Dexit

Für einen Dexit hinsichtlich der Eurozone bin ich schon lange. Deutschland sollte die Eurozone verlassen. Davon würde nicht nur die deutsche Volkswirtschaft profitieren, sondern auch die Volkswirtschaften der anderen Euro-Mitglieder. Seit Anfang der Woche bin ich außerdem für einen Dexit im weiteren Sinne hinsichtlich der Europäischen Union. Denn die ‚EU wird Schulden-, Haftungs-, Transfer- und Fiskalunion‘ selbst, nicht nur über den Euro. Die Radikalisierung liegt also nicht bei mir, sondern bei der EU und den Mitgliedsregierungen, die sich an die eigenen Verträge und Versprechen nicht halten. Haupttreiber ist dabei die Merkel-Regierung, während die anderen Regierungen einfach nehmen, was sie kriegen können, sei es an Transfers und Krediten oder Beitragsermäßigungen. Das zeigt aber auch, dass die nationale Identität fast überall stärker ausgeprägt ist als die europäische, so dass Vereinigte Staaten von Europa nicht zu erwarten sind, sondern ein Ende mit großem Streit, wenn den Deutschen irgendwann das Geld oder die Geduld ausgeht. Je früher das passiert, desto besser ist es für alle Beteiligten. Denn damit endet Europa natürlich nicht, sondern kann sich endlich wieder auf seine Stärken besinnen wie Demokratie, Freiheit, Handel, Rechtsstaatlichkeit, Vielfalt und Wettbewerb.

69 Gedanken zu „Dexit

  1. Nach dem Erfolg der Brexit-Party, gibt es jetzt schon eine Italexit-Partei.
    WANN gründen wir die Dexit-Partei…?!?

    • In der AfD haben einige, unter anderem auch in der JA, schon so ab Anfang 2015 von einem Dexit als Option geredet, wurden aber wahlweise belächelt oder zurechtgewiesen. In jedem Falle aber wurden diese als politikunfähig und randständig beschimpft.
      Die AfD hat nun zumindest die Positionierung, dass als Ultima-Ratio, wenn Reformierung nicht mehr möglich ist, ein Dexit in Erwägung gezogen werden muss.

      • Der Austritt aus der Eurozone war von Anfang an ein wichtiges Thema, zu dem sich aber Bernd Lucke nie eindeutig positionieren wollte. Bis zum aktuellen EU-Gipfel setze ich auch mehr auf Reformen als auf einen EU-Austritt. Aber glauben Sie noch ernsthaft an Reformen in die richtige Richtung? Eine Dexit-Partei wäre hier viel eindeutiger positioniert ohne den ganzen Ballast, den die AfD mit sich herumschleppt und damit von den wichtigen Fragen ablenkt.

      • @Alexander Dilger

        Der „Ballast“ den die AfD inzwischen (bzw. bis heute) mit sich herum schleppt ist vor allem Lucke und Gauland zu verdanken, die ihm das Tor geöffnet haben. Im Falle einer Neugründung einer Dexit-Partei (die auch ich für richtig und sinnvoll halte), müsste also von vornherein streng darauf geachtet werden, dass nicht von der ersten Stunde an langjährige Ex-CDU Mitglieder den Ton angeben.

      • Wenn Sie eine Parteigründung erwägen, dann müssen Sie zumindest in den Anfangsjahren die Zügel mit hohem persönlichen Einsatz in der Hand halten und der Partei Ihren Stempel aufdrücken. Sonst läuft es tatsächlich wie in der AfD. Interessant wäre die Partei nur dann, wenn neben dem Fokus auf Dexit auch Rechtsstaatlichkeit und Definition der Werte unverrückbar demokratisch wären. Potential dürfte in Deutschland dann bei 5 bis 10 % liegen

      • Wahrscheinlicher ist doch, dass sich die AfD noch stärker als Dexit Partei positionieren wird. Oder wer würde in Analogie zu UK den Nigel Farage machen können?
        Vor 10, 20 Jahren hätte es wohl noch Mehrheiten gegen den Euro gegeben, heute würde in diesem merkwürdigen Land ohne Identität und Selbstbewusstsein wohl (klar) mehrheitlich pro Euro und EU gestimmt werden.

