Bund steigt wieder bei der Lufthansa ein

Die Bundesregierung steigt mit bis zu neun Milliarden Euro bei der Lufthansa ein. Sie will dafür 20 Prozent der Anteile, womit der Staat wieder der mit Abstand größte Aktionär wird. Hinzu kommt die Option, auf die Sperrminorität von 25 Prozent aufzustecken. Außerdem werden Kredite gegeben. „Die Lufthansa-Rettung gibt es nur unter der ‚Deutschland first‘-Bedingung“. So soll eine ausländische Übernahme ausgeschlossen werden.

Das ist platter Protektionismus, während sonst in den Sonntagsreden immer Europäisierung, Globalisierung, Weltoffenheit und Freihandel beschworen werden. Bundeswirtschaftsminister ‚Altmaier will aktive Industriepolitik statt soziale Marktwirtschaft‘, die hier in aller Hässlichkeit verwirklicht wird. Die Lufthansa hat keine strategische Bedeutung, sondern es gibt genug Fluggesellschaften, die Deutschland gerne anfliegen würden, was nur wieder staatlich stark beschränkt wird.

Außerdem würde die Lufthansa selbst im Insolvenzfall nicht verschwinden. Die Flugzeuge, Flugrechte und Crews wären alle noch da, nur die bisherigen Aktionäre (einschließlich mir) würden ihre Aktien verlieren und Gläubiger einen Teil ihrer Kredite, was in so einem Fall aber auch gerechtfertigt wäre. Nun riskiert der Staat nicht nur Steuergelder, sondern verzerrt auch den Wettbewerb zu Lasten anderer Unternehmen sowie Staaten und schließlich sogar der Umwelt, derentwegen sonst doch stets Flugreisen verteufelt werden.

27 Gedanken zu „Bund steigt wieder bei der Lufthansa ein

  1. Ein Konkurs muss ja nicht das Ende bedeuten, sondern es kann auch der Anfang eines Neubeginns sein. Aber es muss jetzt verhindert werden, dass die Chinesen sich weiter in deutsche Firmen einkaufen.

    • Richtig, eine Insolvenz muss nicht zur Zerschlagung der Lufthansa führen, sondern könnte eine echte Chance darstellen, die jetzt ausgeschlagen wird. Eine chinesische Übernahme könnte besser direkt verhindert werden, während gegen eine innereuropäische Übernahme doch nicht viel zu sagen wäre (insbesondere nicht von den vielen EU-Sonntagsrednern).

  2. Der Aktienkurs der Lufthansa ist heute in etwa auf dem Stand von 1995 und die Dividenden waren auch überschaubar. Naja… Ich bleibe lieber beim MSCI World.

  3. Den Kauf durch Chinesen (FALLS sinnvoll) kann man auch durch Gesetze statt Subventionen und Verstaatlichungen verhindern. Ginge die Lufthansa pleite, könnten eine andere oder eine neue Fluglinie die Maschinen (und sonstigen Sachanlagen) wohl günstig(er) erwerben und eventuell auch die sehr hohen Pilotengehälter senken, was das Fliegen verbilligen könnte und bei „deutschem“ Aufkäufer damit die Wettbewerbsfähigkeit einer „deutschen“ Fluglinie stärken…

      • Wir können das beide (wie andere) im Internet nachschauen- und auch deren Ruhestandseintrittsalter: Nach linksliberaler Lehre ist jedenfalls der Staat nur dann verpflichtet, Bürger zu fördern, falls deren Einkommen unter einem zumutbarem Sozialhilfesatz liegt- das dürfte bei Piloten nicht gerade üblich sein, selbst nach Einkommenskürzungen nach einer Pleite…

      • Ich kenne die Ausbildungsbedingungen für Lufthansa-Piloten und deren Einstiegsgehälter. Die fetten Jahre für Berufspiloten sind auch bei der Lufthansa Geschichte.

