Putin ließ Nawalny vergiften

Alexei Anatoljewitsch Nawalny ist gegenwärtig der prominenteste Oppositionspolitiker und Putin-Kritiker in Russland. Bei der Präsidentschaftswahl 2018 wollte er sogar gegen den amtierenden Präsident Wladimir Putin kandidieren, wurde aber nicht zugelassen. Letzten Donnerstag wurde er vergiftet und fiel ins Koma. Die ihn zuerst behandelnden russischen Ärzte in Omsk durften in Gegenwart von vielen Geheimdienstleuten nur eine Stoffwechselstörung diagnostizieren. Am Samstag wurde immerhin sein Transport nach Deutschland gestattet. Nun gibt es ein „Statement der Charité: Klinische Befunde weisen auf Vergiftung von Alexei Nawalny hin“ mit einem Nervengift aus der Gruppe der Cholinesterase-Hemmer.

Das passt in eine Reihe von zahlreichen früheren Vergiftungen und auch anderen versuchten oder erfolgreichen Morden im Auftrag der russischen Regierung, die selbst im Ausland einschließlich Deutschland erfolgten, weshalb Herr Nawalny jetzt auch bewacht wird. Dass die Bemühungen um Verschleierung solcher Attentate nur halbherzig sind und nicht wirklich gelingen (aber trotzdem einen harten, gerichtsfesten Nachweis zumindest deutlich erschweren), ist wohl kein Zufall. Denn es soll nicht nur ein Regierungskritiker ausgeschaltet werden, sondern zugleich eine Warnung an alle anderen erfolgen. Mit der russischen Regierung ist nicht zu spaßen und Zustände wie in Weißrussland werden auf keinen Fall hingenommen, sondern gewaltsam unterdrückt.

Die Putin-Regierung bzw. der Präsident selbst lässt nicht nur andere Länder überfallen, sondern gibt auch direkt Morde in Auftrag, denn ohne seinen Befehl oder zumindest seine Erlaubnis würde dieses Vorgehen in solchen Fällen keiner wagen. Das macht eine Kooperation extrem schwer. In manchen Fragen ist sie trotzdem nötig, in anderen aber nicht. So wäre jetzt z. B. eine gute Gelegenheit, das ohnehin weder ökologisch noch ökonomisch oder politisch sinnvolle und gegen unsere europäischen Partner gerichtete Projekt Nord Stream 2 zu beenden.

58 Gedanken zu „Putin ließ Nawalny vergiften

  1. Nord Stream 2 ist im deutschen Nationalinteresse. Wir wollen ja nicht ausgerechnet den Polen den Griff am Hahn erlauben, die mit den Russen im Dauerklinsch liegen, die deutsche Minderheit in Oberschlesien kujonieren und der Bundesrepublik chronisch mißtrauen.

    Putins Methoden sind abstoßend, aber der Mossad bedient sich seit Jahrzehnten derselben Mittel auch gegen ausländische Staatsbürger. Trotzdem wird die deutsche Politik nicht müde, die Sicherheit Israels als „deutsche Staatsräson“ hinzustellen, wie es unlängst noch unsere Verteidungsministerin getan hat.

    Selektive Moral ist in internationalen Angelegenheit selten glaubwürdig. Wir sollten Rußland lieber als unerläßlichen Partner an der asiatischen Flanke Europas anerkennen, der dem wohlstandsverwahrlosten Mitteleuropa die grün-grüne Koalition der Abendlandhasser vom Hals hält.

    • Nord Stream 2 ist nicht im wohlverstandenen deutschen Interesse, sondern schadet unseren Verbündeten und erhöht die Abhängigkeit von Russland.

      Der Mossad tötet keine friedlichen Oppositionspolitiker, sondern mörderische Terroristen. Dass Sie das gleichsetzen, spricht nicht gegen Israel, sondern gegen Sie.

