EZB weitet Anleihenkäufe aus

Die „EZB stockt Krisenprogramm um 500 Milliarden Euro auf“. Es geht um das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP), welches nun 1,85 Billionen Euro beträgt (neben anderen Programmen, die bereits rund 3 Billionen Euro umfassen) und zeitlich um neun Monate bis März 2022 verlängert wurde, um Staats- und Unternehmensanleihen aufzukaufen. Der Leitzins bleibt bei null Prozent und Banken müssen für Einlagen bei der Zentralbank oberhalb von Freibeträgen weiterhin Strafzinsen von 0,5 Prozent zahlen. Teilweise waren Zinssenkungen und eine stärkere Erhöhung der Anleihenkäufe erwartet worden.

Dabei wirkt das Programm gar nicht, jedenfalls nicht hinsichtlich des erklärten Ziels, die Inflation steigern zu wollen. Diese ist im November in der Eurozone auf minus 0,3 Prozent gefallen, also leichte Deflation. Die Privatbanken klagen schon darüber, dass die Anleihenkäufe der EZB bei ihnen zu Geldern führen, die automatisch wieder bei der EZB landen und mit Strafzinsen belastet werden. Die Kreditvergabe wird so eher gehemmt als gesteigert. Auch sonst handelt es sich eher um einen Aktivtausch im Privatsektor, der nicht zu Konsum und realen Investitionen und damit auch nicht zu einem Anstieg der Preisniveaus führt, wenn man von Vermögenswerten absieht. Was tatsächlich passiert, ist monetäre Staatsfinanzierung, obwohl diese der EZB verboten ist. Außerdem wird die Bilanz der EZB verlängert und zunehmend mit riskanten Anleihen bis zu Schrottpapieren belastet.

12 Gedanken zu „EZB weitet Anleihenkäufe aus

  1. “ …..wird die Bilanz der EZB verlängert und zunehmend mit riskanten Anleihen bis zu Schrottpapieren belastet.“

    Korrektes Resümee Herr Prof. Alexander Dilger, nur Nennung „Schrottpapiere“ ersetzen wir – Freunde, Bekannte, Kollegen – schon seit ca. 2 Jahren nur noch abfällig mit “ Klo – Papier „.

    Unter meinen Freunden einige CDU – Mitglieder und auch dort wird es in den Versammlungen , bei Treffen gar nicht mehr thematisiert.

    Unter Draghis EZB Beherrschung fing es an und Madame Lagarde führt es bis zum bitteren Ende.
    „Unser“ Präsident Weidmann am Tisch der Präsidenten als zahnloser, williger Bettvorleger.

    Desaströs für deutsche Bürger/innen weil diese Papiere keinen Gegenwert haben und auch niemals eingelöst werden können – weder von den Lebenden, kommenden Generationen – noch besteht Null Absicht bzgl. Rückzahlung durch die Nehmer-Nationen vom € Bargeld Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Belgien mit Griechenland .

    Größenordnung 3 Billionen € Schuldenlast und Deutschland als Hauptgläubiger / Schuldner erschreckt offensichtlich nicht mal die FAZ noch ist es diesem vormals wichtigsten Wirtschaftsblatt einen Aufmacher wert.

    FAZ von Heute : “ ……..Die EZB legt kräftig nach “ ganz versteckt platziert bei 1,85 Billionen € „Krisen / Schuldenprogramm“.

    Na, dann kann es ja nicht so schlimm sein wenn deutsche Medien so zart argumentieren?

    • Die FAZ hat am 8.12.2020 aus einer Studie des ZEW Mannheim berichtet, nach der in den Kaufprogrammen PEPP und PSPP – beide müssten insofern zusammen gesehen werden- in Anwendung des sog. Kapitalschlüssels, der für die Beteiligung der verschiedenen Länder am Kapital der Notenbank steht, zu Gunsten der südlichen Schuldner zum Teil erheblich abgewichen wird. Beim PSPP-Programm, für das der Schlüssel uneingeschränkt angewendet werden soll, sind die franz. Staatsanleihen mit 48 % stark übergewichtet gewesen – eindeutig nicht legitimierte Staatsfinanzierung, die Gewöhnungseffekte bei den Schuldnern immer wahrscheinlicher macht.
      Am 10.12.2020 hat die FAZ ein Interview mit Hans-Werner Sinn abgedruckt, in welchem er auf die durch die Anleihekäufe verursachte „Liquiditätsfalle“ verwies, dass also bei inflationären Tendenzen durch Anleiheverkäufe nicht einfach Geld wieder eingesammelt werden könnte, weil dies die Kurse drücken, die Renditen steigen ließe und in den Bankbilanzen zu existentiellem Abschreibungsbedarf führen würde. Die FAZ versteht sich als Plattform für unterschiedliche Denkansätze, die Schlüsse müssen die Leser selbst ziehen.

