Gorleben ist überall

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat einen Zwischenbericht vorlegt, welche Gebiete in Deutschland aus geologischen Gründen grundsätzlich für ein Atommüll-Endlager geeignet seien. Es werden 90 Gebiete identifiziert, die über die Hälfte der Fläche Deutschlands umfassen. Doch „Gorleben wird nicht Atommüll-Endlager“, weil ausgerechnet die Salzstöcke dort, die jahrzehntelang ganz offiziell als Endlager erkundet wurden, um für mindestens eine Millionen Jahre hochradioaktiven Atommüll sicher aufzunehmen, nicht geeignet sind. Dieser Einschätzung stimme ich sogar zu, insbesondere weil der Atommüll nicht mehr rückholbar wäre und gerade dort Wasser eindringen könnte, welches das Salz auflöst. Diese Umkehrung der bisherigen Einschätzung wirft jedoch ganz grundsätzliche Fragen hinsichtlich des ganzen Projekts auf.

Unsere Politiker und auch reale Wissenschaftler sind nicht in der Lage, so weitreichende Entscheidungen sinnvoll zu treffen. Was noch vor wenigen Jahren für eine Millionen Jahre und länger als sicher galt, tut es nun nicht mehr. Warum soll das bei der nächsten Auswahlentscheidung nicht wieder passieren und warum will man überhaupt für so lange Zeiträume planen? Es ist gut möglich, dass es dann gar keine Menschen mehr gibt. Vor allem ist in viel kürzerer Zeit damit zu rechnen, dass der technologische Fortschritt bessere Möglichkeiten bereitstellt, den Atommüll loszuwerden. Für abgebrannte Kernelemente gibt es diese sogar schon, etwa in Form eines „Schnellen Brüters“, der sie wieder aufbereitet. Sonst ist Recycling bei den Grünen doch so beliebt.

Klimaneutral ist der Atomstrom auch, doch aus rein ideologischen Gründen wollten die deutschen Grünen unbedingt aus der zivilen Nutzung der Kernenergie in Deutschland aussteigen, so dass nun zunehmend Atomstrom aus dem Ausland gekauft werden muss und das Abfallproblem größer ist. Bis zum deutschen Atomausstieg haben sie sich jeder Idee eines Endlagers verweigert und nicht nur in Gorleben gewaltsam demonstriert. Nun sind sie ganz vorne mit dabei, wenn es um die Suche eines neuen Endlagers geht, womit sie das Kapitel Atomkraft in Deutschland ebenfalls endgültig abschließen wollen.

Dagegen ist Herr Söder von der CSU, der mit den Grünen Verbrennungsmotoren verbieten will (siehe „Grüne begrüßen Söder-Forderung nach Aus für Verbrennungsmotor bis 2035“), plötzlich gegen die ergebnisoffene Suche nach einem Endlager, weil sie auch Bayern treffen könnte. So wird politisches Ränkespiel betrieben, statt ordentliche Zwischenlager zu bauen, die ein paar Jahrhunderte wortwörtlich bombensicher sind, bis sich mit fortgeschrittener Technologie und weniger Ideologie eine dauerhafte Lösung findet, sei es durch echte Beseitigung des Atommülls oder dann doch ein wirklich sicheres Endlager.

29 Gedanken zu „Gorleben ist überall

  1. Überall auf der Welt, auch in linksregierten Staaten, werden neue Atomkraftwerke gebaut. Nur im Hochindustrieland und der Exportnation Deutschland nicht (mehr). Den Grünen geht es überhaupt nicht um Naturschutz, sondern nur um sozialistischer Umerziehung zum „neuen Menschen“, kaschiert mit grüner Verpackung, auf die leider viele reinfallen!

    Wo entsorgen eigentlich Frankreich und Tschechien, wo Deutschland gerade oft Atomstrom kauft, ihren nuklearen Abfall und welche EU-Behörde kontrolliert das…???

  2. Mehltau seit gefühlt 20 Jahren über Deutschland.

    Politik bestimmt den techn. Fortschritt, gleichbedeutend mit Tod von Innovationen .

    Überbietungswettkampf Grüner Ideologie, Soziale Gerechtigkeit ( ….was ist das ? ) , pauschaler Solidarität die immer die Falschen begünstigt.

    Mit “ Atomkraft Nein Danke “ haben mittels Angsteinflößung vor dem Gau erstmals Die Grünen Wahlen und Wählerstimmen gewonnen. Das bleibt ihr Erfolgserlebnis , daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

    MP Söder ist nicht glaubwürdig.

    Ein deutsches Trauerspiel um und für saubere Energie. Lieber Deutschlands Dächer verspiegeln, mit Windkraftwerke bis 150 m Höhe Kulturlandschaften bis in die Wälder und Berghöhen betonieren mit Servicestraßen, Fundamenten bis 10 m Tiefe.

