Wahlhelfer für Rat der Stadt Dortmund

Für die Kommunalwahl gibt es keinen Wahl-O-Mat, aber zumindest für Dortmund so etwas Ähnliches von den Ruhr Nachrichten („Welche Partei in Dortmund passt zu mir? Unser Online-Wahlhelfer sagt es Ihnen“). 13 Parteien haben 20 Fragen beantwortet. Dies ist meine Übereinstimmung:

AfD 75 %
CDU 50 %
FDP 50 %
Die Partei 35 %
Bürgerliste – Freie Wähler 30 %
FBI (Freie Bürger Initiative) 30 %
Piratenpartei 30 %
SPD 30 %
Die Linke 25 %
Basisdemokratie jetzt 20 %
Bündnis 90/Die Grünen 20 %
DOS (Digital Oekologisch Sozial) 20 %
Tierschutzpartei 15 %

Die AfD liegt wieder vorne bei mir, so dass ich sie allein nach ihren Antworten wählen sollte. Allerdings kenne ich insbesondere die beiden „Spitzenkandidaten“, die schon in der aktuellen Periode im Rat nichts machten und auch in der Partei nur dadurch auffielen, dass sie mir meine Unterstützung 2014 damit dankten, zu Herrn Pretzell überzulaufen, was ihnen allerdings nichts nutzte. Sie sind nicht rechtsradikal, aber trotzdem definitiv unwählbar.

Damit lande ich schon wieder bei der FDP, zumal die inhaltliche Übereinstimmung bei diesem Wahlhelfer (mit 57,5 %) größer wäre, wenn ihre vielen Enthaltungen zur Hälfte mitgezählt würden. Am wenigsten nachvollziehen kann ich ihre Zustimmung zu dieser These: „Städtisches Sparen ist aktuell nicht möglich. Neue Schulden sind nötig, um die Corona-Krise zu überwinden.“ Bundesweit mag das sogar stimmen, aber nicht für Kommunen, die sich lieber für eine bessere Finanzausstattung durch Bund und Land einsetzen sollten.

66 Gedanken zu „Wahlhelfer für Rat der Stadt Dortmund

  1. Lieber Mitdortmunder Prof. Dilger: Auch ich wähle FDP (“ mit Hängen und Würgen“), obwohl die CDU bei den Antworten sogar etwas besser abschnitt als die FDP. Die AfD ist ja – wie auch von mir hier öfter dargelegt- sowieso unwählbar und die CDU sprach sich – wie die AfD- gegen die so dringend notwendige Privatisierung kommunalsozialistischer Betriebe aus. Alle „großen“ Parteien unterstützen die Gründung der ersten reinen Privatgrundschule (die Waldorfschule geht von 6-19). Aber die FDP erwähnt die Unterstützung der jüdischen Schule ausdrücklich, ein gutes Zeichen in dieser Zeit!

    • Die FDP ist eben trotz allem die liberalste Partei, die es in Deutschland gibt. Wenn Liberale sie bedingungslos wählen, muss sie sich allerdings nicht mehr um diese bemühen. Dasselbe gilt, wenn Liberale sie auf jeden Fall nicht wählen, weshalb die Abwägung bei jeder einzelnen Wahl sinnvoll ist.

      • @Alexander Dilger
        „Die FDP ist eben trotz allem die liberalste Partei, die es in Deutschland gibt.“

        Liest sich wie „Die CDU ist eben trotz allem die konservativste Partei, die es in Deutschland gibt.“
        … stimmt das denn?

      • Für die CDU stimmt das nicht (mehr?), für die FDP vermutlich doch wieder. Die AfD hat da eine große Chance verspielt. Aber selbst bei den kleineren Parteien kenne ich keine liberalere (LKR sicher nicht; vielleicht die PdV, die jedoch eher libertär ist, was ich unterscheide).

      • Die AfD ist leider seit Jahren zu 95% mit sich selbst beschäftigt. Das ist Luckes Erbe und wird sich wohl so lange Gauland noch hofiert wird auch nicht ändern. Aber es ist Besserung in Sicht.

