Landesregierung will für Schalke bürgen

Die schwarz-gelbe Regierung von „NRW plant 40-Millionen-Landesbürgschaft für den FC Schalke 04“. Ich bin Anhänger eines schwarz-gelben Konkurrenzvereins, aber ganz unabhängig davon ist das weder politisch noch wirtschaftlich oder gar sportlich in Ordnung. Wenn Städte ihre Sportvereine unterstützen, ist das schon problematisch genug. Doch was mischt sich die Landesregierung hier ein und verteilt Gelder von unten, nämlich von den normalen Steuerzahlern und auch Leistungsempfängern einschließlich Amateurvereinen, nach oben zu den Fußballprofis mit Millionengehältern um? Selbst eine von Schalke geplante Gehaltsobergrenze von 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt macht die Sache nicht besser, zumal sie den sportlichen Erfolg weiter gefährden könnte, während die Bürgschaft einseitig einen Verein und dessen Spieler zu Lasten anderer begünstigt.

Der Staat einschließlich öffentlich-rechtlichem Rundfunk sollte sich ganz aus dem Profifußball heraushalten. Bundesligavereine haben auch nicht übermäßig unter den Corona-Beschränkungen gelitten, weil ihnen zwar keine Stadionzuschauer, aber Geisterspiele zur Sicherung der ohnehin höheren Fernsehgelder erlaubt wurden. Nun einzelne schlecht wirtschaftende Vereine zu subventionieren, schafft falsche Anreize und verzerrt den Wettbewerb, sowohl wirtschaftlich wie sportlich. Insbesondere die FDP hätte dem nicht zustimmen dürfen, während die CDU ihren ordnungspolitischen Kompass schon lange verloren hat. Auch wenn erst einmal kein Geld fließt, so steht doch die Bürgschaft im Risiko und sie könnte weitere Bürgschaften oder auch Zahlungen nach sich ziehen. Außerdem erlaubt sie dem ohnehin schon schwer verschuldeten Verein die Aufnahme weiterer Kredite, statt die Ausgaben den Einnahmen anzupassen. Schließlich heißt der Aufsichtsratsvorsitzende von Schalke Clemens Tönnies, der aktuell noch viel größere Probleme hat sowie verursacht (siehe ‚Massive Beschränkungen für Kreise Gütersloh und Warendorf wegen Corona in Fleischfabrik‘) und keine solche Unterstützung verdient.

30 Gedanken zu „Landesregierung will für Schalke bürgen

  1. Treffend kommentiert. Herr Tönnies soll mind.1.9 Milliarden Euro besitzen. Dann kann er den Verein doch stützen, dem er ja einiges eingebrockt hat. Fraglich ist auch, wie die Landesregierung reagieren will, falls andere Vereine ebenfalls um eine Bürgschaft ersuchen. Problematisch ist zudem, dass die meisten Sportstätten im Land marode sind. Kinder können immer seltener schwimmen, weil es schlicht an Hallenbädern für Schwimmunterricht fehlt. Die Übungsleiterpauschale für Ehrenamtler ist ein schlechter Witz. Auch deswegen gibt es immer weniger Vereinssport. In der Breite fehlt es an Geld, jedenfalls wird das den Ehrenamtlern im Sport seit Jahrzehnten erzählt. Auch, wenn es hier zunächst nur eine Bürgschaft ist, muss man ja damit rechnen, dass die 40 Millionen Euro evtl. aufzubringen sind. Vor Corona wurde eine Zeitlang diskutiert, Bundesligavereine an den Polizeikosten für Bundesligaspiele zu beteiligen. Damals pochten alle Vereine darauf, staatliche Auf- und Ausgaben strikt von den Vereinen fernzuhalten. Jetzt ist der Staat auf einmal als Retter in der Not gefragt. Herr Hoeneß hat gerade heute wieder seine Freundschaft zu Tönnies bekräftigt. Soll Tönnies doch erst mal dort betteln gehen, bevor er das Land NRW fragt.

