Giffey will erschwindelten Doktortitel nicht mehr führen

‚Familienministerin Giffey will trotz Plagiaten SPD-Vorsitzende werden‘. Das hat sie letztes Jahr im Bund versucht und dann nicht durchhalten können, nun versucht sie es erneut in Berlin mit der Hoffnung, dort zusätzlich Regierende Bürgermeisterin zu werden. Aber ihre Doktorarbeit voller Plagiate ist auch dabei wieder ein Problem, welches nur zwischenzeitlich gelöst schien. Denn die FU Berlin hatte ihr eine Rüge ausgesprochen, aber den Doktortitel belassen. Dabei hatte es allerdings offensichtliche Fehler gegeben, etwa dass die Promotionsordnung eine Rüge als Sanktion gar nicht vorsieht (siehe ‚Neben Frau schummelt auch Herr Giffey‘). Nun stellte sich außerdem eine große Nähe aller Mitglieder der Plagiatsprüfungskommission zur Doktormutter heraus (siehe „Waren die Plagiatsprüfer befangen?“). Jedenfalls hat die FU beschlossen, die Rüge zurückzunehmen und das Verfahren neu aufzurollen.

Die Bundesfamilienministerin fürchtet zu Recht den Entzug ihres Doktortitels. Deshalb tritt sie die Flucht nach vorn an: „Franziska Giffey verzichtet auf ihren Doktortitel“. Im Grunde ist das ein Schuldeingeständnis, mit dem sie den Titelentzug aber gar nicht vermeiden kann. Denn sie kann nur darauf verzichten, den Titel öffentlich zu führen. Ganz auf den Titel verzichten kann sie nicht, sondern ihn aberkennen kann nur die FU Berlin, wo sie promoviert wurde. Sie könnte danach darauf verzichten, gegen die Aberkennung zu klagen.

Es muss natürlich niemand promoviert sein oder auch nur studiert haben, um selbst höchste politische Ämter zu bekleiden. Ein fehlender Doktortitel ist also gar kein Problem, der Entzug desselben wegen wissenschaftlichen Fehlverhaltens und Betruges hingegen schon. Karl-Theodor zu Guttenberg wollte sich nach Bekanntwerden seiner noch schlimmeren Plagiate erfolglos an sein Ministeramt klammern und ist auch jetzt wieder in den Wirecard-Skandal verwickelt. Das zeigt, dass es eben nicht nur um ein paar vergessene Fußnoten geht, sondern eine ernsthafte Charakterschwäche offenbar wird. Annette Schavan wollte trotz plagiierter Doktorarbeit Bundesministerin ausgerechnet für Bildung und Forschung bleiben, zum Glück vergeblich. Auch Frau Franziska Giffey wird nach dem überfälligen Entzug ihres Doktortitels weder Bundesministerin bleiben noch Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden können – und das ist auch gut so.

13 Gedanken zu „Giffey will erschwindelten Doktortitel nicht mehr führen

  1. Wenn es sich um einen AfD-Politiker gehandelt hätte, wäre die linke Lügenpresse wie Wölfe über ihn hergefallen…!

    • Man sollte an Frau Giffey die gleichen Kriterien wie an Guttenberg, Schavan usw. anlegen. Demnach hat sie sich für jedes hohe Amt disqualifiziert. Vielleicht hätte sie sich retten können, wenn sie nach Enthüllung des Plagiats sofort und unmissverständlich alles ein- und abgeräumt hätte. Die monatelange anschließendes Abstreiteritis zeigt jedoch, dass Frau Giffey -ebenso wie den anderen Genannten- die charakterliche Eignung fehlt. Sie selbst hat für den Fall der nunmehr eigentlich unausweichlichen Aberkennung ihren Rücktritt angekündigt. Es wird offenbar, dass sie sich an ihr Wort nicht gebunden fühlt.
      Dass AfD Politiker von der Presse schlechter behandelt würden, kann ich so nicht erkennen. Bundestag und Landesparlamente sind gefüllt mit teilweise mehrfach vorbestraften AfD Politikern, AfD-Volksverhetzern, ehemaligen Prostituierten (was an sich nicht zwingend verwerflich ist – jedoch dann, wenn die Gewerbesteuer nicht abgeführt wurde), die jetzt für die AfD Mandate ausüben usw. Wenn sich die angeblich so einseitige Presse wirklich einmal detailliert mit den Biografien der AfD Mandatsträger befassen würde, fände man noch viel viel mehr bei den Volksgenossen der AfD. Meine Vermutung ist eher, dass die Presse sich hier sogar etwas zurückhält, weil es Wasser auf den Mühlen der Verschwörungstheoretiker wäre. Es gibt – das muss man leider so sagen- keine andere Partei mit einer solchen Ansammlung von dekadenten Funktionären wie die AfD.