      • Auch eine klarere inhaltliche Positionierung der AfD bzw. überhaupt wieder ein Beschäftigen mit Inhalten statt Personen und dummen Sprüchen wäre bereits ein Gewinn. Einen deutschen Nigel Farage gibt es allerdings nicht, weder in der AfD noch außerhalb. Die Mehrheit der Deutschen ist für Euro und EU, was aber auch daran liegt, dass dazu vor allem nur eine Meinung verbreitet wird.

      • Es hat ja einmal die Pro-D-Mark-Partei gegeben, die die Einführung des Euro verhindern wollte. Erfolge bei Wahlen waren leider marginal.

        Die Mehrheit der Deutschen ist so gehirngewaschen, dass sie das Märchen glaubt, Deutschland würde von EU und Euro am meisten profitieren. Das mag für Teile der Industrie sogar zutreffen, nur kommt dieser Effekt nicht in der Breite beim Volk an und die Masse der Menschen begreift die Risiken für die Zukunft nicht.

        Eine DExit Partei könnte erfolgreich sein, wenn sich ihr prominente Köpfe anschließen würden. Sarrazin wäre perfekt. Aber selbst wenn diese Partei knallhart darauf achten würde, Spinner vom rechtsextremen Rand draußen zu halten, die Systemmedien werden ihr trotzdem den Stempel „Rechts“ aufdrücken. Wahrscheinlich muss es erst schlechter werden, bevor es besser wird…!?!

      • Zu Zeiten von Pro D-Mark waren die Fehler des Euro noch nicht offensichtlich. Es wurde vor allem vor sehr hoher Inflation gewarnt, die bis heute nicht eingetreten ist, weil die Problemlage eine ganz andere ist. Richtig ist, dass das bis heute die meisten Deutschen noch nicht erkannt haben und nur die Folgen beklagen, nicht aber die Ursachen.

    • Rein rechtlich ist der EU-Austritt leichter als der Euro-Austritt, weil ersterer in den EU-Verträgen explizit geregelt ist und der Brexit einen Präzedenzfall bildet. Ein Dexit hätte allerdings noch viel weiterreichende Folgen, weil er das faktische Ende der EU bedeuten würde, selbst wenn formal einige Staaten sie vielleicht noch eine Weile fortführen sollten.

      Parteipolitisch und medial ist die offizielle Stimmung in Deutschland extrem stark für die EU. Gerade das macht es jedoch nötig, einen Kontrapunkt zu setzen. Die AfD wurde einmal als Alternative gegründet, beschäftigt sich jetzt aber lieber mit sich selbst und „Vogelschiss“-Themen.

      • Das quasi Ende der EU wäre der Knackepunkt, dem ein realisierbarer, konkreter Gegenentwurf gegenüber gestellt werden müsste in Richtung früherer EWG o.ä.
        Eine neue Dexit-Partei liefe erst recht in Gefahr, in die rechtsradikal-populistische Ecke zu geraten oder gedrängt zu werden.
        Denn endlich würde einmal Klartext artikuliert werden, zu dem sich selbst die AfD in dieser Härte und Entschiedenheit 2019 noch nicht durchringen konnte.

      • Dexit ist wahrscheinlich eine zu negative Zielbestimmung. Besser wäre es tatsächlich, das Ziel positiv zu beschreiben. „Zurück zur EWG“ hört sich allerdings nicht sehr mitreißend an. „Europa der Vaterländer“ ist ganz gut, aber vermutlich zu unkonkret. Ideen sind willkommen.