      • Können Sie Ihre israelfeindliche Propaganda bitte unterlassen, zumindest hier? Das ist ein reines Gerücht und der Fall ohnehin anders gelagert (illegale Erstellung von Kriegswaffen für den Irak ist keine friedliche Opposition).

      • Es wäre wohl etwas zuviel verlangt, daß der Mossad seine Operationen per Pressemitteilung kommentiert. Es reicht hier ein cui bono, um der Wahrheit nahezukommen.

        Aber wenn absolute Sicherheit der Maßstab sein soll, ist es auch nur ein „reines Gerücht“, daß Nawalny „von Putin“ vergiftet wurde. Oder haben Sie harte Beweise?

      • Absolute Sicherheit gibt es nicht und sie kann in solchen Fragen auch nicht der Maßstab sein. Im Strafrecht darf es keine begründeten Zweifel mehr geben (aber noch unbegründete, z. B. die reine Möglichkeit eines anderen Täters, die allerdings immer besteht und deshalb eine Verurteilung nicht hindert), in der politischen Bewertung reicht schon eine große Wahrscheinlichkeit.

        Nun gibt es im von Ihnen angeführten Fall doch noch viele andere Staaten, die etwas gegen eine bessere Rüstung des Iraks hatten. Dagegen sehe ich nicht, wer außer dem Putin-Regime ein ernsthaftes Interesse an der Ermordung oder auch nur schweren Erkrankung von Herrn Nawalny haben sollte. Er verärgerte in dem Regime auch noch andere neben dem Präsidenten, doch diese würden ohne dessen Einverständnis eine solche Aktion nicht wagen.

  2. Sorry aber ich kann mich diesen permanenten Verschwörungstheorien vs. „Präsident Putin als Auftragsmörder “ nicht anschließen.

    Es scheint mir nicht logisch dass wg. einzelner Oppositioneller – russische Bürger/innen – ein Präsident Risiken bzgl. Weltöffentlichkeit in diesem Maß eingeht.

    Zumal vom Mord Betroffene sehr viele Anhänger/innen haben die jeden derartigen Vorfall kritisch begleiten , daraus erwachsene Nachteile – für Präsident Putin – viel drastischer , schwerwiegender sind als Duldung von Kritik an seiner Position.

    Präsident Putin lebt nicht im Elfenbeinturm, zumal in Kenntnis als ehemaliger KG-Mann.

    Prof. Alexander Dilgers “ …..gegen unsere europäischen Partner gerichtete Projekt Nord Stream 2 zu beenden. “ erscheint mir nicht logisch, weil es im wesentlichen Deutschland – nicht europ. Partner – betrifft und russische Interessen am Verkauf von Gas betrifft.

    Mord an einem russ. Oppositionellen, damit Argumente vs. Projekt Nord Stream 2 ?

    Präsident Putin schießt sich ins Knie ? Ich glaube es nicht.

    • Die meisten Verschwörungstheorien sind implausibel, weil sie viel zu komplex sind und einfachere Erklärungen existieren. Hier ist es umgekehrt. Dass Präsident Putin Oppositionelle umbringen lässt, ist doch nichts Neues und macht aus seinem Machtkalkül heraus sogar Sinn, insbesondere solange viele wie Sie das nicht glauben wollen oder wie Eurokanadier zwar glauben, aber als gerechtfertigt ansehen. Welche alternative Erklärung halten Sie denn für plausibler? War es doch eine plötzliche Stoffwechselstörung, hat er sich selbst vergiftet oder war es seine Frau?

      Bei Nord Stream 2 geht es allein darum, Transitländer, die unsere Partner sind, auszuschalten. Es gibt bereits mehr als genug Gasleitungen, insbesondere wenn Frau Merkel zugleich verkündet, aus allen fossilen Energieträgern aussteigen zu wollen.

    • Verschwörungstheorie ist ein wichtiger Begriff. Die US-Demokraten haben auch jahrelang Trumps eine Russian connection angedichtet. Angeblich soll Trump sogar bei Besuchen in Moskau auf russische Prostituierte uriniert haben. Am Ende ergab die FBI-Untersuchung: alles erlogen und erstunken. Widerliche Propaganda. Vielleicht war Nawalny ja auch eine false flag-Aktion, um Putin etwas anzuhängen. Wer kann das schon ausschließen?