  2. Die Landesregierung sieht Gelsenkirchen als einen sozialen Brennpunkt mit vielen noch ungelösten Problemen des Strukturwandels. FC Schalke 04 ist hier Identifikationsmerkmal. Der hoch verschuldeten Gemeinde sind die Hände gebunden. Man kann der reinen Lehre folgen, muss dann aber vielleicht noch höhere soziale Kosten befürchten. Außerdem (kein Argument- nur eine Anmerkung) wird es dem Laschet auf seinem politischen Weg nicht schaden. Ob das abverlangte wirtschaftliche Konzept etwas bringt, ist fraglich (auch andere Vereine müssen sparen); die Insolvenz bietet aber keine besseren Perspektiven.

  3. Naja, eine Bürgschaft…
    Ich fänd es interessanter, über CT und die Fleischproduktion im Ganzen zu diskutieren, wo Sie das Thema schon ansprechen. Ist CT wirklich die Pest auf Erden? Manches mag darauf hindeuten, aber Fakt ist, dass der gewöhnliche Deutsche gerne viel Fleisch kauft und es mag, dafür wenig Geld auszugeben. Genau diesen Markt bedient er. Können Sie uns eventuell über das Thema Preiselastizität bei Fleisch aufklären? Auf Twitter wurde sich über Herrn Merz lustig gemacht, weil er das Thema falsch dargestellt habe.

    • Friedrich Merz hat gesagt (siehe „‚Schwarz-Grün sitzt längst am Frühstückstisch'“): „Wir wissen aus verschiedenen Untersuchungen allerdings auch, dass die Preiselastizität bei Nahrungsmitteln nicht höher als 15 bis 20 Prozent liegt.“ Das ist seltsam formuliert und würde wörtlich bedeuten, dass die Preiselastizität nur bei 0,15 bis 0,20 läge, was sehr niedrig wäre. Wenn der Preis um ein Prozent stiege, würde die Nachfrage nur um anderthalb bis zwei Promille zurückgehen (wenn man noch ein negatives Vorzeichen hinzudenkt). Herr Merz argumentiert allerdings danach genau umgekehrt, dass man Fleisch nicht stark verteuern dürfe, weil es sich sonst kaum noch jemand leisten könne. Empirisch wird die Preiselastizität von den meisten Fleischprodukten übrigens betragsmäßig deutlich größer geschätzt als 0,2.

      Richtig wäre es, die Bedingungen in der Fleischindustrie für Menschen und Tiere zu verbessern durch verbindliche Regeln und deren Kontrolle. Die Preise dürften dadurch steigen, während staatliche Mindestpreise o. ä. mehr schaden als nutzen.

      • Die Argumentation geht vermutlich dahin, dass Fleisch schlecht substituiert werden könne und für viele Menschen lebensnotwendig sei. Wenn die Preiselastizität allerdings tatsächlich deutlich kleiner als -0.2 ist, scheint Fleisch eher ein nice-to-have sein.

        Könnte nicht eigentlich bei wirklich hochwertigem Fleisch die Elastizität sogar größer als 0 sein, wenn dieses Produkt als Luxusgut eingestuft wird? Sozusagen die besten Filetstücke von glücklichen Rindern auf der argentinischen Weide…

      • Betragsmäßig niedrige Preiselastizität bedeutet, dass Fleich unabhängig vom Preis immer gekauft wird, weil es den Menschen wichtiger ist als die meisten anderen Güter. Einzelne mögen bei steigenden Preisen sogar mehr kaufen, aber für die meisten dürfte das nicht gelten, zumal es sonst kein Luxusgut wäre.

  4. Die Profi-Fußball-Vereine sind keine echten Vereine, sondern millionenschwere Firmen. Sie haben auch keinen echten gesellschaftlichen Nutzen, sondern sind die „Spiele“ von “ Brot und Spiele“. Die müssten sich selbst finanzieren oder den Betrieb einstellen. Fehlen würden sie mir nicht!

    • So ist es.

