Moderate Lohnerhöhungen nach unangemessenen Warnstreiks

‚Schon wieder ein Streik von Verdi‘ bzw. mehrere Warnstreiks fanden trotz Corona statt. Nun gibt es eine Einigung für die Beschäftigten vom Bund und den Kommunen. Die „Gehälter steigen um bis zu 4,5 Prozent, deutlich mehr Geld für Pflegekräfte“ gibt es außerdem. Konkret wurde Folgendes vereinbart:

Die Löhne der Beschäftigten sollen in zwei Stufen angehoben werden: Zum 1. April 2021 zunächst um 1,4 Prozent, bei niedrigen Einkommen um mindestens 50 Euro. Ein Jahr später gibt es weitere 1,8 Prozent mehr. Auszubildende bekommen pro Jahr 25 Euro zusätzlich. Alten- und Krankenpfleger bekommen ab März eine Zulage von 70 Euro monatlich, die ein Jahr später auf 120 Euro steigt. Die Zulage in der Intensivmedizin wird mehr als verdoppelt auf 100 Euro monatlich, die Wechselschichtzulage steigt von 105 auf 155 Euro monatlich. In den Betreuungseinrichtungen wie Altenheimen wird die Pflegezulage mit einem Plus von 25 Euro auf Gleichstand mit den kommunalen Krankenhäusern gebracht. Ärzte in den Gesundheitsämtern erhalten ab März 2021 eine Zulage von 300 Euro monatlich.
Zusätzlich soll es für alle Beschäftigten in diesem Jahr eine „Corona-Prämie“ geben. Für die unteren Entgeltgruppen (1 bis 8) ist eine Einmalzahlung von 600 Euro vorgesehen, in der mittleren (9 bis 12) sind es 400 Euro. Beschäftigte in den höheren Lohngruppen (13-15) sollen eine Einmalzahlung von 300 Euro erhalten, Auszubildende bis zu 225 Euro.

Insgesamt scheint das nicht zu viel. Für die Landesbediensteten wurde schon letztes Jahr mehr herausgeholt (siehe ‚Lohnerhöhung ohne Streik […]‘). Die von der EZB angestrebte Inflation ist höher als die Lohnerhöhung für die meisten Beschäftigten (außerhalb des Gesundheitsbereichs und oberhalb der untersten Lohngruppen). Die tatsächliche Inflation bei den Konsumgüterpreisen bleibt vermutlich weiterhin niedriger. Doch wie soll sie eigentlich steigen ohne entsprechend steigende Löhne? Vor allem verschleudert der Staat viel mehr Geld an anderer Stelle (siehe ‚Unverhältnismäßige Kosten der Corona-Maßnahmen‘). Trotzdem waren die Streiks zusätzlich zu den vielen Corona-Maßnahmen eine unangemessene Belastung für die Bürger, die das alles letztlich bezahlen müssen, während viele Arbeitsplätze und Einkommen außerhalb des öffentlichen Dienstes gefährdet sind.

6 Gedanken zu „Moderate Lohnerhöhungen nach unangemessenen Warnstreiks

  1. Spannend wird, wie die kommenden Gehaltssteigerungen bei den Beamten aussehen. Sind hier angesichts der Coronaausgaben Nullrunden zu erwarten?

  2. ……Lohnerhöhung der „Helden“ kam bei Mitarbeitern in der Fertigung nicht gut an. Hatten unter erheblichen „Warnstreiks“ im Öffentlichen Verkehr , bei Kitas etc. schwer zu leiden / schaffen.

    Wir Bürger / innen mussten bei Behörden per Telefon / Mail Termine nachsuchen, wer PKW-Ummeldung / Anmeldung hatte wurde wahnsinnig zumindest in Berlin , anderen Großstädten.

    Dafür Lohnerhöhung ?

    In unserer Industriebranche sind eher Null-Runden und / oder Personalanpassungen zu erwarten wenn Konsumflaute – europaweit – anhält. Wer hat – außer Minister Altmaier – Chuzpe etwas anderes zu prognostizieren ?

    • Die im Bundestag bestens (völlig überproportional) vertretene Beamtenkaste nimmt sich immer mehr im Etatisten-Selbstbedienungsladen Deutschland.

      Das geht noch so lange weiter, bis nichts mehr aus den Leistungsträgern der Gesellschaft heraus zu pressen ist. Und dann geht dieses Schlaraffenland für Sozialisten den Weg der untergegangenen DDR. Denn im Unterschied zur ehemaligen Sowjetunion besitzt Deutschland keine nennenswerten Rohstoffe und auch weder einen Knowhow-Vorsprung noch einen besonders hohen Anteil hoffnungsvoller junger Talente.

      Rien ne va plus.

    • Für das Chaos in Berlin sind doch vor allem die Politiker und letztlich ihre Wähler verantwortlich, während viele Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes selbst darunter zu leiden haben. Jedenfalls werfen diese Politiker das Geld für viel unnützere Zwecke aus dem Fenster als für kleine Reallohnerhöhungen, von denen auch die Privatwirtschaft und deren Beschäftigte profitieren. Aber das reicht natürlich nicht, um die völlig unverhältnismäßigen, Unternehmen wie Arbeitsplätze gefährdenden Corona-Maßnahmen auszugleichen.

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