      Sehen Sie, wenn eine Seite ‚dicht macht‘ und hermetisch oder zirkulär argumentiert, kann das auch die andere genauso gut.

      • Es gab doch russische Beeinflussungsversuche der letzten Präsidentenwahl und Donald Trump hat bei der Aufklärung kein gutes Bild abgegeben (und sei es nur, weil er selbst an eine Verschwörung glaubte, die seine Leute dann doch nicht durchzogen).

        Das trifft jetzt auch auf das Nawalny-Attentat zu. Wenn der Kreml nicht verwickelt wäre, hätte er doch ein viel stärkeres Aufklärungsinteresse. Warum will er wohl lieber alles vertuschen? Interessanter ist die Frage, warum Sie hier auch Nebelkerzen zu werfen versuchen.

      • Es gab vor den letzten Präsidentschaftswahlen Partei- und Lobbyveranstaltungen der Republikaner und Demokraten, die waren mit israelischen Flaggen geradezu zugestellt.

        Und es gab damals kaum verklausulierte Aufrufe des mexikanischen Botschafters in den VSA an die dort lebenden Mexikaner, sich als US-Wähler zu registrieren, um gegen Trump zu stimmen. Dazu kommen seit Jahren wiederkehrende Massenaufmärschen in Kalifornien, bei denen mexikanische Demonstranten offen die mexikanische Flagge schwenken und den ganzen Süden für Mexiko reklamieren.

        Das sind offene Eingriffe in die Souveränität der VSA seitens der Israel- und Mexikolobby. Demgegenüber ist die Geschichtl mit den russischen Bots auf Twitter arg belanglos, selbst wenn wahr.

        Ich will das Thema nicht vertiefen, aber mich stören halt diese doppelten Bewertungsstandards der Transatlantiker.

      • Was sind denn das schon wieder für absurde Vergleiche? Es hat doch nicht der Mossad die Isralefahnen heimlich auf die US-Parteitage geschmuggelt, sondern die haben die Parteien ganz freiwillig dort aufgehängt. Es spricht doch auch nichts dagegen, dass sich US-Bürger mexikanischer Abstammung registrieren lassen und zur Wahl gehen.

        Bei den Vorwürfen gegen das Wahlkampfteam von Donald Trump ging es hingegen nicht um Bots bei Twitter, sondern eine Zusammenarbeit mit russischen Agenten, um seiner Gegenkandidatin etwas anzuhängen. Dieses Jahr hatte der Präsident doch sogar ganz öffentlich die chinesische und ukrainische Regierung dazu aufgerufen, etwas gegen seinen Gegenkandidaten bzw. dessen Sohn zu tun.

        Sind Sie nicht eigentlich viel mehr Transatlantiker als ich? Immerhin nennen Sie sich Eurokanadier und stehen kritiklos hinter dem amtierenden US-Präsidenten.

      • Also bitte.

        „Freiwillig“ ist ein sehr dehnbares Wort. Der exorbitante Einfluß der Israel-Lobby auf die US-amerikanische Politik ist bestens dokumentiert. Der größte Geldgeber der Republikaner, Multimilliardär Sheldon Adelson, hat die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels gefordert und das gegen die gesamte internationale Gemeinschaft auch bekommen.

        In den VSA leben geschätzte 10-30 Millionen illegale Einwanderer, ein Großteil davon Mexikaner. Angesichts der Tatsache, daß der Wählerregistrierungsprozess in Amerika quasi nur auf gut Glauben stattfindet, war der Aufruf des Botschafters ein unverhohlter Aufruf zur Unterwanderung der US-Demokratie. Erdogan ist mit seinen Einmischungsversuchen hierzulande dagegen ein Waisenknabe.