      • Frau Giffey hat sich tatsächlich für jedes höhere Amt disqualifiziert. Es ist aber bezeichnend, dass die Betrüger nie von sich aus reinen Tisch machen, von Frau Merkel weiter gestützt werden und auch nicht freiwillig gehen, sondern erst auf öffentlichen Druck hin, der deshalb nötig ist.

        In der AfD gibt es tatsächlich schlimme Funktionäre und Mandatsträger. Durch Plagiate ist allerdings noch keiner aufgefallen, obwohl es dort immer noch viele Akademiker gibt. Es gibt dort auch (bislang noch) weniger reine Karrierepolitiker, dafür deutlich mehr Glücksritter, da man in der AfD immer noch mit einer einzigen populistischen Bewerbungsrede ein hochbezahltes Mandat erbeuten kann.

  2. Auf den Punkt gebracht “ …..Auch Frau Franziska Giffey wird nach dem überfälligen Entzug ihres Doktortitels weder Bundesministerin bleiben noch Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden können – und das ist auch gut so. “

    Prof. Alexander Dilger benutzt im o.g. Beitrag sinnvollen Humor entlehnt vom Berliner Ex – OB Klaus Wowereit “ ….Ich bin schwul – und das ist auch gut so „. Hat Geschichte geschrieben.

    War Klaus ein guter Berliner OB ? Zumindest war Wowereit Magnet für alle Menschen die Lebensgefühl mit Ungezwungenheit haben oder wünschen, besonders junge Menschen fühlen sich davon angezogen. Was ist dagegen schon der BER ?

    Tatsächlich hat Berlin nach dem alles überragenden OB Richard von Weizsäcker – für viele Berliner mit Jargon immer ein Exot, Fremdkörper – keinen OB mehr gewählt der diese unvergleichlich schöne Stadt in eine bessere, prosperierende Zukunft geführt hat.

    Frau ( Ex.Dr.) Giffey ist bereits jetzt verbrannt, auch bei aller Sympathie ihrer Persönlichkeit.

    Mein Joke, Pendant zum Professor Dilger : ..vielleicht wirds ein Mann mit türkischen Wurzeln ? Zumindest in Neukölln , Wedding, Kreuzberg , 98 % Stimmen sind ihm sicher.

  3. Meines Erachtens könnten Sie, der dieses Thema hier schon mehrfach aufgegriffen hat, ja auch mal zu einer System-Kriitik am Hochschulbetrieb ansetzen, der – besonders im Bereich der Geisteswissenschaften – Dünnbrettbohrereien begünstigt. Wo bleiben denn die Konsequenzen für die beamtete Doktor-Mutter und Vorsitzende des Prüfungsausschusses der FU Dr. Börzel ? Für die, die aus diesem System blauäugig Nutzen ziehen und auffliegen, habe ich etwas Mitleid: Bei den vielen Belanglosigkeiten, die Geisteswissenschaftler voneinander abschreiben, muss man von Zitiermängeln nicht zwingend auf Persönlichkeitsstörungen schließen. Titelsüchtigen (wie z. B.
    A. Scheuer) empfehle ich viele Reisen nach Österreich. Da wird jeder Brillenträger mit „Herr Doktor“, mindestens aber mit „Herr Ingenieur“ angeredet- und das ist kontaktfördernd.

