Grundsätze liberaler Seuchenbekämpfung

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit formuliere ich zehn Grundsätze liberaler Seuchenbekämpfung, von denen leider die meisten aktuell verletzt werden oder kürzlich verletzt wurden:

Erstens gehört Seuchenbekämpfung zu den staatlichen Kernaufgaben. Schon in der Antike haben Staaten etwas gegen Seuchen getan. Hier geht es tatsächlich um das Gemeinwohl, verstanden als das Wohl von sehr vielen oder sogar allen Individuen im Staat. Es gibt auch starke externe Effekte, so dass der Markt bzw. rein individuelles Handeln die Bekämpfung von Seuchen nicht hinreichend gut regelt. Doch damit ist nicht automatisch jedes staatliche Handeln gut, sondern die Verantwortlichen müssen diese Aufgabe gewissenhaft ausführen, und zwar nicht nur im akuten Fall einer Seuche, sondern auch präventiv und im Nachgang.

Zweitens muss der Staat auch und gerade bei der Seuchenbekämpfung auf die Verhältnismäßigkeit achten. So muss nicht nur die Seuche tatsächlich schlimmer sein als die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung, sondern auch jede einzelne Maßnahme muss mehr nutzen als schaden. Außerdem ist von zwei Maßnahmen mit dem gleichen Effekt stets die mildere zu bevorzugen.

Drittens rechtfertigt das Ziel der Seuchenbekämpfung nicht jedes Mittel. Das folgt zum Teil schon aus der Verhältnismäßigkeit, geht aber darüber hinaus, insbesondere wenn die Grundrechte einer Person verletzt werden sollen, um einer anderen Person oder auch mehreren zu helfen. Ein Mensch darf nicht einfach für andere geopfert werden, und wer Opfer für andere bringen soll, ist dafür zu entschädigen.

Viertens sind freiwillige Lösungen besser als erzwungene und tun die meisten Menschen von sich aus das Richtige. Der Staat und seine Repräsentanten sind weder moralischer noch klüger als die Bürger. Wo sie mehr Wissen haben, können sie ihr Wissen mit den Bürgern teilen, zumal Seuchen bzw. Viren und Bakterien nicht mithören. Die meisten Menschen wollen weder sich noch ihre Mitmenschen in unnötige Gefahr bringen.

Fünftens kann Quarantäne für ansteckende Personen sinnvoll sein, auch bei konkretem Verdacht auf Ansteckung oder für abgegrenzte Gebiete mit Seuchenausbruch. Das gilt aber nicht für alle Personen ohne jeden konkreten Anlass oder für das gesamte Staatsgebiet.

Sechstens ist deshalb eine frühe Seuchenbekämpfung, wenn es nur wenige Fälle gibt, die staatliche Stellen eingrenzen und nachverfolgen können, besonders wichtig. Wenn eine Seuche nicht mehr endemisch, sondern weit verbreitet ist, sind andere Ansätze nötig. Der Nutzen von starken Beschränkungen der Individuen sinkt dann, weil ohnehin sehr viele angesteckt werden, während die Kosten steigen, da sie die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft betreffen und nicht nur einen kleinen Teil, der vom Rest unterstützt werden kann.

Siebtens ist für Liberale die Freiheit ein noch höherer Wert als das Leben. Natürlich kann und wird die Freiheit sehr häufig dafür genutzt werden, das eigene Leben und das von anderen zu schützen. Aber gerade sehr alte und kranke Menschen können sich bei Infizierung vernünftig dagegen entscheiden, ihr Leben mit großen Schmerzen und Leiden um eine nur kurze Zeit verlängern zu lassen. Jüngere und gesündere Menschen können ebenfalls mehr Lebensqualität bevorzugen, nicht zum Preis des sicheren Todes, aber im Vergleich zur Reduktion einer sehr kleinen Sterbewahrscheinlichkeit bei Ansteckung.

Achtens sterben ständig Menschen und sind die zusätzlichen Sterbefälle und Gesundheitsbeeinträchtigungen durch eine Seuche mit anderen Risiken zu vergleichen. Eine Seuche ist schlimm, weil sie zu Tod, Krankheit und Leiden führt, aber ein Seuchentod ist nicht wie ein Mord kategorial schlimmer als der Tod durch eine andere natürliche oder nicht absichtliche Quelle. Drastische Gegenmaßnahmen sind deshalb nicht per se durch eine Seuche gerechtfertigt, sondern nur dann, wenn die Zahlen an statistisch zu erwartenden Toten und gesundheitlich dauerhaft Geschädigten deutlich höher sind als bei anderen Krankheiten und todbringenden Ereignissen, bei denen solche Maßnahmen nicht getroffen werden.