        Transatlantiker finden Amerika super, haben aber ein Problem mit der Hälfte der Bevölkerung, die Trump wählt. Dazu gehöre ich nicht.

      • Die Spenden sind völlig legal und transparent. Es handelt sich nur in Ihrer Einbildung um Zwang. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich mit keiner Hälfte der Amerikaner ein Problem, sondern nur mit den Lügen und Falschdarstellungen von Donald Trump, die Ihnen offensichtlich nichts ausmachen, sondern nur seine israelfreundliche Politik.

      • @Alexander Dilger

        Legte der Mueller oder Müller-Report nicht offen, dass es keine Beweise für Absprache von Trump mit Russland gab?

  3. Der Schweizer Publizist Frank A, Meyer (s. Youtube) weist darauf hin, dass China wie Russland massive Angriffe auf westliche Wertvorstellungen vornehmen (Russland uns indirekt auch die Flüchtlingsströme zuleitet) und der Westen, namentlich die EU, mit wirtschaftlichen Mitteln wie auch Mobilisierung der Öffentlichkeit konsequente Abwehrstrategien fahren müsste. Hier zeigt sich nun das Dilemma des vor allem von den Merkel-Regierungen (vielfach im Benehmen mit Frankreich) angezettelten Vielfronten-Krieges bezüglich Klima- und Umweltzielen, Regelungsorgien und steuerlichen wie sozialen Belastungen für die Wirtschaft, Konzeptionslosigkeit in der EU- und Entwicklungspolitik, dass wir unser Instrumentarium verbraucht haben und diesen Umstand mit leeren Drohkulissen zu verbergen suchen.

    • Instrumente gäbe es genug, es fehlt allein am politischen Willen oder auch schon der nötigen Erkenntnis. Die meisten Politiker und Journalisten reden sich lieber die Welt schön und diffamieren alle, die auf reale statt eingebildete Gefahren hinweisen.

      • Welche Strategie halten Sie gegenüber China (Hongkong, Xinjiang) und Russland (Ukraine, Syrien) – abgesehen von einzelnen Nadelstichen wie Nord Stream 2 für durchsetzungsfähig ? Frank A, Meyer weist bezüglich Chinas darauf hin, dass die westeuropäische Jugend ihre Protest- Aktivitäten mehr auf dieses Land beziehen und sich mit der Jugend der betroffenen Gebiete solidarisch zeigen sollte. China sei besonders auf seine Reputation bedacht und daher verletzlich- was ja auch das Seidenstraßen-Projekt berührt.

    • Das wird doch schon mit gigantischen Subventionen gemacht, ohne etwas fürs Weltklima zu bringen. Dafür ist Deutschland nicht nur zu klein, sondern auch nicht sonnig genug. Würden hingegen mehr Länder weniger fossile Energieträger nachfragen, dann würde der Preis fallen, was wiederum die Nachfrage anderer Länder erhöhen dürfte. Wäre gar ein völliger Verzicht z. B. ab 2050 absehbar, stiege der Anreiz, vorher noch soviel zu fördern wie möglich. Empirisch ist der CO2-Ausstoss in Deutschland gesunken, doch global gestiegen.

    • Das zielt ja jetzt wohl vorwiegend auf Russland, wohingegen China als zumindest gleich gefährliche Diktatur nicht angesprochen ist. Für die Strategie mit erneuerbaren Energien fehlt bisher ein plausibles Konzept. Ich weise aber in diesem Zusammenhang auf die Tätigkeit der Hydrogenious Technologies GmbH, Erlangen, hin, die für den Deutschen Zukunftspreis 2018 in der Forschergruppe III unter dem Titel „Flüssige Wasserstoffspeicher – Wegbereiter einer künftigen Wasserstoffgesellschaft“ nominiert wurde. Es handelt sich um die Entwicklung und den Verkauf von Anlagen, die eine mit Wasserstoff aufgeladene Trägerflüssigkeit ( Fa. Sasol) nutzt, die verlustfrei transport- und lagerfähig ist und die vorhandene Versorgungs-Infrastruktur nutzen kann, die also Bezugsquellen aus Ländern nutzen kann, in denen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien preiswert hergestellt werden kann oder wo es als Abfallprodukt entsteht. Die Aufzeichnung der Präsentation ist bei der Hydrogenious Technologies GmbH sicherlich erhältlich.

