Spahns dubiose Immobiliendeals

Jens Spahn halte ich für einen besonders schlechten Bundesgesundheitsminister. Doch solche politischen Bewertungen können natürlich unterschiedlich ausfallen, weshalb Politikerkarrieren auch selten daran scheitern, sondern häufiger an im Verhältnis viel unbedeutenderen, aber eindeutigeren Verfehlungen, die viel über ihren (Mangel an) Charakter aussagen. Bei der Bundesfamilienministerin ist es beispielsweise eine plagiierte Doktorarbeit (siehe ‚Familienministerin Giffey will trotz Plagiaten SPD-Vorsitzende werden‘ und ‚Giffey will erschwindelten Doktortitel nicht mehr führen‘), beim Bundesgesundheitsminister sind es dubiose Immobiliengeschichten.

So kaufte Herr Spahn mitten in der Corona-Pandemie eine Villa in Dahlem, was nicht verboten ist. Der Kaufpreis von 4,125 Millionen Euro und Kredite von der Sparkasse Westmünsterland, bei der er zuvor im Verwaltungsrat saß, werfen Fragen auf, doch der eigentliche Skandal waren seine Unterlassungsklagen gegen darüber berichtende Medien. Das „Grundbuchamt nennt Kaufpreis für Spahns Millionen-Villa“ ganz offiziell und rechtmäßig.

Nun kommt ein noch doch deutlich größerer Skandal hinzu, bei dem es sich vielleicht sogar um Korruption handelt. „Wie Jens Spahn einen alten Freund in einen Top-Job holte“ und ihm dort das Gehalt kräftig erhöhte, ist jedenfalls nicht koscher, insbesondere da er von ihm, Markus Leyck Dieken, zuvor eine Wohnung für 980.000 Euro in Schöneberg gekauft hatte. Herrn Spahn gehört mindestens noch eine dritte Immobilie, ebenfalls in Schöneberg gelegen, die er an den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner vermietet.

Der „CDU-Wirtschaftsflügel verweigert Spahn Unterstützung“ bei seiner Kandidatur als stellvertretender CDU-Vorsitzender, obwohl die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) seine Parteikarriere bisher sehr gefördert hat. Hintergrund sind jedoch weder seine Gesundheitspolitik noch seine Immobiliengeschäfte, sondern seine Teambildung mit Armin Laschet, während MIT die Kandidatur von Friedrich Merz für den CDU-Vorsitz unterstützt.

29 Gedanken zu „Spahns dubiose Immobiliendeals

  1. Unvergessen seine Einschätzung zum Coronavirus im Januar: „Wir sind gut vorbereitet“ (https://www.zdf.de/nachrichten/politik/coronavirus-jens-spahn-deutschland-pandemieplaene-100.html).

    Hat er eigentlich jemals offengelegt, woher er selbst sich den Coronavirus zugezogen hat? Das muß ja aus seiner Kontaktliste leidlich hervorgehen können. Privat ist zwar privat, aber wenn man der erste coronapositive Minister im Bundeskabinett ist und damit die politische Funktionsfähigkeit des Landes latent bedroht, dann wird das Private auch zum Politischen. Dann hat die Öffentlichkeit auch ein Recht zu erfahren, wie er sich angesteckt hat.

    • Vor allem ist Herr Spahn der Bundesgesundheitsminister, der quasi diktatorische Vollmachten fordert, um uns vor einer Infektion zu schützen, was er für sich selbst nicht hinbekommen hat. Natürlich hat ein Minister viele Kontakte, aber er kann meistens auch dabei die Bedingungen bestimmen. Unvergessen sind die Bilder, wie er sich einen Mund-Nase-Schutz nicht korrekt aufsetzen konnte und keinen hinreichenden Abstand einhielt, während er alle anderen dazu unter Strafandrohung verpflichtet.

    • Strache wird Filmstar, da muss der Spahn noch etwas üben und mehr bringen.

      „Jetzt wird die Ibiza-Affäre zur Serie: Sky erzählt in einem vierteiligen Politthriller wie das Skandal-Video um Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus entstanden ist. Die Serie deckt die Hintergründe auf, die zu dem schicksalhaften Treffen auf Ibiza geführt haben, und zeigt, wie das politische Drama seinen Lauf nimmt. ….“
      https://www.heute.at/s/sky-verfilmt-die-ibiza-affaere-als-serie-100118315

      Man sollte in einem Nebenstrang Streberlein Amthor auch einbauen.Opa Amthor und der jugendliche Held Strache gemeinsam auf Korsika mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll.