      • Eher bei einem knackigen Namen wie Dexit-Partei bleiben oder was einprägsam kreatives, EXIT.de o.ä. schaffen und dann, schwer genug, versuchen, den Laden sauber zu halten.
        Realistisch stellt sich die Frage aber erst, wenn doch noch vernünftige bekannte Köpfe aus Union, FDP und Medien … einen Grundstock bilden würden, was Bekanntheit, Organisationsvermögen und Geld angeht.
        Alleine durch den Austritt aus diesen Parteien oder durch den Abschied aus dem Altmedien-Konsens oder durch ein „Dexit-Outing“ sonstiger Promis würde schon einiges erreicht werden und in Gang kommen können.

      • Echte Prominente werden sich bei noch einer neuen Partei zurückhalten. Das war schon bei der AfD ein Problem, wobei sie sich ex post bestätigt fühlen können in ihrer Zurückhaltung, obwohl es ohne diese vielleicht anders, besser gelaufen wäre.

  2. Daily Mail vor zwei Tagen: „I was a convinced Remainer, but now thank God we’re out.“
    Es passt das Lied der Animals: „We’ve got to get out of this place, if it’s the last thing we ever do.“

    • Ex post haben die Briten alles richtig gemacht. Die EU ist ein Fass ohne Boden. Wären sie noch dabei, hätten sie die Vergemeinschaftungsorgie des letzten Gipfels vielleicht noch etwas mehr abschwächen, aber auch nicht verhindern können.

      • Mit den Briten wäre die Umverteilung vermutlich nur innerhalb der Euro-Zone passiert. Aber der Gipfel beweist, dass die Briten alles richtig gemacht haben.

        Ich bin schon lange für eine Auflösung der EU. Mich freut es, dass sie zum selben Schluss gelangt sind.

      • Eine (weitere) Umverteilung nur innerhalb der Eurozone hätte die EU etwas aus der Schusslinie gehalten. Inzwischen ist der Unterschied aber kaum noch zu erkennen, selbst wenn noch nicht alle EU-Mitglieder den Euro haben (aber größtenteils zumindest feste Wechselkurse).

  3. “ ……….Das zeigt aber auch, dass die nationale Identität fast überall stärker ausgeprägt ist als die europäische, so dass Vereinigte Staaten von Europa nicht zu erwarten sind, sondern ein Ende mit großem Streit, wenn den Deutschen irgendwann das Geld oder die Geduld ausgeht. ….“

    War , ist unsere Feststellung bei Gesprächen im Ausland oder bei Besuchern in Deutschland .

    Immer ist Bezug zur eigenen Heimat, Identität größer , Europa nur Begriff für Freizügigkeit bei Reisen.

    Seit gefühlt mehr als 15 Jahren hat sich persönliches Verhältnis der europ. Nachbarn zu uns Deutschen geändert, nicht persönliche Sympathie und Achtung steht mehr im Vordergrund sondern “ ……Ihr habt doch die größten Vorteile von der EU “ . Entsprechend groß und hoch sind die Forderungen.

    Es bleiben Tatsachen, mit Geld kann man keine dauerhaften Freunde erwerben. Auch nicht durch Selbstkasteiung oder Verleugnung von Selbstbewusstsein bei / unter Bezug auf unselige Vergangenheit.

    Regierung unter Merkel hat unsere Forderung, Wunsch nach einem Europa der Vaterländer in Frieden, Freiheit, Demokratie konterkariert.

    • Auch unsere europäischen Nachbarn würden von einem selbstbewussteren Deutschland profitieren. Das Problem ist leider, dass die Deutschen von einem Extrem ins andere fallen. Auf übersteigerten Nationalismus folgte Selbstverleugnung. Nun droht entweder wieder deutscher Nationalismus oder EU-Imperialismus. Wir brauchen in Deutschland eine ehrliche Debatte, um dann den goldenen Mittelweg wählen zu können.

