Merz regt sich über weitere Verschiebung des CDU-Bundesparteitags auf

Frau ‚Kramp-Karrenbauer g[ab] auf‘ als CDU-Bundesvorsitzende wegen der Kanzlerin, und zwar schon im Februar. Im April sollte ihr Nachfolger gewählt werden, was wegen Corona erst auf den Herbst verschoben werden sollte und dann auf den für Anfang Dezember geplanten ordentlichen CDU-Bundesparteitag. Dieser wurde jetzt auch verschoben, weil, für die uns mit Zwangsmaßnahmen überziehenden Politprofis völlig überraschend, Corona immer noch da ist und im Herbst die Infektionen rein saisonal wieder zunehmen. Ein willkommener Nebeneffekt ist noch, dass der bei den CDU-Mitgliedern beliebteste Kandidat Friedrich Merz (siehe „Umfrage unter CDU-Mitgliedern: Merz führt – aber Söder weckt Hoffnungen“) auf diese Weise ausgebremst werden kann. Frau Kramp-Karrenbauer wird deshalb trotz ihres früh angekündigten Rücktritts wohl weit länger als ihre gewählte Amtszeit im Amt bleiben.

Herr „Merz vermutet ‚beachtliche Teile des Partei-Establishments‘ gegen sich“. Damit hat er natürlich recht. Trotzdem finde ich allein seine harte öffentliche Reaktion überraschend. Zuvor hatte er doch noch Frau Merkel gelobt und sich selbst bei den Grünen anzubiedern versucht. Nun herrscht offener Kampf, den die CDU noch viel weniger mag als andere Parteien, weshalb seine ohnehin kleinen Erfolgschancen noch einmal deutlich gesunken wind. Denn CDU-Vorsitzender wie Kanzlerkandidat werden im kleinen Kreis ausgekungelt. Die CDU-Parteitagsdelegierten, die alle Parteifunktionäre und meist bezahlte Mandatsträger sind, nicken das dann traditionell ab. Ein Risiko wie vor zwei Jahren, als sich Frau Kramp-Karrenbauer erst im zweiten Wahlgang und nach Bestechung des JU-Vorsitzenden Paul Ziemiak mit dem Generalsekretärsposten gegen Herrn Merz durchsetzen konnte, wird man nicht wieder eingehen wollen. Schließlich kann man den Bundesparteitag mit der Begründung Corona immer weiter verschieben oder bei Bedarf jederzeit als Delegiertenparteitag durchführen. Die Chancen auf die Kanzlerschaft sind heute jedenfalls für alle drei offiziellen Bewerber um den CDU-Vorsitz gefallen und für zwei andere Personen gestiegen, nämlich den antiföderalen Bayern Markus Söder und die Frau, die ohnehin schon im Kanzleramt sitzt.

35 Gedanken zu „Merz regt sich über weitere Verschiebung des CDU-Bundesparteitags auf

  1. Entweder Merz ist jetzt schnell weg vom Fenster oder er kämpft endlich mal. Im besten Fall mischt er die CDU in den nächsten Monaten richtig auf, denn zu verlieren hat er nichts. Irgendwie leider unwahrscheinlich, es sei denn, es gibt doch noch relevante CDU-Promis, die sich nun klar auf seine Seite schlagen.

  2. Beabsichtigt Herr Merz, einen Kurs à la DJT zu fahren? Dann könnte er einige Jahre zu spät dran sein; das Blatt scheint sich in den westlichen Demokratien ein wenig gegen Populisten zu wenden.

  3. Wird jetzt greifbar, was Prof. Dilger schon letztes Jahr als Möglichkeit andeutete, nämlich, daß unsere Geliebte Bundeskanzlerin den Rücktritt vom Rücktritt erklären wird?

  4. Friedrich Merz gleich schlechte Wahl wie Armin Laschet oder Markus Söder.

    Merz ein Kämpfer ? Lach mich schlapp, ein Mann ohne Mut und Courage, ohne Herz, Verstand hat er gleichwohl.

    Wie auch viele andere aus der CDU hat er zu Beginn der Merkel Ära um 2002 die Brocken hingeworfen, verlor mit Pauken und Trompeten Posten als Fraktionschef.

    In der Bundesrepublik verlor innerhalb der CDU ausgewiesen, junger flotter Finanz-Fachmann gegen etwas dröge sperrige Frau mit eigenartiger Frisur aus der Uckermark die nichts, Null Kompetenz im Wirtschafts – Wunderland Deutschland vorzuweisen hatte ausser Ossi mit Physik – und auch die ohne Beweise. In einer CDU Ludwig Erhards die immer noch von seinem Erbe zehrt. .
    Deutschland das ohne profunde Kenntnis von Wirtschaft und Finanzen – national wie international – keine Zukunft haben konnte und so wie es geworden ist auch nie wieder erlangen wird.

    Merz mit Mut , Durchsetzung in allen Bereichen ? Lach mich schlapp.

    • Herr Merz ist für sich genommen kein guter Kandidat, aber inzwischen wohl wieder besser als die Alternativen (zwischenzeitlich zeigte er sich angepasster als selbst Herr Laschet, der nicht jede verrückte Corona-Maßnahme mitmachen wollte). Doch seine Chancen sind jetzt noch einmal deutlich gesunken.

  5. Mike Mohring empfiehlt einen Freiluftparteitag im Frühling – wohl mit Heizpilzen.
    Als Ort empfehle ich den Brocken, passend für einen Hexensabbat am ersten Mai.
    Vielleicht bewährt sich die Nachfolgeselektion nach der Methode Julius Caesars: Nämlich Frau Merkel als Imperatorin auf Lebenszeit adoptiert ihren Nachfolger. Das System war erfolgreich, in Ostrom sogar bis 1453.