        Dass die AfD ihre Chancen nicht nutzt, ist allerdings kein Grund zur Annahme, die FDP könne „liberal“ tatsächlich besser. Was in den letzten Jahren von der FDP kam, war durchwegs rein opportunistisch. Einen ernst zu nehmenden Kurs lässt die FDP doch schon lange nicht mehr erkennen.

      • Lieber Herr Prof. Dilger: Genau darum (die FDP unter Druck setzen zu können) muß es uns gehen – Sie haben SO recht. Vorschläge dazu folgen- bin aber zur Zeit schlimm zeitlich belegt durch arg demente Schwester.

      • Lieber Herr Motte,

        die FDP kann sich – wie jede andere Partei auch – nur von innen ändern.
        „Druck“ von außen hilft da nichts, auch wenn sich gerade die FDP diesem immer wieder gerne beugt, weil sich ihre Akteure etwas davon versprechen (zum Beispiel lukrative Ministerposten). Aber das ist weder nachhaltig, noch verbessert so ein Druck von außen die FDP.

        Wenn Sie wirklich Hoffnungen auf eine liberale FDP hegen, sollten Sie der FDP beitreten und es von innen versuchen. Viel Glück!

      • Ja, sie dürfen aber nur alle vier bis sechs Jahre ein Kreuzchen auf einem vorgegebenen Stimmzettel machen. Die Kandidaten stellen die Parteien ganz alleine auf.

      • Wenn es den Wählern völlig egal ist, wen die Parteien aufstellen und was die Gewählten dann tun, dann kann die Partei das völlig beliebig entscheiden. In einer funktionierenden Demokratie ist das jedoch den Wählern (oder zumindest einem relevanten Teil von ihnen) nicht völlig egal. Parteien mit schlechteren Kandidaten, Programmen und vor allem Taten verlieren dann Stimmen an solche mit besseren. Deshalb sollte man sich nicht festlegen, eine Partei in jedem Fall zu wählen.

      • Theoretisch richtig. Aber in Deutschland haben Sie nur noch die Wahl zwischen dem CDU/CSU/FDP/SPD/SED/Bündnis90GRÜNE-Block und der einzigen Oppositionspartei AfD, wenn Sie ihre Stimme nicht an eine Mikropartei verschenken oder gar nicht zur Wahl gehen möchten.

      • Es gibt schon noch Unterschiede zwischen den Parteien. Das größte Problem sehe ich in der Linksverschiebung der Union durch Frau Merkel, wodurch sie inzwischen auch eher zu den linken als den bürgerlichen Parteien gehört. Die AfD hat hingegen die Bürgerlichkeit nach rechts verlassen. Eigentlich müsste das eine riesige Chance für die FDP sein, die sie allerdings nicht zu nutzen versteht.

      • Offenbar glaubt man bei der FDP, es gebe keinen Bedarf mehr für eine solche (bürgerlich-liberale) Partei. Vielleicht ist das in der neomarxistischen DDR 2.0 inzwischen ja auch tatsächlich der Fall. Wie anders – außer mit unfassbarer Dummheit – wäre zu erklären, dass sich die FDP nicht einmal mehr selbst als liberal bezeichnet?

  2. Bleibt die Frage, ob andere Parteien, die Sie nicht von innen kennen, tatsächlich bessere Kandidaten haben als die, mit denen Sie schlechte Erfahrungen gemacht haben.

    • Die Kandidaten der meisten Parteien kenne ich tatsächlich nicht. Ich habe noch nicht einmal eine Seite gefunden, wo alle Kandidaten aufgelistet werden. So wäre es auch interessant für mich, wer konkret in meinem Wahlbezirk antritt.

      Die Dortmunder FDP kann ich allerdings besser beurteilen als die meisten anderen Parteien. Insbesondere Platz 2 ist hochkarätiger besetzt als bei der AfD.

      • Ich kenne zwar keinen der betrefffenden Kandidaten, denke aber, dass die meisten Politiker nicht gerade Hochkaräter sind, wie man ja auch an der Bundesregierung sieht.

      • In einer ‚Kakistokratie‘ kommen die Schlechtesten nach oben, finden sich also auf kommunaler Ebene bessere Bürger als an der Regierungsspitze. Dabei ist es nicht so, dass Profipolitiker gar nichts könnten, sondern sie haben sich auf Machterwerb und -erhalt spezialisiert. Das sind nur leider negative Eigenschaften, insbesondere wenn diese Macht nicht für positive Zwecke eingesetzt wird, sondern Selbstzweck ist oder allein dem Gelderwerb dient.