      • Das Risiko eines übersteigerten Nationalismus in D ist sehr gering, eine seltsame, rechtsradikale Figur wie Höcke völlig überschätzt. Ich weiß nicht, woher diese Angst kommt.
        Ja, es gibt Rechtsextreme in D und in Europa, die sehr schlimme Taten begangen haben. Es handelt sich dabei eher um Einzeltäter und nicht um „Bürgerwehr-Armeen“ von Hooligans, Skinheads oder Wehrsportgruppen. Selbst in Dortmund-Dorstfeld und in Sachsen dürfte das Risiko kalkulierbar und kontrollierbar sein.

      • Die Deutschen neigen zu Extremen, weil sie alles perfekt machen wollen, selbst wenn es eine schlimme Sache ist. Das galt für den Nationalsozialismus, dann auch für den realen Sozialismus, nun vor allem für grüne Spinnereien oder auch die EU, die fast alle anderen europäischen Völker völlig anders sehen.

      • @ Andreas Walter

        Mit der Angst vor einem drohenden Nazi-Revival wird seit nunmehr 75 Jahren vom gesamten politisch-medialen Mainstream im Westen knallharte und als alternativlos verkaufte (Erpressungs-)Politik gemacht. Dabei hat man ahistorisch allen Deutschen quasi eine Kollektivschuld zugesprochen, um eine potentielle Dauergefahr als inhärent zu betrachten. Auf dieser Grundlage wurden dann auch alle demokratischen Einschränkungen und teils eindeutigen Demokratie-Mängel stets gebetsmühlenhaft als alternativlos verkauft und gerne auch als „wehrhafte Demokratie“ bezeichnet.

      • Hitler-Deutschland war durchaus eine ganz schlimme Katastrophe, die sich nie wiederholen darf. Geschichte wiederholt sich aber ohnehin nie ganz gleich, sondern die Erscheinungsformen wandeln sich. Die DDR war nicht ganz so schlimm, aber auch eine grausame Diktatur und ein Unrechtsstaat, der die eigenen Bürger drangsalierte und alle im eigenen Land einsperrte. Es gibt keine Garantie, dass das nicht wieder passieren könnte, wenn auch die Begründungen wechseln wie aktuell z. B. Corona oder demnächst vielleicht der Klimawandel.

  4. Realistischer ist die Forderung an die jeweilige deutsche Regierung, das Potenzial Deutschlands in der Bewahrung der europäischen Verträge besser zu nutzen. Leider hat sich die CDU dazu verleiten lassen, die verantwortungslose Merkel-Methode des Trial-and-Error auf fast allen Politik-Feldern anzuwenden. Ob sich dies unter anderer Partei- und Regierungsführung ändern wird, ist offen. Denn man wird von den Kandidaten nicht erwarten können, dass sie angesichts der gegenwärtigen Stimmung ihre Vorstellungen zu deutlich öffentlich machen- das ist das Dilemma. Über die Schäden durch Opportunismus hinaus geht es um den bisherigen Verzicht auf die öffentliche Meinungsbildung, der sich bis in jeden Parteistammtisch. auswirkt. Man kann spekulieren, wie die sich verschlechternde Wirtschaftslage diesen Trend verändert.

    • Es geht darum, das Thema zu besetzen und zu promoten. UKIP hatte fast keine Abgeordneten im britischen Unterhaus und erreichte schließlich doch den Brexit, weil sich Stimmungen bei den Tories, die mehrheitlich dagegen waren, und in der allgemeinen Bevölkerung, die sonst kein parteipolitisches Angebot dafür hatte, geschickt nutzen ließen.

      • Wenn man die Entwicklung von UKIP und das Wirken von Farage verfolgt (siehe z.b. https://is.gd/YQ2t7O -Bundeszentrale für Politische Bildung – bpb) wird klar, weshalb das kein Muster für Deutschland ist. Auf der Plattform von bpb findet man Analysen, die in der Tiefe über die Beiträge der Tagespresse hinausgehen.

