Wirecard hat Geschäfte und Vermögenswerte wie Enron erfunden

Es gibt einen aktuellen Bilanzskandal in Deutschland, der an die Enron-Pleite in den USA im Jahr 2001 erinnert. Damals hatte der Energiekonzern seine Bilanz und damit seinen Börsenwert durch Scheingeschäfte aufgebläht. Beim Finanzdienstleister Wirecard gab es schon seit Jahren und Gerüchte und seit Anfang 2019 konkretere Berichte um Bilanzmanipulationen, die einen Höhenflug der Aktie allerdings nicht verhindern konnten, die 2018 in den DAX aufgenommen worden war. Seit Donnerstag geht es hingegen nur noch nach unten. Der Börsenkurs ist massiv eingebrochen, es droht sogar die Insolvenz.

„1,9 Milliarden Euro fehlen: Suspendierter Wirecard-Vorstand gefeuert, Treuhandkonten gibt es nicht“. Die Wirtschaftsprüfer verweigerten das Testat und die Finanzaufsicht Bafin ermittelt – viel zu spät, nachdem man zuvor lieber gegen einen kritischen Reporter und angeblich böse Spekulanten ermittelt hatte. Erst wurde vom Wirecard-Vorstand noch erzählt, knapp zwei Milliarden Euro seien einfach noch nicht gefunden und vielleicht von einem Treuhänder veruntreut worden. Heute räumte das Unternehmen ein, dass es das fehlende Geld wohl gar nicht gibt und niemals gab, sondern zahlreiche Scheingeschäfte wie bei Enron getätigt worden waren.

Das ist gerade für einen Finanzdienstleister ein herber Schlag, der eigentlich vom Vertrauen lebt, dass seine Dienstleistungen rund um Online-Zahlungen ordentlich durchgeführt werden. Ich selbst habe übrigens auch Wirecard-Aktien, die ich schon vor etlichen Jahren kaufte und deren Totalverlust ich verkraften könnte. Es trifft mehr den Finanzplatz Deutschland, wo es nicht so viele Innovationen gibt und offensichtlich weder die staatliche Aufsicht noch der Kapitalmarkt oder die großen Banken ordentlich arbeiten, sondern lieber alle Warnsignale übersehen werden. Die Banken retten jetzt vielleicht sogar noch Wirecard, um ihre Verluste zu begrenzen, falls nicht noch mehr Betrügereien ans Licht kommen.

14 Gedanken zu „Wirecard hat Geschäfte und Vermögenswerte wie Enron erfunden

  1. Einer von mehreren Gründen, warum ich in Finanztitel nicht mehr investierte (Ich gehöre zu den Geschädigten des Offenen Immobilienfonds Morgan Stanley P 2 value)…

  2. Ein weiteres Beispiel dafür, welche Risiken Digitalisierungsmaximierung und Bargeldabschaffung mit sich bringen. Der Planet braucht mehr gesunden Menschenverstand und weniger manipulationsanfällige Künstliche Intelligenz.

  3. Ich hatte Wirecard mehrfach aus Spekulationsgründen, auch wenn das meiner Investmentphilosophie eigentlich widerspricht. Es ist viele Male gutgegangen, beim letzten Mal allerdings nicht. Allerdings habe ich bereits unmittelbar nach dem Erscheinen des KPMG-Prüfberichts veräußert, da mir da klar wurde, dass das kein gutes Ende finden würde. So konnte ich den Verlust in engen Grenzen halten und wurde jetzt auch nicht kalt erwischt.

    Braun hat sich als Hochstapler entpuppt und wird im Gefängnis landen. An einen Betrug zu Lasten Wirecards glauben doch nur noch die letzten Verzweifelten.

  4. Und die bösen Angelsachsen der Financial Times hatten doch recht. Sehr peinlich für Deutschland als Finanzplatz, wo man sich hier einer besonders guten Aufsicht und Kontrolle rühmt. Von der BaFin kann man offenbar nichts erwarten und leider scheint es bei „Prüfern“ wie EY kaum besser auszusehen. Wenn man dann noch bedenkt, über welchen sehr langen Zeitraum diese Betrügereien liefen, unglaublich.

  5. Es gibt gute Einstiegschancen für Wirecard und Lufthansa bei 5 Euro, wenn die Zocker raus sind. Wirecard wird wohl im September aus dem Dax kommen. Ich vermute, sie kommen in den Sdax

    • Beide Werte sind zur Zeit nur etwas für Spekulanten. Gut möglich, dass man sich damit total verzockt und sie künftig nur noch Pennystocks sind. Mehr als die reine Spielgeldkasse würde ich für Lufthansa zur Zeit nicht riskieren. Aber selbst dafür ist es noch zu früh. Von Wirecard würde ich die Finger ganz lassen.

      • Lufthansa dürfte jetzt wieder auf einem guten Weg sein, Wirecard nicht. Beide Aktien würde ich nicht neu kaufen, werde sie aber auch aktuell nicht verkaufen.

  6. Finger weg vom Wirecard-Nachfolger …

    Hier kündigt sich gerade das nächste Dax-Debakel an:
    https://www.t-online.de/finanzen/boerse/news/id_88426522/dax-aufsteiger-was-ist-delivery-hero-fuer-ein-unternehmen-.html

    „Mittlerweile ist Delivery Hero weltweit in mehr als 40 Ländern mit seinen Bestellplattformen aktiv, in Deutschland aber nicht mehr.

    Das Geld nutzten die Berliner für ihre Expansion in anderen Erdteilen. Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet Delivery Hero heute in Nahost und in Asien und übernahm mehrere Konkurrenten für Milliardensummen. Die Märkte in Nord- und Südosteuropa spielen im Vergleich kaum noch eine Rolle.

    Seit Beginn läuft das Geschäft von Delivery Hero nicht profitabel. Im Jahr 2018 betrug der operative Verlust 242 Millionen Euro, 2019 waren es sogar 648 Millionen Euro.“

    Im Klartext: Der „Lieferheld“ Delivery Hero ist geradezu präderstiniert für einen richtig fetten Bilanzskandal von dem erst einmal längere Zeit kaum jemand etwas mitbekommten wird. Dax-Vorgänger Wirecard lässt grüßen!

      • In diesem Falle ist es wohl besser auf die Anwendung des Olympischen Gedankens „Dabeisein ist alles“ zu verzichten …

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