Zweites digitales Semester begonnen

Das Sommersemester war wegen COVID-19 bzw. der Gegenmaßnahmen mein erstes digitales Semester (siehe ‚Lehrveranstaltungen verschoben und noch offen‘ und ‚Erstmals Seminar und Disputation digital‘). Heute hat das zweite digitale Semester für mich mit einer Vorlesung und einer Seminarvorbesprechung begonnen (wenn man von einer diesmal ebenfalls digitalen Begrüßungsveranstaltung für neue Master-Studenten bereits gestern absieht) Der Semesterbeginn war coronabedingt vom Oktober verschoben worden. Wegen der Unsicherheit über die weiteren Maßnahmen hatte ich mich diesmal schon vorher entschieden, keine Präsenzlehre anzubieten. Bei den digitalen Vorlesungen habe ich jedoch eine grundlegende Änderung vorgenommen als Reaktion auf schlechte studentische Evaluationen, obgleich die Klausurergebnisse eher besser ausfielen. PowerPoint-Präsentationen mit Tonspur sind offensichtlich nicht attraktiv genug, weshalb meine Vorlesungen jetzt auch wie schon das Seminar im letzten Semester mittels Zoom stattfinden. Dabei erfolgt außerdem eine Videoaufnahme und nicht nur eine Tonspur. Möge das dem Lernerfolg dienlich sein!

Dabei stellt sich die Frage, welche langfristigen Folgen die Digitalisierung auf die Lehre hat. Vorlesungen wird schon lange der Untergang vorhergesagt, der nun tatsächlich kommen könnte. Im ersten Schritt könnte man die Videos wiederholt verwenden. Bisher wäre das nicht auf die Lehrverpflichtung angerechnet worden. Coronabedingt ist das zumindest unklar und als Ersatz könnte man z. B. eine Begleitdiskussion zur Videovorlesung anbieten. Der zweite Schritt wären professionelle Videos statt einfach nur Mitschnitte. Man kann das aber auch überspringen und gleich zum dritten Schritt übergehen, der Verwendung fremder professioneller Videos. Warum sollte die Studierenden nicht die echten Stars des Fachs hören und sehen oder alternativ professionelle Schauspieler mit auflockernden Filmszenen? Im vierten Schritt sind dann die meisten Lehrenden oder sogar Hochschulen entbehrlich. Wer es sich leisten kann, setzt auf interaktive Kleingruppenveranstaltungen oder sogar Einzelunterricht, während die studentischen Massen zu Hause vor dem Computer sitzen dürfen.

6 Gedanken zu „Zweites digitales Semester begonnen

  1. Schritt 4 sehe ich nicht. Es braucht dezentrale Experten, die neues Wissen einordnen können und als Ansprechpartner beim eigenständigen Lernen zur Verfügung stehen. Ansonsten haben Sie eventuell recht; Einführungsvorlesungen, die in ähnlicher Form überall auf der Erde angeboten werden, könnte man mittels hochwertiger fremder Videos konsumieren. Aber auch hier können dezentrale Angebote z.B. der Prokrastination entgegenwirken.

    • Vielleicht sind einfach die Vorlesungen per se veraltet und wir müssten stärker auf Seminare und die Begleitung des individuellen Lernens setzen, was in Massenuniveritäten allerdings schwer ist.

      • Das ist eine sinnvolle Entwicklung. Etwa könnte man wieder mehr Schulabgänger in berufliche Ausbildungen bringen und damit die Massenuniversitäten in die Geschichtsbücher ablegen. Gute Ausbildungen sind für viele Arbeitstätigkeiten mindestens genauso gut geeignet wie ein Studium.

  2. Die „Studierenden“ können dann auf „Lehrende“ verzichten und müssen dann nicht mehr an Tischenden und Stühlenden sitzen. Es reicht, in Bettinnen oder auf Sofainnen zu liegen und Lehrvideos zu schauen. Die meisten „ProfessoXen“ sind dann arbeitslos…?!? 🙂

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