      • Die Situation ist in Deutschland natürlich ganz anders. Vor allem müsste erst einmal der deutschen Öffentlichkeit vermittelt werden, dass eine Zukunft ohne die EU überhaupt vorstellbar ist. Mit großen Wahlerfolgen ist da erst einmal nicht zu rechnen, aber vielleicht mit einer dringend nötigen Debatte. Wenn die EU-Fans sagen müssten, was sie eigentlich wollen, wäre schon viel gewonnen.

      • Die EU Fans in D haben ja kaum Argumente. Unausgesprochen oder nicht geht es ihnen vorrangig darum, den deutschen Nationalstaat mehr oder weniger abzuschaffen.

  5. Der Vorteil einer DExit Partei wäre, dass man täglich,auch medial, bundesweit im Gespräch bleiben würde. Ohne eine Partei zu sein, verläuft alles wieder ideologisch im Sande. Man müsste aber ein anderes Parteienkonzept entwickeln, irgendwie auf wissenschaftlicher und rein fachlicher Basis ohne Polemik und personenbezogener Größenordnung.

    • „. . . irgendwie auf wissenschaftlicher und rein fachlicher Basis ohne Polemik und personenbezogener Größenordnung.“ – Das ist der sichere Weg zum Misserfolg, denn da werden alsbald Kollegen – wie der Hofsänger vom DIW – auftreten, die dem verwirrten Publikum das genaue Gegenteil erzählen. Und Monothematik trägt nicht und Spenden gibt es erstmal auch nicht. Wir benötigen eine Gallionsfigur, die einerseits in das Thema eingelesen ist, aber andererseits das Instrument der Demagogie bis zur Selbstverleugnung beherrscht.So viel kann man UKIP schon entnehmen. Die Grundehrlichen landen im Dilger- Blog oder in Tichys Einsichten.

      • Aber warum sollten Demagogen und Opportunisten für die richtigen Anliegen eintreten und nicht für falsche, die ihnen nutzen? Im Übrigen hatte selbst Bernd Lucke Rockstarstatus in der Anfangszeit der AfD.

  6. Kennt jemand hier im Blog seriöse Untersuchungen, wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis von EU-Anleihen bzw. einem gemeinsamen Entwicklungsfonds für Deutschland aussieht? Offensichtlich ist es für Deutschland als Exportnation nicht von Nachteil, wenn der Binnenmarkt in der EU gestärkt wird. Mich würde interessieren, inwiefern diesem Vorteil Nachteile gegenüber stehen.

    • Die Binnenmarkt ist gut. Dafür reicht eine EWG. Eine EUdSSR stärkt uns wirtschaftlich nicht, im Gegenteil.

      • Der Binnenmarkt wird doch inzwischen von der EU eher vernachlässigt, weil andere Ziele als wichtiger gelten. Er lebt vor allem auch von mehr Wettbewerb und Freiheit, nicht deren Beschränkung.

    • Die Vorteile liegen doch auf der Hand: Es sind dieselben, die ein Würstchenverkäufer gewinnt, der Passanten Geld in die Hand drückt, damit sie seine Bratwürste kaufen …

      • Das ist aber dem Euro geschuldet und dem damit einher gehenden Target-System. Zu Zeiten der EWG war das nicht der Fall.

      • Dabei hätten sie die Bratwürste eh gekauft bzw. geben das Geld vom Verkäufer ohnehin für andere Sachen aus. Wenn man schon Geld umverteilt, dann doch bite nicht ohne Auflagen und klare Ziele. Selbst EU-Fans müssten doch erkennen, dass das gar nicht zu mehr europäischem Zusammenhalt fühlt, sondern zu Verteilungskämpfen (die diesmal nur durch deutsches Geld zugekleistert wurden).

      • Zugang zu den Geldern des Fonds erhält man aber ja nicht einfach so, sondern muss den Bedarf begründen bzw. ein Konzept vorlegen, was mit dem Geld gemacht werden soll. Ob derartige Anträge ernsthaft gelesen werden, wäre die andere Frage.