Neuntens ist Forschung zu Seuchen und ihrer Bekämpfung wichtig. Für vernünftige Entscheidungen müssen staatliche Akteure wie Privatpersonen möglichst viel über eine Seuche wissen, über ihre Verbreitungswege und Gefahren sowie über Verhaltensweisen, Medikamente und Impfstoffe dagegen.

Zehntens bleiben immer staatliche Eingriffe in die Freiheits-, Grund- und Menschenrechte begründungsbedürftig. Die Bekämpfung einer Seuche kann eine solche Begründung sein, aber nicht pauschal für jede beliebige Rechtsverletzung, sondern stets konkret abgewogen nach Effektivität, Verhältnismäßigkeit und Risiken. Wenn sich die Risiken oder deren Einschätzung ändern, ist auch die Begründung erneut zu prüfen. Dabei ist nicht die Aufhebung oder zumindest Lockerung von Grundrechtseingriffen begründungsbedürftig, sondern deren Aufrechterhalten oder gar Verschärfen.

64 Gedanken zu „Grundsätze liberaler Seuchenbekämpfung

  1. Ich setze mal das Rauchen mit einem Virus gleich, wissend dass der Vergleich gewagt ist, denn der Raucher weiß von seinem schädlichen Einfluss auf das Umfeld. Ein Infizierter erst wenn er als solcher erkannt wurden.

    Dennoch, Ihre 10 Punkte ihm Rahmen des „legalen“ Rauchverbot an vielen Orten zeigt dass der Gesetzgeber „Freiheiten“ schon vor Corona akzeptiert eingeschränkt hat.

    Warum also jetzt bei einem unbekannten Verbreitungsgrad nicht auch.

    • Es sterben viel mehr Menschen durchs Rauchen einschließlich Passivrauchen als durch SARS-CoV-2. Die Beschränkungen wegen des Rauchens sind jedoch viel geringer. Wie passt das zusammen?

      • Raucher und Virus erkrankte dürften eine ähnliche Todesquote haben. Am Rauchen/Virus gestorben oder durch Rauchen/Virus an anderen Krankheiten verstorben.

        Wichtiger ist eigentlich die politische Argumentation für beide Gefährdungen:
        Der Infizierte/Raucher gefährdet durch seine Anwesenheit/rauchen die ANDEREN.

        Nun könnte man diese Argumentationskette auf andere „Freiheiten“ ansetzen. Autofahren ? Ideologien?

        Gefährlich wird es, wenn man, wie bei dem Virus, aus ANGST handelt, ohne eigentlich zu wissen, wie gefährlich ist der Infizierte für das Umfeld.

        Erschreckend ist, wie Familien mit Kindern nun ihre totale Unfähigkeit in Hilferufe an den Staat zum Ausdruck bringen. Eltern sind überfordert Kinder zu Hause zu betreuen ? Schularbeiten zu begleiten? Kinder zu beschäftigen ? Zu beaufsichtigen ?

        Kinder in die Welt setzen, in Kindergarten/Schule entsorgen ( erziehen lassen) und lieber arbeiten gehen. Arbeiten gehen müssen, weil Konzerne durch Preisdumping Lohnhöhe im Vergleich zu Entwicklungsländern ansetzen. Globalisierung zwingt dazu?

        Nachbarschaftshilfe kleiner Unternehmen in dieser Krise werden gehypt und Konzerne machen null,nix. Einkaufen bei Amazon und Supermarkt Ketten und kleine Einzelhändler sich selbst überlassen, aber Hilfe für die Betreuung der Kinder fordern.

        Diese Gesellschaft offenbart wie krank sie ist. Wie IRRE. Wir haben unsere gesellschaftliche soziale Zivilisation, unsere Verantwortung für uns selbst vollkommen entsorgt, übergeben an den STAAT. Der soll es regeln. Eigenverantwortung gleich null.

        Am Besten das BGE jetzt einführen und die Gesellschaftsform neu aufstellen.

      • @PAvdM
        „Wir haben unsere gesellschaftliche soziale Zivilisation, unsere Verantwortung für uns selbst vollkommen entsorgt, übergeben an den STAAT. Der soll es regeln. Eigenverantwortung gleich null.“

        Real existierender Sozialismus eben. DDR 2.0 XXL.
        Alles längst da, dank 30 Jahren „Wiedervereinigung“ und 15 Jahren sozialistischer Kanzlerin.

