EZB-Umfrage zum digitalen Euro

Nach der ‚Bürgerbefragung der EZB‘ im Frühjahr im Rahmen ihrer Strategieüberprüfung gibt es nun eine zum digitalen Euro, an der Sie hier teilnehmen können. Dabei habe ich nur aus der Nutzerperspektive geantwortet, nicht aus der „Perspektive von Fachleuten aus der Finanz-, Zahlungs- und Technologiebranche“, wozu ich als Wissenschaftler genau genommen nicht gehöre. Außerdem nimmt es auch die EZB mit dem Datenschutz nicht so genau (wie die EU, siehe ‚EU-Kommission sucht Experten mit Geld statt ordentlichen Verfahren‘). Der Datenschutzerklärung muss man zustimmen, um an der Umfrage teilnehmen zu können. Doch folgendes Feld habe ich extra nicht angekreuzt: „Ich stimme der Veröffentlichung meiner personenbezogenen Daten zusammen mit meiner Antwort ausdrücklich zu.“ Trotzdem wurde dafür nachträglich „Ja“ eingetragen. Dies sind meine inhaltlichen Antworten:

Ihre Meinung zum digitalen Euro

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Zentralbanken des Euroraums prüfen gemeinsam, ob ein digitaler Euro eingeführt werden soll.
Ein digitaler Euro wäre eine elektronische Form von Zentralbankgeld. Er könnte von der Bevölkerung und von Unternehmen genutzt werden, genauso wie Bargeld, nur in digitaler Form: als schnelles, einfaches, kostenloses und sicheres Zahlungsmittel. Ein digitaler Euro würde das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen.
Als Teil der laufenden Prüfung wollen wir die Meinung der Öffentlichkeit und aller Beteiligten zu den Vorteilen und Herausforderungen eines digitalen Euro einholen. Dabei geht es uns auch um dessen mögliche Ausarbeitung.
Der folgende Fragebogen besteht aus zwei Abschnitten. Der erste Abschnitt richtet sich an die Öffentlichkeit, der zweite Abschnitt in erster Linie an Fachleute aus der Finanzbranche, aus Technologie-Unternehmen und aus der Wissenschaft. Wir freuen uns jedoch auch über Feedback zu dem jeweils anderen Abschnitt. Die Fragen enthalten Verweise auf die entsprechenden Abschnitte des Berichts des Eurosystems zu einem digitalen Euro (nur auf Englisch verfügbar). Dort finden Sie weitere Informationen.

Nutzerperspektive

Wir möchten herausfinden, wie Menschen im Euroraum einen digitalen Euro nutzen würden. Außerdem möchten wir herausfinden, wie ein digitaler Euro bestehende Zahlungsmethoden ergänzen könnte. Ihre Antworten würden uns dabei helfen, einen digitalen Euro zu entwickeln, der die Bedürfnisse eines breiten Nutzerspektrums erfüllt.

Wie würden Sie die Merkmale, die ein digitaler Euro haben sollte, in der Reihenfolge der jeweiligen Bedeutung einstufen?

1. Ich möchte, dass meine Zahlungen privat bleiben.

2. Ich möchte den digitalen Euro nutzen können, ohne dass dabei zusätzliche Kosten anfallen.

3. Ich möchte, dass der digitale Euro ein sicheres Zahlungsmittel ist.

4. Ich möchte, dass der digitale Euro einfach zu nutzen ist.

5. Ich möchte, dass meine Transaktionen sofort ausgeführt werden.

6. Ich möchte den digitalen Euro im gesamten Euroraum nutzen können.

7. Ich möchte den digitalen Euro mit meinem Smartphone und an Zahlungsterminals nutzen können.

8. Ich möchte auch zahlen können, wenn es kein Internet oder keinen Strom gibt.

9. Ich möchte einen digitalen Euro in Form eines spezifischen physischen Geräts.

Haben Sie weitere Anmerkungen zu der Reihenfolge, die Sie oben angegeben haben?

/

Sehen Sie irgendwelche Herausforderungen im Zusammenhang mit einem digitalen Euro, die Sie oder andere davon abhalten würden, ihn zu nutzen? Was sind das für Herausforderungen?

Es fehlt das Vertrauen, dass die EZB keine negativen Zinsen oder andere Nachteile mit einem digitalen Euro verbindet. Datenschutz ist ebenfalls ein Problem. Bargeld bedeutet mehr Freiheit. Dasselbe gilt für mehr Wettbewerb von Zahlungssystemen und zwischen Banken statt noch mehr Macht für die EZB, die sich für unabhängig von ihrem Mandat hält.

Was für Benutzerfunktionen sollten in Betracht gezogen werden, um die Barrierefreiheit eines digitalen Euro für Menschen aller Altersgruppen, auch für Menschen ohne Bankkonto oder mit Behinderungen sicherzustellen?

/

Für den digitalen Euro sind zwei Ansätze denkbar, einer mit Intermediären, die zur Verarbeitung der Zahlung zwischengeschaltet sind, und einer ohne Intermediäre. Wenn wir einen digitalen Euro entwickeln, bei dem für die Verarbeitung der einzelnen Zahlungen keine Zentralbank und kein Intermediär erforderlich sind, würde sich der digitale Euro eher wie Bargeld anfühlen, aber eben in digitaler Form. Sie könnten den digitalen Euro sogar nutzen, wenn Sie nicht mit dem Internet verbunden sind, und Ihre Privatsphäre und personenbezogenen Daten wären besser geschützt. Die andere Möglichkeit wäre ein digitaler Euro, bei dem Intermediäre die Transaktion dokumentieren. Dies würde online geschehen und ein größeres Potenzial für zusätzliche Dienstleistungen bieten, die der Bevölkerung und den Unternehmen angeboten werden können. Es würden Möglichkeiten für Innovationen und potenzielle Synergien mit bestehenden Dienstleistungen geschaffen. So wäre es beispielsweise einfacher, den digitalen Euro in bereits heute verfügbare elektronische Bankdienstleistungen und -anwendungen einzubinden.