      • China hat eine noch viel schlimmere Diktatur als Russland und ist auch für den Westen bzw. vor allem für die USA inzwischen noch gefährlicher.

        Wasserstoff als Energieträger ist keine neue Idee, hat aber auch gravierende Nachteile, weshalb er sich bislang nicht durchgesetzt hat.

  4. Deutschland muss frei genug bleiben um zu entscheiden, mit wem sie wirtschaftliche Abkommen schließt. Amerika kann zwar dagegen sein, darf aber keine Repressalien daraus entwickeln. Freie Wirtschaft ist ein Teil unserer Demokratie.
    Wirtschaftliche Zusammenarbeit ist doch auch Friedenspolitik. Dabei werden die Russen auch angepasster werden,wollen sie die Gaslieferungen nach Deutschland beibehalten. Dass Verträge mit Russland verpönt sind ist die alleinige Ansicht von Amerika. Dabei wird mit Absicht unsere Souveränität deutlich düpiert. Es geht den Amerikanern in diesem Falle ja nicht um unsere Gesundheit, es geht um Geld.
    Dass die Russen mal ab und an einen ihrer Kritiker nach dem Leben trachten ist aber nicht ungewöhnlich. Diese Politizids gab es auch bei uns und sind in vielen Staaten heute noch geläufig.
    Wer Nord Stream 2 mit dem Attentat auf Nawalny verbindet hat eher monetäre Begriffe im Sinn.

      • Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Vielleicht waren sie die letzten. Wir haben ja in Deutschland einen Geheimdienst. Vielleicht fragen sie da mal nach. Ich wollte mit meinem Kommentar oben andeuten, dass die Russen nicht immer alleine die Bösewichte sind. Wenn Amerikaner so etwas machen, nicken wir meistens mit dem Kopf.

      • Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden nicht von staatlichen Agenten, sondern einer Bürgerwehr und einzelnen Offizieren in einer bürgerkriegsähnlichen Situation ermordet. Systematische staatliche Morde gab es dann durch das Hitler-Regime und, in geringerem Ausmaß, durch die DDR. Die aktuellen deutschen Geheimdienste wären dazu gar nicht in der Lage und auch nicht befugt. Die USA bringen zumindest nicht ihre eigenen Oppositionspolitiker um.

    • Was soll ich denn für „monetäre Begriffe im Sinn“ haben? Ohne Nord Stream 2 sinkt villeicht der Kurs meiner Gazprom-Aktien etwas, während meine Gasrechnung leicht steigt, aber darum geht es mir nicht, während sich Gerhard Schröder an Nord Stream dumm und dusselig verdient. Diese Gasleitungen sind weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Die Bundesregierung fällt den eigenen Verbündeten in den Rücken und macht auch Deutschland abhängiger. Donald Trump überreagiert da wohl, wie es seine Art ist, doch in der Sache liegt er richtig und würde auch Joe Biden den Kurs nicht radikal ändern.

      • Nord Stream 2 ist derzeit keine politische Verhandlungsmasse mehr. Das Projekt hätte in der Entstehungszeit in eine Gesamt-Strategie eingebunden werden müssen. Jetzt an das Projekt zu rühren, würde das Vertrauen in die über viele Jahrzehnte und alle politischen Fährnisse bewährte Verlässlichkeit des Energie-Lieferbezugs zerstören und wäre andererseits nicht mehr als ein Nadelstich gegenüber Russland. Der Preis ist mir zu hoch.

      • Welche Gründe gab es denn für das Projekt außer Zahlungen an Altkanzler Schröder? Jetzt ist es tatsächlich weit fortgeschritten, aber der politische Preis wird erst noch bezahlt und Frau Merkel müsste sich dafür rechtfertigen, während Sie ihr schon wieder zujubeln.

