Politik vs. Wetter

„As the northern hemisphere gets colder, covid-19 deaths are rising rapidly“, während sie auf der Südhalbkugel stark zurückgehen. Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Wetter im Lauf der Jahreszeiten und Atemwegsinfektionen einschließlich solchen mit SARS-CoV-2. Strittig ist nur der Anteil, den das Wetter direkt auf das Virus hat, im Vergleich zu menschlichen Verhaltensänderungen wegen des Wetters.

Unsere Politiker versuchen, gegen das Wetter anzuregieren wie schon gegen das Klima. Doch dass die Zahl an positiven Testergebnissen in Deutschland erst so stark gestiegen ist und sich jetzt auf höherem Niveau wieder zu stabilisieren scheint, liegt nicht an der Politik, deren ‚Partieller Lockdown ab Montag‘ letzter Woche sich noch gar nicht in den Zahlen zeigt, sondern an gesunkenen und dann wieder gestiegenen Temperaturen. Auch der Lockdown im Frühjahr kam erst nach der saisonalen Trendwende. Nun steht der Winter vor der Tür und ich rechne mit dann weiter steigenden Fallzahlen trotz verschärften Gegenmaßnahmen.

47 Gedanken zu „Politik vs. Wetter

  1. Man muss halt vermeiden, dass sich große Gruppen von Menschen im Inneren treffen. Dazu ist es hilfreich, z.B. Restaurants zu schließen und Privaträume im Hinblick auf große Feiern im Auge zu behalten. Sobald ausreichend viele Menschen geimpft sind (auch Kinder, die das Virus dann nicht weiter verbreiten können), können die Maßnahmen gelockert werden.

    • Große Feiern in privaten Räumen sind in den meisten Bundesländern und Kommunen noch erlaubt. Man drängt die Leute lieber aus den Restaurants mit Hygienekonzepten dorthin. Fußballtraining draußen wurde unseren Kindern ebenfalls verboten. Das ist alles weder verhältnismäßig noch überhaupt effektiv, sondern einfach blinder Aktionismus. Die Politiker treffen unvernünftige Entscheidungen, weil sie (wie auch Sie mit Ihrer Bewunderung für das Regime in China) die Bürger für noch dümmer und unmündig halten.

      • Wie kommen Sie denn jetzt auf China? Argumentationen ad hominem, das haben Sie nötig?

      • Es ist durchaus relevant für die Diskussion, dass Sie sich fälschlich als Demokrat bezeichnen und nicht nur hinsichtlich Corona autoritäre Regime und Maßnahmen befürworten.

      • Wissen Sie, Herr Professor, Ihr arrogantes und uncharismatisches Abkanzeln von Personen, die eine andere Meinung haben, dürfte einer der Hauptgründe für Ihr Scheitern auf der persönlichen Bühne sein. Wer will denn solche Politiker haben?

      • Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Ich habe Sie wohl tatsächlich mit einem anderen Kommentator verwechselt, der hier die Volksrepublik China (und nicht etwa Taiwan) als leuchtendes Beispiel hinstellte. Damit war meine Kritik an Ihnen nicht gerechtfertigt.

        Andernfalls würde ich allerdings dazu stehen. Politisch wäre es zwar trotzdem klüger, über den Dingen und Bürgern zu schweben, aber dies ist mein persönlicher Blog, in dem es um Wahrheits- statt Mehrheitsfindung geht. Die Wahrheit im konkreten Fall ist allerdings, dass mein Vorwurf an Sie nicht berechtigt war. Entschuldigung.

  2. Organisation im Gesundheitswesen!
    In den Gesundheitsämtern fehlt Personal zur Nachverfolgung der Infizierten.
    Die Ärzte- und Zahnärztekammern beschäftigen sich stattdessen mit der
    Kontrolle von IQ-Systemen.
    Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass in einer Zahnarztpraxis mit 5 Behandlungseinheiten, die alle baugleich sind, auch 5 Betriebsanleitungen (die auch alle gleich sind) vorhanden und greifbar sein sollten. Auf die Frage wofür das denn gut sein soll, kommt die Antwort : „es ist so vorgeschrieben“.
    Der Amtsschimmelt wiehert!