      Die Bundesländer bürgen für Fußballunternehmen und die Bananenrepublik Deutschland für Großbanken und Konzerne. Außerdem werden auch mit den Zwangsgebühren für ARD/ZDF/Deutschlandradio Filmindustrie, Unterhaltungsmilliardäre und kommerzielle Sportunternehmen gefüttert. Der Steuer- und Abgabenbürger wird gemolken, dass ihm die Augen tränen und sein sauer verdientes Geld wird mit vollen Händen an arbeitsscheue Versorgungssuchende, den überbordenden öffentlichen Dienst, Sozialkonzerne, Großunternehmen und millionenschwere Unterhaltungsmultis verschleudert. So funktioniert das im real existierenden Sozialismus 2.0 – aber wehe man übt daran Kritik. Dann ist gilt man als Radikalkapitalist oder gleich als Nazi. Als ob der geliebte „Sozialstaat“ zukunftssicherer würde, wenn man die letzten Leistungsträger durch Kaputtbesteuerung und Diffamierung demotiviert und aus dem Land mobbt.

    • Vor allem sind doch gar nicht alle von der Pleite bedroht. Wenn welche ausfallen, rücken andere nach, während willkürliche Subventionen für einige den Wettbewerb von allen verzerren.

  5. Missmanagement so weit das Auge reicht. Aber statt die Nieten in Nadelstreifen auszutauschen, Pleitekranich (der lieber auf Malta versteuert), marode Konzerne, „Traditionsvereine“, angeblich „systemrelevante“ Banken und Turnschuhersteller etc. den Kräften des Marktes zu überlassen, wie KMUs sie auch aushalten müssen, gibt es jetzt 2,5 Millionen Jahres-BGE auf Steuerzahlers Kosten. Grotesk!

    • Ich befürchte, dass Deutschland nicht mehr zu retten ist. Daher kommt es nur noch darauf an, für die eigene Schadensbegrenzung zu sorgen. Nein, ich bin kein Egoist! Daher vernetzte ich mich gerne mit Gleichgesinnten, denn gemeinsam sind wir stärker, unser Überleben und unser hart erarbeites Eigentum zu verteidigen. DAS ist soziales Verhalten!

      • Das mag sozial sein und auch individuell vernünftig, ist aber nicht patriotisch, da Sie sich dann gerade in dessen Not für Ihr Land einsetzen müssten. Hinzu kommt, dass die Lage in der Dominikanischen Republik doch gar nicht wirklich besser ist. Gerade die Corona-Pandemie zeigt, dass viele Länder noch viel schlechter regiert werden als Deutschland.

      • Wenn 85% einer Bevölkerung für Sozialismus plädieren, dann können Sie als ‚Patriot‘ oder Andersdenkender dagegen ankämpfen, wie Sie wollen. Da ist nichts mehr zu retten. Es bleibt Ihnen nur, sich ein- und unterzuordnen oder das Land zu verlassen (wobei Letzteres für einen völkischen ‚Patrioten‘ keine Option darstellen mag). Ansonsten beißen Sie sich sinnfrei die Zähne aus.

      • Nirgendwo sind 85 Prozent der Bevölkerung für Sozialismus (oder Liberalismus, Konservatismus etc.), denn die meisten Menschen sind relativ unpolitisch. Sie wählen aus dem vorhandenen Angebot, welches in Deutschland überwiegend links geworden ist, teilweise unter falscher Flagge wie die CDU, während Ihre AfD inzwischen national-sozialistisch tickt.

      • „Die AfD“ tickt nicht national-sozialistisch. Das sind nur die Landesverbände in den NBL, die keineswegs „die AfD“ repräsentieren. Sie schreien nur am Lautesten, allen voran Gauland, Höcke und Kalbitz.

        Wenn 85% der Wähler de facto sozialistische Parteien wählen, dann kommt das schon meiner Eingangsthese gleich. Allerdings hätte ich statt „Bevölkerung“ „Wähler“ schreiben sollen, da wir nicht wissen, ob die Nichtwähler und der nicht wahlberechtigte Teil der Bevölkerung auch diese Parteien wählen würde.