      • Bei Rauchern ist die Todesquote um ein Vielfaches höher als bei den mit SARS-CoV-2 Infizierten. Hinzu kommt, dass es viel mehr Raucher als Infizierte gibt und diese durchschnittlich sechs bis sieben Jahre an Lebenszeit verlieren statt ein paar Wochen oder Monate. Das unterstreicht die Irrationalität des Lockdowns, da gegen das viel schlimmere Rauchen viel weniger getan wird.

        Raucher schaden anderen, die passiv mitrauchen müssen. Infizierte können andere anstecken. Aber die ganz überwiegende Mehrheit der Menschen ist doch überhaupt nicht ansteckend. Trotzdem werden auch alle Gesunden (und sogar wieder Genesenen) mit denselben Maßnahmen überzogen. Das wäre so wie, als hätte man in Restaurants und Kneipen keine Rauchverbote eingeführt, sondern sie gleich ganz geschlossen. Die Menschen müssten auch alle Abstand halten und dürften ihre Freune und Verwandten nicht mehr treffen, damit es keinesfalls zum Passivrauchen kommen kann. Schließlich ist auch Rauchen ansteckend, zwar nicht physisch, aber psychisch bzw. sozial. Dass immer weniger Menschen rauchen, wirkt deshalb glücklicherweise selbstverstärkend.

        Wollen Sie Eltern ernsthaft vorwerfen, dass sie dem Staat vertraut haben, dass er sich um ihre Kinder kümmert? Derselbe Staat kümmert sich jetzt nicht mehr, sondern verbietet ganz viel. Eigentlich müssten jetzt ganz viele Menschen zum Liberalismus finden, doch leider nimmt die Staatsgläubigkeit noch weiter zu.

      • Lieber Herr Dilger,
        bitte Löschen Sie sofort Ihre Ausführungen zu Rauchern (00:29). Wenn Frau Merkel das liest, setzt sie es in die Tat um und regiert uns noch bis über ihren Tod hinaus … *Ironie aus*

      • Ja ich werfe Eltern vor verlernt zu haben sich erstmal selber um Kinder zu sorgen. Wer Kinder produziert muss wissen für die hat man zu sorgen, nicht der STAAT. Hier zeigt sich doch in dieser Corona Krise wie unfähig Eltern geworden sind Kinder zu betreuen, zu beschäftigen und bei Hausaufgaben zu helfen.

        Sie erwarten das die Bürger jetzt liberaler werden sollten ? Man kann nur etwas werden was man kennt. Beweis ist der zweite Teil Ihres Statement : leider nimmt die Staatsgläubigkeit zu.

        Sie haben als Wissenschaftler Zugang zu vielen Studien, auch den aktuellen um Corona. Mir als Laien stehen nur marginal veröffentlichte zur Verfügung und wenn nicht leicht zu verstehen.

        Spannend ist jedoch , dass es immer mehr Studien gibt, wo der Anteil der Raucher die Corona infiziert in den Krankenhäusern erfasst wurden.

        Wenn der % Satz der Raucher in der Bevölkerung ( BRD 26 %?) nicht erreicht wird bei den Infizierten, ist es doch nachdenklich. Das Verhältnis Mann / Frau ist ausgeglichen. Kinder sehr wenig usw. Vorerkrankungen wichtig und Alter auch.

        Zumindest habe ich noch nirgends einen Hinweis gefunden, dass vermehrt Raucher eingeliefert werden. Warum ?
        Gibt es in Zigaretten irgend einen Stoff der es verhindert das Corona so stark infiziert ?

        Es mag absurd sein, aber wenn Rauchen nun als momentan bester Schutz sich zeigt, was dann ? Gastronomie wieder öffnen und Rauchverbot aufheben?

      • Die meisten Eltern kümmern sich doch um ihre Kinder und stellen notfalls ihre eigenen Bedürfnisse einschließlich Karriere zurück. Trotzdem dürfen sie doch auf Politiker schimpfen, die ihnen erst das Blaue vom Himmel und insbesondere eine umfängliche Kinderbetreuung versprechen, um genau diese dann nicht nur einzustellen, sondern gleich ganz zu verbieten. Eine Revision dieser Entscheidung steht auch nicht oben auf der Agenda, obwohl Kinder von der Pandemie kaum betroffen sind und wohl auch andere nur sehr selten anstecken.