Welcher Ansatz sagt Ihnen am meisten zu? Bitte eine Option auswählen:

Eine Kombination von beidem.

Haben Sie weitere Anmerkungen zu Ihrer Antwort auf die vorstehende Frage?

Ein digitaler Euro könnte doch durchaus beide Eigenschaftsbündel vereinen.

13 Gedanken zu „EZB-Umfrage zum digitalen Euro

  1. Ich stimme Ihren Ansichten zu. Der digitale Euro wird eh kommen, wir müssen schauen, dass wir ihn möglichst vorteilhaft im Sinne der Bürger und Wirtschaft gestalten.

  2. Im Währungswettbewerb gegen den digitalen Dollar oder andere digitale Zahlungsmittel aus dem europäischen Ausland, z.B. China, oder den Bitcoin oder Facebook Libra, gibt es meiner Ansicht nach keine bessere Alternative als den E-Euro.
    Persönlich habe ich die Probleme, dass mein Leben von nun an abhängig wird von einer Magnetkarte oder USB Stick. Geht mir mal die Karte verloren, kann ich nicht gleich zur Bank, da die in Eigentumswohnungen umgewandelt wurde.

  3. Ich brauche kein Digitalgeld! Es geht Regierungen nichts an, was ich mit meinem Geld mache. Alles was Regierungen mehr Einblick in das Leben normaler Bürger gibt, lehne ich vollständig ab!

      • Ich befürchte mehr einen Haircut, wie es ihn in Spanien schon gab oder eine Limitierung bei Devisen oder Gold. Regierungen, egal welcher Couleur, traue ich nicht.

        Kennen Sie das aus dem Ausland: Sie werden in Geschäften gefragt, ob Sie mit Kreditkarte bezahlen. Einen Rabatt gibt es nur bei Barzahlung…

      • Das kenne ich in der Form nur bei Handwerkern. Einige Geschäfte und Tankstellen akzeptieren keine Kreditkarten, aber nicht zur Steuerhinterziehung, sondern wegen der hohen Gebühren.

      • „Analoggeld“ ist Bargeld. Da weiß Ihre Bank nur, wie viel Sie abgehoben haben. Wenn Sie mit Ihrer Bankkarte bezahlen, ist das bereits Digitalgeld, wobei die Bank auch nur die Summe Ihres Lidl-Einkaufs erfährt, nicht die Einzelpositionen. Wozu die EZB noch zusätzlich ein eigenes Digitalgeld einführen will, begründet sie nicht ernsthaft.

  4. Aus der Form als Zentralbankgeld und der Verwendung für geschäftliche, private und gemischte Zwecke ergeben sich als Erfordernisse
    – Einrichtung eines Kontos bei der Notenbank,
    – Dokumentation der Zahlungsvorfälle (für die Buchführung).
    Mir fehlt es an Kenntnis, wie -alternativ – Zahlungsvorgänge in einer Block Chain für das Finanzamt ausreichend dokumentiert werden können.
    In Bankkreisen wird bisher auch nur die Verwendung seitens selektierter Unternehmen diskutiert.
    Die Kontenführung bei einer Notenbank würde aber über die Verwendung von Filtern im privaten Zahlungsverkehr unbeschränkte Kontrollmöglichkeiten eröffnen.
    Die bargeldlose Zahlung bei Alltagsgeschäften ist technisch bereits jetzt weit fortgeschritten, wird aber in D. noch relativ wenig genutzt.

    • Nachtrag: Prof. Bofinger, Uni Würzburg, hat in Handelsblatt vom 15.10.2020 das Vorhaben der EZB (Vorschlag des EZB-Direktors Ulrich Bindseil) beschrieben und sehr kritisch beurteilt. Danach soll durchaus ein Strafzins ab 3000 € Guthaben erhoben werden können; Unternehmen also eher abgeschreckt werden. Konten können nur auf Guthaben-Basis geführt werden. Meine Befürchtungen zu den Kontrollmöglichkeiten werden indirekt geteilt. Den einzigen Vorteil sieht er in der absoluten Sicherheit der Einlagen, der aber durch die bestehende Einlagensicherung relativiert wird. Bofinger schlägt stattdessen eine europäische Antwort auf das Zahlungssystem „Paypal“ vor „welches mit 25 Währungen operiert und die unterschiedlichsten Kreditkarten- und Banksysteme miteinander verknüpft“. Die EZB solle dafür sorgen, dass die Bargeldversorgung flächendeckend erhalten bleibt.

      • Jetzige Bankeinlagen und Bargeld sind sicherer, weil nicht völlig willkürlich Negativzinsen und Sonderabgaben erhoben werden können. Es wäre besser, bereits bestehende Angebote der europäischen Banken und Fintechs auszubauen, als dass die EZB ihr Mandat noch weiter überdehnt.

    • Bei Bargeld muss doch auch jedes Unternehmen selbst dokumentieren, wie viel es eingenommen hat. Unplausible Angaben können aus anderen Größen erschlossen werden, wobei die Finanzämter teilweise zu streng sind (z. B. bei Kneipen, die keinen Milliliter zu viel einschenken dürfen).

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