EZB weitet Anleihenkäufe um 600 Milliarden Euro aus

„Die EZB lädt gewaltig nach und wandelt auf den ‚Spuren der Reichsbank'“. Die ‚EZB gibt weitere 750 Milliarden aus, wo demokratische Staaten handeln müssen‘, und erhöhte gestern das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) noch einmal um 600 Milliarden Euro auf insgesamt 1,35 Billionen Euro zusätzlich zu weiteren Kaufprogrammen. Allein die gestrige Erhöhung würde reichen, um das vorgestern von der Bundesregierung ausgehandelte Konjunkturpaket in Höhe von 130 Milliarden (siehe ‚Konjunkturpaket beschlossen‘) komplett über den Anteil der Bundesbank zu finanzieren.

Da die temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer auch die Inflationsrate weiter reduzieren dürfte, wird zugleich ein Vorwand für noch mehr monetäre Staatsfinanzierung durch die EZB geschaffen. Außerdem dreht die EZB dem Bundesverfassungsgericht eine lange Nase, indem sie immer willkürlicher mit weiter steigenden Summen agiert. Das ‚Bundesverfassungsgericht urteilt[e] gegen Willkür von EuGH und EZB‘, aber wer zuletzt lacht, steht noch nicht fest. Nur die deutschen Sparer und Steuerzahler werden es definitiv nicht sein.

26 Gedanken zu „EZB weitet Anleihenkäufe um 600 Milliarden Euro aus

  1. Man kann nur noch den Kopf schütteln.
    Wo soll das hinführen?
    Zerstörung des Geldsystems?
    Jahrzehnte lange Schuldknechtschaft für Steuern zahlende Leistungsträger?

    Jörg Meuthen ist einer der ganz wenigen Politiker, der den Finger in die Wunde legt:

  2. Die Inflationsgefahren werden immer größer dank expansiver Geld- und Fiskalpolitik gleichzeitig. Es scheint, als hätten Politiker und Notenbanker jedes Maß verloren. Irgendjemand MUSS irgendwann die Zeche dafür zahlen. Am Ende werden wohl diejenigen mit hohen Geldvermögen bestraft, und das sind nun einmal vor allem die Deutschen.

    • So groß sind die Vermögen der meisten Deutschen nicht, Steuern und Sozialabgaben sei dank, die dann anderswo die höheren Staatsschulden wegen geringeren Steuern und Abgaben ausgleichen sollen. Mit der Geldpolitik wird dasselbe Umverteilungsziel verfolgt.

    • Der DAX wächst und wächst. Ich frage mich warum, wenn die Prognosen sagen, daß es MINDESTENS noch drei Jahre dauert, bis die Wirtschaft das vorherige Niveau wieder erreicht hat.

      • 1. Wiederanlage- dividendenstarke Dickschiffe wie Allianz, Munich Re, Bayer haben bereits ausgeschüttet und boten günstige Einstiegskurse.
        2. Ausländische Kapitalanleger dürften Deutschland derzeit als Insel der Glückseligen ansehen.
        3. Starke Kursbewegungen sind die Chance der Day Trader

      • Die DAX-Unternehmen profitieren doch besonders von Subventionen und auch dem Wegfall von lästiger Konkurrenz. Außerdem muss das viele Geld irgendwo hin. Null- und Negativzinsen rechtfertigen beliebig hohe Kurse.

    • Wer auf eine mittelfristig höhere Inflation spekuliert, liegt doch mit Aktien gar nicht so verkehrt und in jedem Fall besser als mit Geldhaltung. Bei einer Hyperinflation verliert man freilich auch mit Aktien, da hilft nur die Flucht ins Gold oder in Immobilien (die aber auch nicht vor staatlichem Zugriff sicher sind).

      • Aktien helfen gegen hohe Inflation und sogar Hyperinflation, aber auch umgekehrt bei niedriger Inflation und noch mehr Aktionismus der EZB. Am gefährlichsten sind staatliche Enteignungen und Betätigungsverbote, sei es direkt bei den Unternehmen oder auch bei den Aktionären. Davor schützen einen aber auch Immobilien nicht.