        Ich habe keine Geheimwissen, sondern kann auch nur auf Medienberichte und bereits veröffentlichte Studien zugreifen. So hatte ich von Ihrer These, dass Rauchen vor Corona-Infektionen schützen würde, noch nichts gehört. Google liefert dafür auch nur (auf den ersten Klick) diese Pressemitteilung vom Netzwerk Rauchen. Das ist mindestens plumper Lobbyismus ohne Quellenangaben und wahrscheinlich handelt es sich sogar um Fake News. Es gilt allgemein für Lungenerkrankungen und auch beim „Coronavirus: Raucher haben erhöhtes Infektionsrisiko“. „Mediziner warnen Raucher vor Erkrankung mit Covid-19“. Im Übrigen erkranken auch mehr Männer (die mit höherer Wahrscheinlichkeit rauchen) als Frauen schwer.

      • Hier mal so aus dem Netz
        http://www.casaa.org/news/vaping-covid-19/
        oder.
        https://www.qeios.com/read/article/561
        auch dies:
        https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/69/wr/mm6913e2.htm
        auch interessant:
        https://www.qeios.com/read/article/569

        Ich bin eigentlich darauf gekommen dies zu hinterfragen weil in meiner Familie im selben Haushalt eben auch mit Enkelkindern im Dezember bis Februar schwere Bronchitis und Grippe zu erleben war und ich erneut nix abbekommen habe, als Raucher. Mag Glück und Zufall sein.

        Ja rauchen ist ungesund, aber vielleicht hilft es zufällig gegen Corona Infektion.

      • Der erste Link führt zu einer Lobbyseite für E-Zigaretten, wo dann doch sogar behauptet wird, dass Rauchen in der Pandemie besonders gefährlich sei, nur E-Zigaretten nicht. Die Studie des zweiten Links berichtet nur von anderen Studien, einschließlich der des dritten Links. Dass die schwer kranken Patienten in den betrachteten chinesischen Studien und der Studie des vierten Links aktuell nicht so viel rauchen, finde ich nicht so überraschend. Bei der Studie des dritten Links verläuft doch die Erkrankung für frühere Raucher besonders schlimm. Dass deren Anteil so gering ist, könnte einfach daran liegen, dass für die meisten untersuchten Personen Daten fehlen.

        Die von Ihnen angeführten Quellen sind bestenfalls graue Literatur ohne echtes Peer Review. „Clinical Characteristics of Coronavirus Disease 2019 in China“ ist hingegen hochrangig publiziert und zeigt deutlich, dass eine Erkrankung mit SARS-CoV-2 für Raucher besonders schwer und häufiger tödlich verläuft. Der Anteil der Raucher an den betrachteten Patienten ist allerdings auch niedriger als in der Gesamtbevölkerung, was am Alter oder den Vorerkrankungen liegen könnte.

  2. Ich schließe mich Ihrer Einschätzung komplett an. M.M.n. kommt das Modell Schweden dem von Ihnen beschriebenen Ideal am nächsten. Vor allem ist es von Beginn an auf Nachhaltigkeit angelegt.

    • Schweden ist eben ein liberales und demokratisches Land, während Deutschland im Grunde immer noch ein Obrigkeitsstaat ist und viele sich auch noch darüber freuen, dass die Obrigkeit endlich mal wieder durchregiert.

  3. Ich halte diesen Ansatz für sehr gut, wenngleich natürlich manches von mir vielleicht anders formuliert würde. Darauf aber kommt es nicht an. Wichtig ist, daß hier überhaupt Grundsätze formuliert werden, die im Kern liberal und demokratisch sind – ganz im Gegenteil zu dem, was zur Zeit geschieht. Ich werde diese Grundsätze bzw. diesen Beitrag in meinem Umfeld weiterverbreiten.

    Was mich an so vielen Diskussionen (auch im eigenen Umfeld) stört, ist die Feststellung, daß offensichtlich viele Leute mit den aktuellen Zwangsmaßnahmen überhaupt kein Problem haben. Und nicht nur das: Man achtet geradezu akribisch darauf, alle Maßnahmen zu verteidigen und sie bestmöglich, fast sklavisch umzusetzen. Leute, die Fragen stellen, werden oft vehement attackiert. Das ist das gelebte Stockholm-Syndrom.

    Ich verstehe jetzt auch, wie es vor knapp 90 Jahre zu den Zuständen kommen konnte, die ein derartiges Unglück über das Land brachten.

    • Ihr letzter Satz kam mir in diesen Wochen auch in den Sinn. Ich bin erschüttert. Aber es reiht sich ein in andere Hysterie (womit ich jetzt nicht die Virusgefahr negieren möchte). Am schlimmsten ist dieses Nanny-Gehabe und das Gefühl überall mit Volkserziehung zubombardiert zu werden.

