Diskussionspapier zu (un)beschränkten Abfindungen

Heute ist das „Diskussionspapier des Instituts für Organisationsökonomik 11/2020“ erschienen mit dem Titel „Abfindungen für Vorstandsmitglieder ohne und mit Beschränkungen“. Die Zusammenfassung lautet:

Empfehlungen zur Beschränkung von Abfindungen an vorzeitig ausscheidende Vorstandsmitglieder werden häufig nicht eingehalten. Solange Vorstandsmitglieder nicht gegen ihren Willen entlassen werden dürfen, ist eine Beschränkung der Abfindungen weder im Interesse der Unternehmen noch effizient. Eine solche Entlassungsmöglichkeit sollte geschaffen werden mit festem Abfindungsanspruch.

Das zeige ich mit ganz einfachen Formeln, wobei ich selbst vermutlich am meisten gelernt habe. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich beim Hinschreiben die Gedanken neu ordnen können. Das ist übrigens ein wesentlicher Grund, warum ich diesen Blog noch schreibe.

16 Gedanken zu „Diskussionspapier zu (un)beschränkten Abfindungen

  1. Da die Bestellung von Vorständen normalerweise nicht unbefristet erfolgt, ist die Beschränkung von Abfindungen überflüssig. Mehr als das maximal in der Restlaufzeit der Bestellung durch Gehalt und Tantieme zuzüglich etwaig für das Ausscheiden nach einer bestimmten Tätigkeitszeit ohnehin im Vertrag vorgesehenen Abfindung wird es idR sowieso nicht werden, da eine einfache Amtsenthebung mit Freistellung nicht teurer würde. Die öffentliche Neiddebatte über die Beschränkung von Abfindungen scheint mir mehr der latenten Sehnsucht des Deutschen Masochisten-Michel nach staatlicher Regelwut geschuldet.

    • Das ist nicht richtig. Die Debatte wird gerade deshalb geführt, weil relativ häufig Abfindungen oberhalb aller noch ausstehenden Zahlungen bis zum Vertragsende gezahlt werden, z. T. deutlich darüber. Was spricht gegen eine Obergrenze bei diesem Wert? In dem Beitrag zeige ich, dass die Nachteile des vorzeitigen Vertragsendes für das Vorstandsmitglied höher sein können. Aber besteht dann ein Anspruch auf Ausgleich oder soll einfach nur noch einmal abkassiert werden? Schließlich ist eine Freistellung vom Anstellungsvertrag möglich, nicht aber vom Vorstandsamt.

      • Was einer Obergrenze auf jeden Fall entgegen steht, ist die Vertragsfreiheit.

      • Die geltende Rechtslage. Die hat auch ihre innere Logik. Doch wenn es eine Beschränkung der Vertragsfreiheit gibt, kann durchaus eine weitere zu deren Korrektur sinnvoll sein. Es drohen dann natürlich immer mehr Beschränkungen, um auch die Mängel der Korrektur zu korrigieren.

      • Da der sozialistische Planwirtschaftsminister von der CDU ohnehin maximale Regulierung anstrebt, kommt es darauf auch nicht mehr an. Es lebe der Etatismus. Verlassen Sie Deutschland besser, so lange es noch möglich ist.

  2. Abfindungen, soweit sie nicht durch gesetzliche Vorschriften geregelt sind, bestimmen die Eigentümer eines Unternehmens. Da gibt es nichts zu diskutieren und auch nichts auszuklagen!

      • In einer kleinen Aktiengesellschaft (die idR ohnehin keine exorbitanten Abfindungen bezahlen wird) vertreten die Aufsichtsräte die Aktionäre, also die Eigentümer. In größeren Aktiengesellschaften ist der Aufsichtsrat auch mit Nichteigentümern, vor allem mit Arbeitnehmervertretern, besetzt. Diese werden naturgemäß ohnehin nicht für Wucher-Abfindungen zu Lasten normaler Arbeitnehmer stimmen.

      • Gerade die Arbeitnehmervertreter waren doch bei vielen Skandalen vorne mit dabei. Es ist auch nicht ihr Geld, nicht einmal das der von ihnen vertretenen Arbeitnehmer (wobei Gewerkschaftsvertreter nicht nur die Beschäftigten des betreffenden Unternehmens vertreten), für die als Gegenleistung dann vielleicht an anderer Stelle etwas abfällt.

      • Na ja, wenn Sie z.B. auf VW anspielen, dann stimmt das wohl. Aber für derart große Unternehmen sind auch hohe zweistellige oder gar dreistellige Millionenabfindungen verkraftbar. Skandalös ist allerdings die Käuflichkeit sogenannter „Arbeitnehmervertreter“ in den Aufsichtsräten sehr großer Unternehmen. Die entsprechenden Skandale bei VW sind dafür exemplarisch.

      • …aber die Eigentümet (Aktionäre) sollten die Spielregeln dafür bestimmen können! Wir hatten das Thema hier vor längerer Zeit: Nicht nur in der Politik, auch in der Wirtschaft sehe ich erhebliche Demokratiedefizite…

      • @francomacorisano

        Das ist in einer Planwirtschaft nach chinesischem Vorbild nicht vorgesehen. Da haben auch Unternehmer zu funktionieren, sonst verschwinden sie einfach. Brave New World eben.

      • Die Eigentümer sollten die Letztentscheidungsrechte behalten bzw. wieder zurückbekommen wie die Bürger in der Demokratie, allerdings pro Aktie bzw. Kapitalanteil, nicht nach Köpfen.

    • @300sel “ . . einer kleinen Aktiengesellschaft (die idR ohnehin keine exorbitanten Abfindungen bezahlen wird) vertreten die Aufsichtsräte die Aktionäre, . . .“
      Sie und @francomacorisano berücksichtigen nicht die immer bedeutender werdende Rolle der „aktivistischen“ Aktionäre, die sowohl die Entscheidungsprozesse im Aktienrecht unterlaufen als sich ihre Ziele auf fremde Rechnung etwas kosten lassen.

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