  3. Ob die MWSt-Senkung auf die Verbraucherpreise durchschlägt, ist offen. 2/3 des Neuwagenverkaufs erfolgen durch die Unternehmen, die Vorsteuern absetzen. Der Gebrauchtwagenhandel unterliegt meist der Differenzbesteuerung (also der Margenbesteuerung), wobei 3 % MWSt im Verhandlungsspielraum untergehen. Die Reiseveranstalter unterliegen im Auslandsgeschäft ebenfalls der Differenzbesteuerung. Viele Angebote lassen sich auch kurzfristig nicht ändern. Vor allem im Einzelhandel sind die Umstellungen mit hohen Kosten verbunden (er ist durch die Kassensicherungsverordnung ohnehin noch belastet- Anfang 2021 dann wieder der gleiche Zirkus). Die Regierung rechnet – meist unausgesprochen – auch damit, dass die MWSt- Reduzierung nicht weitergegeben wird und somit der Unternehmens-Finanzierung dient (wie das bei der „Hotelsteuer“ auch der Fall war). Ich sehe das so: Im Verschuldungsrausch hat in den Krisenbewältigungs- und Zukunftspaketen jedes wichtige Regierungs-Ressort unter dem Gesichtspunkt des Polit-Marketings ohne Zwecktauglichkeits-Prüfung etwas abbekommen; die Bundesminister und vor allem die Landes- MP´s reden nun die Ergebnisse schön.

    • Natürlich wird die zeitlich befristete MwSt-Senkung keine erkennbare Auswirkung auf die Endverbraucherpreise haben. Durch die entstehenden geringfügig höheren Margen des Handels fließt aber über Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer, Kapitalerstragssteuer bzw. Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag immerhin etwa die Hälfte der Absenkung wieder an den Staat und die Kommunen zurück.

      Unterm Strich ein teurer Spaß mit hohen Nebenkosten für den Handel (Kassenumstellung usw.).

    • Ich denke auch, dass hier vor allem den Unternehmen geholfen werden soll mit falscher Propaganda, wie viel man für die Leute tun würde, die das später alles bezahlen dürfen. Trotzdem sind solche allgemeinen Steuersenkungen besser als die Versuche, gezielt unausgereifte Produkte wie Elektroautos zu fördern oder viel zu teuer eine Fluggesellschaft zu retten.

  4. Sehr geehrter Herr Dilger,

    gibt es eigentlich irgendwo eine aktuelle Übersicht über die potenziellen Haftungssummen sowie die Summe der aller Zuwendungen von Deutschland an den Rest der Eurozone bzw. der EU?
    Zu H.-W.-Sinn-Zeiten gab es vom Ifo-Institut ja beispielsweise einen Euro-Haftungspegel. Mittlerweile sind ja eine Vielzahl von Anleihekaufprogrammen und Maßnahmen zur Corona-„Rettung“ hinzugekommen, sodass man den Überblick verliert. Zumindest eine überschlagsmäßige Aufstellung fände ich daher äußerst interessant. Kennen Sie so etwas?

    Viele Grüße

    • Auf die Schnelle finde ich auch keine gute Übersicht. Es sind inzwischen wohl zu viele Programme und Risiken. Vor allem sind darunter auch solche, die nach oben gar nicht begrenzt sind wie z. B. die Targetsalden.

  5. Eine Trotzreaktion der EZB gegen das Urteil des BVerfG. Nach dem Motto ‚jetzt drücken wir erst recht das Gaspedal bis zum Blech‘. Daß am Ende keiner behauptet, die pöhsen Populisten hätten das „Friedensprojekt“ EU gesprengt. Das waren die Eliten ganz alleine mit ihrer Amtsanmaßung und Machtmißbrauch.

    • Eurokanadier sagte am 06/06/2020 um 13:26 „Eine Trotzreaktion der EZB gegen das Urteil des BVerfG . . .“ Ohne die Anleihekäufe der EZB und bei dem absehbaren Finanzierungsbedarf der großen Industrieländer in der Währungsunion würden die Anleihe- Kurse länderspezifisch in den Keller rauschen und die Renditen nach oben schießen. Das würde sich auf die weitere Finanzierung/Refinanzierung der Südländer besonders auswirken. Es wäre Sprengstoff für den EURO.

  6. Die Situation ist sehr gefährlich, aber eigentlich ist es garnicht so verrückt. Die Schulden der Industrienationen werden im Zuge der Corona Krise um ca. 30% des BIP’s ansteigen. Das kann niemals mehr zurückgezahlt werden. Also läuft es auf offene oder versteckte Vermögensvernichtung aus.

    • Das Problem ist die „Kompetenz“ unserer Regierenden. Sie haben offenbar wirklich nicht den geringsten Schimmer, was sie anrichten.

      • Machtpolitische Kompetenz ist ein ausgesprochen schlechter Ratgeber, wenn Sachverstand gefragt ist.

    • Deutschland hat vorher Schulden abgebaut. Bei Null- und Negativzinsen kann auch jeder mehr Schulden machen und findet dadurch bereits eine Vermögensumverteilung statt. Schließlich könnte die EZB immer weiter die meisten Staatsanleihen kaufen.

  7. Pingback: Hat die Bundesregierung den Euro aufgegeben? | Das Heerlager der Heiligen

  8. Pingback: Deutscher Target-Saldo erstmals über eine Billionen Euro | Alexander Dilger

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