      • Die Volkserziehung haben wir doch schon seit Political Correctness und Compliance Regeln die Meinungsfreiheit einhegen wieder. Also verstärkt seit etwa 15 Jahren. Jeder Diskurs an dem politisch korrekte Oberlehrer und ideologische Blockwarte teilnehmen, verläuft seither nach dem selben Schema. „Freie Meinungsäußerung“ ist möglich, so lange sie sich im vorgegebenen Meinungskorridor bewegt. Und das kollektive Dummvolk bejubelt solche Regeln natürlich. Selbst denken ist ja auch viel zu anstrengend. DDR und Drittes Reich lassen grüßen!

    • @David 8:45

      Das ist nicht das Stockholm-Syndrom, sondern das sozialistische Kollektivsyndrom, welches im Übrigen auch die Geschäftsgrundlage des Dritten Reichs gewesen ist.

    • Auf die Formulierungen kommt es nicht an. Einige der formulierten Grundsätze halte ich für allgemein vernünftig, z. B. die Wichtigkeit der Verhältnismäßigkeit. Andere sind definitiv liberal und müssen z. B. von vernünftigen Konservativen oder Sozialdemokraten so nicht geteilt werden wie das Primat der Freiheit.

  4. Söder führt nun als erster eine Maskenpflicht ein. Der Schritt ist völlig logisch: Wenn die Zahl der Erkrankten sinkt, müssen die Gegenmaßnahmen intensiviert werden. Unserer Kanzlerin mit FDJ-Hintergrund wird es freuen.

      • Eine Maskenpflicht finde ich durchaus sinnvoll, allerdings nur dort, wo der nötige Abstand nicht gewährleistet werden kann, und das ist im ÖPNV.

        Ich bin übrigens zuversichtlich, dass die Stimmung in Deutschland langsam kippt und Teile der Bürger damit beginnen, um ihre Grundrechte zu kämpfen. Unsere Bundeskanzlerin könnte heute ungewollt den Grundstein dafür gelegt haben, indem sie über „Öffnungsdiskussions-Orgien“ schimpft. Wieder einmal hat sich diese Frau als undemokratisch demaskiert und gezeigt, dass sie den Rechtsstaat nicht verstanden hat!

      • Warum sollte Frau Merkel den Rechtsstaat verstehen?
        Sie ist in der DDR aufgewachsen und sozialisiert worden.
        Wer DDR zur Kanzlerin wählt, der bekommt DDR.
        So einfach ist das.

      • @GL
        Die Stimmung ist gespalten. Bei vielen Menschen trifft ihre Beobachtung zu. Sie erkennen, daß ihre materielle Existenz bedroht ist und sie sind zunehmend genervt. Erst hieß es, wenn die Verdopplungszeit der Fälle bei 10 Tagen liegt, werden die Einschränkungen zurückgenommen, dann ist davon nicht mehr die Rede und es heißt, wenn die Reproduktionsrate < 1 ist. Jetzt ist sie schon seit langem deutlich unter 1 und die Daumenschrauben werden trotz sinkender Krankenstände immer weiter angezogen. Sie erkennen das Bonbon Lockerung, das ihnen vor die Nase gehalten wird, und sehen, wie es ihnen jedesmal kurz vor dem Erreichen wieder weggezogen wird.

        Bei anderen aber wirkt die öffentlich rechtliche Panikmache dagegen perfekt. Diese Leute sehen in jedem anderen Menschen einen potentiellen Virenträger und gehen ihm wie einer Gefahr weiträumig aus dem Weg. Sie zu allem bereit, wenn man ihnen erzählt, daß es für ihre Gesundheit alternativlos ist. Und ich befürchte, der Anteil dieser Leute ist nicht gering.

      • @klimaleugner 15:52

        Genau deshalb müssen diese liberalen Öffnungsdiskussionsorgien (das neue Unwort des Jahres?) jetzt mit eiserner Faust beendet werden. Das ist alternativlos. Was davon haben Sie renitenter Kanzlerinnenkritiker nicht verstanden?
        *sarcasm off*

        Mehr dazu finden Sie z.B. hier
        https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus207374459/Oeffnungsdiskussionsorgien-Merkels-Wort-ist-verraeterisch.html,
        hier
        https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-04/angela-merkel-lockerungen-corona-beschraenkungen-kritik-oeffnungsdiskussion
        und hier:
        https://www.tagesschau.de/inland/merkel-lockdown-101.html

      • In einer Krise vertrauen die meisten Menschen ihrer Regierung. Interessanterweise gilt das unabhängig davon, was die Regierung konkret tut. Herr Söder ist jetzt extrem beliebt, aber auch Herr Laschet und seine Regierung gelten jetzt als viel kompetenter als vorher. Frau Merkel ist beliebter, aber auch fast jeder andere Regierungschef in Europa, während Donald Trump seinen zwischenzeitlichen Popularitätsanstieg schon wieder verspielt hat.