        Ansonsten geht es im optimistischen Szenario vielleicht auch darum, es anderen Ländern zu ermöglichen, Bratwürste zu erzeugen, die uns besser als die eigenen schmecken. Auch hier wäre natürlich wieder die Frage, ob das gelingen wird.

      • Es gibt keine ernsthaften Auflagen. Viele Regierungen überlegen auch erst jetzt, was sie mit dem Geldsegen überhaupt anfangen sollen. Steuersenkungen und frühere Verrentungen sind dabei durchaus Optionen, für die die Deutschen mehr Steuern zahlen und länger arbeiten dürfen. Um die Verbesserung der Produktionsbedingungen geht es kaum, was sich politökonomisch auch gut erklären lässt. Um ihre produktiven Teile muss sich eine Gesellschaft nur ernsthaft kümmern, wenn diese für ihren Wohlstand wichtiger sind als z. B. Zahlungen aus dem Ausland oder auch Rohstoffe.

    • Empirisch ist das noch nicht möglich, weil es noch keine EU-Anleihen gibt. Bei genauer Betrachtung der Beschlüsse ist jedoch offensichltich, dass der Binnenmarkt gar nicht gestärkt wird, jedenfalls nicht direkt, sondern höchstens politisch, indem insbesondere die Italiener bei Laune gehalten werden sollen. Das kann jedoch auch nach hinten losgehen. Ich bin z. B. genau deswegen jetzt zum EU-Gegner geworden.

  7. Deutschland hat aus der EU-Mitgliedschaft immer wieder politische Vorteile gezogen. Zum Beispiel wäre ohne die Verankerung in der EU die Wiedervereinigung viel schwieriger geworden. Angesichts einer zunehmend erratischen und rücksichtlos die eigenen Interessen verfolgenden Politik der USA (Nord-Stream2 !) ist es verständlich, dass Deutschland nach einem Gegengewicht in der EU sucht. Das umso mehr als wir nicht bereit sind, genügend Geld in die eigenen Verteidigung zu stecken.

    Anstelle eines Dexit käme also eher der Austritt einer ganzen Staatengruppe mit anschließender Neugründung in Frage (wollen so viele andere Mitglied in einer deutsch dominierten Gruppe sein?) oder aber Deutschland schließt sich der Gruppe der „Nordländer“ an, was kurzfristig die EU lahmlegen könnte, mittelfristig entweder zu einer Reform oder einer Spaltung führen würde. Fazit: selbst wenn der Dexit einfach wäre, ist er eine problematische Alternative.

    • Die EU gibt es doch überhaupt erst seit 1993.

      Es ist natürlich richtig und wichtig, dass Deutschland mit seinen Nachbarn gute Beziehungen unterhält. Gemeinsame Bündnisse wie NATO oder EWG sind ebenfalls sinnvoll, die EU als Pseudo-Superstaat ist es nicht. Eine Trennung von den USA wäre auch nicht sinnvoll, zumal Deutschland bzw. die ganze EU dann viel mehr für Verteidigung (und Abenteuer in fernen Ländern) ausgeben müssten, nicht weniger.

      Es sollte auf die EU nicht eine vergleichbare Organisation nur mit etwas anderer Zusammensetzung folgen, sondern eine Vielzahl von sinnvollen Vereinigungen unter Verzicht auf schädliche (wie eine Gemeinschaftswährung souveräner Staaten, die Vergemeinschaftung von Schulden, die Entmachtung der eigenen demokratischen Institutionen für undemokratische Einrichtungen auf höherer Ebene etc.).

      • Grundvoraussetzung wäre eine EWG mit der Beibehaltung eines Binnenmarktes. Allerdings müsste Deutschland erst seine Schulden zahlen. Die jetzige Schuldenunion hat ja den Vorteil, dass alle schön beieinander bleiben. Eine fatale Entwicklung.