      • Eine Bestätigung für Ihre These lieferte dieser Tage Angela Spelsberg – die Ex-Frau von Karl Lauterbach – zur Corona-Krise: „Es herrscht eine partielle Amnesie“

      • Wo finde ich eigentlich die Reserveliste der CDU? Auf deren Homepage stehen nur die Kandidaten für die einzelnen Wahlbezirke. Zumindest die JU ist in Dortmund konservativ.

      • Die CDU scheint die Liste nicht öffentlich machen zu wollen, was vielleicht auch bezeichnend ist. Im Grunde ist eine öffentliche Wahl ohne öffentliche Kandidatenlisten eine Farce.

      • Ja, wobei ich z.B. die Kandidaten der FDP für die Bezirksvertretungen auch nirgendwo finde. Umgekehrt sind die Informationen bei der AfD transparent, obwohl sich gerade zu dieser Partei immer mal wieder Bürger nicht öffentlich bekennen wollen. Merkwürdig.

      • Warum werden nicht alle Kandidaten offiziell von der Wahlbehörde bzw. Gemeinde veröffentlicht? Hier scheint mir ein echtes Demokratiedefizit vorzuliegen.

        P. S.: Bei der AfD kann ich diesmal auch nicht sehen, wer in meinem Wahlbezirk für den Rat der Stadt antritt. Das könnte durchaus den Unterschied bei meiner Wahlentscheidung machen. Faktisch wählt man zwar die Reserveliste, konkret aber eine bestimmte Person. Bei der letzten Kommunalwahl waren hingegen ‚Dortmunds Kandidaten zur Kommunalwahl‘ von der AfD vollständig transparent (einige Namen habe ich deutlich später auf Wunsch der jeweiligen Personen entfernt).

      • Bei der Dortmunder CDU ist vielleicht noch die Frage, warum es dort aktuell ständig Personalquerelen gibt. Schon die Kandidatur von Andreas Hollstein war umstritten, jetzt gibt es Ärger um Manfred Sauer. Solcher Ärger könnte der Partei am Ende sogar den Einzug in die Stichwahl um den OB kosten. Es scheint Spitz auf Knopf bei Platz 2 zu stehen. (Der SPD-Kandidat wird sicher in die Stichwahl einziehen.)

        https://www.ruhrnachrichten.de/dortmund/cdu-buergermeister-sauer-wirft-hin-und-kritisiert-die-partei-scharf-plus-1551602.html

        https://www.derwesten.de/staedte/dortmund/kommunalwahl-dortmund-nrw-umfrage-prognose-trend-wdr-oberbuergermeister-stadtrat-westphal-hollstein-schneckenburger-kandidaten-id230191572.html

      • Am Ende wird wahrscheinlich doch wieder der SPD-Kandidat gewinnen. Bei einer rot-grünen Stichwahl wusste ich auch gar nicht, wen ich wählen sollte.

    • Zumindest im Amtsblatt der Stadt müssten doch alle Kandidaten aufgeführt sein (Reserveliste und Wahlbezirke). So ist es jedenfalls an meinem Wohnsitz im Rheinland.

  3. Hier gibt es noch interessante Umfrageergebnisse: https://www1.wdr.de/nachrichten/kommunalwahl/kommunalwahl-staedtetrend-nrw-100.html
    Interessant finde ich, dass die Menschen umso mehr SPD wählen, je unzufriedener sie mit den Lebensbedingungen in ihrer Stadt sind. Das gilt für Dortmund, Duisburg, Köln, Wuppertal. Ich erkläre mir das mit dem höheren Anteil an wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen, die sich Transferleistungen erhoffen. Welche anderen Erklärungen gibt es? Masochismus angesichts der Tatsache, dass die SPD in der Region jahrzehntelang an der Macht war?

    • @Demokrat
      „Welche anderen Erklärungen gibt es?“

      Keine. Die Genossen versprechen einfach das Maximum für Transfergeldempfänger. Da kann nicht mal die SED mithalten.