  6. Guten Tag Professor Dilger, Ich bin auch kein Freund von Landesbürgschaften für Fußball-Vereine. Aber wenn sich ein schwarz/gelber Fan darüber ärgert, stelle ich meine ordnungspolitischen Bedenken zurück! Ich hoffe doch, Sie sehen mir das nach! Beste Grüße Christian Bill

    Von meinem iPhone gesendet

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  7. Pingback: Mindestlöhne sollen in der Krise stark steigen | Alexander Dilger

  8. A) Wegen der Verletzung reiner (liberaler) Lehre in der Vergangenheit ist Gelsenkirchen in Not
    B) Bei der Beachtung reiner (liberaler) Lehre käme Gelsenkirchen in der Zukunft aus der Not
    C) Da Schalke 04 ein Identifikationsmerkmal ist, verführt staatliche Pleiteverhinderung noch mehr Menschen in Not, für ihre Identifikation viel mehr Geld auszugeben als für einen minder schweren Fall von Identifikation: Schalke 04 nach 3 Abstiegen in der Regionalliga West, oder. Geben Menschen in Not in Iserlohn oder Bottrop vielleicht seltener Geld für Identifikationen aus denn Menschen in Erstligastädten??
    D) Staatliche Bürgschaften finanzieren bei Risikoeintritt auch Menschen in Not über ihre Steuern mit
    E) Vielleicht ist für Witten auch der örtliche Ringerverein Identifikationsmerkmal: Ab welchem (wie meßbarem ?) Grad von Identifikation bestehen ein Recht oder eine Pflicht zur Hilfe? Oder ist das „frei nach Schnauze“ Willkürentscheidung?

    • Es ist offensichtlich willkürlich. Gelsenkirchen könnte noch sinnvoll selbst entscheiden, für wie wertvoll es Schalke hält, aber doch nicht NRW, dessen Regierung sich damit eben gegen Iserlohn, Bottrop, Witten und viele weitere Städte, Sportarten und andere Zwecke entscheidet.

  9. Besser als es Prof. Augsberg ausgedrückt hat, geht es doch eigentlich gar nicht:
    „Steffen Augsberg
    Ethikrat-Mitglied: Der Fußball wird „doch sehr gehätschelt“
    05.05.2020, 07:02 Uhr | dpa
    Steffen Augsberg – Ethikrat-Mitglied: Der Fußball wird „doch sehr gehätschelt“. Steffen Augsberg sieht einen baldigen Neustart der Fußball-Bundesliga mit Geisterspielen skeptisch.
    „Mich wundert, dass wir auf die Bundesliga-Debatte so viel Energie verwenden. Sie ist ein Beispiel für geschicktes Lobbying. Geisterspiele gaukeln nicht einmal Normalität vor, sondern verdeutlichen vor allem, wie unnormal die Zustände sind“, sagte Augsberg in einem Interview der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „So gern wir ihn haben: Der Fußball wird an dieser Stelle doch sehr gehätschelt.“
    Für die Bevölkerung sei es nicht sonderlich relevant, ob Bundesligaspiele nun stattfinden oder nicht. „Selbst wenn man alle Jobs miteinbezieht, die an der Branche hängen, hat der Fußball doch eine überschaubare wirtschaftliche Bedeutung“, erklärte der 44 Jahre alte Rechtsexperte.
    „Andere Teile der Bevölkerung sind viel erheblicher und existenzieller von der Corona-Krise betroffen“, betonte Augsberg und forderte: „Es wäre wohl sinnvoller, darauf hinzuarbeiten, dass Kinder wieder gemeinsam draußen spielen können und etwa die Gastronomiebranche schnellstmöglich wieder in die Gänge kommt.“
    https://www.t-online.de/sport/fussball/id_87820132/steffen-augsberg-ethikrat-mitglied-der-fussball-wird-doch-sehr-gehaetschelt-.html

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