Merkel schiebt den Bürgern die Verantwortung zu

„Die Ansprache der Kanzlerin im Wortlaut“ zur Corona-Pandemie wird von vielen bejubelt, doch ich finde sie enttäuschend. Sie behauptet,

das Coronavirus verändert zurzeit das Leben in unserem Land dramatisch.

Doch das Virus selbst hat noch keinen so großen Einfluss trotz exponentieller Verbreitung.

Millionen von Ihnen können nicht zur Arbeit, Ihre Kinder können nicht zur Schule oder in die Kita, Theater und Kinos und Geschäfte sind geschlossen, und, was vielleicht das Schwerste ist: uns allen fehlen die Begegnungen, die sonst selbstverständlich sind.

Das liegt aber an Frau Merkel und weiteren Politikern. Es ist nicht alternativlos (siehe ‚Unterschiedliche Strategien gegen die Coronavirus-Epidemie‘) und nicht zwingend die beste Politik, vor allem nicht langfristig oder auch rückblickend, als die Kanzlerin noch jeden unkontrolliert ins Land ließ, als sich der Virus anderswo schon stark verbreitete.

Das gehört zu einer offenen Demokratie: dass wir die politischen Entscheidungen auch transparent machen und erläutern. Dass wir unser Handeln möglichst gut begründen und kommunizieren, damit es nachvollziehbar wird.

Das stimmt, aber gerade das macht sie nicht, auch nicht in dieser Rede.

Ich glaube fest daran, dass wir diese Aufgabe bestehen, wenn wirklich alle Bürgerinnen und Bürger sie als IHRE Aufgabe begreifen.

Damit delegiert sie ihre Verantwortung als Bundeskanzlerin weg, dabei ist es IHRE Aufgabe als Bundeskanzlerin, dass Deutschland diese Krise mit möglichst wenig Toten und zugleich ohne wirtschaftliche Verwüstungen übersteht.

Ich möchte Ihnen erklären, wo wir aktuell stehen in der Epidemie, was die Bundesregierung und die staatlichen Ebenen tun, um alle in unserer Gemeinschaft zu schützen und den ökonomischen, sozialen, kulturellen Schaden zu begrenzen.

Warum tut sie es dann nicht?

Solange das so ist, gibt es nur eines, und das ist die Richtschnur all unseres Handelns: die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, sie über die Monate zu strecken und so Zeit zu gewinnen.

Das ist eine Möglichkeit, wenn auch nicht die einzige (s. o.). Vor allem sollten dann die Maßnahmen besser durchdacht werden, mit denen sich das tatsächlich erreichen lässt, und zwar über Monate und nicht nur über Tage oder Wochen, ohne die Wirtschaft zu ruinieren und die Grundrechte der Menschen übermäßig einzuschränken. Was ist mit dem Recht auf Berufsausübung, Bildung, Freizügigkeit, Kultur, Religionsausübung, Sport und Versammlung?

Aber auch unsere Krankenhäuser wären völlig überfordert, wenn in kürzester Zeit zu viele Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der Coronainfektion erleiden.

Exponentielles Wachstum bleibt exponentielles Wachstum, auch wenn man es verlangsamt. Dann sind die Krankenhäuser nicht in zwei Wochen überlastet, sondern z. B. in vier oder acht. Wird es dann tatsächlich schon einen Impfstoff und spezifische Medikamente geben oder hofft die Kanzlerin, dass dann wärmeres Wetter das Virus zurückdrängt?

Und wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes Leben und jeder Mensch zählt.

Das ist richtig, doch trotzdem werden so oder so viele sterben. Die Politik muss hier die richtigen Abwägungen treffen, was Frau Merkel auch in früheren Krisen nicht gemacht hat, etwa beim überhasteten Atomausstieg oder der Flüchtlingskrise.

Es geht darum, das Virus auf seinem Weg durch Deutschland zu verlangsamen. Und dabei müssen wir, das ist existentiell, auf eines setzen: das öffentliche Leben soweit es geht herunterzufahren. Natürlich mit Vernunft und Augenmaß, denn der Staat wird weiter funktionieren, die Versorgung wird selbstverständlich weiter gesichert sein und wir wollen so viel wirtschaftliche Tätigkeit wie möglich bewahren.