    Festzustellen ist, dass die Lobbyisten gute Arbeit geleistet haben. Was haben den Patienten die QM-Systeme gebracht? Ist die Medizin besser geworden?

    Solange wir uns mit Bürokratie beschäftigen, kann die Pandemie nicht so schlimm sein.
    „ Außer Spesen nichts gewesen.“
    Die Kosten für eine Praxis belaufen sich ca. 20.000,00 € ohne dem Patienten zu helfen!
    G. Schneider

  3. Die Sache mit Corona und den Temperaturen verstehe ich eigentlich nicht. Wenn es kalt wird, fürchten wir uns etwas mehr vor dem Virus. Wie schaut es in Brasilien aus? Neben den USA das Land mit den höchsten Infektionszahlen. Dort sind die Temperaturen im März und September nahezu gleich. Aber da, wo bei uns die Infektionen am geringsten waren, waren sie in Brasilien am höchsten. Vielleicht ist hier EL Ninjo verantwortlich durch die veränderten Meeresströmungen. EL Ninjo tritt alle 2 bis 7 Jahre auf, und 2020 ist ein EL Ninjo Jahr.

    • Brasilien ist ein riesiges Land. Im Norden gibt es gar keine Jahreszeiten, doch im Süden stiegen die Infektionen im dortigen Winter (unserem Sommer), um jetzt mit dem Frühling zurückzugehen, während sie hier mit dem Herbst ansteigen. Das hat wenig mit der Politik und deren Maßnahmen zu tun, sondern ist bei einer saisonalen Infektionskrankheit nicht anders zu erwarten.

  4. Die zweite Welle scheint schon wieder in der Dynamik gebrochen – die Zuwachsrate sinkt oder die „Neuinfektionen“ stagnieren. Der Dynamik-Umschwung war um den 25.Oktober , also 1 Woche vor dem zweiten Lock-down. – Aber die nächste Welle ist sicher, da der Virus, in welcher Modifikation auch immer, sich eingenistet hat. Das Problem bleibt aber die irrwitzig überrissene Reaktion auf diese Tatsachen. Die relative Zahl der Verstorbenem mit positivem Test ist nur noch 25% im Vergleich mit dem Frühjahr. Die klinischen Fälle sind kein Mengenproblem. Die Untersterblichkeit dieses Jahr ist evident. Und die Reaktionen der Politik darauf sind verhältnismässig? Eher hysterisch.

    • Sie übersehen die drohende Überlastung der Intensivstationen. Schauen Sie auf intensivregister.de. Wenn die Zahl der belegten Betten immer weiter steigt, haben wir ein Problem. Dann können auch z.B. Unfallopfer irgendwann nicht mehr behandelt werden.

      • Wenn, ja. Aber laut intensivregister.de vom 11.11.2020: aktuell belegt intensivmedizinische Plätze 21787 – freie Plätze 6715 – 3127 COVID-19 in intensivmedizinischer Behandlung – zum Vortag 442 neue Intensivfälle COVID-19 – zum Vortag 374 abgeschlossene Behandlungen COVID-19 – Nettozuwachs 68 Fälle COVID-19.

        Da die „Neuinfektionen“ stagnieren und die klinischen Fälle nur eine leichte Verzögerung (ca. 14 Tage) aufweisen, besteht keine erkennbare Gefahr einer Überlastung.

        Ratio sollte Politik und Verwaltung bestimmen und nicht unbestimmte Ängste und Hysterie.

      • Richtig, es droht aktuell keine Überlastung der Krankenhäuser, jedenfalls nicht wegen COVID-19, sondern höchstens wegen schlechter Gesundheitspolitik. Das ganze Jahr gab es freie Kapazitäten und die Sterblichkeit ist immer noch geringer als in den Vorjahren. Sollte akut eine Überlastung drohen, könnte immer noch mit gezielten Maßnahmen gegengesteuert werden statt mit der vorherrschenden Symbolpolitik.

