Zentralbankforschung lobt deren Geldpolitik

Es gibt ein neues interessantes NBER Working Paper: „Fifty Shades of QE: Conflicts of Interest in Economic Research“. (Bei Interesse und fehlendem eigenen Zugang kann ich es zuschicken.) Das Ergebnis ist nicht wirklich überraschend, aber wichtig: Zentralbanken wie die EZB beschäftigen eigene Forscher, die Studien veröffentlichen, die zu systematisch anderen Ergebnissen kommen als die Studien von unabhängigen Wissenschaftlern. Konkret finden die Beschäftigten der Zentralbanken größere sowie eher signifikante Effekte des massiven Aufkaufs von Staats- und Unternehmensanleihen (quantitative easing – QE) auf den Output und die Inflation. Außerdem benutzen sie eine positivere Sprache dafür. Im Gegenzug werden Zentralbankforscher, die große Effekte finden, eher befördert. Schließlich mischt sich das Management der Zentralbanken in die Forschung ein.

Das bedeutet nicht, dass all diese Forschung keinen Wert hätte. So untersuchen beispielsweise zwei Mitarbeiter der Federal Reserve Bank of San Francisco „Commercial Banks under Persistent Negative Rates“ und werden wohl kaum für ihr Ergebnis befördert, dass bei negativen Zinsen die Banken nur kurzfristig mehr Kredite vergeben und langfristig deutlich weniger wegen fallender Gewinne. Solche Befunde, die der offiziellen Linie des Arbeitgebers widersprechen, sind wohl eher die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Grundsätzlich ist Forschung durch Zentralabanken und andere Institutionen mit starken Interessen neben der Wahrheitsfindung nicht völlig unabhängig und neutral. Deren Ergebnisse sind deshalb nicht gleich zu gewichten mit denen wirklich unabhängiger Wissenschaftler z. B. an Universitäten. Allerdings können diese auch Auftragsforschung betreiben und Geld von Zentralbanken bekommen, die außerdem wissenschaftliche Kongresse u. ä. sponsern. Dies sollte stets offengelegt werden und kann schlimmstenfalls die Anreize für alle Wissenschaftler verzerren.

8 Gedanken zu „Zentralbankforschung lobt deren Geldpolitik

  1. Sie stellen die Forschung an Universitäten zu positiv dar. Ich weiß, wovon ich rede. Versuchen Sie mal, einen Artikel über den signifikanten Zusammenhang von Genen und Intelligenz oder über die positiven Folgen der Erderwärmung oder ähnliche Themen aus der neumodischen Cancel Culture prominent zu veröffentlichen. Abgesehen davon, dass das nicht gelingen wird, vermute ich, dass Sie danach keinen Ruf an eine Universität mehr bekommen werden.

    • Solche Artikel gibt es doch. In Deutschland sind die meisten Professoren an staatlichen Universitäten verbeamtet und unkündbar. Nachwuchswissenschaftler müssen wohl etwas vorsichtiger sein, aber auch nicht bei hochkarätigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, sondern sonstigen öffentlichen Stellungnahmen. Einen Blog wie meinen würde ich da z. B. nicht empfehlen.

      • Und das ist doch ein Skandal. Im Endeffekt kann das durchaus bedeuten, dass sich Nachwuchswissenschaftler bis zum 40. Lebensjahr politisch zurückhalten müssen. Was für Wissenschaftler werden durch solch ein System herangezogen?

      • Das ist wohl nicht ideal, aber auch kein Skandal. Ich kenne Kollegen, die meinen, Wissenschaftler dürften sich gar nicht (partei)politisch äußern, während ich eine saubere Trennung befürworte, insbesondere in die Richtung, dass die Politk nicht die Wissenschaftlichkeit (in Forschung und Lehre) beeinträchtigen darf, während wissenschaftliche Erkenntnisse ruhig in die Politik einfließen sollten. Fragen Sie sich einfach, wie vertrauenswürdig Sie einen Wissenschaftler (Journalisten oder Richter) finden, der ganz offen für von ihnen abgelehnte Parteien agitiert. Wenn die genannte Trennung beachtet wird, finde ich das nicht schlimm bzw. trenne ich auch in dem Fall entsprechend.

  2. Jede Institution und jedes informelle Netzwerk sucht sich die Mitarbeiter oder Geschäftspartner, die tendenziell System stabilisierend wirken. Ihre Kollegin Schnabel ist nicht in den Vorstand der EZB berufen worden, weil sie sich vorher kritisch zu QE geäußert hätte. Was die wenigen wirklich neutralen Forscher entmutigen muss, ist die dreiste Selektion der Forschungsergebnisse durch die Politik nach eigener Zweckdienlichkeit.

    • Dass Politiker nicht nach Wahrheit, sondern Macht streben, ist doch ganz normal bzw. ihr Job. Schlimmer finde ich (scheinbare) Wissenschaftler, die ebenfalls eine politische oder sonstige Agenda verfolgen, statt nach Erkenntnis zu streben und vor allem andere danach suchen zu lassen.

  3. Hofgetreue „Wissenschaftler“, wo das Ergebnis der Forschung schon vorher feststeht, bzw. „loyal“ zurechtgebogen wird!?!

    DAS sind echte Mietmäuler…!

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