Deutschland belastet Löhne am stärksten

„Bei Steuern und Abgaben ist Deutschland jetzt sogar globaler Spitzenreiter“ und hat Belgien von Platz 1 unter der Industrieländern verdrängt. Das ist leider kein erfreulicher Spitzenplatz (wie auch der Titel des Exportüberschussweltmeisters gar nicht so großartig ist), der sich auf die Bruttolöhne bezieht. Besonders hoch ist die Belastung für Singles und für Familien mit Doppelverdienern, während Familien mit einem Alleinverdiener wegen des Ehegattensplittings im internationalen Vergleich noch relativ günstig davonkommen. Wenn nicht die Bruttolöhne, sondern die eigentlich relevanteren Arbeitskosten einschließlich Arbeitgeberanteilen betrachtet werden, liegt Belgien immer noch auf dem ersten Platz und Deutschland mit knapp 50 Prozent auf dem zweiten (die Grenzbelastung für einen zusätzlichen Euro kann allerdings über Zweidrittel betragen).

Haupttreiber für die hohe Belastung in Deutschland ist nicht die Einkommensteuer, sondern das sind die Sozialbeiträge, die den Faktor Arbeit extrem verteuern, was bei jetzt stark steigender Arbeitslosigkeit besonders problematisch ist. Schließlich führen die bisherigen Rekordeinnahmen des Staates zu immer neuen Begehrlichkeiten (siehe z. B. ‚Staat erzielt Rekordüberschuss und will noch mehr für die Rente‘). Das gilt auch in der Eurozone, wo der reiche deutsche Staat anderen Staaten mit höheren Schulden helfen soll, obwohl dort die Steuern und Abgaben niedriger und die Privatvermögen entsprechend höher sind (siehe ‚EU-Rettungspaket noch ohne Corona-Anleihen‘).

23 Gedanken zu „Deutschland belastet Löhne am stärksten

  1. Wir haben die höchsten Steuern und Sozialabgaben, sowie die komplizierteste Steuergesetzgebung, gehen später in Rente als unsere Nachbarn, aber haben die geringste Quote beim Wohnen im Eigentum. Dafür das größte und teuerste Parlament. In den westlichen Demokratien sind wir das einzige Land, in dem die Opposition vom Inlandsgeheimdienst überwacht wird. Und kaum jemand rebelliert dagegen…!?!

    • Den Bezug zum Wohnen in Eigentum verstehe ich nicht. Mehr oder weniger jeder, der will und einen Job hat, kann doch Eigentum erwerben. Die Niedrigzinspolitik ermöglicht es. Prof. Dilger ist hier das beste Beispiel.

      • @Josef Fischer
        „Mehr oder weniger jeder, der will und einen Job hat, kann doch Eigentum erwerben.“

        Ja, wenn er mindestens 40%, besser 50% Eigenkapital hat und Beamter ist, dann schon.
        Aber warum haben wir dann die niedrigste Wohneigentumsquote Europas?
        Immer noch zu wenig Beamte? 😏

      • Viele haben tatsächlich nicht genug Eigenkapital. Es sind gerade jetzt auch sehr viele Arbeitsplätze gefährdet. Schließlich will sich nicht jeder eine Immobilie ans Bein binden.

      • Eine abbezahlte selbstgenutzte Immobilie ist der beste Schutz vor Altersarmut. Aber die ist in Deutschland inzwischen für sehr viele Menschen (auch so genannte „Besserverdiener“ in teuren Metropolregionen oder zum Beispiel hier am Bodensee und in den Alpen und Voralpen) an ihrem derzeitigen Wohnort unerschwinglich. Dennnoch werden natürlich Immobilien zu Spottpreisen in weniger gefragten Gegenden angeboten. Nicht sehr betuchte Rentner und standortunabhängige Erwerbstätige sollten daher durchaus auch einmal einen Standortwechsel in Betracht ziehen.

      • 40 % Eigenkapital ist deutlich übertrieben. Im Gegenteil gab es in den letzten Jahren sogar Quasi-100%-Finanzierungen.

        In Deutschland ist Mieten schlicht weit verbreitet, die Qualität der Mietwohnungen ist oft gut und die Altersvorsorge ohne Wohneigentum ausreichend. Letzteres ändert sich vielleicht in Zukunft, aber wer weiß das schon.

      • @Josef Fischer
        „Im Gegenteil gab es in den letzten Jahren sogar Quasi-100%-Finanzierungen.“

        So war das Anfang der 1990er Jahre.
        Aber wir leben im Jahr 2020 und die Banken haben Basel III zu beachten.

      • 100%-Finanzierungen waren und sind in Deutschland kaum möglich, zumindest offiziell (man kann den Eigenanteil bei Verwandten und Bekannten leihen), auch wegen der Zusatzkosten wie Grunderwerbsteuer, Makler- Notar- und Bankgebühren, die nicht beleihbar sind. Richtig ist, dass Mieten nicht so schlecht sein muss und die Vermögensbildung gerade bei kleinen Einkommen eher unattraktiv ist, weil dieses vor staatlichen Transferleistungen (über die gesetzliche Rente und Pflegeversicherung hinaus) fast vollständig verbraucht werden muss.

      • @Alexander Dilger
        „100%-Finanzierungen waren und sind in Deutschland kaum möglich …“

        Dem Zahnarzt oder Chirurgen wurde Anfang der 1990er schon mal gerne der Barpreis für den nächsten Porsche Turbo mitfinanziert, wenn er sich von seiner Bank eine überteuerte Schrottimmobilie in den NBL mit 120%-Finanzierung andrehen lassen hat. Das weiss ich definitiv aus erster Hand. Und zwar nicht nur von einem Fall.