      • Das kann sich halt sehr schnell ändern (exponentielles Wachstum).

      • Wo sehen Sie denn exponentielles Wachstum in Deutschland? Die Zahlen sind jahreszeitlich bedingt angestiegen, um jetzt bereits unabhängig von den neuen Zwangsmaßnahmen wieder abzuflachen.

      • Es geht ja nur darum, dass die Infektionszahlen fallen müssen, um die Zwangsmasssnahmen zu begründen. Nach einer Woche sind sie ja begründet nicht zurückgegangen, und nach 2 Wochen werden wir ein Allzeithoch erreichen. Scholz beruhigt, in dem er sagt, es sei noch Geld da.
        Nur durch Impfen werden wir die Pandemie in den Griff bekommen. Ich hoffe, Deutschland fängt in diesem Jahr noch damit an. Und hier meine Frage:
        Muss ich als Geimpfter noch eine Maske tragen und wenn ja, warum?

      • Die Politik hat doch gar keine klaren Ziele, sondern ändert diese ebenso willkürlich wie die Maßnahmen. Zuletzt wurden 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche zum Maß aller Dinge erhoben, aber darunter wird es wohl erst wieder im Frühjahr fallen. Hinreichend viele Impfungen wird es erst noch später geben.

        Bislang müssen doch auch die bereits Infizierten, die wieder gesund sind, Masken tragen und sich an alle weiteren Maßnahmen halten, sei es wegen des Restrisikos einer erneuten Infektion, der leichteren Durchsetzbarkeit von Maßnahmen für alle oder auch dem Vermeiden von Anreizen, sich zu infizieren. Entsprechend vermute ich, dass Geimpfte am Anfang keine Erleichterungen erhalten und irgendwann ganz viele, um möglichst viele zur Impfung zu bewegen.

  5. Hier kommt ein starkes Gegenargument gegen die These vom Wetter: Selbiges dürfte in den Niederlanden vergleichbar mit dem in Deutschland sein. In den Niederlanden wurde das öffentliche Leben früher heruntergefahren und sinkt die Zahl der Neuinfektionen seit einigen Tagen beachtlich.

    • Der Einfluss vom Wetter bzw. der Jahreszeit ist doch empirisch sowohl für SARS-CoV-2 als auch in Analogie zu vergleichbaren Viren sehr deutlich erkennbar. Das bedeutet nicht, dass es nicht auch noch andere Einflussfaktoren geben kann, z. B. effekte (im Gegensatz zu rein symbolischen) Maßnahmen oder auch ein wellenförmiges Infektionsgeschehen. In den Niederlanden war das Infektionsgeschehen zuletzt stärker, so dass es sich nun auch stärker wieder abschwächen kann, weil z. B. viele mögliche Superspreader schon krank waren.

      • Ja, vielleicht ist es wellenförmig. Ich glaube jedenfalls, dass man ohne die Schließungen von Schulen (bzw. Umstellung auf Digitalunterricht, falls möglich) nicht allzu viel erreichen wird. Aber daran traut sich im Moment bundesweit noch kaum jemand ran.

      • Die Kinder stecken kaum jemanden an und sind auch selbst nicht gefährdet, aber trotzdem hacken auch Sie auf den Schwächsten unserer Gesellschaft herum, weil diese sich nicht wehren können und Eltern inzwischen in der Minderheit sind.

      • Kleine Kinder nicht, ältere Jugendliche sicherlich. Zum Beispiel könnte man prinzipiell den Unterricht in der Oberstufe problemlos komplett online durchführen. Mir ist schleierhaft, warum das nicht zumindest versucht wird.