    • Es geht um Politikwissenschaft, die nicht zu den Geistes-, sondern Sozialwissenschaften gehört. Man könnte da ähnlich theoretisch und empirisch fundiert arbeiten wie in den Wirtschaftswissenschaften (wo auch nicht alles Gold ist, was glänzt, aber doch bestimmte Standards existieren), was leider häufig nicht der Fall ist. Trotzdem sind methodische und inhaltliche Schwächen für sich genommen noch kein wissenschaftliches Fehlverhalten. Frau Kollegin Börzel hat allerdings nicht nur bei der Betreuung und Beurteilung der Dissertation versagt, sondern vor allem auch Einfluss auf das Plagiatsprüfungsverfahren genommen, obwohl sie objektiv befangen war. Das ist eindeutiges Fehlverhalten von ihr, welches keine Entlassung aus dem Professorenamt rechtfertigt, aber durchaus Konsequenzen haben sollte. So ist sie als Vorsitzende des Promotionsausschusses ungeeignet und darf auf keinen Fall erneut auf das Plagiatsprüfungsverfahren einschließlich Zusammenstellung der Kommission und Gutachter Einfluss nehmen.

  4. Frau Giffey wollte doch zurücktreten, falls die FU ihren Doktortitel aberkennt:
    https://www.forschung-und-lehre.de/politik/giffey-stellt-ruecktritt-wegen-plagiats-in-aussicht-2043/
    https://www.tagesschau.de/inland/giffey-spd-101.html

    Traurig ist allerdings, daß in diesem Land der politische Druck auf Plagiateure zurückzutreten größer ist als auf bekennende Anhänger der halbterroristischen Antifa (https://www.welt.de/politik/deutschland/article208750999/Disput-auf-Twitter-Esken-zaehlt-sich-zur-Antifa.html).

    • Frau Giffey nimmt es eben mit der Wahrheit nie so genau, nicht nur in ihrer Dissertation. Dagegen sollten Sie nicht eine Verfehlung mit Verweis auf andere entschuldigen. Frau Esken war meines Wissens nach nie bei der Antifa aktiv, sondern spielt nur mit Worten, als wenn jeder ein Faschist wäre, der kein erklärter Antifaschist und nicht für die gewalttätige Antifa ist.

  5. Frau Giffey hätte aber jetzt über Frau Merkel die gute Möglichkeit, Botschafterin beim Heiligen Stuhl im Vatikan zu werden. 2022 brauchen wir wieder einen Nachfolger für Herrn Koch. Dieser Posten ist einer der höchstdotierten der Besoldungsgruppe B. Geübte Praxis war ja, dass deutsche Politiker nicht als Botschafter ernannt werden sollen. Allerdings haben Jenninger und Schavan diese Regel unterbrechen dürfen. Eine Religionszugehörigkeit als Botschafterin ist im Vatikan nicht relevant, falls sie ihre Religion weiter verschweigen sollte.

  6. @ Klaus Wolfgang Berger „Systemkritik Hochschulwesen“
    @ danielsodenkamp „AfD & vorbestrafte Mandatsträger“
    @ Alexander Dilger „wissenschaftliches Fehlverhalten“
    Sie alle treffen ins Schwarze! Keiner bietet Lösungen an! Alle ducken sich weg, mich eingeschlossen, leider nicht kompetent genug.
    ABER wo sind die vielen Kulturschaffenden (Investigationsjournalisten) unseres Landes? – Hier Themenfelder zu finden wäre ein Leichtes. Zu Zeiten von FJS war das anders. Literatur hat sich eingemischt und es wurde veröffentlicht!!! Schwarzbücher etc.

    • Inhaltliche Verbesserungen wären nicht so schwer. Ganz offen unehrliche Minister müssten gehen (neben Frau Giffey z. B. auch Herr Scheuer). Die Freiheiten und Grundrechte der Bürger wären stärker zu schützen – wie auch Gesundheit und Leben von potentiellen Corona-Risikopatienten, ohne Bildung und Wirtschaft zu ruinieren. Die EU müsste sich wieder auf ihren Kern besinnen, die Stärkung des Freihandels statt Abschottung und Überregulierung. Das eigentliche Problem ist politischer Art, nämlich die Alternativlosigkeit von Frau Merkel, die von der missglückten Nachfolgerbestimmung unterstrichen wird. Die öffentlich-rechtlichen Medien sind da völlig kritiklos und die Antifa prügelt inzwischen für die Regierung.

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