      • Der Binnenmarkt ist die größte Errungenschaft der EWG und auch EG insgesamt, die jedoch von der EU gefährdet wird. Außerdem sehe ich die Marktabschottung nach außen, demnächst auch gegen UK, sehr kritisch.

      • In eine reine EWG würde UK bestimmt zurückkommen!

  8. Nägel mit Köpfen👍 Es geht voran!
    „Stimmten die Richter dem zu, dürfte die Bundesbank vom 6. August 2020 an nicht mehr an dem Anleihekaufprogramm PSPP der EZB teilnehmen.
    Stiege die stärkste Volkswirtschaft mit dem besten Rating an den Finanzmärkten aus, wäre das ein Verstoß gegen die Regeln des Eurosystems. Und der Anfang vom Ende des Euro.“

    https://www.sueddeutsche.de/politik/ezb-gauweiler-ultimatum-anleihenkaeufe-1.4979629

    • Herr Gauweiler sollte bei einer Dexit-Partei mitmachen, wird das aber nicht tun. Vor dem Bundesverfassungsgericht hatte er jetzt einen echten Erfolg, dessen Wiederholung bzw. Fortsetzung jedoch unwahrscheinlich ist.

      • Peter Gauweiler (71) ist schon zu alt.

        Jörg Meuthen wäre ein guter Kandidat. Aber er wird die AfD nicht aufgeben und es sieht im Moment auch ganz danach aus, als ob es dem völkischen Sumpf in der AfD gelingt, sich ganz alleine zu zerlegen. Es gibt also genügend Hoffnung für die AfD und es ist sicher einfacher, deutsche Unabhängigkeitsforderungen in der AfD gut unterzubringen, als eine „German Independence Party“ zu gründen und zu etablieren.

      • Herr Meuthen steht für die AfD und könnte keine andere Partei mehr glaubwürdig anführen (was Herr Lucke in seinem eigenen Fall nicht bedacht hat). Er muss es da schaffen. Im günstigsten Fall braucht es dann gar keine Dexit-Partei mehr. Ich wünsche ihm jedenfalls viel Erfolg.

      • Der ach so hoch intelligente Bernd Lucke hat so vieles nicht bedacht. Aber der Augiasstall, den er hinterlassen hat, wird jetzt endlich ausgemistet.

      • Wenn einer wie Günther Jauch (ist nur ein Beispiel, bitte nicht daran festbeißen) mitmachen würde, wäre das Gold wert…!

      • Warum sollte er?
        Unsere öffentlich-rechtlichen Maximalprofiteure werden ganz sicher nicht ihre geschäftliche Existenz aufs Spiel setzen, um sich mit dem Zentralkomitee anzulegen.

      • Ja, aber solche Leute bekommt man leider nicht. Wenn er wirklich wollte, würde er wohl auch lieber selbst gründen und sich nicht anderen anschließen, die er nicht kennt.

  9. In Italien hat sich jetzt auch eine Partei gebildet, die „Italexit – No Europa per l’Italia“ (kurz: Italexit) heißt und als Hauptthema den Austritt Italiens aus Euro und EU hat. Auch will sich der Hauptgründer an Nigel Farrage orientieren, was Ihnen wohl zusagen dürfte.

    http://www.pi-news.net/2020/07/neue-partei-will-eu-austritt-italiens/

    Ausgetreten ist der Gründer Gianluigi Paragone aus der „5 Sterne Bewegung“. Allerdings ist sein Nicht-Beitritt zur Lega wohl auch der innerparteilichen Dominanz von Matteo Salvini geschuldet und die Erfolgaussichten sind wohl zumindest vorerst gering.

    • Meine These lautet, dass alle europäischen Ländern von einem Austritt aus der Eurozone und inzwischen auch aus der EU profitieren würden, wobei eine geordnete Auflösung im Konsens am besten wäre.

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