      • Die EZB hält sich schon lange nicht mehr an die vom Bundesverfassungsgericht und sogar die vom EuGH formulierten Bedingungen, sondern betreibt monetäre Staatsfinanzierung verbunden mit massiver Umverteilung ohne Mandat.

        Eigentlich wird unter Liquiditätsfalle etwas anderes verstanden, nämlich die Unwirksamkeit der Geldpolitik bei zu niedrigen Zinsen, weil die Wirtschaftssubjekte dann lieber Geld halten, statt dieses zu investieren. Weitere Zinssenkungen können daran dann auch nichts mehr ändern. Im Grunde befinden wir uns seit Jahren in diesem Zustand. Daraus folgt, dass die Null- und Negativzinsen der EZB nicht nur wirkungslos, sondern sogar kontraproduktiv sind. Das von Herrn Sinn beschriebene Problem existiert zusätzlich. Die EZB kann eigentlich gar nicht mehr zu normalen Zinsen zurückkehren, ohne eine schwere Finanz- oder sogar Wirtschaftskrise auszulösen.

      • Ein plötzlicher Zinsanstieg hätte katastrophale Folgen. Wir würden nicht nur Unternehmens-, Banken- und Staatspleiten sehen. Wir hätten Massenarbeitslosigkeit und aufkommendes Elend. Das kann man nicht ernsthaft wollen. Wir sind in einer Sackgasse und hier kritisiere ich Sinn. Seine Beschreibung ist richtig, aber er bietet keine Lösung an. Realistisch wird die Sackgasse entweder durch Inflation, einem Schuldenschnitt (die Notenbanken streichen ihre zuvor aufgekauften Forderungen) oder einer Kombination aufgelöst werden. Eine Bremse in Form von Sparsamkeit gibt es nicht mehr und wäre auch nicht anzuraten. Am Ende werden die Sparer am meisten dafür bezahlen müssen, weil hier die Kollateralschäden nicht ganz so disruptiv ausfallen. Das kann man kritisieren, das Kind ist jedoch schon in den Brunnen gefallen. Man sollte keine Schlachten schlagen, die nicht mehr zu gewinnen sind.

        Die Coronaausgaben beschleunigen nur die Auflösung des japanischen Szenarios, in dem wir uns in Wahrheit schon seit ziemlich langer Zeit befinden.

    • Eine echte Rückzahlung erwartet wohl auch niemand, sondern fällige Anleihen lassen sich durch neue ersetzen. Dafür darf die Dynamik bei der Neuschverschuldung jedoch nicht zu groß werden, was bei einem ernsthaften Zinsanstieg jedoch zu erwarten wäre.

      • Ein ernsthafter Zinsanstieg wäre fatal, deshalb kann ich auch nicht verstehen, wie man ihn ernsthaft fordern kann. Wenn man den totalen Crash der Wirtschaft und Gesellschaft als reinigendes Gewitter haben möchte, dann kann man gewiss dafür sein. Am Ende gibt es aber Szenarien, die nicht ganz so disruptiv wirken. Dass die Verantwortlichen keinen reinen Wein einschenken, ist eine andere Geschichte. Bis es zur Auflösung der Sackgasse in Form von Inflation/Schuldenaufkauf- und Schnitt durch die Notenbank kommt, leben wir mit dem japanischen Szenario doch verhältnismäßig gut. So gut, dass es bis heute noch zu keiner Revolution, noch nicht einmal zu einem spürbaren Aufstand gekommen ist.

        Natürlich würde ein reinigendes Gewitter wieder schneller Marktkräfte in Kraft setzen und möglicherweise einen echten Aufschwung ermöglichen. Durch das tiefe Tal müsste man aber erst gehen wollen.