      • Merkel gehörte in der „DDR“ zum linientreuen Establishment. Nur so ist zu erklären, dass sie damals Westreisen unternehmen durfte, was dem normalen Volk streng verboten war.

  5. -.-.-sicherlich gute Grundsätze liberaler Seuchenbekämpfung-.-.-gibt es sicherlich auch einige für die Klima-Problematik, die ja auch unsere Freiheit bedrohen kann-.-.-
    -.-.-den richtigen Weg zu finden und den richtigen Umgang damit, kennt keiner-..–um noch eine zusätzliche etwas fundiertere (aus meiner Sicht) Info zu bekommen, empfehle ich folgende Ausführungen-.-.-.-
    https://www.theeuropean.de/paul-robert-vogt/coronakrise-falsche-politik-hat-die-pandemie-nach-europa-gebracht/
    -.-.–.

    • Der Arzt benennt einige wichtige Fakten und Zusammenhänge, stellt aber keine Grundsätze auf. Nachher ist man außerdem immer klüger. Auch er selbst scheint ganz am Anfang nicht vor der Pandemie gewarnt zu haben. Weiterhin behauptet niemand, dass COVID-19 eine Grippe sei, doch bislang liegen die Opferzahlen unter der einer schweren Grippewelle. Das hohe Alter und die Vorerkrankungen der meisten Toten sind durchaus ethisch relevant. Mord ist Mord, aber wenn eine natürliche Todesursache dieses Jahr etwas früher wirksam wird als eine andere, ist das nicht dasselbe wie der Verlust vieler Lebensjahrzehnte bei jüngeren und zuvor gesunden Menschen. Schließlich ist das Lockern von strengen Gegenmaßnahmen natürlich mit Risiken verbunden, diese Maßnahmen und deren Aufrechterhaltung oder gar Verschärfung sind das aber auch.

      • …..ich kann Ihnen zustimmen…allerdigs kann ich nicht beurteilen ob der Arzt nicht doch gewarnt hat….war es seine Pflicht zu warnen?….man müßte ihn selber dazu befragen …er scheint aber näher und vertrauter mit dem Virus zu sein, als viele andere Personen die sich öffentlich äußern….

      • Ein Arzt ist natürlich näher an seinen Patienten als z. B. ein Ökonom wie ich. Aber deswegen hat er nicht unbedingt den besseren Überblick. Es geht darum, Risiken gegeneinander abzuwägen, statt sich nur auf eines zu konzentrieren und andere, z. T. größere, darüber zu vergessen.

  6. Angela Merkel sagte eben, dass wir noch am Beginn der Epidemie stehen. Das verstehe ich nicht. Ich dachte, es ist mittlerweile das Ziel der Bundesregierung, die Neuinfektionen derart zu drücken und niedrig zu halten, dass einzelne Infektionsketten bald wieder frühzeitig aufgespürt werden können und durch Quarantänemaßnahmen somit eine neue Ausbreitung verhindert wird? Dann stünden wir doch eher am Ende der Epidemie und nicht am Anfang? Am Anfang stünden wir wohl nur, wenn das Ziel Herdenimmunität wäre, aber das hat ja Helge Braun abgeräumt. Verstehe ich also nur die Strategie der Bundesregierung nicht oder hat sie tatsächlich keinen konsistenten Plan?

    • @GL 17:04

      Woher sollte die Bundesregierung denn einen „konsistenten Plan“ haben?
      Blinde stochern im Nebel. Was erwarten Sie?

      • Das waren auch mehr rhetorische Fragen…ich erwarte nichts Vernünftiges von dieser Regierung.

    • Die Bundesregierung widerspricht sich bereits seit Monaten permanent. Hoffnung machen die Entwicklungen in Schweden und in den USA. Auf unsere größeren Nachbarn dürfen wir wohl weniger bauen.

    • Frau Merkel erzählt mal dies (die Epidemie ist ganz am Anfang und es werden sowieso 60 Prozent angesteckt werden) und dann wieder das (wir müssen das um jeden Preis verhindern). Ihre Voraussetzungen für eine Lockerung hat sie auch ständig verändert, weil sie einfach nicht lockern will.