Das ist ein offener Widerspruch: Die wirtschaftliche Tätigkeit gehört auch zum öffentlichen Leben, soll also gleichzeitig möglichst weit heruntergefahren und bewahrt werden. Radikale Abschottung könnte tatsächlich die Epidemie beenden, doch die angestrebte Verlangsamung muss sehr lange aufrechterhalten werden.

Alle staatlichen Maßnahmen gingen ins Leere, wenn wir nicht das wirksamste Mittel gegen die zu schnelle Ausbreitung des Virus einsetzen würden: Und das sind wir selbst. So wie unterschiedslos jeder von uns von dem Virus betroffen sein kann, so muss jetzt auch jede und jeder helfen. Zu allererst, indem wir ernst nehmen, worum es heute geht. Nicht in Panik verfallen, aber auch nicht einen Moment denken, auf ihn oder sie komme es doch nicht wirklich an. Niemand ist verzichtbar. Alle zählen, es braucht unser aller Anstrengung.
Das ist, was eine Epidemie uns zeigt: wie verwundbar wir alle sind, wie abhängig von dem rücksichtsvollen Verhalten anderer[.]

Die Kanzlerin bräuchte nur einmal aus dem Fenster ihres Kanzleramtes zu sehen, um zu erkennen, dass sich nicht alle in ihrem Sinne anstrengen. Wenn es tatsächlich jeden braucht, ist ihr Kampf schon verloren. Am Phoenixsee in Dortmund war es heute voller als an den meisten Sonntagen. Ich finde es gut, wenn die Leute nach draußen gehen, aber viele halten keinen Abstand dabei und es sind sehr große Gruppen unterwegs. Das passiert halt, wenn man den Menschen die Arbeit nimmt, die Schule und ihre normalen Formen der Freizeitbeschäftigung.

Ich appelliere an Sie: Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist.

Es wäre Aufgabe einer guten Regierung, nicht bloß immer mehr Regeln zu erlassen, sondern diese auch zu kontrollieren und Verstöße zu sanktionieren. Aber Frau Merkel wird lieber immer noch mehr Regeln vorschreiben und damit die rechtstreuen Bürger drangsalieren, während andere sich nicht daran halten, was zu wieder neuen Regeln führt wie z. B. einem Ausgehverbot, welches dann auch wieder missachtet wird.

Dies ist eine dynamische Situation, und wir werden in ihr lernfähig bleiben, um jederzeit umdenken und mit anderen Instrumenten reagieren zu können. Auch das werden wir dann erklären.

Vernünftige Regeln würde man sich vorher einmal überlegen und nicht alle paar Tage wieder ganz neu fassen. Die ursprüngliche Idee von Gesetzen war, dass sie gesetzt sind und bleiben.

Glauben Sie keinen Gerüchten, sondern nur den offiziellen Mitteilungen, die wir immer auch in viele Sprachen übersetzen lassen.

Die ‚Regierung beschließt kurz zuvor als Fake News bezeichnete Einschränkungen‘, aber wir sollen weiter nur der Regierung und den teuren Regierungssendern glauben, nicht der als Fake News bezeichneten Wahrheit.

Wir leben nicht von Zwang, sondern von geteiltem Wissen und Mitwirkung.

Der Staat dürfte und sollte sogar Zwang ausüben, um vernünftige Regeln gegen Widerstand durchzusetzen. Aber Frau Merkel hält sich selbst nicht an die Regeln, wie will sie es da von ihren Untertanen erwarten?

Dass wir diese Krise überwinden werden, dessen bin ich vollkommen sicher. Aber wie hoch werden die Opfer sein? Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren?

Jede Pandemie geht vorbei und die Menschheit wird daran nicht aussterben. Doch es wäre Aufgabe der Regierung, die Zahl der Opfer im eigenen Land möglichst klein zu halten. Das Parlament sollte dazu vernünftige Regeln aufstellen und die Regierung diese dann durchsetzen. Hilflose Appelle helfen hingegen nicht weiter.

34 Gedanken zu „Merkel schiebt den Bürgern die Verantwortung zu

      • Meine Quellen sagen das ebenfalls und dann zieht Laschet bestimmt kurzfristig oder sofort nach. Also bitte vorbereiten, es ist 12 Uhr. Unsere Freiheit ist im Arsch.