      • Das Angebot kam aber wohl kaum von einer Bank, sondern doch wohl eher von einer windigen Immobilienfirma, die die Finanzierung über den erhöhten Verkaufspreis refinanziert hat, oder? In den USA sind solche Finanzierungsmodelle hingegen ganz üblich gewesen.

      • Sowohl als auch. Ich kannte es auch von einer inzwischen nicht mehr existenten Privatbank.

      • 1990 war das einer Privatbank vielleicht noch möglich, inzwischen ist es durch die verschiedenen Basel-Regelungen völlig unattraktiv für Banken.

      • Es ist überhaupt nicht klar, inwiefern ein hohes Vermögen die Lebensqualität eines Normalbürgers in Ländern wie Deutschland im Spätsommer des eigenen Lebens erhöht. Als frisch gebackener Rentner macht man vielleicht einmal eine Weltreise und kauft sich einen Mercedes, aber irgendwann reicht es vielleicht auch damit und man verbringt lieber soviel Zeit mit den Enkelkindern wie möglich in einer Ferienwohnung an der Ostsee. Vererben wäre eine interessante Alternative, aber man will ja irgendwie auch, dass der Nachwuchs etwas Gescheites lernt und finanziell eigenständig ist.

      • Es geht hier nicht um hohes Vermögen (wie viele Millionen wäre das in Deutschland?), sondern moderaten Wohlstand, der natürlich die Lebensqualität erhöht. Allein schon das Gefühl, für sich selbst vorgesorgt zu haben und keinem zur Last zu fallen, auch nicht dem Staat, ist gut. Es gibt außerdem Sicherheit und Unabhängigkeit, wenn man nicht von der Willkür unserer Politiker abhängt (wobei die aktuellen Grundrechtsbeschränkungen zeigen, dass das eine Illusion ist, wenn die Willkür nur groß genug wird). Ist das Vermögen jedoch klein, droht die komplette Anrechnung, die wohl eher das schlechte Gefühl hinterlässt, dass man das Geld besser vorher eigenständig ausgegeben hätte. Damit gilt bei Vermögen Vergleichbares wie bei Einkommen: Man braucht hinreichend viel oder beantragt besser gleich Hartz IV.

      • Auf dem Land mit einem gutbezahlten Industriearbeitsplatz (alternativ irgendwas Sicheres im ÖD) vielleicht. Aber sicherlich nicht das Dienstleistungsprekariat, schon gar nicht in den teuren Metropolen. Da braucht es schon das berühmte Vollzeitdoppellehrerehepaar, hochbezahlte Juristen oder irgendwelche Führungskräfte in Großunternehmen. Ohne sechsstelliges EK geht da gar nichts, wenn man seriös finanzieren möchte, und selbst dann bindet man sich einen gigantischen Schuldenberg auf, der hoffentlich nie ins Wanken gerät, weil die Welt wie gerade aus den Fugen gerät.

        Auf dem Land kann bei einem handwerklichen Geschick und einem großen Freundeskreis manchmal schon wenig Kapital reichen, aber dafür sind die Jobaussichten düster und spätestens die kommende Ökorenovierung bricht einem das Genick. Die Miete ist da insgesamt einfach häufig die bessere Wahl.

      • @Peter Burger

        Mit zunehmenden Restriktionen für Vermieter wird allerdings die Bereitschaft in Wohnimmobilien zu investieren zurückgehen. Das könnte die Eigentumsquote in den Städten u.U. etwas beflügeln.

      • Wer in einen zeitlich befristeten Arbeitsverhältnis steht, was heute Normalität ist, bekommt keinen Immobilien-Kredit zu vernünftigen Konditionen.

        Wie sagte man schon früher: Wer nichts erheirat‘ und nicht ererbt, bleibt ‚en armer Teufel bis er sterbt…

      • Dafür bleiben die Zinsen im Keller. Institutionelle Investoren dürften nicht das größte Problem sein. Besonders bei EFH befürchte ich aber demnächst eine Verkaufsstelle, wenn viele vergleichsweise Gutverdienende nicht mehr an ihre Industriearbeitsplätze aus der Kurzarbeit zurückdürfen und der Immobilienkredit, der ohnehin knapp kalkuliert war, nicht mehr tragbar sein wird. Dann sind die boomenden Vororte nicht mehr boomend.

  2. Wobei verschärfend hinzukommt, dass die Regierung wegen Corona nahezu allen Forderungen nachzugeben scheint – finanzielle Unterstützung für praktisch alle Bevölkerungsgruppen, selbst für Zahnärzte. Wer am lautesten schreit, scheint am meisten zu bekommen. Sonst wird um jede Milliarde gerungen und jetzt haut die Regierung hier mal eben Dutzende Milliarden raus und dort sogar Hunderte. Gerade, weil ich kein Ökonom bin, frage ich mich, wie das alles auf Dauer funktionieren soll und wer das finanziert…Kann mir das jemand erklären? Sehe ich es richtig, dass es zukünftig zu noch höheren Steuern und Sozialabgaben führen wird?

    • @danielsodenkamp
      „Sehe ich es richtig, dass es zukünftig zu noch höheren Steuern und Sozialabgaben führen wird?“

      Was sonst?
      Jetzt verteilen Scholz und Altmaier das Geld mit der Gießkanne. Wer am lautesten Schreit oder wer die meisten Wählerstimmen verspricht, bekommt am meisten. Bezahlen dürfen die anderen. Bedeutet mittelbar nicht nur noch mehr Steuern und Abgaben, sondern jetzt besonders viel Geld für Großkonzerne, Banken und von Lobbyisten gut vertretenen Gruppen. Der Mittelstand gehört da leider nicht dazu. Aber er wird anschließend am stärksten zur Ader gelassen.

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