Massive Beschränkungen für Kreise Gütersloh und Warendorf wegen Corona in Fleischfabrik

Seit Mitte März, noch vor den drastischen pauschalen Gegenmaßnahmen, waren die Zahlen an Covid-19-Neuinfektionen in Deutschland Woche für Woche zurückgegangen. Seit letzter Woche ist das nicht mehr so, was jedoch nicht an einer flächendeckenden Rückkehr der Epidemie liegt, sondern einzelnen „Hotspots“ mit sehr vielen Infektionen, was die Rückverfolgung und auch gezielte Maßnahmen erleichtert. Den größten Ausbruch gab es beim Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh. „Von 6140 getesteten Tönnies-Mitarbeitern seien 1553 mit dem Coronavirus infiziert, dazu gebe es Infektionen im familiären Umfeld.“ Die Mitarbeiter wurden gleich in Quarantäne geschickt, wobei einige ausländische Beschäftigte von Subunternehmen wohl noch schnell vorher abreisten.

Heute hat die Landesregierung beschlossen, die Kreise „Warendorf und Gütersloh fahren herunter – Kekulé findet Lockdown zu kurz“, da er für nur eine Woche angekündigt wurde, was für einen Nachweis des Virus zu kurz sein könnte, wobei auch beliebige Verlängerungen möglich bleiben. Umgekehrt dürften die Beschränkungen für alle Einwohner der Kreise eigentlich zu pauschal sein. Zumindest bislang sind fast nur Mitarbeiter von Tönnies und deren Angehörige betroffen, die wenig Kontakt mit der übrigen Bevölkerung haben. Aber immerhin ist es besser, nur die konkret betroffenen Landkreise mit einem (schwachen) Lockdown zu überziehen und nicht ganz NRW oder sogar Deutschland wie im März.

Bedenklich finde ich aber auch die Reisebeschränkungen, die insbesondere Bayern, aber auch Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gegen alle Bewohner der beiden Kreise verhängt haben. Vielleicht sollten wir doch noch schnell unseren geplanten Bayernurlaub absagen (wie schon das Doktorandenseminar in Greifswald, da mein Kollege kalte Füße bekam), da es reiner Zufall ist, ob sich nicht dasselbe in Dortmund oder auch Bayern ereignet. Aber Planungssicherheit wird es vielleicht nie mehr geben, da die Entwicklung eines sicheren Impfstoffs unsicher ist und auch dann jederzeit eine neue Epidemie ausbrechen könnte, wie es auch noch viele andere potentiell tödliche Gefahren gibt.

12 Gedanken zu „Massive Beschränkungen für Kreise Gütersloh und Warendorf wegen Corona in Fleischfabrik

  1. Zumindest das Urlaubsproblem wäre gelöst, wenn man schnell einen PCR-Test machen könnte und ein Attest mit dem negativen Ergebnis mit in den Urlaub nehmen könnte. Noch besser wäre, wenn solch ein Test in Urlaubsregionen direkt angeboten werden würde. In Südtirol und Spanien war genau das im Gespräch, ich weiß nicht, wie der aktuelle Stand ist.

    Ansonsten: Der Lockdown kommt meines Erachtens mal wieder zu spät. Warum durfte Tönnies z.B. noch einige Tage nach Bekanntwerden der hohen Zahlen weiterarbeiten? Weiterhin zeigt sich (ebenfalls mal wieder), dass Corona in erster Linie ein Problem von sozial schlecht gestellten Gruppen ist. Den Zigeunern in den Fabriken mache ich gar keine Vorwürfe (konkret sind hier eher die Bedingungen in der Fleischindustrie allgemein zu nennen), aber die Probleme treten halt nicht bei der weißen Mittel- und Oberschicht auf. Ähnlich ist es in Göttingen, Berlin, New York, Brasilien,…

  2. ……ja, finden wir auch sehr unfair pauschal Bürger/innen aus Gütersloh oder anderen stärker mit dem Corona – Virus Betroffenen quasi auszusperren. Ist ja fast wie früher bei Pest und Cholera.

    Politisch verständlich und geboten eigene Bürger/innen zu schützen, aber da reicht wohl dann eine Bescheinigung vom Arzt.

    Aussperrung, Zurückweisungen sind reiner Populismus , eher einer Diktatur geschuldet.

    Planungssicherheit perdue ist allein schon großer Mist, noch viel schlimmer empfinden wir dauernden Verlust an Leichtigkeit , Unbeschwertheit.

    Man kann es bereits z.B. gut am Verhalten von Kindern sehen.

  3. Zur Ausschöpfung Ihrer Kapazitäten und Nutzung der brachliegenden Kräfte Ihrer Studenten schlage ich nach dem in der FAZ vom 23.6.2020 vorgestellten Beispiel (Lasse Avatar) Folgendes vor. Vorbemerkt sei, dass der am Schulbesuch durch eine Immunschwäche gehinderte Schüler Lasse sich mittels Laptop, Internet und Kleincomputer in der Klasse mit großem Erfolg vertreten ließ:
    Wir legen einen Fonds zu Beschaffung und zum Verleih von Avataren sowie deren Service auf.
    Der Service umfasst die Verteilung auf Hörsäle und Seminarräume und der Aufladung. Nachdem für eine Ihrer Einführungsvorlesungen bis zu 400 Hörer vorgemerkt waren, sind die Geschäftserwartungen solider als bei Wirecard. Und dieses Geschäftsmodell wird den Corona-Virus überdauern.

  4. Anscheinend bin ich der einzige hier im Blog, der in Bezug der Pandemie eine andere Meinung vertritt. Mittlerweile werden deutsche Beatmungageräte zum Exportschlager.

    • Wenn die Beatmungsgeräte hierzulande gebraucht würden, würde sie wohl nicht mehr exportiert werden. Dabei ist fraglich, ob diese Geräte nicht mehr schaden als nutzen anrichten. Wir sind uns einig, dass es sich um eine gefährliche Pandemie handelt. Dissens besteht darüber, wie gefährlich sie in Deutschland ist, sowohl im Vergleich zu anderen Gefahren für Leib und Leben als auch im Verhältnis zu den extrem teuren und freiheitsbeschränkenden Gegenmaßnahmen.

  5. Pingback: Landesregierung will für Schalke bürgen | Alexander Dilger

  6. Pingback: Unverhältnismäßiger Lockdown aufgehoben, doch pauschale Maskenpflicht bleibt | Alexander Dilger

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