Corona-Warn-App verfügbar

Seit heute gibt es die offizielle Corona-Warn-App, rund zwei Monate zu spät und noch länger nach dem Höhepunkt der Epidemie in Deutschland. Die „Regierung verteidigt Corona-App gegen Kritik“. Meine Einschätzung ist, dass die App überschätzt wird, sowohl hinsichtlich ihres Nutzens als auch in Bezug auf ihre Kosten und Risiken. Der Nutzen ist gering, weil es kaum noch Neuinfektionen gibt und fast gar keine von irgendwelchen Zufallsbegegnungen, vor denen die App warnen soll. Außerdem rechne ich nicht damit, dass hinreichend viele Menschen die App überhaupt und dann auch noch richtig nutzen werden. Schließlich ist noch stärker als bei der Maskenpflicht gar kein individueller Nutzen zu erkennen, sondern es wird allein moralisch argumentiert, wie sehr man anderen helfen würde, was ich bezweifle. Insbesondere hilft man mit der App niemandem, wenn man gar nicht erkrankt ist und auch keinem Fremden länger zu nahe kommt.

Was die Kosten und Risiken angeht, ist der Datenschutz relativ hoch, wobei ausgerechnet Apple und Google eine dezentrale Datenspeicherung erzwungen haben, während sie selbst viel, viel mehr Daten von jedem Smartphone abgreifen. Doch selbst bei einer verpflichtenden App wäre der Freiheitseingriff kleiner als bei anderen Maßnahmen wie Maskenpflicht, Datenhinterlassen bei vielen Dienstleistern, Kontaktverboten oder Schulschließungen. Allerdings rechne ich mit viel mehr Fehlalarmen als echten Hinweisen auf ein sich dann realisierendes Infektionsrisiko. Außerdem wird einmal mehr ein deutscher Sonderweg beschritten, obwohl hier eine EU-weite Kooperation viel sinnvoller wäre als auf vielen anderen Gebieten. Das größte Risiko ist allerdings wohl, dass unsere Politiker uns noch viel mehr gängeln werden, wenn bei diesem Lieblingsprojekt von ihnen nicht genügend Untertanen mitmachen. Trotzdem halte ich erst einmal weiter Abstand auch von dieser App. Denn welche App läuft gleich fehlerfrei?

27 Gedanken zu „Corona-Warn-App verfügbar

  1. Ich traue Regierungen grundsätzlich nicht. Wie früher Fürsten und Könige, wollen die uns zu Untertanen machen…!

  2. Ob diese App im Zusammenhang mit Corona nützlich oder gar erforderlich ist, ist nur von untergeordneter Bedeutung. Mit dieser App ist jedoch der Grundstein für eine flächendeckende Überwachung der Bürger gelegt. Um sie bei Bedarf scharfzumachen, bedarf es nur kleinerer Änderungen. Ein Softwareupdate reicht.

    Bei dieser, der ersten Version, sehe ich diese Gefahr zwar noch nicht, denn hier sind selbstverständlich noch alle Sicherungen dagegen eingebaut, aber in dem jetzt beginnenden Feldtest werden alle Erfahrungen gesammelt, die für die Schaffung der Überwachungsinfrastruktur benötigt werden. Ohne diesen Nutzen wäre die Investition in diese App rausgeschmissenes Geld.

    • Es ist rausgeschmissenes Geld. Gibt es sonst noch eine App, die gleich im ersten Jahr über 60 Millionen Euro kostet? Trotzdem fällt das kaum ins Gewicht gegenüber den enormen Schäden, die unsere Politiker im Rahmen der Corona-Epidemie angerichtet haben.

  3. ….sehe ich auch so….es lässt sich super leicht verschiedenen Begehrlichkeiten anpassen….seit Jahren nutze ich Internet und Handy ohne Google Account, was ich auch nicht ändere…die Warnapp läßt sich somit für mich nicht downloaden….obwohl ich Risikoperson bin, Alter und COPD, schütze ich mich nur mit Abstand halten und wenn notwendig mit Maske…bin gespannt auf die Fehlerquote durch die App….