      • Dr. Merkel will doch wieder alle kritischen Diskussionen unterbinden, so wie auch schon 2015 zu ihrer Flüchtlingspolitik. Aber immerhin gab es zu ihrem heutigen Ausfall einige Kritik in der Öffentlichkeit.

      • Tatsächlich verwundert mich die Kritik selbst im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr als die Formulierung von Frau Merkel. Sie denkt und spricht so, aber sonst wagt es kaum jemand, ihr zu widersprechen. Vielleicht kippt doch schon die Stimmung im Lande.

      • Relevant wäre die Frage, wie viele Landesregierungen ihr folgen würden, wenn sie versuchen würde, einen neuen, totalen Lockdown durchzusetzen.

      • Momentan würde sie das nicht schaffen. Dazu müssten die Fall- und Todeszahlen ganz dramatisch ansteigen. Die fehlende Revisionsmöglichkeit könnte übrigens ein rationaler Grund dafür sein, jetzt nicht schnell noch stärker lockern zu wollen.

      • In Deutschland gibt es aktuell keine Übersterblichkeit, d. h. es sterben zwar Menschen an und mit SARS-CoV-2, aber insgesamt sterben nicht mehr Menschen als sonst, sondern eher weniger. Bei jüngeren Personen gibt es sogar EU-weit eine Untersterblichkeit. Wahrscheinlich verhindern auch die beispiellosen Maßnahmen mehr andere Todesfälle als solche durch das Virus. In diesem Sinne werden tatsächliche Menschenleben gerettet, aber wollen wir den Preis an Freiheit und Wohlstand dauerhaft zahlen? Falls ja, dürfte das dauerhaft nicht nur unseren Wohlstand stark reduzieren, sondern in der Folge dann doch auch die Lebenserwartung. Bei deutlich ärmeren Ländern wie Indien tritt dieser Effekt noch viel schneller ein.

      • Ist diese 60% Infizierungsthese, also von rd. 50 Mio. Einwohner in Deutschland, nicht die größte Fehlannahme (gewesen) ?
        Derzeit wird man ja nur wenige Hunderttausende Infizierte erwarten …
        Wie kann man hier um den Faktor 100 oder mehr daneben liegen?

      • Dies ganze Zahlenwirrwarr führt zu den absurdesten Gedanken.

        Lt. einiger Studien liegt der Anteil der Raucher bei den Infizierten deutlich unter dem Prozentsatz der Raucher im Land. ( Studien aus Amerika, Griechenland, Italien und der BRD) .

        Also alle für 3 Monate rauchen lassen ? Ironie off.

      • Starke Raucher sterben eben nicht ehr an dem Virus. Keine der mir bisher bekannten Studien belegen diese These. Der Anteil der Raucher liegt bei 1 – 2 % hingegen leben über 20 % Raucher in der Bevölkerung. Also müssten bei den Infizierten deutlich mehr als 20 % Raucher sein. Genau das ist nicht der Fall.
        Ja Rauchen ist schädlich. Keine Frage. Nur dieser Virus ist augenscheinlich für Raucher nicht so gefährlich.

      • Können Sie eine solche Studie benennen? Ich kenne nur das Gegenteil, dass Raucher sowohl eher als auch schwerer erkranken. Schwere Lungenschädigung durch Rauchen ist einer der Risikofaktoren, warum Menschen an bzw. mit dem Virus sterben.

      • Ja zum Beispiel die Studie von Heinsberg :
        https://www.aerzteblatt.de/archiv/213454
        Der Anteil der Raucher 6 %

        Quote der Raucher im Bundesdurchschnitt ist 23%

        Eigentlich müsste doch die Quote Raucher bei Infizierten ähnlich sein, oder nach Ihrer Aussage sogar höher. Also größer als 23 % ?

      • Bei der Studie geht es nicht vorrangig ums Rauchen, sondern erhebliche Vorerkrankungen, die fast alle der insgesamt nur 50 Patienten hatten. Wer schwer an der Lunge erkrankt ist, dürfte kaum noch rauchen. Dass Erkrankungen der Lunge wegen Rauchens nicht oder kaum vorkommen, bliebe allerdings näher zu untersuchen (es bleibt offen, wie genau früheres Rauchen abgefragt wurde). Ein anderes großes Risiko ist extremes Übergewicht. Falls Rauchen davor schützen sollte, wäre das tatsächlich ein indirekt günstiger Effekt.