    • Frau Merkel hat das doch schon versucht und ist gescheitert mit Frau Kramp-Karrenbauer. Ungeklärt ist nur, ob sie nicht sogar scheitern wollte. Herr Kohl konnte auch nicht loslassen, sondern musste abgewählt werden, was beim desolaten Zustand der Opposition und SPD noch viele Jahre auf sich warten lassen kann.

      • Nicht Merkel ist gescheitert, sondern AKK ist gescheitert (was völlig vorhersehbar war und daher durchaus als von der ewigen Kanzlerin beabsichtigt angesehen werden kann – „seht Ihr, nur ich kann es“).

      • Wie bitte? Wie und warum hätte Merkel denn scheitern wollen?

      • Beim Regeln ihrer Nachfolge ist Frau Merkel gescheitert. Aber vielleicht wollte sie diese gar nicht ehrlich regeln, sondern in Wirklichkeit verhindern. Darin ist sie damit wiederum erfolgreich.

      • Genau so ist es. Vorführen, Aussitzen, Teilen und Herrschen. Merkels Zersetzungsstrategie geht wieder einmal auf. Gelernt ist gelernt.

  6. Merz liegt bei der Bevölkerung in Frage der Kanzlerschaft weit vorn. Inzwischen wirft Merz seiner Partei fehlenden Reformgeist und mangelndes Profil vor. Mit Merkel rechnete er kürzlich in einem TV-Interview ab. Er forderte die Kanzlerin auf, ihr Amt abzugeben. Wer von den CDU Vasallen hat sich so etwas schon mal getraut? Alleine aus diesem Grunde wünsche ich Merz, dass er sich durchsetzt.

      • Friedrich Merz wird völlig überschätzt. Dass 18 Jahre nach seinem Verschwinden in der politischen Bedeutungslosigkeit wieder so ein Hype um ihn veranstaltet wird, lässt tief blicken, was den Zustand der CDU an sich angeht. Merkel hat nach bester Kohlscher Manier jeden, der ihr das Wasser hätte reichen können (und das waren sicher einst nicht wenige) weggebissen oder ausgesessen, so das ihr inzwischen der Nimbus der Alternativlosigkeit bescheinigt wird. Friedrich Merz und der stets etwas unbeholfen wirkende Armin Laschet dienen letztlich nur der Untermauerung dieses Status quo.

      • Über welche Stasi-Akten verfügt diese Teufelsbraut, dass sie so einst mächtige Männer ganz einfach vernichten konnte…???

        Niemand ist 100% sauber. Wer war noch nie im Puff, wer ist nie fremd gegangen, wer ist noch nie besoffen Auto gefahren, wer hat noch nie Handwerker „schwarz“ bezahlt oder war bei der Steuererklärung „ein bisschen kreativ“…???

    • Herr 300sel, wieso wird Merz überschätzt? Ich las jede Woche seine Kolumne in der Welt am Sonntag. Er hat mich mit jedem seiner Artikel überzeugt, weil er stets den Finger in die Wunde steckte. Auch seine Wahrheiten haben mich überzeugt. Als er den CDU-Vorsitz und Kanzlerschaft anstrebte, hatte er die Kolumne eingestellt. Vorgestern schrieb Merz: „Es läuft seit Sonntag der letzte Teil der Aktion #Merz verhindern in der CDU“. Über dieses Vorgehen der Parteiführung herrscht bei vielen Mitgliedern blankes Entsetzen. Und Sie, Herr 300sel, fahren einen Mercedes und sagen, Merz würde überschätzt.

      • Was bitteschön hat Mercedesfahren denn mit Friedrich Merz zu tun?

      • Eurokanadier
        sagte am 28/10/2020 um 00:12 :“Das Merkel-Blättchen FAZ greift Merz sofort frontal an: . . .“
        Machen Sie etwas Geld locker, erwerben Sie die FAZ vom 28.10. und lesen Sie die „Fremde Feder“ von Roland Koch. Koch macht die Problematik der CDU hinsichtlich der weiteren Planung deutlich: Vorbereitungen für zwei wichtige Landtagswahlen und die Bundestagswahl sind zu treffen und die CDU stolpert mit nicht stichhaltigen Vorwänden (und verschlechterten Umfragewerten) führungslos voran. Die FAZ bietet eine Plattform für unterschiedliche Meinungen, aber ein Teil der Redakteure (Jasper von Altenbockum) will sich dem politischen Klima in der CDU nicht entziehen: Es muss sich etwas ändern, aber am Bestehenden darf nicht gerüttelt werden.
        Wer Koch als Andenpakt-Mitglied denunziert: Thomas Sigmund kommt im Handelsblatt vom 27.10. ausführlich begründet zum gleichen Ergebnis.

      • Herr 300sel, Herr Merz ist ein sparsamer Mensch. Ab und an fliegt er mal ins europäische Ausland mit seinem kleinen Flieger und freut sich. Er fliegt ja selber.
        Bundeskanzlerin Angela Merkel aber ist unzufrieden mit ihrem neuen Kanzlerinnen-Flugzeug. Der A340 verfügt zwar über eine VIP-Ausstattung, 143 Plätze und kann 13.500 Kilometer weit fliegen, aber dafür nicht auf jedem Flughafen der Welt landen.

      • @Horst Krebs
        Ja, sehr vorbildlich dieser Friedrich, der Große (1,98 Meter).
        Aber irgendein kleines Auto wird er schon auch haben, um zu seinen Flugzeugen zu kommen.

  7. Auch die CDU muß lt. Parteiengesetz jedes Jahr einen Parteitag durchführen. Hier erfolgt wieder ein Rechtsbruch. Eigentlich sollte Merz demnach das Schiedsgericht anrufen.

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