    • Apps privater Unternehmen nutze ich. Private Unternehmen wollen meine Daten, um Geld zu verdienen. Der Staat möchte meine Daten, um mir meine Seele zu nehmen und um mein Verhalten zu steuern. Wir müssen uns insb. gegen den Staat schützen, das ist in der Gesellschaft leider noch nicht angekommen.

    • Die eigene Verwendung der App würde Sie selbst auch gar nicht schützen. Das ist noch krasser als bei den Masken, von denen die meisten ihre Träger auch nicht schützen. Abstand dürfte am meisten bringen, vor allem in geschlossenen Räumen.

  4. Ich werde diese App nicht benutzen. Ich lasse mich von unserer Regierung nicht überwachen. Das ist nur der Anfang, es werden weitere Wege beschritten werden und dann sind die aktuell noch vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen gegen staatliche Übergriffigkeit nur noch Schall und Rauch.

    Corona hat mir vieles klargemacht. Bislang dachte ich nur, viele Menschen seien faul und deshalb durch Medien leicht beeinflussbar. Mittlerweile ist mir klar: Massenpropaganda ist wirksam und das sogar gegen die innere Überzeugung der Menschen. Die selben Leute, die sich selbst nicht an die Regeln halten, plappern den Medien nach, die jene dämonisieren, die eine Aufweichung der Regeln erst möglich machten. Völlig irrational, aber tatsächliche Realität. So muss es in Diktaturen mit schlimmen Taten funktionieren.

    Was bleibt uns als Lehre? Die Zerbrechlichkeit unserer Freiheit. Man kann uns alles nehmen, sofort und ohne Rücksicht. Logische Gedankengänge spielen keine Rolle, da Angst schüren funktioniert und Instrumentalisierung gelingt.

    Was bedeutet das politisch? Sollte es jemals wieder ein erfolgsversprechendes politisches Projekt geben, dann muss eines ganz klar im Vordergrund stehen: Klare liberale Werte, die das Individuum in den Mittelpunkt stellen und andere Meinungen akzeptieren. Dass man sich heutzutage moralisch dafür rechtfertigen muss, sich im Dienste der Gesellschaft nicht überwachen zu lassen, sich nicht impfen zu lassen, den eigenen Beruf auszuüben oder seine Familienmitglieder zu treffen, ist unerträglich.

    Einmal mehr wird mir klar: Kollektivistisches Denken ist die größte Gefahr für unsere Gesellschaft. Wenn wir ehrlich sind, dann leben wir längst in einer solchen kollektivistischen Gesellschaft. Sie wird uns auch den wirtschaftlichen Sozialismus bringen. Wir können den Sozialismus in seiner Endstufe auch gar nicht mehr besiegen, in Wahrheit haben wir längst verloren. Die Hoffnungen von Markus Krall bzgl. einer bürgerlichen Revolution dürften spätestens nach den Erfahrungen der vergangenen Monate ausgeträumt sein.

    • —auch die von Ihnen geäußerten Bedenken sind zu teilen— dennoch gibt es Schnittstellen, da muß der Staat überwachen-.–.-Verbrechenbekämpfung-.-.Spionage ect.-..-auch wenn eigene Freiheiten evtl. eingeschränkt werden, so meine Einstellung-.-.- aber ich gestatte mir ein Hinweis auf Dr. Ulf Buermeyer und Katharina Mikulcak unter
      http://www.internet-freiheit.de/staatliche-ueberwachung/

      • Das Problem ist doch, dass die Regierung willkürlich entscheidet, was sie für hinreichend schlimm hält und was nicht. Die Corona-Epidemie ist objektiv nicht schlimmer als viele andere Krankheiten und Risiken, trotzdem werden nur für sie Millionen Arbeitsplätze und wirtschaftliche Existenzen vernichtet sowie die Grundrechte massiv eingeschränkt. Die Polizei dringt z. T. in Privatwohnungen ein, um Kontaktverbote zu überprüfen. Mit flächendeckender Smartphoneüberwachung ginge da noch mehr.