    Energieeffizienz, Ökobilanzen ? Diese Aspekte für ein Industrieland spielen im ehemals techn. Hochleistungsland Deutschland keine wesentliche Rolle mehr.

    Einseitig wissenschaftlich / fachliche Ausrichtungen der Universitäten, weg von technischen Wissenschaften, hin zu Sozialpädagogik , Politikwissenschaft (?) etc.

    • Mehltau???
      16 Jahre Kohl.
      16 (oder mehr) Jahre Merkel.
      Dazwischen 7 Jahre Schröder mit der „ruhigen Hand“…

  3. Die Atommüll-Entsorgungsfrage wird uns noch lange beschäftigen. Dass kein Bundesland ihn freiwillig haben möchte, war zu erwarten. Also wird es einmal mehr eine diktatorische Entscheidung aus Berlin, wenn nicht demnächst aus Brüssel geben. Passt ins Gesamtbild des Zentralstaats nach preussischem Vorbild.

    • Und ich möchte mich weder von Atommüll noch von geistigen Größen wie Robert Habeck, Claudia Roth oder Annalena Baerbock verstrahlen lassen.

  4. Wenn man die Halbwertzeit von einer Million Jahren zu Grunde legt, erübrigt sich ein Endlager. So ein Endlager gibt es auf der Welt bislang noch nicht. Ich lehne ein Endlager ab, weil ich der Meinung bin, dass wir irgendwann den Atommüll wieder rückholbar machen müssen, damit wir aus diesen Rückständen wieder harmloses Uran herstellen, so wie wir es in jedem Vorgarten vorfinden. Atommüll als nutzbare Energie.
    Allein aus den „abgebrannten“ Brennelementen und dem abgereicherten Uran ließe sich die Bundesrepublik nicht nur komplett mit Strom versorgen – emissionsfrei und ohne ein einziges Gramm aus einer Uranmine. Ja,das wäre schön. Tatsache allerdings ist, dass man die Halbwertzeit von einer Million Jahre auf wenige 100 Jahre reduzieren könnte. Das geht aber nur, wenn sich der Atommüll nicht mit dem Salzverbindet.

    • Bislang gibt es noch keine risikofreie, real existierende Lösung für den Atommüll.
      Aber die Menschheit ist offenbar ziemlich risikofreudig und dumm.

      • Nichts ist risikofrei, schon gar nicht bei der Erzeugung nutzbarer Energie. Im Vergleich zu anderen Energiequellen ist Atomstrom allerdings besonders risikoarm und tötet am wenigsten Menschen. Zusammen mit dem nicht vorhandenen CO2-Ausstoss macht das den Kampf der Grünen gegen die zivile Nutzung der Kernenergie besonders irrational.

      • @Alexander Dilger
        „Im Vergleich zu anderen Energiequellen ist Atomstrom allerdings besonders risikoarm und tötet am wenigsten Menschen.“

        Können Sie das mit validen Zahlen belegen?
        Dieser Vergleich würde mich sehr interessieren.

      • Danke für den Link. Nicht mitgezählt sind hier aber offenbar die vielen Strahlentoten durch den Uranabbau und noch gar nicht absehbar sind die späteren Folgen der bislang dilettantischen Atommüllendlagerung. Ein wirklicher Vergleich ist schon daher kaum möglich.

      • Doch, der Bergbau wird explizit berücksichtigt. Was viele nicht wissen, beim Kohleabbau wird mehr Radioaktivität frei als beim Uranabbau. Die Atommüllendlagerung ist natürlich nicht mitgezählt, weil es sie noch nicht gibt und vielleicht nie geben wird. Die größte Angst haben viele Menschen wohl vor einem Super-GAU. Es gibt aber moderne Reaktoren, wo dieser physikalisch gar nicht möglich ist. In Fukushima hat es einen gegeben, der aber im Gegensatz zu dem ihn auslösenden Tsunami keinen einzigen Menschen getötet hat.

      • Weitestgehende Zustimmung. Dennoch bleiben unkalulierbare Risiken, die für mich die Atomenergie für ein Spiel mit dem Feuer machen.

        Viel besser fände ich es, den Energieverbrauch zu senken, was ohne große Einbußen der Lebensqualität möglich wäre, wenn die Menschen ihren Konsum etwas überdenken würden. Das gilt ganz besonders für kurzlebige Produkte und für lange Transportwege.

      • Die Beherrschung des Feuers ist eine wesentliche Eigenschaft des Menschen. Auch das Verbrennen fossiler Energieträger hat mit Feuer zu tun und ist nicht ganz ungefährlich. Das eigentliche Risiko steckt nicht in der zivilen, sondern militärischen Nutzung der Atomenergie. Energiesteuern führen doch schon zu einer Verbrauchseinschränkung, und zwar auf die richtige Weise über den Preis und nicht überkomplexe Folgenabschätzungen für jede einzelne Aktivität.