        Aber auch bei systemrelevanten Sportartikelherstellern wie den beiden Herzogenauracher Vorzeigeunternehmen Adidas (470.000 € KfW-Darlehen je Mitarbeiter in Deutschland) und Puma (immerhin noch ca. 250.000 € je Mitarbeiter in D) nagen die Angestellten nicht am Hungertuch … dennoch werden solche Unternehmen gerade mit Corona-Geld vom Staat geradezu zugeschüttet.

    • Bei jeder Lex Lufthansa droht ihnen Brüssel wegen Wettbewerbsverzerrung in die Arme zu fallen. Und eine neue Luftfahrtlinie stampft man auch nicht einfach aus dem Boden, sondern muß auf dem Weltmarkt mit den etablierten Konkurrenten hart um die Landerechte kämpfen. Niki Lauda hätte Ihnen dazu viel erzählen können. Es ist sehr viel einfacher ein bestehendes Produkt zu pflegen, anstatt das Rad neu zu erfinden.

      • Selbst bei Ihrer Zielsetzung wäre es doch viel günstiger, auf die Insolvenz der Lufthansa zu warten, damit der Staat sie dann viel günstiger komplett übernehmen kann. Der aktuelle Börsenwert liegt weit unter den jetzt eingesetzten 9 Milliarden Euro. Tatsächlich werden hier doch mal wieder nicht ein Unternehmen und dessen Arbeitsplätze teuer gerettet, sondern die bisherigen Eigentümer, Gläubiger und auch Manager profitieren zu Lasten der Steuerzahler.

      • @Alexander Dilger
        „Selbst bei Ihrer Zielsetzung wäre es doch viel günstiger, auf die Insolvenz der Lufthansa zu warten, damit der Staat sie dann viel günstiger komplett übernehmen kann.“

        Selbst im Falle einer Insolvenz wäre es weitaus klüger, die Sanierung der Lufthansa Profis wie dem erfahrenen Nürnberger Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl oder Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele zu überlassen, als die Minister Dick und Doof daran herumpfuschen zu lassen …

      • Der Staatsbesitz ist nicht meine Zielsetzung, sondern die von Eurokanadier. Selbst mit diesem Ziel ist das jetzige Rettungspaket verfehlt, ohne es erst recht. Kein Privater würde so schlecht wirtschaften.

      • Schon klar. Deshalb ja meine Empfehlung, das lieber privaten Investoren mit entsprechendem Knowhow und Risikobereitschaft, die gesundem Menschenverstand entspringt, zu überlassen (die gibt es – q.e.d.: https://www.deraktionaer.de/artikel/aktien/lufthansa-milliardaer-kauft-zu-und-wie-20198574.html) als irgendwelchen Ministern Dick und Doof, die sich für große Helden halten, wenn sie Steuer-Billionen mit der Gießkanne verteilen.

        Ein Produkt oder Unternehmen, das nur durch Subventionen seinen Weg in den Markt findet oder es nur mit Steuergeldern schafft, künstlich am Leben gehalten zu werden, ist eine Fehlinvestition. Unternehmen mit guten Konzepten und realistischen Marktchancen finden auch Investitionskapital auf dem Kapitalmarkt.

      • Kein Dissens, nur eine Qualifizierung: Sofern der Staat selbst willkürlich die Geschäftstätigkeit verbietet, sollte er für den Schaden aufkommen. Aber auch das scheint bei der Lufthansa nicht relevant zu sein.

      • @Alexander Dilger
        „Sofern der Staat selbst willkürlich die Geschäftstätigkeit verbietet, sollte er für den Schaden aufkommen.“

        Das müsste dann aber aus Gründen der Gleichbehandlung für alle Betroffenen in entsprechendem Umfang adäquat gelten. Wie wir wissen, ist aber genau das nicht der Fall. Im Gegenteil: Turnschuhhersteller mit Milliardengewinnen bekommen weitere Milliarden, obwohl der Verkauf von Turnschuhen gar nicht verboten ist. Sie werden jetzt nur via Paketdienst nach Hause geliefert, statt über Outlets und Stores verkauft. Der Onlinehandel (vor Corona 30% des seinerzeitigen Umsatzes) soll sich für Adidas durch Corona verdoppelt haben.

