrechnet werden dürfen. Verluste aus Kapitalvermögen aus der ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung, aus der Ausbuchung wertloser Wirtschaftsgüter im Sinne des Absatzes 1, aus der Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter im Sinne des Absatzes 1 auf einen Dritten oder aus einem sonstigen Ausfall von Wirt-schaftsgütern im Sinne des Absatzes 1 dürfen nur in Höhe von 10 000 Euro mit Einkünften aus Kapitalvermögen ausgeglichen werden; die Sätze 2 und 3 gelten sinngemäß mit der Maßgabe, dass nicht verrechnete Verluste je Folgejahr nur bis zur Höhe von 10 000 Euro mit Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden dürfen.“

        2.Dem § 52 Absatz 28 werden die folgenden Sätze angefügt:
        „§ 20 Absatz 6 Satz 5 in der Fassung des Artikels … des Gesetzes vom … [einsetzen: Ausfertigungsdatum und Seitenzahl der Verkündung des vorliegenden Änderungsgesetzes] ist auf Verluste anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2020 entstehen. § 20 Absatz 6 Satz 6 in der Fassung des Artikels … des Gesetzes vom … [einsetzen: Ausfertigungsdatum und Seitenzahl der Verkündung des vorliegenden Änderungsgesetzes] ist auf Verluste anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2019 entstehen.“

        Quelle: https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2019/0601-0700/649-19.pdf;jsessionid=994163D05E496D3D58EED7A2ECCCA424.1_cid365?__blob=publicationFile&v=1 (auf Seite 15)

      • Die Verlustverrechnung einzuschränken ist genau der falsche Weg auch und gerade in der aktuell selbst erzeugten Wirtschaftskrise.

      • Deshalb weise ich ja darauf hin.

        Mit derartigen Beschränkungen bzw. mittelbaren Steuererhöhungen wird die Risikoaversität von Privatinvestoren noch weiter beflügelt. Es darf nicht sein, was nicht sein soll. Mittelstand stirbt aus. China lässt grüßen und Deutschland wird weiter den Weg Venezuelas gehen.

  7. Viele Mendchen können es sich gar nicht leisten, etwas auf die Seite zu legen. Die Deutschen werden immer als „reich“ hingestellt, dann hat man „moralische Gründe, die noch mehr zu melken. In Wahrheit aber sind die Deutschen die Ärmsten (!) im EU-Vergleich:
    https://www.welt.de/wirtschaft/article115143342/Deutsche-belegen-beim-Vermoegen-den-letzten-Platz.html#:~:text=Median%2DVerm%C3%B6gen%3A%20Deutschland%20belegt%20laut%20EZB%2DStudie%20letzten%20Platz&text=Deutschland%20steht%20dagegen%20mit%20einem,ganz%20am%20Ende%20der%20Rangliste.

    • Dabei ging es um das Gesamtvermögen des Medianhaushalts. Da die Mehrheit der Deutschen keine Immobilien hat, sind diese für Deutschland gar nicht enthalten. Auch aktuelle korreliert die Ersparnis stark mit dem Einkommen und schon vorhandenen Vermögen.

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