Ökonomenpanel zu Zombieunternehmen

„Volkswirte fürchten ‚Zombie-Unternehmen'“. Das Thema des 31. Ökonomenpanels von ifo und FAZ lautet: „Unerwünschte Nebenwirkung der Corona-Maßnahmen: Zombies?“. Wie die große Mehrheit meiner Kollegen sehe ich darin ein Problem. Dies sind die Fragen und meine Antworten:

Die Bundesregierung hat weitreichende wirtschaftspolitische Maßnahmen beschlossen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzuschwächen. Seit Beginn der Corona-Krise sind die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland gesunken. Es besteht das Risiko, dass durch die wirtschaftspolitischen Maßnahmen Unternehmen mit nicht tragfähigen Geschäftsmodellen künstlich am Leben gehalten werden. Dabei handelt es sich um sogenannte „Zombieunternehmen“, die mit ihren Erträgen mittelfristig ihre laufenden Zinskosten nicht decken können. Vor der Corona-Krise wurden für das Entstehen von Zombieunternehmen vor allem die durch die Niedrigzinsen günstigen Refinanzierungskosten verantwortlich gemacht. Das 31. Ökonomenpanel beschäftigt sich damit, inwiefern die wirtschaftspolitischen Maßnahmen im Zuge der Corona-Krise die Entstehung von Zombieunternehmen beflügeln.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Anzahl von Zombieunternehmen seit Beginn der Corona-Krise im März 2020 bis heute für Deutschland ein?

Stark steigend.

Welche der folgenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen seit Beginn der Corona-Krise birgt Ihrer Ansicht nach Risiken für die Entstehung von Zombieunternehmen? [Mehrfachnennungen möglich]

Politischer Druck auf Banken zur wenig restriktiven Kreditvergabe,

Kurzarbeitergeld,

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht,

Staatliche Kredite über die KfW,

Bürgschaften über die KfW,

Sonstige: Subventionen für einzelne Großunternehmen und Staatsbeteiligungen; EZB-Politik.

Nicht von mit ausgewählt: Senkung der Mehrwertsteuer; Soforthilfe für Selbständige, Freiberufler und Kleinbetriebe.

Wie kann es Ihrer Meinung nach gelingen, dass gezielt diejenigen Unternehmen staatliche Unterstützung erhalten, die ohne die Corona-Krise keine wirtschaftlichen Probleme hätten?

Erweiterung der Verlustvor- und -rückträge; Bürokratieabbau; Ausgleich für massive Staatseingriffe.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen nach Ende der wirtschaftspolitischen Hilfsmaßnahmen entwickeln?

Stark steigend.

Erläuterungen (optional):

Insolvenzen wurden z. T. nur verschoben und ganze Branchen könnten dauerhaft einbrechen.

Ihr öffentlicher Kommentar zu Zombieunternehmen (optional):

Negative Real- oder gar Nominalzinsen verzerren alle Investitionsentscheidungen. Die Politik hilft willkürlich einzelnen, vor allem großen Unternehmen zu Lasten anderer. Am schwersten ist die Einschätzung, welche Änderungen nach Ende der Einschränkungen fortwirken, ob sich also z. B. Tourismus und Unterhaltungsindustrie, aber auch Geschäftsreisen und Büronutzung einfach wieder erholen oder radikal verändern werden.

21 Gedanken zu „Ökonomenpanel zu Zombieunternehmen

  1. „Wie kann es Ihrer Meinung nach gelingen, dass gezielt diejenigen Unternehmen staatliche Unterstützung erhalten, die ohne die Corona-Krise keine wirtschaftlichen Probleme hätten?“
    . . . Mit der Finanzierung von Heizpilzen- aber nur im Zusammenhang mit intelligenten Zählern und Beschränkung auf den Betrieb mit Ökostrom.✨✨✨

  2. Ein Widerspruch, der Ihnen vielleicht noch nicht aufgefallen ist in Ihrem Blog:
    hier sprechen Sie die Zombieunternehmen an. Ein paar posts vorher beklagen Sie die Auswirkungen auf die Gastronomie.
    Ich kenne diese Branche sehr gut (hätte dort vielleicht auch den Meister gemacht, aber habe mich dann anders entschieden) : sehr viele Betriebe in dieser Branche waren schon vorher Zombieunternehmen. Ist es jetzt gut oder schlecht, wenn in dieser Branche eine Marktbereinigung stattfindet?