      • Unser sechsjähriger Sohn muss jetzt stundenlang eine Maske tragen, auch draußen und neben den immer gleichen Mitschülern, nur (noch) nicht an seinem eigenen Platz im Klassenraum (und beim Essen). Das ist kinderfeindlich ohne irgendeinen medizinischen Nutzen. Auch Digitalunterricht wäre für ihn mehr schädlich als nützlich. Es würde darauf hinauslaufen, dass ich ihn die meiste Zeit betreuen müsste und versuchen würde, ihm etwas beizubringen. Bislang ist Home Schooling in Deutschland jedoch verboten, weil unserer Staat alles besser weiß und zwingend vorschreibt, statt seine Bürger frei entscheiden zu lassen.

        Auch in der Oberstufe ist Digitalunterricht nicht so einfach, weder für die Lehrer noch Schüler. Es fehlt oft an Hardware, aber auch an Kenntnissen und geeigneten Lehrmaterialien, um die sich der Staat nicht gekümmert hat. Jugendliche sollten auch nicht den ganzen Tag vor dem Computer oder Smartphone sitzen, obwohl viele das ohnehin tun. Selbst an den Universitäten ist die digitale Lehre nicht einfach, aber immerhin möglich.

      • Einverstanden, aber geht es nicht angesichts der Ausbreitung des Virus in der Gesellschaft bald schon in Richtung Körperverletzung, wenn man Kinder in die Schule schickt? Dass die Eltern da machtlos sind, ist klar, aber dem Staat könnte man das anlasten. Es gibt Infektionen in Schulen, das ist unbestritten. Ältere Lehrer können auch gerne mal schwerer erkranken. Freiwilliges Homeschooling wäre eine Alternative. Gerade als Universitätsprofessor hat man prinzipiell massig Zeit dafür, insbesondere wenn man die eigene (freiwillig getätigte) Forschung auch mal liegen lassen kann.

      • Wessen Körper werden denn verletzt? SARS-CoV-2 ist für Kinder nicht ernsthaft bedrohlich. Bei ihnen gilt tatsächlich, dass eine Grippe schlimmer ist. Es ist aber auch immer noch unklar, ob sie überhaupt andere anstecken oder vor allem von Erwachsenen angesteckt werden. Wenn sie nicht ansteckend sind, gefährden sie auch nicht ihre Lehrer, aber auch nicht ihre Eltern, Großeltern und andere Personen außerhalb der Schule. Wer gar nicht infiziert ist, was auf die allermeisten Kinder und auch Erwachsenen zutrifft, kann ohnehin niemanden anstecken.

        Die liberale Lösung wäre, dass jeder selbst entscheiden darf (und Kinder zusammen mit ihren Eltern). Es gilt, verschiedene Risiken gegeneinander abzuwägen. Wenn Kinder sich nicht in die Schule trauen (oder ihre Eltern das nicht wollen), sollen sie zu Hause bleiben dürfen. Gute digitale Lehrangebote müssten doch auch gar nicht von jedem Lehrer neu für seine eigene Klasse erfunden und angewandt werden. Lehrer sollten grundsätlich auch selbst entscheiden dürfen, ob sie vor der Klasse stehen oder ihrer Arbeit auf andere Weise nachkommen wollen. Als Professor habe ich schließlich eine Verpflichtung zu Forschung und Lehre, aber große Freiheitsgrade, wann, wo und wie ich dieser nachkomme.

      • Bei Schülern, gerade bei älteren, gibt es zumindest ein Restrisiko einer schweren Erkrankung. Bei älteren Lehrern ist das Risiko höher.

        Die Pflicht zur Forschung existiert bei Professoren nur auf dem Papier. Schauen Sie, wie viele Professoren teilweise jahrzehntelang quasi gar nicht mehr forschen, sondern nur noch ihre vorgeschriebene Lehre absolvieren.

      • Die „Todesfälle mit Coronavirus (COVID-19) in Deutschland nach Alter und Geschlecht“ sind inzwischen für Jugendliche sogar noch geringer als für Kinder (2 Jungs zwischen 10 und 19 Jahren gegenüber jeweils zwei Jungs und Mädchen von 0 bis 9 Jahren). Ich gehe von schweren Vorerkrankungen aus, aber auch ohne sie sind etliche Risiken größer, auch solche durch die Gegenmaßnahmen (wie mehr Suizide nach Depressionen oder häusliche Gewalt).

