Präsenzprüfungen kurzfristig verboten

Ab morgen gilt ein ‚Verschärfter Lockdown bis 2021‘. Präsenzprüfungen an Universitäten wurden allerdings vom Land NRW nicht definitiv verboten. Das hat dann gestern mein Dekan nachgeholt und heute der Rektor. Das kann ich ihnen nicht verdenken. Allein an meiner Fakultät hätte es wohl noch 3.000 Prüfungen vor Weihnachten gegeben. Einige Studenten wollten das bereits skandalisieren, während andere die Klausuren gerne vor Ort geschrieben hätten. Bislang ist es bei diesen Prüfungen mit Abstands- und Hygieneregeln noch zu keiner Infektion gekommen, doch man stelle sich den Skandal vor, wenn mitten im Lockdown an einer Hochschule eine große Prüfung zu vielen Infektionen führen sollte. Tatsächlich größer wäre das Infektionsrisiko übrigens bei der An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Am Freitag hätte es noch eine Nachschreibeklausur von mir mit 39 Teilnehmern geben sollen. Diese führe ich nun online durch wie schon eine kleinere Klausur letzten Samstag. Die Änderung am Freitag ist sehr kurzfristig und nicht völlig problemlos. Klausuren, bei denen Unterlagen ohnehin erlaubt sind (wie letzten Samstag), lassen sich leichter umstellen. Ich finde sie auch grundsätzlich besser, weil reines Auswendiglernen heutzutage keinen Wert mehr hat, sondern das Verstehen und Anwenden viel wichtiger sind. Bei einführenden Veranstaltungen ist das für viele jedoch eine zu große Umstellung, was übrigens kein gutes Licht auf unsere Schulen wirft. Nun muss diese Umstellung binnen drei Tagen sein, wobei ich vor allem die Fragen austausche, deren Antworten sich direkt abschreiben bzw. kopieren ließen. Rechenaufgaben sind mit Unterlagen ebenfalls leichter, aber man muss immerhin noch selbst rechnen und zumindest die Grundidee verstehen. Außerdem ist die aktuelle Lage für die Studenten ohnehin schwierig, so dass eine etwas leichere Klausur gerechtfertigt erscheint.

Die nächsten Klausuren kommen im Februar. Ich hoffe auf eine frühzeitigere Entscheidung, falls Präsenzklausuren wieder bzw. dann immer noch verboten werden. Vielleicht macht es aber auch wie bei den Lehrveranstaltungen Sinn, diese Entscheidung vorwegzunehmen. Digitale Prüfungen und Veranstaltungen sind in der jetzigen Lage stets erlaubt, während alles in Präsenz unsicher ist, ein wenig durch das Virus und sehr stark durch die menschlichen, insbesondere politischen Reaktionen darauf.

19 Gedanken zu „Präsenzprüfungen kurzfristig verboten

  1. Schaffen wir Schulen und Universitäten doch gleich ganz ab 🙂 . Corona geht noch lange. Außerdem ist es doch erwünscht, dass die Deutschen dümmer werden…!?!

  2. Wozu braucht es noch Prüfungen? Nach dem Abitur für alle wird es nun wirklich Zeit für das Examen für alle.
    Corona macht’s möglich.

  3. Wie muss ich mir so eine Online Klausur vorstellen? Werden die Studenten die ganze Zeit über die Webcam überwacht?

      • Wieso hat das Grenzen? Kann man den Studenten dann nicht vorgeben die ganze Zeit in die Kamera zu gucken?

      • Die Studenten sollen doch eine Klausur schreiben. Wenn sie das auf dem Computer tun, können sie dort auch noch etwas anderes tun. Selbst wenn sie vor dem Computer auf Papier schreiben, müssen sie diesen zumindest am Anfang und Ende benutzen, um die Aufgaben herunterzuladen und ihre Lösungen irgendwie hochzuladen.

      • Kann man die nicht einfach zwingen den Bildschirm zu teilen?

      • Zumindest Zoom ermöglicht es nicht, die geteilten Bildschirme von vielen gleichzeitig zu sehen. Das ginge also nur bei einer Aufsicht pro Student (was übrigens gelegentlich durchaus vorkommt). Außerdem könnte ein cleverer Student den falschen Bildschirm teilen. Im Grunde bräuchte man eine zusätzliche Kamera, die ihm über die Schulter schaut.