      • “ . . . aber der politische Preis wird erst noch bezahlt und Frau Merkel müsste sich dafür rechtfertigen, während Sie ihr schon wieder zujubeln.“
        Das steht auf einem anderen Blatt; hier geht es darum, welche Optionen Politik JETZT gegenüber Russland und China hat.

      • Deutsche Politik hat natürlich auch jetzt ganz ernsthaft die Option, weniger Gas von Russland und keine wesentliche G5-Infrastruktur von China zu kaufen.

  5. „Wer Nord Stream 2 mit dem Attentat auf Nawalny verbindet hat eher monetäre Begriffe im Sinn“.
    Damit waren sie doch persönlich gar nicht gemeint. Wenn es falsch rüber gekommen ist, tut es mir leid.
    Gazprom ist übrigens ein gutes Investment. Bei einem inneren Wert von 22 USD könnte der Kurs um 5 USD ein Schnäppchen werden.

      • So schlecht hat Gazprom doch gar nicht performt, vor allem verglichen mit anderen russischen sowie Energie-Konzernen. ExxonMobil lief z. B. die letzten Jahre schlechter und fliegt gerade aus dem Dow Jones.

      • Ich bestreite doch gar nicht, dass sich andere Aktien besser entwickelt haben. Aber ExxonMobil ist wie der russische Index RTS in der Zeit gefallen.

    • Was ist denn das für eine AfD-Logik? Nur weil die Genossen Putin und Gysi etwas behaupten, muss es doch nicht stimmen. Warum lässt denn die russische Regierung den Fall nicht international oder zumindest selbst untersuchen? Es hat doch auch schon vorher etliche russische Giftanschläge gegeben, von denen auch nicht alle vollständig klappten oder geheim blieben, was wohl auch gar nicht die Absicht war, um Terror zu verbreiten.

      • Das Suspekteste an diesem Fall ist doch, dass der (nur angeblich?) vergiftete Alexej Nawalny ausgerechnet nach Deutschland ausgeflogen wurde. Wie dumm müsste Putin sein, dass er so etwas zulässt und warum hat er ihn nicht gleich umbringen lassen, wenn er Nawalny wirklich loswerden möchte? Das ergibt doch alles überhaupt keinen Sinn.

      • Seit wann können Sie sich keine dummen Politiker mehr vorstellen? Außerdem machen die einzelnen Schritte doch alle Sinn, auch wenn sie am Ende (welches noch nicht erreicht ist) vielleicht nicht zu einem besonders guten Ergebnis führen. So hat Präsident Putin durchaus ein Interesse daran, seinen stärksten Opponenten loszuwerden. Ein echter Märtyrer kann aber mehr Probleme machen als ein hilfloses Opfer. Der Aufenthalt in der russichen Klinik sollte sicherstellen, dass sich kein Gift mehr nachweisen lässt. Das ging halt schief, aber dafür gibt es doch auch schon Präzedenzfälle. Denken Sie an die Vergiftung von Alexander Walterowitsch Litwinenko mit Polonium in Großbritannien. Das konnte auch nur der russische Staat einsetzen, der aber wohl davon ausging, dass darauf gar nicht getestet würde.

      • Abgesehen davon, dass ich Herrn Putin für erheblich intelligenter halte ais Frau Merkel und ihr ganzes Kabinett, wird da doch kein Schuh draus. Es sei denn, Putin hätte explizit gewollt, dass es so aussieht, wie Sie es schildern, was aber schon gar keinen Sinn ergibt.