        Der Ansatz, immer alle zu demselben zu zwingen, ist ohnehin verfehlt. Warum müssen entweder alle in die Schule gehen oder darf gar keiner kommen? Ein differenzierteres Vorgehen, das auf mehr Eigenverantwortung setzt, wäre in mehrfacher Hinsicht besser, auch für den Gesundheitsschutz. Eltern können und wollen ihre Kinder besser schützen als z. B. Herr Spahn, der sich nicht einmal selbst vor einer Infektion geschützt hat.

        Die meisten Universitätsprofessoren sind zur Forschung verpflichtet, Professoren an anderen Hochschulen in der Regel nicht. Wie diese Verpflichtung erfüllt wird, wird richtigerweise nicht detailliert vorgeschrieben. Es sind nicht nur (aber natürlich auch) Veröffentlichungen in US-amerikanischen Spitzenzeitschriften relevant. Es ist außerdem besser, Doktoranden und Habilitanden zur eigenen Forschung anzuleiten und ihnen Freiräume zu lassen, statt deren Forschung als die eigene auszugeben. Schließlich mag es Kollegen geben, die nicht (mehr) sonderlich aktiv forschen, aber ebenso kann man seine Lehrverpflichtungen vernachlässigen, während ich niemanden kenne, der die Grenzen des Berufsbeamtentums austestet und (fast) nichts mehr tut für sein Geld.

      • Sie publizieren doch auch mit Doktoranden im Rahmen gemeinsamer Projekte.

        Ich denke, dass es gewiss Universitätsprofessoren gibt, die das Berufsbeamtentum austesten. Kennen Sie einen einzigen Fall, in dem es Disziplinarmaßnahmen wegen mangelnder Forschungstätigkeit gab? Die Frage ist eher, inwiefern das zu kritisieren ist. Das Tenure-System in der Wissenschaft betont halt stark die Forschungstätigkeit vor der Berufung zum Professor.

      • Es ist durchaus sinnvoll, zusammen mit seinen Mitarbeitern zu publizieren. Aber als Professor sollte man ihnen auch Freiräume gewähren und sich nicht ohne eigenen inhaltlichen Beitrag auf Publikationen setzen.

        Ich kenne keinen Kollegen, der nicht ordentlich arbeitet. Es gibt allerdings große Unterschiede darin, was getan wird. Das ist in einer arbeitsteiligen Gesellschaft aber auch sinnvoll. Wer von allen Spitzenleistungen auf allen Gebieten fordert, versteht weder etwas von Wissenschaft noch von Wirtschaft. Dass vor einer Berufung andere Anforderungen gestellt werden als danach, ist doch ebenfalls sinnvoll.

      • Ja, ich wiederum kenne zumindest in den Wirtschaftswissenschaften aber auch niemanden, der sich einfach so auf Projekte schreibt, wenn er/sie überhaupt keinen Beitrag leistet.

      • Da kenne ich durchaus welche, ohne Namen nennen zu wollen. Dabei zählt es nicht als wissenschaftlicher Beitrag, nur die Stelle bereitzustellen oder nach Durchsicht sein Einverständnis zur Veröffentlichung zu geben.

      • Das ist im Endeffekt wissenschaftliches Fehlverhalten und schlechter, als wenn man gar nichts publiziert. Man sollte das anders lösen: Wer sich erkennbar nicht mehr an der Forschung beteiligt, sollte keine Scheinkoautorenschaften erhalten, sondern andere Aufgaben übernehmen, z.B. im Bereich der akademischen Selbstverwaltung.

      • Es mag im Einzelfall Gründe dafür geben, aber als grundsätzliche Strategie ist es tatsächlich wissenschaftliches Fehlverhalten und abzulehnen. Alle Kollegen, die ich persönlich kenne, sind allerdings aktiv, wenn nicht in der Forschung, dann eben stärker in der Lehre, Selbstverwaltung, Weiterbildung oder auch Transfer.