    • Die Kommunen können aber kaum eigene Transferleistungen erbringen. Ich vermute eher die umgekehrte Kausalität, dass dauerhafte SPD-Herrschaft Städte nach unten zieht. Ein Wechsel ist überfällig.

      • Da stimme ich zu, aber diese Aussage würde nicht erklären, warum immer noch so viele Menschen SPD wählen.

      • @Demokrat 02/09/2020 23:59 Uhr

        Es wählen doch immer weniger Menschen SPD. Wahrscheinlich nur noch die Mitglieder und ihr engeres Umfeld. Jedenfalls ist die SPD seit Jahren auf dem absteigenden Ast und dieser Kurs ist auch nicht mehr umkehrbar, da sich diese Partei ideologisch und mental noch immer im Zeitalter der Dampfmaschinen befindet. Never touch a falling knife …

      • Im Ruhrgebiet wählen noch immer viele aus reiner Familientradition die SPD. Aber wen sie einmal verliert, der kommt nicht wieder zurück.

      • Das ist so. Und so viele Steiger gibt es nicht mehr. Dieser Berufsstand stirbt in Deutschland aus.

      • Die meisten Menschen differenzieren nicht zwischen den verschiedenen politischen Ebenen, wozu die mangelnden Informationen auf kommunaler Ebene auch nicht einladen. Viele wählen z. B. überall SPD und Ihr Umverteilungsargument macht auf Bundesebene mehr Sinn (wobei ich auch da glaube, dass gerade ärmere Menschen von einer anderen Politik viel mehr profitieren würden). In Dortmund leidet die SPD auch vor allem unter dem Bundestrend und weniger unter ihrer schlechten Politik vor Ort.

  4. Demokrat /300 sel. Demokrat: Sie scheinen die Dortmunder CDU zu kennen. Warum wurde Dr. Annette Littmann nicht erneut zur Ob-Kandidatin der CDU? Sie verlor die vorherige Wahl zum Ob nur knapp und sie ist mit Abstand der bekannte eher liberale Politiker Dortmunds. Sel 300: Ich vermute, daß wir eine neue liberale Partei brauchen, die FDP nicht wirklich liberal zu machen ist. .

    • @Ulrich Motte

      Ich sehe keine Chance, im umverteiulungssozialistischen Merkel-Deutschland derzeit eine liberale Partei zu etablieren. Das weiß die FDP wohl auch selbst. Die Menschen werden erst aufwachen, wenn der Karren an der Wand zerschellt ist.

      • Die spannende Frage ist tatsächlich, warum die FDP nicht liberaler ist bzw. ob sie liberaler erfolgreicher wäre oder extra davon abweicht, um zusätzliche Wähler zu gewinnen. Die liberale Kernwählerschaft liegt in Deutschland vermutlich unter fünf Prozent. Entscheidend ist, wie viele zusätzliche Wähler sich durch liberale Politik gewinnen lassen oder doch eher durch Funktionsargumente, soziale Einstreusel etc.

        Eine liberalere Partei würde schlimmstenfalls nicht nur selbst scheitern, sondern auch die FDP wieder unter fünf Prozent drücken wie 2013 die AfD. Bestenfalls wäre sie viel erfolgreicher als die heutige FDP. Ein lohnendes Szenario wäre noch, dass sie selbst erfolglos bleibt, aber die FDP oder sogar die gesamte deutsche Politik liberaler macht. Schließlich besteht die realistische Gefahr, dass sie sich auch nur selbst zerfleischt und schnell vom liberalen Kurs abkommt.

      • Eine neue liberale Partei ist zumindest derzeit in Deutschland ein völlig aussichtsloses Projekt. Die meisten Wahlberechtigten sind für marxistische Ideologien empfängliche Lemminge und wünschen einen Vollkaskostaat. Daher ist die kritische Masse zum Durchbrechen der 5%-Hürde mit einem liberalen Konzept nicht mehr generierbar.

  5. Mutige, Geld sparende Positionen von der AfD, aber auch da ein Mangel an Liberalismus, z B. deren Ablehnung von freien Öffnubgszeiten an Sonntag für Geschäfte.