    • „Freiheit statt Sozialismus“ war 1980 das Wahlkampfmotto der CDU. Es ist heute noch aktueller als damals!!!

    • Die Zerbrechlichkeit unserer Freiheit und der mangelnde Schutz unserer Grundrechte sind tatsächlich sehr deutlich geworden, wobei auch das noch von vielen übersehen wird, die sich zu viel Angst von der Politik einjagen ließen. Im Grunde müssen wir sogar dankbar sein, dass es nicht noch viel schlimmer gekommen ist. Die Regierung hätte uns auch ganz wegsperren können, selbst ohne Gang zum Einkaufen. Die Regierung könnte auch alle Corona-Verdachtsfälle sowie alle Kritiker ihrer Politik internieren. Es gibt leider keinen wirksamen Schutz dagegen. Das macht es eigentlich umso wichtiger, wer in die Regierung gewählt wird, aber viel Einfluss haben wir darauf auch nicht (Frau Merkel gewinnt immer). Eine bürgerliche Revolution wird es aus vielerlei Gründen nicht geben, sondern wir sollten innerhalb der bestehenden Demokratie liberale Ideen und Personen stärken.

  5. Mein Problem ist, dass ich die App nicht installieren möchte, auf der anderen Seite möchte ich niemanden anstecken. Wenn sich die Anzahl der Neuinfizierten drastisch ändert, kann ich sie immer noch installieren. Fatal für mich wäre, wenn durch meine Entscheidung ein Mensch sterben würde. Bislang haben bis heute 20 Millionen Menschen in Deutschland die App installiert. Ob ich mich impfen lasse, weiß ich auch noch nicht. Wenn der Impfstoff in 12 Monaten zur Verfügung steht, werde ich sicher noch ein Jahr warten.

    • Tatsächlich könnte es Situationen geben, wo eine Corona-App sinnvoll ist. Momentan ist das in Deutschland jedoch nicht so. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen anderen Menschen tödlich anstecken und das durch die App hätten verhindern können, ist weit geringer als ein tödlicher Unfall bei Ihrer nächsten Autofahrt. Durch eine wirksame Impfung könnten Sie sich und andere viel besser schützen. Aber zumindest am Anfang ist ein solcher Impfstoff selbst mit Risiken behaftet. Schlimmstenfalls sterben dadurch mehr Menschen als durch die Krankheit selbst.

    • „Bislang haben bis heute 20 Millionen Menschen in Deutschland die App installiert.“

      Tatsächlich?
      Das ist ja nicht zu fassen. Sind wir ein Volk von Lemmingen?

      Ich bin heute früh nach langer Zeit einmal wieder mit der Deutschen Bahn gefahren und hätte mich auf Grund der noch immer bestehenden Maskenpflicht beinahe schwer verletzt. Dank der sinnfreien Masken hat man nämlich keinen richtigen Blick mehr auf den Boden. Die Unebenheiten eines Regionalzuwaggons sind mir als Wenigfahrer nicht vertraut. So kam es, dass ich trotz meines an sich hervorragenden Sehvermögens mit zwei schweren Taschen (je eine in jeder Hand) eine Stufe übersehen habe und gestürzt bin. Nur durch schnelle Reaktion (ich habe beide Taschen fallen lassen) konnte ich mich gerade noch selbst auffangen. Ich hätte mir aber auch leicht ziemliche Verletzungen zuziehen können. Wirklich eine tolle Sache, diese geniale Dauer-Maskenpflicht.

      • Bislang wurde die App knapp 10 Millionen mal heruntergeladen (die Zahl der ernsthaften Nutzer dürfte niedriger sein). Das ist in so kurzer Zeit viel, aber reicht für relevante Effekte nicht aus.