      • Naja, wenn es, wie in der BWL teilweise üblich, um Weiterbildung und Transfer im Sinne von bezahlten Nebentätigkeiten geht, impliziert das nicht, dass die eigentliche Hochschullehrerstelle substantiell mit Leben gefüllt wird.

      • Weiterbildung und Transfer können durchaus im öffentlichen Interesse sein, es hängt vom Inhalt und Adressaten ab. Unabhängig davon halten alle Professoren ihren Lehrstuhl am Laufen. Selbst wer seine eigenen Lehrverpflichtungen mehr formal als substanziell erfüllt, sorgt doch immerhin dafür, dass das Lehrangebot gesichert wird, und sei es durch Doktoranden und Lehrbeauftragte, die als Dozenten nicht schlechter sein müssen. Manager anderswo machen doch auch nicht alle operativen Tätigkeiten selbst.

      • Aber muss man dafür dann brutto 80k Euro oder noch mehr Jahresgehalt bekommen (wenn man den angesprochenen Aspekt mit dem Tenure einmal ausblendet)?

      • Man muss das im Zusammenhang sehen. Die guten Arbeitsbedingungen von Professoren sind auch ein Anreiz für den wissenschaftlichen Nachwuchs und ermöglichen guten Wissenschaftlern bessere Arbeit. Gegeben die hohe, lange und risikoreiche Qualifikation sind Universitätsprofessoren keineswegs überbezahlt. In vielen marktnahen Fächern verdienen Promovierte bereits ein höheres Anfangsgehalt.

      • Ist das Gehalt anderswo wirklich höher, wenn man z.B. die großzügigen Pensionen mit einrechnet? Auch die faktische Unkündbarkeit, die Möglichkeit der privaten Nutzung von Dienstmaterial (Notebooks im Homeoffice) oder die Reisemittel könnten monetär in diese Rechnung einbezogen werden.

      • Anderswo gibt es Dienstwagen (in Münster könnte ich zumindest ein Dienstfahrrad beantragen), mit höheren Gehältern in jungen Jahren kann man auch mehr fürs Alter zurücklegen. Lehrergehälter (auch mit Pensionsanspruch und Unkündbarkeit) können an Professorengehälter heranreichen, ohne dass man promovieren, habilitieren und forschen muss. Ich will mich nicht beklagen, aber Ihre Neiddebatte geht an den eigentlichen Herausforderungen der Hochschulen vorbei.

      • Keineswegs handelt es sich um eine Neiddebatte, vielmehr um die Beschreibung der Realität. Sie erinnern sich sicher daran, dass der Ausgangspunkt die aus meiner Sicht geringe Arbeitsbelastung etablierter Professoren war (ich spreche von dem, was wirklich notwendig ist, um das Gehalt zu verdienen). Gleichzeitig habe ich betont, dass das zum System des Tenure dazu gehört.

        Ich sehe keinen Änderungsbedarf, würde aber generell darauf achten, dass der einzelne Professor durch viele Rufe nicht irgendwann deutlich mehr als das Grundgehalt verdienen kann. Lieber sollte dann eine weitere Professorenstelle geschaffen werden.

        Der Lehrerberuf ist m.E. körperlich anspruchsvoller, was sich an der nicht geringen Zahl an Burnout-Fällen zeigt.

      • Die Realität ist vielschichtig und von behaupteten Einzelfällen (kennen Sie persönlich auch nur einen Fall eines kaum arbeitenden Professors?) sollten keine allgemeinen Schlüsse gezogen werden. Es mogeln doch auch nicht alle Politiker wie Frau Giffey. Dass die Arbeitsleistung von Professoren nicht detailliert vorgeschrieben wird (wer sollte das mit welchem Wissen tun und dann auch noch kontrollieren?), stiftet deutlich mehr Nutzen, als Kosten durch potentiellen Missbrauch entstehen.