    In unserer Stadt habe ich den Wahlomat ausgefüllt und bei keiner einzigen Partei eine Mehrheut gefunden, mit einer liberal-konservativen Einstellung: Geld sparen, Bürger in Frieden lassen, so dass jeder selber seinen individuellen Kebensebtwurf realisieren kann. Alle Parteien wollen bevormunden

  6. Sel3000/ Prof. Dilger: Ich sehe die Chancen für eine wirklich linksliberale Partei nach einiger Zeit der Werbung für sie bei mindestens 10 %. Leider ist sie bedroht durch Uneinigkeit in den eher eigenen Reihen, etwa von Libertären und Antidemokraten, die gerade ein wohl liberaler Hayek-Fan im FAZ-Leserbrief verteidigte

    Demokrat/Prof.Dilger: Danke für Ihren Hinweis auf Wahlumfragen zur Dortmunder Ob-Wahl. Angesichts der Enge zwischen den Kandidaten der CDU und der Grünen ist es fraglich, ob es Sinn macht, seine Stimme an den FDP-Kandidaten zu verschwenden statt Einfluß nehmen zu wollen, wer gegen den SPD-Kandidaten antritt. Der ist eher wirtschaftsnah, bekam Unterstützung von Dortmunds wichtigstem Unternehmer und anderen Unternehmern. Ich wählte ihn in der Stichwahl gegen die grüne Ob-Kandidatin.

    • @Ulrich Motte

      Die Wortschöpfung „linksliberal“ ist IMO ein widersprüchliches Adjektiv.
      Entweder links oder liberal. Beides zusammen ist nicht unter einen Hut zu bringen.

    • Ich höre immer wieder, dass es Bedarf an einer linksliberalen Partei gibt und man sich fragt, warum die FDP nicht in diese Richtung geht. Warum gelten denn die Grünen nicht als linksliberal? Ist die Wahrnehmung zu sehr, dass es sich um eine Verbotspartei handelt? Was sollen denn die Kernthemen einer linksliberalen Partei überhaupt sein?

      • Linksliberalismus = maximale Privatisierung, Demokratisierung und Förderalisierung des Staates. Exakt das war international das Programm im weiten Sinne stark calvinistisch geprägter Parteien, die man historisch als linksliberal einstufte. In Deutschland war eine sehr abgeschwächte (und religiös eher ungeprägte) Version davon die Politik von Eugen Richter. Ihn stuft(e- ich schaute länger nicht nach) der Artikel auf Wikipedia zu „Linksliberalismus“ so ein. Richter hatte viele Parteifreunde, was er beklagte, die weniger zum Linksliberalismus passten. Später wurde dann der Soziallliberalismus als Linksliberalismus bezeichnet, heute öfter auch der sogenannte Bürgerrechtsliberalismus. Beide sind – wie auch der Nationalliberalismus=, =Rechtsliberalismus=- Liberaler Konservativismus – unendlich staatsfreundlicher als der (klassische) Linksliberalismus. Dortmund war eine nationalliberale Hochburg

      • Mir wird aus Ihrem Beitrag der Unterschied zum Rechtsliberalismus nicht klar. Ich habe es bisher so verstanden, dass die rechte Variante eher auf einen starken Nationalstaat setzt, wohingegen die linke Variante eher international ausgerichtet ist.

      • Die Bezeichnungen von Herrn Motte sind historisch korrekt, stiften aber heute eher Verwirrung, weil sie, u. a. von Ihnen, völlig anders verstanden werden. Herr Motte meint den klassischen Liberalismus, der auf individuelle Freiheit in allen Bereichen (wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch) abzielt. Dagegen waren die Nationalliberalen im 19. Jahrhundert Unterstützer von Bismarcks illiberaler Politik, während Linksliberale nach dem heutigen Verständnis gesellschaftspolitisch liberal sind, aber nicht wirtschaftspolitisch. Tatsächlich haben sich aber die meisten Linken und Grünen auch davon entfernt und setzen inzwischen auf Identitätspolitik, die im Kern kollektivistisch und illiberal ist.

      • Sie ist schon längst da. Den nationalliberalen Flügel gibt es schon seit den 1990er Jahren nicht einmal dem Namen nach mehr.

      • @Eurokanadier

        Ich würde die FDP-Reste eher als einen Club bloßer Politkarrieristen bezeichnen. Inzwischen scheint der FDP bis auf Wolfgang Kubicki sogar der Humor abhanden gekommen zu sein. Eine weitere Spaßtöterpartei also. Wer braucht sowas?