        Sie wurden (fast) ein Opfer der Maßnahmen gegen das Virus, nicht von diesem selbst.

      • „Sie wurden (fast) ein Opfer der Maßnahmen gegen das Virus, nicht von diesem selbst.“

        So ist es. Die sinnfreie Verlängerung viel zu spät begonnener und mithin ohnehin unwirksamer Maßnahmen vergrößert die Schäden durch Corona nur.

    • Ich verstehe ehrlich gesagt weder die Abneigung vor der App noch jene vor den Masken. Wohin laxe Regeln führen können, sehen wir überall da, wo die Infektionszahlen aktuell (wieder) steigen, nämlich fast auf der ganzen Erde.

      • Es gibt nur wenige Länder, wo die Zahlen wieder (nach einem früheren Höhepunkt) signifikant steigen. Dagegen sind viele Länder im Verlauf der Pandemie noch nicht so weit wie Deutschland. Die App konnte bislang noch gar keine Wirkung haben, auch Wirkungen der Masken lassen sich nicht nachweisen und fast alle Maßnahmen kamen nach dem Höhepunkt hier in der ersten Märzhälfte, sind also ebenfalls für den Rückgang nicht verantwortlich, sondern haben ihn bestenfalls etwas unterstützt und beschleunigt.

      • Zur Wirkungsweise der Masken gibt es Studien: https://www.tagesschau.de/inland/corona-masken-schutz-studie-101.html

        Was sind denn Positivbeispiele von Ländern aus Ihrer Sicht? Selbst in Neuseeland gab es jüngst wieder einen Fall. Richtig ist, dass man sich genau überlegen muss, inwiefern man akzeptieren will, dauerhaft mit dem Virus ohne größere Gegenmaßnahmen zu leben. Ein Zustand permanenter kollektiver Hysterie aufgrund des Virus erscheint mir nicht sinnvoll.

      • Die Studie überzeugt nicht. In den neuen Bundesländern gab es doch etliche Städte mit weniger Infektionen. Schauen Sie sich auch einmal den tatsächlichen Umgang mit den Masken an. Wer trägt diese wirklich über Mund und Nase, insbesondere beim Sprechen?

        Neuseeland ist natürlich ein positives Beispiel. Dass Einreisende das Virus wieder einschleppen, ließe sich doch nur sicher verhindern, wenn es gar keine Einreisen, auch keine illegalen, mehr gäbe. Andere positive Beispiele sind Südkorea und Taiwan.

      • „Dass Einreisende das Virus wieder einschleppen, ließe sich doch nur sicher verhindern, wenn es gar keine Einreisen, auch keine illegalen, mehr gäbe.“

        Das ist doch genau der Punkt. Hätten Bayern, NRW bzw. Deutschland auf den Fall Webasto (das war im Januar!) und auch auf die Situationen in Ischgl, am Arlberg und in Gangelt sofort reagiert, wäre die Corona-Epedemie gar nicht erst richtig ausgebrochen.

      • Dazu hätte man aber nicht alle Einreisen verbieten müssen. Ernsthafte Kontrollen und Quarantäne für Betroffene wären sinnvoll gewesen. Dann wäre die Epidemie noch schwächer in Deutschland ausgebrochen und vor allem wären nicht die Grundrechte so massiv beschränkt und die Wirtschaft derart exzessiv geschädigt worden.

  6. Mal eine Gegenansicht in die Kommentare: Ich finde die App gut gemacht und sinnvoll.
    Ernsthaft. Nicht aus Scheiss.

    • Haben Sie auch Argumente für diese Ansicht? Immerhin handelt es sich um die teuerste App der Welt, deren Nutzen bislang nur behauptet wird. Noch ist es früh für durch die App verhinderte Neuinfektionen, aber vielleicht wird es nie welche geben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..