      • Natürlich ergibt es Sinn und es folgt auch einem schon oft erprobten Muster. Die Mafia will auch, dass alle um ihre Morde wissen, nur möglichst vor Gericht keine Verurteilung erfolgt. Bisher gab es doch auch keine schweren Sanktionen für die russischen Mordanschläge, selbst wenn sie in westlichen Ländern erfolgten. Vielleicht hat man jetzt einfach nicht mit einer so starken Reaktion gerechnet, die doch auch noch längst nicht beschlossen ist, sondern nur diskutiert wird. Wenn sich der Westen wieder zahnlos zeigt, ist das doch auch zu Putins Vorteil. Gegen harte Sanktionen gäbe es schließlich auch noch einen Ausweg, nämlich die Präsentation und Bestrafung von irgendwelchen unbedeutenden Personen, die angeblich völlig eigenmächtig handelten.

      • Es ergäbe einen Sinn, wie von Ihnen beschrieben, wenn Herr Nawalny tatsächlich getötet worden wäre. Aber so? Glauben Sie ernsthaft, dass die Russen das nicht hinbekommen hätten, wenn sie ihn wirklich hätten beseitigen wollen?

      • Dennoch bleibt die Frage offen, warum Nawalny ausgerechnet nach Deutschland in die Charité verbracht wurde, wo in einer Blitzdiagnose festgestellt wurde, wozu ein ganzes Team von Spezialisten in Russland mehrere Tage nicht in der Lage gewesen sein soll. Das erscheint mir doch arg an den Haaren herbei gezogen. Aber wer Frau Merkel auch sonst untertänigst zu Füßen liegt, wird sicher auch dieser Geschichte Glauben schenken.

      • In Sibirien sind wohl nicht die größten Spezialisten. Auch die Charité brauchte Hilfe. Das Festhalten in Sibirien sollte Spuren verwischen.

      • Das erklärt immer noch nicht, warum der Patient nach Deutschland geflogen wurde. Er ist kein deutscher Staatsbürger und lebt auch nicht in Deutschland. Der ADAC-Auslandsschutzbrief mit Rückholservice wird also nicht der Grund gewesen sein.

      • Die Angehörigen wollten das und es gab politischen Druck. Die Ausreise wurde erst verweigert und dann verzögert. Wäre danach kein Gift nachgewiesen worden, wäre doch alles gut gewesen fürs Regime. Selbst jetzt kann man noch behaupten, das Gift wurde erst hier verabreicht oder erfunden. Schließlich wäre Nawalnys Tod in Deutschland günstiger als in Russland.

      • Um die Geschichte perfekt zu machen, fehlt jetzt eigentlich nur noch, dass Alexej Nawalny in der Charité an Corona stirbt. Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen lässt grüßen.

      • Weder noch. Ich glaube im Unterschied zu Ihnen nichts, was nicht zweifelsfrei erwiesen ist. Gerade der Fall Nawalny ist doch gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker aller Art.
        Da können auch Sie sich mit Angela Merkel, Gregor Gisy und dem Berliner AfD-Politiker Gunnar Lindemann die Hand reichen.

      • Sie glauben allen möglichen Unsinn, zumindest das ist hier zweifelsfrei erwiesen, sonst aber fast nichts. Es ist vernünftig, stets den besten Argumenten und der verfügbaren Evidenz zu folgen. Wenn sich diese ändern, ist entsprechend eine Anpassung der eigenen Meinung sinnvoll. Doch in diesem Fall habe ich noch keine guten Gegenargumente vernommen. Gerade Russland könnte doch Gegenbeweise vorlegen, wenn es diese gäbe.

      • Ich glaube zunächst einmal gar nichts, denn ich bin kein gläubiger Mensch. Für mich zählen Fakten, keine (Verschwörungs)Theorien. Ihre unsubstantiierten Mutmaßungen können Sie daher getrost stecken lassen.

        Die von Ihnen beschriebene Herangehensweise ist die eines wissenschaftlichen Theoretikers. Damit können Sie aber in Politik und Tagesgeschehen auch dem größten Unfug aufsitzen und müssen dann ggf. zurück rudern.

      • Sie ignorieren doch die Fakten, um Verschwörungstheorien zu stützen. Damit ist auch diese Diskussion nicht länger spannend und beendet.

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