    • Bei gepachteten Gaststätten/Restaurants ist es schon immer auf einen Pächterwechsel hinausgelaufen (weil die Verpächter häufig Brauereien, Getränkegroßhandel, Automatenaufsteller sind, die weniger an der Pacht, mehr am Absatz interessiert sind) – hohe Fluktuation seit vielen Jahren. Bei den Sterne-Restaurants besteht seit Längerem eine freiwillige Rückstufungstendenz- ggf verbunden mit einem Betreiberwechsel. In sozialer Verantwortung steht aber das unternehmerische Einzelschicksal.
      Bei den gefährdeten Großhotels (Stadthotels) läuft es auch auf einen Pächterwechsel hinaus; insolvente Pachtgesellschaften werden abgewickelt; die Eigentümer (Kapitalgesellschaften, Fonds) schütten eine Zeitlang weniger aus und suchen neue Betreiber, die wiederum aus bestehenden Hotelgesellschaften heraus gebildet werden (und dann bessere Betriebsschließungsversicherungen vereinbaren). Kleinere neu erbaute Hotels an der Ostseeküste wurden mit Appartement-Verkauf errichtet und werden von den Eigentümern betrieben; da müssen ggf. Betriebskostenzuschüsse geleistet werden. Wer da verkaufen muss, wird in der Regel auch heute ein gutes Geschäft machen.

    • Ich bezweifle, dass es in der Gastronomiebranche viele Zombieunternehmen gibt. Dort gibt es wegen sehr niedriger Markteintrittsbarrieren viele Eintagsfliegen, die nicht lange überleben und auch nicht als Zombies fortexistieren, sondern von den nächsten Eintagsfliegen abgelöst werden. Daran ändern auch die Corona-Maßnahmen nichts, sondern sie treffen auch solidere Lokalitäten und könnten die ganze Branche dauerhaft viel kleiner werden lassen.

      • Wo sehen Sie den Unterschied zwischen Zombieunternehmen und Eintagsfliege? Nur in der Zeitdauer, oder sehen Sie noch andere Kriterien?

      • @Piscator

        Ein Zombieunternehmen wird künstlich am Leben erhalten, obwohl es nicht wettbewerbsfähig ist. Eintagsfliegen hingegen verschwinden wieder und verzerren den Wettbewerb nicht.

      • Die ganze Struktur ist anders. Die Eintagsfliegen scheiden von sich aus schnell aus dem Markt aus, während bei den Zombieunternehmen doch gerade das Problem ist, dass sie unwirtschaftlich sind, aber trotzdem lange Zeit fortexistieren und Ressourcen verschwenden.

  3. Richtig (auch sozial gerechter) wäre es, an überhaupt niemanden Subventionen zu vergeben.

    Produkte bzw. Unternehmen, die es nicht in den Markt schaffen, da es keine Bereitschaft des Marktes gibt, diese vorzufinanzieren, werden es immer schwer haben und selten überleben. Und wenn eine Krise nur mit Hilfe des Steuerzahlers überstanden werden kann, dann ist das schlicht und ergreifend a) ungesund und b) ungerecht bzw. eine Wettbewerbsverzerrung denjenigen gegenüber, die keine solche Spritze bzw. weit weniger Unterstützung erhalten.

    Wer meint, mit seinem sauer verdienten Geld in Schieflage geratene Unternehmen untestützen zu müssen, der möge das direkt tun. Dies wäre leicht realisierbar, in dem ach so „systemrelevante“ Unternehmen wie beispielweise die Lufthansa ganz einfach ihr Aktienkapital erhöhen und neue Aktien ausgeben. Dann sieht man schon, ob der Steuerzahler freiwillig zugreift oder nicht.