    • Gibts denn keine geeigneten Programme mit denen man zusätzlich die Studenten zwingen die UNI auf den Rechner zugreifen zu lassen? Was passiert eigentlich wenn bei einem Studenten das Internet abstürzt

      • Rein technisch würde das vermutlich gehen, aber nicht praktisch oder gar datenschutzrechtlich. Schon das jetzige Vorgehen könnte angegriffen werden.

        Wenn das Internet eines Klausurteilnehmers kurz abstürzt, wird das großzügig gehandhabt, bei einem langen Ausfall könnte die betreffende Klausur nicht gewertet werden. Ob sich daraus ein zusätzlicher Nachschreibeanspruch ergibt, hängt von den konkreten Umständen ab.

  4. Glauben sie eigentlich, dass die Lehre an Hochschulen nach der „Pandemie“ mehr digitale Elemente enthalten wird als vorher?

  5. Ich habe schon vor vielen Jahren digitale Klausuren geschrieben und auch korrigiert. Mir persönlich hat das gefallen und es lässt sich auch gut umsetzen. Ganz allein von zuhause hätte das fälschungssicher freilich nicht funktioniert. Hier gäbe es zwar sicherlich technische Möglichkeiten, ich zweifle aber daran, dass diese so kurzfristig datenschutzkonform umsetzbar sind.

    • Einige Schummelversuche kann man besser verhindern als andere. Insbesondere sind diese Klausuren alle faktisch Open Book, weshalb man Unterlagen auch erlauben und nicht verbieten sollte, was nur die Ehrlichen bestraft. Schließlich braucht es Zeit, bis alle Schummelvarianten ausgetestet wurden und sich herumsprechen. Deshalb sind einmalige digitale KLausuren von zu Hause aus weniger problematisch als deren ständige Wiederholung.

      • Open-Book-Klausuren waren bei uns in vielen Fächern schon länger üblich. Ich finde diese auch sinnvoll. Das Risiko ist eher, dass eine andere Person die Klausur schreibt oder man eilig Lösungen austauscht. Die Themen sind ja meistens recht speziell, sodass ein erfahrener Student nicht einfach übernehmen und eine Spitzennote erreichen kann. Gerade bei schwächeren Studenten ist aber durchaus denkbar, dass auf diese Weise eine Klausur zumindest bestanden wird.

      • Ich denke nicht, dass man es übertreiben muss mit der Kontrolle der eigenständigen Arbeit. Bei Hausarbeiten etwa kann man sowieso nie ausschließen, dass es nicht irgendwo einen Ghostwriter gibt. Qualität setzt sich bei einem mehrjährigen Studium bzw. dann im Anschluss im Berufsleben durch. Das Leistungsprinzip ist wichtig, aber man sollte die Verhältnismäßigkeit wahren.

        Insbesondere gilt das auch für die Schulen, wo es merkwürdig erscheint, dass teilweise vor Weihnachten unbedingt noch verschiedene Klausuren geschrieben werden müssen, um Leistungen bewerten zu können. Als Führungskraft schaue ich mir einzelne Noten sowieso selten an und bilde mir lieber einen Gesamteindruck.

      • Regeln, deren Einhaltung gar nicht kontrolliert und deren Bruch nicht sanktioniert wird, sollte man ganz abschaffen. Wer besonders dreist schummelt, kann damit weit kommen (und Ihnen einen falschen Gesamteindruck vermitteln), aber auch erwischt werden.

  6. In Vertiefungsmodulen kann ich mir das mit den Online-Klausuren noch vorstellen, aber in den Grundlagen lässt sich dieses Prinzip nicht durchführen bei den vielen Leute oder Klausuren wie CAD . Des Weiteren würden einigen Professoren Online-Klausuren nicht mittragen zumindestens was meine Uni betrifft.

    • Wenn Unterlagen ohnehin erlaubt waren, ist die Umstellung auf digitale Prüfungen nicht so schwer. Bei meinen beiden Grundlagenveranstaltungen war das bislang nicht so. Aber es hilft doch nichts, wenn Präsenzklausuren einfach verboten werden. Wirklich entscheiden muss ich, ob ich danach zum Status quo ante zurückkehre oder die Klausuren dauerhaft umstelle.

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