      • Spätestens seit Covid-19 haben wir eine Ahnung davon, dass auch biologische Kriegsführung möglich ist und atomare Kriegsführung ersetzen kann. Daher halte ich die militärischen Risiken der Atomenergie nicht mehr für ihre größte Gefahr. Die ungelösten Fragen der Atommülllagerung über“strahlen“ m.E. alle bisher dagewesenen Risiken.

        Die Verteuerung der Energiepreise durch so genannte „Lenkungssteuern“ (in Wahrheit Abzockesteuern) hat – zumindest bislang – doch noch gar nicht zu einem signifikant bewussteren Umgang mit Energie geführt. Ganz im Gegenteil – der Energieverbrauch steigt und steigt. Jedenfalls weltweit.

      • Atomare Kriegsführung bleibt eine große Gefahr, auch wenn es natürlich noch andere Gefahren gibt, sei es duch biologische Kriegsführung, die zivile Nutzung der Gentechnik, natürliche Seuchen etc. Die Atommüllendlagerung hat überhaupt kein vergleichbares Risiko. Technisch ließe sie sich bei etwas Geduld wohl ganz vermeiden, aber selbst wenn man den Atommüll der ganzen Welt in ein tiefes Bergwerk einschließen würde, gäbe es schlimmstenfalls ein lokal erhöhtes Strahlungsrisiko.

        In Deutschland fällt der Energieverbrauch, was bei im globalen Vergleich extrem hohen Preisen auch zu erwarten ist. Global steigt er, sind die realen Preise aber auch gefallen und erfolgt häufig eine staatliche Subventionierung statt Besteuerung.

      • Welchen Menschen meinen Sie? Eine Reduktion um 61 Prozent in 10 Jahren ist einfach kein vernünftiges Ziel, insbesondere da die Emissionen weltweit noch steigen. Deutschland, Österreich und die ganze EU müssten versuchen, Vorbilder zu werden, nicht abschreckende Beispiele.

      • Das wird natürlich nicht gelingen. Zumal der Energieverbrauch in den Schwellenländern explodiert und Afrika folgt.

      • Eine bessere Energie- und Umweltpolitik wäre sehr leicht möglich, gerade weil die aktuelle Politik so schlecht ist, sowohl für die Wirtschaft als auch die Verbraucher und die Umwelt.

      • @Alexander Dilger
        „Eine bessere Energie- und Umweltpolitik wäre sehr leicht möglich …“

        In der Tat. Allerdings ist das doch gar nicht erwünscht. Die sogenannten „Wohlfahrtsstaaten“ leben doch prächtig von den hohen Steuern und Abgaben auf Energie und Leistung.

      • Theoretisch vielleicht. Sogenannte „Sozial- bzw. Wohlfahrtsstaaten“ sind aber ausgesprochen gefräßig und werden sich daher immer bedienen, wo es nur geht.

    • Uran-238 hat eine Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren, weshalb es in der Natur am häufigsten vorkommt. Die Isotope im Atommüll haben deutlich kürzere Halbwertszeiten, so dass sie nach einer Millionen Jahre größtenteils zerfallen sind.

  5. Die Endlagerproblematik erscheint bei heutigen Uran/Plutonium-Reaktoren tatsächlich kaum lösbar. Ich habe hier schon auf die Möglichkeit sog. Thorium-Salzreaktoren hingewiesen, die nicht nur vor einer Kernschmelze sicher sind, sondern deren Rückstände nach 500 Jahren praktisch strahlungsfrei sind. Der Zeitraum entspricht der Dauer der Überwachung altbekannter Kohlebergwerke.
    Darüber hinaus ist es wohl möglich, die Rückstände unserer heutigen Reaktoren nuklear so zu verbrennen, dass nicht nur sehr viel Energie entsteht. Sondern die Rückstände ebenso nach wenigen Jahrhunderten strahlenfrei sind. Trotzdem ist die Erforschung solcher zukunftsweisender Technologien unterbunden.
    Im Übrigen ist seit Gründung der Bundesrepublik kein Mensch bei der Atomwirtschaft zu Tode gekommen, im Kohlebergbau laut Bundesknappschaft ca. 20.000 Menschen, was einem SuperGau entspricht.

    • Die Lösung liegt im technischen Fortschritt, nicht dessen Verweigerung. Dass Deutschland überall aussteigt, ist wohl der größte Schaden, den die Grünen in allen Parteien anrichten.

      • Dieser herbeigesehnte technische Fortschritt wird zumindest im vergrünten Deutschland so schnell aber nicht stattfinden.

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