Ökonomenpanel zur Corona-Krise

Beim 28. Ökonomenpanel von ifo und FAZ ging es um die „Coronakrise: Ökonom*innen bewerten die wirtschaftspolitischen Reaktionen“, und zwar in drei wesentlichen Punkten mehrheitlich anders als ich: Jeweils eine relative Mehrheit befürwortet das Anleihenkaufprogramm der EZB und Corona-Bonds, außerdem halten viele einen längern Shutdown für durchhaltbar und sinnvoll. Dies sind die Fragen und meine Antworten:

Der Deutsche Bundestag hat als Reaktion auf die Corona-Krise am 25. März 2020 zusätzlich zu weiteren Hilfsmaßnahmen aus dem „Wirtschaftsstabilisierungsfonds“ wie Kreditgarantien sowie Zuschüsse für Unternehmen einen Nachtragshaushalt mit einer Neuverschuldung von 156 Mrd. € beschlossen.

Wie beurteilen Sie diese Summe, wenn das Ziel ist, die Folgen der Rezession abzufedern?

Angemessen, weil zumindest die Größenordnung stimmt, nicht unbedingt alle einzelnen Maßnahmen.

Die EZB hat am 18. März 2020 ein Anleihekaufprogramm in Höhe von 750 Mrd. € bis Ende 2020 bekanntgegeben.

Halten Sie das Anleihekaufprogramm für die richtige geldpolitische Reaktion auf die Corona-Krise?

Nein, weil die Krise ganz anderer Art ist.

Was sind Ihrer Meinung nach zu diesem Zeitpunkt die wichtigsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen, um auf die negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu reagieren? (Mehrfachnennungen und Freitext möglich)

Staatliche Bürgschaften für Unternehmenskredite

Einmalzahlungen an Unternehmen

Steuererleichterungen für Unternehmen

Kurzarbeitergeld (Ausweitung auf Leiharbeiter etc.)

Andere, nämlich Unterlassen von Einschränkungen, die die Epidemie gar nicht eindämmen.

Nicht genannt: Einmalzahlungen an alle Bürgerinnen und Bürger; Staatliche Unternehmensbeteiligungen

In einer aktuellen Studie (Dorn et al. 2020) schätzt das ifo Institut die Kosten eines 2-monatigen Shutdowns für Deutschland auf 255 bis 495 Mrd. Euro bzw. eine reduzierte Jahreswachstumsrate des BIP von 7,2 bis 11,2 Prozentpunkten. Jede Verlängerung des Shutdowns um eine weitere Woche verursacht einen Rückgang des BIP-Wachstums um geschätzt 0,7 bis 1,6 Prozentpunkte.

Wie lange könnte Deutschland Ihrer Einschätzung nach den gegenwärtigen Shutdown maximal durchhalten, bevor das Risiko einer wirtschaftlichen Destabilisierung zu groß wird?

4 Wochen

Nach vorne verlängerte Osterferien mögen noch vertretbar sein, wobei der halbherzige Shutdown die Wirtschaft viel stärker ausbremst als das Virus.

Nach wie vielen Wochen sollte der gegenwärtige Shutdown aufgrund der volkswirtschaftlichen Kosten Ihrer Meinung nach spätestens beendet werden, selbst wenn zu diesem zukünftigen Zeitpunkt ggf. noch nicht ausreichend medizinische Behandlungsmöglichkeiten vorhanden sind?

In Wochen: 4

Halten Sie vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen eine Ausweitung der Fiskalkompetenzen auf gesamteuropäischer Ebene für sinnvoll?

Nein, weil die EU hier keine Kompetenzen hat und in Deutschland selbst der Bund völlig überfordert ist.

Halten Sie vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen eine einmalige Schuldenaufnahme auf gesamteuropäischer Ebene zur Bekämpfung der Corona-Krise für sinnvoll?

Nein, weil das nichts zur Bekämpfung des Virus beiträgt.

Wie sollten Ihrer Meinung nach Wertschöpfungsketten und die Produktion von Gütern im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge, wie z.B. Medikamente oder medizinische Ausrüstungsgegenstände, zukünftig gestaltet werden?

Den Status quo beibehalten, weil die Probleme andere sind.

Ihr öffentlicher Kommentar zur wirtschaftspolitischen Reaktion auf die Corona-Krise (optional):

Wir wissen noch zu wenig über das Virus. Nach dem Vorsichtsprinzip hatte die Verbreitung früher gestoppt werden müssen. Inzwischen könnten die pauschalen Gegenmaßnahmen viel größere Schäden anrichten als das Virus selbst.

5 Gedanken zu „Ökonomenpanel zur Corona-Krise

    • Wieso? Die Sterblichkeitsrate ist doch nicht dramatisch hoch. Wenn es gelingt, dass sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ansteckt, bleibt die Zahl der Toten in einem Bereich, dass sich Ende des Jahres gar keine Übersterblichkeit oder sogar Untersterblichkeit zeigen wird.

      • Richtig. Und dank der Bekämpfung dieses Virus steht die Wirtschaft am Abgrund bzw. ist schon einen Schritt weiter.

  1. Schlange stehen vor Supermärkten und drinnen leere Regale?!?
    Reise- und Versammlungsverbote?!?
    Einschränkungen der Bewegungs- und Gewerbefreiheit?!?
    Erst mal umdrehen, bevor man etwas regierungskritisches sagt?!?
    So war das damals schon in Merkels „DDR“…!!!

  2. Pingback: Ökonomenpanel zu veränderten wirtschaftspolitischen Reaktionen auf Corona | Alexander Dilger

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