      • Diese Regierung macht doch so ziemlich alles falsch, sowohl bei den Gegenmaßnahmen gegen die Pandemie (erst zu lasch und dann viel zu pauschal und streng) als auch den nachfolgenden Rettungsmaßnahmen. Die Frage ist, ob das nur aus sachlicher Inkompetenz und alleinigem Schielen auf machtpolitische Vorteile geschieht oder ob nicht sogar eine böse Absicht dahinter steckt. Herr Altmaier wollte auch schon vorher die soziale Marktwirtschaft durch nationale Industriepolitik ersetzen, wozu er nun die Gelegenheit im großen Stil erhält.

      • Industriekommunist Altmaier aus dem Saarland (wo ja so allerlei sozialistische Schwergewichte herkommen) ist dafür auch genau der richtige Sparringpartner für die alternativlose DDR-Kanzlerin.

  4. Wenn ich richtig informiert bin, ist das Kapital der Lufthansa AG in 475.210.729 Stückaktien gestückelt. Dem Bund eine Beteiligung von 20% zu ermöglichen würde also die Ausgabe von 118.802.682 neuen Aktien erfordern. Beim derzeitigen Kurs von 8,15 € je Aktie ein Wert von 968.241.860 € … warum sollen wir Steuerzahler dafür 9 Mrd. € hinlegen?
    Wo ist der Gegenwert?

    Die Lufthansa hatte vor der Krise (ohne eigenständige Tochterunternehmen, um die es beim Einstieg ja nicht geht) knapp 35.000 Mitarbeiter. Die Überzahlung von 8.031.758.140 € entspricht also einer Förderung von wenigstens 230.000 € je Arbeitsplatz, während mittelständische Unternehmen und KMUs mit Corona-Soforthilfen von 9.000 € (bis zu fünf Mitarbeiter) bis maximal 50.000 € (bei bis zu 250 Mitarbeitern) fürs ganze Unternehmen erhalten können, also mit 200 € bis maximal 9.000 € je Arbeitsplatz regelrecht mit Krümeln abgespeist werden. Genau diese Unternehmen und ihre Mitarbeiter erwirtschaften aber den größten Teil der Steuergelder, mit denen nicht wettbewerbsfähige Pleitekonzerne wie die Lufthansa oder die Großbanken laufend vom „Staat“ alimentiert werden.

    Weder einzelne Banken noch die Lufthansa oder große Bauunternehmen sind in irgendeiner Weise „systemrelevant“ für Deutschland. Dennoch werden sie auf Kosten der Allgemeinheit, insbesondere auf Kosten hart arbeitender KMUs und Mittelständler, „gerettet“ auf Teufel komm raus.

    Wie soll man sich unter diesen Gegebenheiten als KMU-Unternehmer oder sonstiger Steuerzahler nicht von vorn bis hinten verschaukelt vorkommen?

    • Die Aktien sollen zum Nennwert (2,56 Euro) gekauft werden, was für sich genommen eher nach einem Schnäppchen aussieht. Der Rest sind Kredite (einschließlich der Wandelanleihe), die allerdings sehr riskant sind. Die aktuellen Aktionäre könnten noch ablehnen, was jedoch für sie viel riskanter wäre als der angebotene Deal. Schließlich muss auch noch die EU zustimmen, weil es sich um eine grundsätzlich verbotene Staatsbeihilfe handelt.

      • Vielen Dank für diese Information, das wusste ich noch nicht.

        Falls die EU zustimmt und der Kurs dadurch nicht rasant nach oben schnellt, könnte die Lufthansaaktie also für Anleger durchaus interessant werden.