        Dass weitere Rufe zu Gehaltssteigerungen führen können, ist doch gerade ein Arbeitsanreiz, der außerdem die Allokation verbessert (zwischen Hochschulen, aber auch zwischen Fächern und in Konkurrenz mit anderen Berufen). Warum wollen Sie das abschaffen? Das Professorengehalt ist ohnehin nicht der größte Kostenblock, sondern das sind Mitarbeiterstellen (und in bestimmten Fächern auch noch Großgeräte). Vielleicht sollten überdurchschnittlich viele davon nicht dauerhaft fest vergeben, sondern die Betreuungsleistung regelmäßig überprüft werden (aber auch hier stellt sich die Frage, wer das mit welchem Wissen und welchen Anreizen tun soll).

        Bei den Lehrerstellen kommt es sehr auf die Schulart, die Jahrgangsstufe und die konkrete Schülerschaft an. Die härtesten Jobs werden dabei im Schnitt schlechter bezahlt, während ein Gymnasiallehrer mit kleinen Oberstufenkursen doch eher eine ruhigere Kugel schieben kann als ein Hochschullehrer.

      • Ohne Namen zu nennen: ja. Und es ist doch auch völlig natürlich, da es nur für die 9 SWS Lehre eine Kontrolle gibt (wobei selbst das ausgehebelt werden kann). Warum sollte es nicht Personen geben, die es als nicht für nötig erachten, substanziell mehr zu arbeiten? Ein Lehrer hingegen muss auch bei einfachen Oberstufenkursen über 20 Stunden physisch in der Klasse verbringen.

      • Wie ich schon schrieb, kenne ich persönlich keinen Kollegen, der nicht hinreichend für sein Gehalt arbeitet (es könnte auch in meinem Falle vielleicht noch mehr sein, aber dafür fehlt es dann tatsächlich an Anreizen und es gibt keine Pflicht zur Selbstausbeutung). Sie haben Ihre Identität nicht offengelegt. Offensichtlich besitzen Sie nähere Kenntnisse vom Universitätssystem. Aber wer nicht selbst Professor ist, übersieht leicht einen großen Teil der Aufgaben, die nicht so gut wahrnehmbar sind wie veröffentlichte Forschungsergebnisse oder Lehrveranstaltungen unter eigenem Namen. Professoren verantworten z. B. auch die Lehre der eigenen Mitarbeiter und Lehrbeauftragten, müssen sich um viele Prüfungen und auch die Prüfungsordnungen kümmern. Gutachten für Zeitschriften oder meine geschäftsführende Herausgeberschaft der Zeitschrift Hochschulmanagement sind ebenfalls Teil meines Berufs, auch wenn meine Universität nicht unmittelbar etwas davon hat (wie ich selbst auch nicht). FH-Professoren können sich hingegen weitere Tätigkeiten auf ihr größeres Lehrdeputat anrechnen lassen und auch Lehrern ist das teilweise möglich.

  6. Heute haben wir ein Allzeithoch von über 23500 täglich Infizierten erreicht. Gleich darauf gibt uns die Politik auch die nötige Erklärung, die da lautet: „Wir haben zu viel getestet“.
    Somit werden die Testungen nun langsam zurückgefahren, und ….. es gibt Gründe dafür. Das Bundesgesundheitsministerium gibt bekannt „Testen ohne Anlass führt zu einem falschen Sicherheitsgefühl“. Die sollten sich was schämen.
    Wenn wir morgen dann die 25.000 überschreiten, geht es wieder den Berg hinunter. Es ist ja Wochenende.

    • Kann man zu viel testen? Es werden wohl nicht immer die richtigen Leute getestet, so fehlt es immer noch an repräsentativen Daten. Außerdem muss man die Zahl und Verteilung der Tests berücksichtigen, wenn man die Infektionszahlen richtig beurteilen will. Es gibt nun mehr positive Tests als im Frühjahr, aber vermutlich weniger akut Infizierte und deutlich weniger Todesfälle.

  7. Pingback: Noch keine neuen Zwangsmaßnahmen, aber neue Ermächtigung dafür | Alexander Dilger

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