      • Strache hat seinen Zenit überschritten, Spahn hingegen läuft sich gerade erst warm … (war das jetzt ein Freud´scher Vertipper? 🤔)

  2. In der Politik darf man schwul sein, unfähig und korrupt. Das wird alles verziehen. Aber wenn man seiner Karriere nachhaltig schaden will, braucht man nur die falsche Meinung zu äußern oder die falschen Leute zu unterstützen.
    Spahn hat sich für letzeres entschieden.

    • Die falschen Leute unterstützt ? Das ist blauäugig: Da haben sich schon die richtigen Leute getroffen ! Das Problem für Spahn besteht allerdings darin, dass die Verwertung wirtschaftlicher Beziehungen im Internet-Zeitalter politisch in eine Sackgasse führen kann. Recherchiert der „Spiegel“ noch ? Oder wird da noch ein passenderer Zeitpunkt abgewartet, den Armin Laschet so richtig reinplumpsen zu lassen ? Bezüglich Markus Leyck Dieken- Gematik GmbH – war Spahn schon so clever, die (Personal-) Beratung Kienbaum zwischenzuschalten. Ein großer Verdienst unseres Kanzler-Pensionärs Christian Wulff war der Hinweis auf die „fruchtbaren“ Wechselbeziehungen zwischen Politik und Beratungsgesellschaften (sehr zum Missvergnügen meines Namensvetters Roland B.)

      • Wer sich auskennt, weiß, dass eine Beratungsgesellschaft genau denjenigen vorschlägt, den der Auftraggeber möchte. Herr Spahn hat also seinen Freund und Geschäftspartner gegen den Willen der anderen Gesellschafter durchgedrückt. Das ist auf jeden Fall unanständig.

    • Berichtigung: Christian Wulff ist natürlich einer unserer Bundespräsidenten-Pensionäre. Und die Feststellungen zur Rolle der Beratungsgesellschaften in der Politik hat er noch in seiner Funktion als MP von Niedersachsen getroffen- da war die Erinnerung noch frisch.

  3. Neuerdings wird ja Röttgen hofiert, der im Vergleich zu Laschet nochmal ein neuer Tiefpunkt wäre. Ich denke aber, dass Merz weiterhin das Rennen macht. Dann wird es spannend. Einerseits muss er aufräumen und die Kreide, die er gefressen hat, wieder ausspucken. Andererseits werden Merkel und Söder ihn boykottieren, um ihre eigenen Chancen zu verbessern. Außerdem würde er zum neuen Lieblingsfeind der Medien werden.

    Spahn darf man leider dennoch nicht abschreiben. Dass er im Wirtschaftsflügel an Ansehen verliert, verbessert seine Chancen leider, anstatt sie zu verschlechtern.

    • Falls Merz gewinnt, ist das Rennen um das Kanzleramt offen, da dann eine Mehrheit fü RRG alles andere als unwahrscheinlich wäre. Falls Laschet oder Röttgen gewinnt, ist schwarz-grün sehr wahrscheinlich. Ähnliches gilt übrigens für die Kanzlerkandidatur: Merz würde eher keinen Platz für Söder machen, Laschet oder Röttgen würden das aber schon.
      Alles in allem vermute ich, dass Söder mit schwarz-grün Kanzler werden wird.

      • @Sebastian Kunze

        Söder wäre ein Tor, wenn er sich als Kanzlerkandidat zur Verfügung stellen würde. Davon können Nichtbayern noch lange träumen. Söder als Kanzlerkandidat ist so unwahrscheinlich wie eine bundesweite CSU.

      • Das denke ich nicht. Er würde es sofort machen, wenn er sich seiner Nominierung sicher wäre. Ein gescheiterter Versuch wäre jedoch schlecht für ihn – wie für Herrn Laschet auch.

      • Eine solche Wette lässt sich schlecht operationalisieren. Wenn Herr Söder Kanzlerkandidat wird, gewinne ich, wenn er ein eindeutiges Angebot dazu ablehnt, gewinnen Sie, aber was ist mit den vielen Fällen dazwischen?