    • Für Marktradikalisierung, abgeleitet aus diskutierbaren Einzelfällen, werden Sie zu Recht keinen Gesprächspartner finden. Subventionen im öffentlichen Raum wird man ohnehin leicht verteidigen können. Lösungen hinsichtlich der Förderung von Start Ups müssen diskutiert werden; alles Erfolgversprechende wird von US- und chinesischen Unternehmen derzeit herausgekauft und wandert ab. Darüber hinaus hat unsere Gesellschaft kein Interesse, aus der Asche von durch interventionistische Eingriffe verbrannte Unternehmen einen Phönix erstehen zu sehen- die Kollateralschäden wären zu hoch.

      • @Klaus Wolfgang Berger

        „Marktradikalisierung“ ?

        Ich halte das für Marktnormalisierung und nicht für Marktradikalisierung. Was inzwischen alles unter dem Narrativ „Soziale Marktwirtschaft“ möglich ist, hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun. Das ist waschechte Planwirtschaft. Gelenkt von Kakistokraten. So soll der Wirtschaftsstandort Deutschland eine Zukunft haben? Vergessen Sie´s …

      • 300sel sagte am 20/10/2020 um 14:19 :“ . . So soll der Wirtschaftsstandort Deutschland eine Zukunft haben?. . .“
        Die Standortpflege beinhaltet in einer globalisierten Wirtschaft nationale flankierende Maßnahmen für Investitionen und Investitionssicherung, wie an meinem Beispiel zu den deutschen bzw EU-Start-Ups deutlich wird. Ohne Standortpflege sind soziale Standards nicht zu halten.

    • Das hatten wir schon diskutiert. Sie übersehen weiterhin, dass die Unternehmen nicht von sich aus in Schieflage geraten sind, sondern wegen Maßnahmen der Regierung. Jeder Private ist zu Schadenersatz verpflichtet, wenn er anderen einen solchen Schaden zufügt. Noch wichtiger ist die Frage nach der langfristigen Entwicklung. Wenn Geschäftsmodelle langfristig nicht mehr tragfähig sind, aus welchem Grund auch immer, sollten sie nicht mit staatlichem Geld noch eine Weile fortgeführt werden. Ist hingegen die Krise nur vorübergehend, sollte sie mit staatliche Hilfe überbrückt werden, da einmal vernichtete Unternehmen und Arbeitsplätze nicht so leicht zurückkehren.

      • Die Corona-Subventionen stellen natürlich einen Ausnahmetatbestand dar. Aber gerade hier wird besonders ungerecht verteilt. Und wer bezahlt die Mammutsubventionen für Großunternehmen am Ende? Wir hatten das Thema im Frühjahr schon einmal.

      • Die meisten Subventionen an Großunternehmen sind nicht gerechtfertigt, sondern schädlich. Aber da es sie nun einmal gibt, sollten vom Staat bedrohte KMU und Selbständige nicht auch einen Ausgleich bekommen?

      • Den bekommen sie aber nicht bzw. wenn dann nur einen lächerlichen Bruchteil des tatsächlichen Schadens. Die vermeintliche Sicherung eines Arbeitsplatzes bei der Lufthansa (die dann trotzdem ankündigt einen Großteil ihrer Belegschaft zu entlassen) scheint unserem Staat etwa 1.500 mal so viel Wert zu sein wie ein Arbeitsplatz bei einem mittelständischen Unternehmen mit 250 Mitarbeitern. Wie sich das Unternehmen selbst mit der Krise herumschlägt und wie hart es die Unternehmer und Selbständigen trifft, ist Marxisten sowieso egal.

  4. Ihren Ausführungen kann man folgen und sie sind auch nach meiner Meinung korrekt. Das Kurzarbeitergeld auf, ich glaube bis zum Ende des nächsten Jahres zu verlängern, halte ich für einen perfiden Trick der SPD, um für die anstehenden Wahlen in 2021, Wählerstimmen zu generieren.

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