  7. Die Wahlergebnisse (und Prognosen) westdeutscher (Groß)städte sind mehr als erschreckend. Hinter den mit weitem Abstand führenden Grünen, SPD und CDU kommt lange Zeit überhaupt nichts, und dann nicht selten sogar die Linke auf Platz 4, um den auch AfD und FDP kämpfen mit bescheidenen Anteilen. Und das, als ob es in den letzten 5 oder 10 oder 20 Jahren nicht gravierende Verschlechterungen auf sehr vielen Politikfeldern gegeben hätte.

    • Der Westdeutsche schlummert tief weiter. Deswegen darf er sich auch nicht beschweren, wenn er irgendwann enteignet, entrechtet und entehrt aufwacht.

      • @Eurokanadier
        „Der Westdeutsche schlummert tief weiter.“

        Es ist so. Das macht echten deutschen Couch-Potatoes aber nichts aus. Sie werden sich den Umständen anpassen.

      • Er schlummert oder arrangiert sich mit den neuen Verhätnissen oder begrüßt sie sogar (vorgeblich „solidarische und ökologische Gesellschaft“).
        Erstaunlich und erfreulich, dass sich wenigstens bei den Groß-Demos gegen die Corona-Maßnahmen ein breiter Widerstand von Normalos zusammen gefunden hat, wenn auch nicht wenige eher Linke und Spirituelle dabei waren.

      • Diese Großdemonstrationen werden nur nichts bewirken, außer noch schärferen Maßnahmen. Nichtsdestotrotz demaskieren sie wenigstens den einen oder anderen Totalitaritätsfan unter unseren „Spitzenpolitikern“.

  8. Eurokanadier: Zumindest bis vor einiger Zeit gab es einen Nationalliberalen Club in der FDP. Jetzt erreichte ich ihn nicht mehr. Erreicht hat er in der Partei aber auch (wohl) nichts.
    PS: Ich bin engagierter Gegner „der“ Nationalliberalen, also der dort traditionell üblichen politischen Meinungen, soweit sie sich vom Linksliberalismus (wie oben definiert) unterscheiden. .

    • Die Nationalliberalen waren und sind meist nicht besonders liberal. Dabei sind auch klassische Liberale nicht gegen Nationalstaaten. Sie überhöhen diese aber nicht, sondern sehen sie als Mittel zum Zweck, individuelle Freiheit, Wohlstand und Demokratie zu befördern.

      • In der Tat ist das Problem „der“ Nationalliberalen nicht der Nationalstaat, sondern der Nationalismus (etwa Unterdrückung völkischer Minderheiten in Deutschland) und sonstiger Antiliberalismus.

      • Wo werden denn Sorben und Dänen in Deutschland unterdrückt?

      • Welche Nationalliberalen herrschen denn jetzt in Deutschland? Im 19. Jahrhundert halfen sie Bismarck dabei, die deutschen Dialekte zu schleifen.

  9. Eurokanadier: Sehr viele Nationalliberale (als es die NLP noch gab) waren wildeste Vorkämpfer der Unterdrückung von Slawen in Preußen.

      • Eurokanadier: Nationalistische Forderungen gegen Sprachfreiheit und- gleichheit in Deutschland (etwa „Deutsch in die Verfassung“, staatlicher Schulhofsprachenzwang) kennzeichnen aber auch heutige Gesinnungsgenossen der Nationalliberalen (mit oft ähnlichen Argumenten) wie auch Sozialismus: Dortmunds Kommunalwirtschaft, die die AfD in ihrem jetzigen Wahlprogramm beizubehalten fordert, begründeten weitestgehend die Nationalliberalen, die Dortmund vor 1918 beherrschten.
        Zum Hinweis auf damals als linksliberal Bezeichnete: Wer vertritt mehr als ich, daß die damals, besonders in Deutschland, oft nicht wirklich linksliberal waren?

  10. Pingback: Wahlen zur Bezirksvertretung und dem Ruhrparlament | Alexander Dilger

  11. Pingback: Ergebnisse der Kommunalwahlen 2020 in Dortmund | Alexander Dilger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.