      • Er wird es so oder so nicht. 1. weil er es praktisch gar nicht werden kann, wenn die CDU plant, einen CDU-eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken und 2. weil er ziemlich dumm sein müsste, wenn er dafür das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten aufgäbe. So dumm ist Markus Söder aber nicht.

      • Paul Hefty, bis 2012 Redakteur bei der FAZ („Zeitgeschehen“) und intimer Kenner von CDU/CSU, hat vor einigen Tagen begründet, was gegen eine Kanzlerschaft von Söder spricht: Im Ergebnis ist es das Alter Söders – die Abgeordneten der CDU werden sich nicht einen Kanzler aus den Reihen des Junior-Partners vor die Nase setzen lassen, der diesen Posten a la Merkel auf lange Zeit blockiert. Diese Erwägung könnte schon die Delegierten bei der Wahl des Parteivorsitzenden leiten, wenn Kandidaten im Verdacht stehen, dem Söder bei der Kanzler-Kandidatur den Vortritt zu lassen.

      • Es ist unklar, wie die Kanzlerkandidatur unionsintern ausgekungelt wird. Der CDU-Vorsitzende dürfte sie bekommen, wenn er wirklich will.

      • Es wird keine grün-rot-rote Mehrheit geben. Mit Friedrich Merz würde eine schwarz-grüne Mehrheit doch sogar noch größer, weil er zwar einerseits Wähler an die Grünen abgibt, dafür aber andererseits bürgerliche Wähler für die CDU zurückgewinnt.

    • Spahn und sein Gatte dürften vermutlich zusammen ein Jahresbruttoeinkommen von 400 bis 500 Tausend Euro haben. Falls dann noch Vermögen im Hintergrund ist, dürfte eine Finanzierung in der Größenordnung durchgehen. Vielleicht auch bei anderen Kreditinstituten. Umso verwunderlicher, dass Spahn die Bank zur Finanzierung gewählt hat, in deren Aufsichtsrat er saß. Dass er seine Wohnung an Lindner vermietet hat, ist lang bekannt und allenfalls ein Indiz dafür, wie man Netzwerke spinnt. Evtl. auch dafür, dass sich Lindner wie immer alle Optionen offenhält – bis hin zu einer Rückkehr in die NRW Landespolitik. Denn sonst hätte er ja 2017 selbst in Berlin kaufen statt mieten können. Oder ist er von einem Wiedereinzug der FDP in den Bundestag nicht überzeugt? Wirklich bedenklich scheint, soweit bis hierher erkennbar, nur der Deal Leyck Dieken zu sein. Schauen wir mal, ob die Presse hier noch was aufdeckt oder Friede Springer sich nach Rücksprache mit Frau Merkel einschaltet, um den Daumen über jemanden zu senken oder ihn hochzujubeln.

      • Die Punkte sind doch alle bedenklich, vor allem in ihrer Gesamtheit. Die Anstellung seines Freundes und Geschäftspartners mit erhöhtem Gehalt könnte sogar strafrechtlich relevant sein. Dass Christian Lindner lieber Mieter bleibt, finde ich hingegen verständlich, insbesondere wenn man sich die eigentümerfeindliche Politik in Berlin anschaut.

    • Abwarten. Friedrich Merz dürfte diesmal im ersten Wahlgang die relative Mehrheit bekommen, aber wieder im zweiten Wahlgang verlieren, und zwar gegen Armin Laschet, wodurch auch Jens Spahn gewinnt.

  4. Spahns Ehemann ist offiziell Leiter des Hauptstadtbüros der Familie Burda. Er ist auch ihr oberster Vermögensverwalter, so dass Spahn daneben Bettelstabschnitzer ist. Natürlich ist bei derartigen Vermögens- und Einkommensverhältnissen die Finanzierung von Schloss Neuspahnstein mühelos möglich. Herr Spahn sollte allerdings bedenken, dass derjenige sein Vermögen am schwersten verdient, der es heiratet; mit der möglichen Ausnahme des langjährigen Erbschleichers.

    Eine derartige Immobilie in der Bundeshauptstadt ist allerdings im Vergleich zu London oder Paris immer noch um den Faktor 10 spottbillig, so dass wir beruhigt davon ausgehen können, dass die Bundeskanzlerpension und private Vermögensanlage Herrn Spahn vor Altersarmut bewahren werden.

    Mit den besten Weihnachtswünschen Ihnen, Ihrer Familie und allen Mitkämpfern.

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