  2. Ich habe mich immer für Geldpolitik interessiert, aber mir fehlt die Vorstellung, wie so etwas technisch abläuft.

    Die EZB kauft z. Bsp. italienische Staatsanleihen? An der Börse? Oder von der italienischen Zentralbank? Die Anleihe hat ja eine Laufzeit, richtig? 10 Jahre sollte üblich sein, oder? Was passiert nach 10 Jahren? Es werden neue Staatsanleihen ausgegeben, um die Ablösung der ablaufenden Staatsanleihen zu finanzieren???

    Die Geschäftsbanken zahlen 0,5% Negativzins oberhalb einer Freigrenze an die EZB, wenn sie Geld dort parken? Warum parken sie es dann dort? Sie könnten es doch auch in ihren Tressoren liegen lassen, oder es auch von Sparern erst gar nicht annehmen???

    Ich werde den Eindruck nicht los, dass selbst Bildungsnürger gar nicht mehr durchblicken sollen. Da werden Summen hin und her geschoben, dass es einem schwindelig wird. Dieser Laden muss uns irgendwann um die Ohren fliegen…!

  3. Der Bund emittiert (im Regelfall als Auktion, selten über ein Syndikat an Investmentbanken am Primärmarkt), woraufhin die EZB (bzw. die beteiligten nationalen Notenbanken) diese Anleihen den Banken am Sekundärmarkt abnimmt. Der Markt für Anleihen ist im Vergleich zum Aktienmarkt eher illiquid, wobei der Markt für Bunds zu den wenigen liquiden Märkten gehört. Das läuft eher selten über eine Börse, der Anleihemarkt ist OTC-Geschäft, d.h. es findet ein Direkthandel zwischen den Beteiligten statt. 10 Jahre ist eine gängige Laufzeit, es gibt aber auch kürzere Laufzeiten (teils nur wenige Monate), aber auch längere (Österreich, NRW bis zu 100 Jahre). Nach 10 Jahren wird das Nominal durch die Emission einer neuen Anleihe zurückbezahlt. Banken sind teilweise verpflichtet eine Mindestreserve bei der Notenbank zu halten. Zudem fehlen die Anlagemöglichkeiten, sodass sie gar keine Kredite vergeben können, auch wenn sie das gerne möchten. Auch das Halten von Bargeld kostet (Tresore, Überwachung etc.). Es gibt tatsächlich bereits Anzeichen, dass vor allem kleinere Institute ihre Bargeldhaltung erhöhen. Einlagen abzulehnen, ist riskant. Eine Bank möchte aktuell zwar nicht zu viele Einlagen. Macht sie aber die Konditionen zu unattraktiv, dann verliert sie schnell große Anteile ihrer Refinanzierung und muss diese durch Wholesale- oder Notenbank Finanzierung ersetzen. Schlimmer noch: Sie verliert Kunden, mit denen sie weiteres Geschäft macht (Provisionserlöse, Kreditvergabe etc.).

    • Richtig, die EZB. darf die Staatsanleihen gar nicht direkt bei den emittierenden Staaten kaufen, aber schon Stunden später z. B. von Banken. Wenn die Laufzeit der Staatsanleihen vorbei ist, bekommt die EZB den Nennwert ausgezahlt, wovon sie jedoch gleich wieder neue Staatsanleihen kauft. Die hier genantnen Zahlen sind zusätzliche Nettokäufe.

      Die Banken müssen eine Mindestreserve bei der EZB halten. Vor allem aber werden sie Überschussliquidität nicht so einfach los. Sie müssen diese entweder an Kunden ausleihen oder an andere Banken, womit sie aber im Bankensektor verbleibt und dann bei diesen anderen Banken zu Strafszinsen führt.

      • Was spricht dagegen, größere Summen Bargeld abzuheben und in einem professionellen Tressor zu Hause zu lagern, wenn man zusätzlich über einbruchssichere Fenster und Haustür verfügt?

      • Sie können das machen, aber was haben Sie davon? Sie verlieren damit real jeden Tag Geld. Als Privatperson ist man bislang nicht von Negativzinsen betroffen bzw. es ist möglich, diese
        noch zu vermeiden. Wenn Sie so große Summen Cash besitzen, dass die Bank aktiv an Sie heran tritt, dann sollten Sie sich besser eine Investitionsmöglichkeit suchen. Am Aktienmarkt gibt es noch genügend attraktive Möglichkeiten.

  4. Pingback: EU einigt sich auf Wiederaufbaufonds, Rechtsstaatsprinzip und verschärftes Emissionsziel | Alexander Dilger

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