      • @PAvdM

        Also wenn ich mich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis so umsehe, dann rauchen da gefühlt noch 1-2%, selbst wenn ich das unterschätzen sollte, mögen es vielleicht 5% sein, aber sicher keine 10% und schon gar nicht 23%. In unserer Jungendzeit da war das noch anders. Aber heute? Ich bezweifle stark, dass es anteilig mehr Raucher gibt, als Raucher unter den Corona-Infizierten. Woher haben Sie denn die Zahl 23% ?

      • @ 300sel

        quelle: https://www.rauchfrei-info.de/informieren/verbreitung-des-rauchens/raucherquote-bei-erwachsenen/

        ich war auch überrascht. Wie auch immer vielleicht gibt es in den Zigaretten irgend einen Stoff der in der Kehle gelagert ist und so es schwerer macht diesen Virus zur Lunge zu lassen.

        Um es klar zu sagen ich befürworte nicht das Rauchen, nur so wie der Virus bei Kindern und Vorerkrankten sich anders verhält, oder bei Diabetikern oder Übergewicht ist es doch merkwürdig und nicht erklärt.

        Ja wenn es eine geschädigte Raucherlunge dann doch trifft, wird man unter Vorerkrankung einordnen müssen.
        Aber mal angenommen, das Virus hat es schwerer in so einer verseuchten Kehle Fuß zu fassen, spannend oder?

      • Unsere Bekannten sind nicht repräsentativ für die Bevölkerung insgesamt (das gilt doch z. B. auch für politische Fragen oder den Bildungsstand).

        Das Virus setzt nicht am Hals an, sondern der Lunge. Ein Vermutung in einem der von Ihnen angeführten Aufsätzen lautet, dass das Nikotin auf die Rezeptoren wirkt, die das Virus zum Einlass in die Zellen benötigt. Das spräche dann tatsächlich für Nikotinpflaster, aber wegen der Nebenwirkungen wohl nur bei bereits Infizierten oder auch aktiven Rauchern.

      • Stellt sich nur die Frage:

        temporär Nikotin verabreichen durch Pflaster oder rauchen um das Virus erstmal zu stoppen und alle Maßnahmen (Mundschutz usw.) aufheben und mit einem Impfstoff später Nikotin absetzen?
        Kurzfristig bis zu einem Impfstoff dürfte der „Raucher“ schaden weniger schwer sein, als die aktuellen Maßnahmen und mögliche Infektion mit dem möglichen tödlichen Ausgang.

        Den Aufschrei möchte ich hören, wenn es heißt : Rauchen gegen Corona.

      • Sie überinterpretieren die Ergebnisse. Selbst wenn Raucher seltener schwer erkranken sollten, verläuft die Krankheit dann schlimmer (wobei eine Spekulation war, dass das auch mit dem Nikotinentzug in den Kliniken zusammenhängen könnte). Es könnte übrigens auch sein, dass Raucher in den zuerst infizierten Gruppen unterrepräsentiert sind und später umso stärker getroffen werden. Jedenfalls kann Rauchen andere Schutzmaßnahmen nicht ersetzen, sondern höchstens könnte Nikotin sie ergänzen.

      • @Andreas Walter

        Die Dunkelziffer ist nach wie vor unbekannt und offenbar fühlt man sich im Land der Dichter und Denker auch nicht bemüßigt, wenigstens endlich einmal repräsentative Gruppentests durchzuführen, um diesbezüglich nicht länger im Dunkeln zu tappen. Merkel-Deutschland eben, mit dem besten Bankkaufmann aller Zeiten als Gesundheitsminister. Ja nü, ei verbibsch. Wir schaffen das doch auch so!

      • Wahrscheinlich will die Regierung die Dunkelziffer gar nicht wissen, weil sie so (hoch mit entsprechend niedriger Sterblichkeitsrate) oder so (niedrig mit insgesamt wenig Infektionen) gegen die drastischen Maßnahmen spricht.

      • Die hohe Zahl basiert auf der Annahme, dass erst dann eine ansteckende Krankheit von allein ausläuft. Denn wenn jeder Infizierte z. B. im Schnitt drei weitere Personen ansteckt, dann ist es mit der exponentiellen Verbreitung erst dann vorbei, wenn mindestens zwei schon immun sind. Tatsächlich verbreitet sich aber fast keine Krankheit so stark. Ohne Impfstoff kann es dann allerdings immer wieder zu neuen Krankheitswellen kommen. Doch selbst so viele Infizierte schützen davor nicht, wenn die Immunität nicht lange anhält.

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