  5. Ich würde schon sagen, daß die Lufhansa strategische Bedeutung hat. Wenn die Coronaviruskrise eins gelehrt hat, dann daß der Nationalstaat handlungsfähig bleiben muß, und dazu gehört eben der Besitz von Kerninfrastruktur. Vielleicht sollten in der VWL wieder verstärkt politische Zusammenhänge gelehrt werden.

    • Es geht hier um ökonomische Zusammenhänge. Deutschland ist entgegen vermeintlichen Klimaschützern auf Fluggesellschaften angewiesen, aber muss darunter eine eigene sein? Was meinen Sie außerdem mit Besitz? Sollte die Lufthansa Ihrer Ansicht nach wieder vollständig verstaatlicht werden, wünschen Sie eine staatliche Mehrheit oder reicht Ihnen die potentielle Sperrminorität?

  6. Bei der Alternative „Insolvenz“ darf man neben den politischen Erwägungen die Begleitschäden nicht vergessen, die den Steuerzahler direkt treffen würden: Wie hoch ist der Anteil der öffentlichen Kassen an den vorausbezahlten Tickets -etwa im Berlin- Verkehr – an dem Block der Mrd- Verbindlichkeiten aus nicht genutzten Tickets ? Wie hoch sind die Steuer- Verbindlichkeiten ?
    Wird angesichts der Deckungslücken bei den Betriebsrenten quer durch die Wirtschaft durch Übertrag von knapp 7 Mrd. € Pensionsverpflichtungen der Lufthansa an den Pensionssicherungsverein dieser eventuell subventionsbedürftig ?

    • Es gilt jedoch wie schon bei den Bankenrettungen, dass eine anteilige Finanzierung von Ausfällen stets günstiger ist als eine vollständige. Teure Insolvenzvermeidung ist ökonomisch nur dann sinnvoll, wenn die direkten Insolvenzkosten höher sind als die eingesetzten Hilfsgelder, z. B. bei einer ungeordneten Zerschlagung von systemrelevanten Banken, die zu vielen Folgeinsolvenzen führt. Auf die Lufthansa trifft das jedoch nicht zu, da sie weder in diesem Sinne systemrelevant ist noch überhaupt zerschlagen werden müsste, sondern einfach günstiger übernommen werden könnte, durchaus auch von anderen privaten Akteuren.

      • M.E. übersehen Sie in Ihrer ordnungspolitischen Betrachtung die tatsächlichen ökonomischen und politischen Dimensionen, die sich hinter der Tätigkeit der Lufthansa Group mit ca 580 Beteiligungs- und Tochtergesellschaften verbergen. Wer sollte denn außer einer chinesischen Gesellschaft diese Gruppe übernehmen ? Das Rettungskonzept ist darauf ausgerichtet, die Aufsicht durch zwei Wirtschafts- Fachleute zu ergänzen und die Gesellschaft längerfristig wieder aus dem Staatseinfluss zu entlassen.

      • Natürlich fänden sich auch deutsche und europäische Investoren, spätestens wenn die Lufthansa wieder regulär fliegt. Außerdem wäre die staatliche Übernahme nach einer Insolvenz auf jeden Fall günstiger gewesen, doch selbst jetzt wäre eine Komplettübernahme deutlich günstiger zu haben gewesen. Ordnugnspolitik ist doch keine Schönwetterveranstaltung, sondern gerade dann wichtig und richtig, wenn es darauf ankommt.

      • “ . . .Ordnugnspolitik ist doch keine Schönwetterveranstaltung, sondern gerade dann wichtig und richtig, wenn es darauf ankommt. . . .“ Ihr Gegenantrag auf der a.o. Aktionärsversammlung wird zwar am Ergebnis nichts ändern, bietet aber die Chance, unter Hintanstellung von Eigennutz in einer breiten Öffentlichkeit für Ordnungspolitik zu werben.

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