      • Ohne die ach so tolle Politik in Österreich (Stichwort Ischgl) wäre das Virus doch noch längst nicht so weit verbreitet in Europa.

      • In Tirol wurden schwere Fehler gemacht, das steht völlig außer Frage.
        Siehe hier: https://orf.at/stories/3158168/

        Es wurde nicht nur viel zu lange in Ischgl nichts unternommen, sondern obendrein wurden alle Gäste und Saisonkräfte auf einen Schlag ohne jegliche Kontrolle ihres Gesundheitszustands nach Hause geschickt. Das wurde offenbar erst realisiert, als die ersten Coronafälle aus Island (!) bekannt wurden. Eine Handvoll Skifahrer, die aus Ischgl zurückkehrten.

        Mit Sicherheit wird in den nächsten Wochen vor allem in Ungarn (wo sehr viele der Saisonkräfte herkommen) Corona ganz besonders wüten.

  1. 48 Stunden, nachdem es der Bundesregierung endlich aufgefallen ist, daß tagtäglich Direktflüge aus China und Iran auf deutschen Flughäfen landeten und die Seuche weiter verbreiteten, spricht die Kanzlerin mit der ganzen moralischen Autorität einer alten, überforderten Frau, die langsam denkt, versteht und handelt.

    Deutschland liegt mittlerweile auf Platz 5 der am stärksten betroffenen Länder der GESAMTEN Welt – mit dem dritten Mißmanagement einer Großkrise nach Euro und Wirtschaftsmigration hat diese Regierung jede Glaubwürdigkeit verspielt. Wieder rettet der Mittelbau die inkompetente politische Führung vor der totalen Blamage. Ohne unser gutes Gesundheitssystem wäre die Lage schon völlig aus dem Ruder geraten.

    Immerhin hat sie nicht gegen AfD und Pegida gehetzt, wie sie das bei ihren Weihnachtsansprachen zu pflegen tut. Da ließ sich wohl auf die Schnelle kein Zusammenhang mit dem eigenen Versagen konstruieren.

  2. Niemand hat dem Deutschen Volk jemals mehr Schaden zugefügt, als Adolf Hitler. Angela Merkel kommt an zweiter Stelle…!

  3. Leider alles wie gehabt.
    Als Sofortmaßnahme wäre eine Stabilisierung unserer Stromversorgung jetzt dringend erforderlich, also Rückbau und Abschalten der Kraftwerke sofort stoppen. Ein Blackout würde sofort in die Katastrophe führen.
    Selbstredend auch keine Flüge aus Iran, Italien, Türkei, Schweiz und sehr bald allen weiteren Ländern mehr nach D, Einreisestopp bis auf wenige sinnvolle Ausnahmen (Güter).

  4. Frau Merkel hat fast eine viertel Stunde lang emotionslos vom Teleprompter abgelesen wie eine mittelmäßig talentierte Sechstklässlerlerin bei einem Vorlesewettbewerb und inhaltlich de facto nichts gesagt. Das sagt eigentlich alles darüber, wie „gut“ die Bundesregierung auf Krisensituationen vorbereitet ist. Nämlich gar nicht. Die gelangweilte Art des Vortragens zeugt zudem davon, dass es der Kanzlerin gewissermaßen am Allerwertesten vorbei geht, was gerade landauf, landab passiert. Unfassbar.

  5. Jetzt ist der Virus auch im Kanzleramt angekommen. Merkel hat den Schuss gehört und reagiert mit einer bisher einmaligen Ansprache. Aber hat sie auch die Patrone gesehen, die auf dem Weg zu ihr ist? Abgefeuert wurde sie unmittelbar nach ihrer Rede von der Bild Zeitung. Ihre Corona-Politik kommt zu spät, zu leise und zu halbherzig. Merkel war zu sorglos und zu pauschal. Mit ihr hat auch ihre Fraundin von der Leyen versagt. Sie hat viel zu spät gebremst und nun bleibt nur noch die Ausgangssperre, falls sich die Ausbreitung nicht verlangsamt, was wahrscheinlich ist. In Bayern gbt es sie schon in einer Gemeinde und Södern drocht damit, sie für ganz Baysern zu verhängen. Die deutsche Wirtschaft erlebt in diesen Tagen eine Vollbremsung. Wann kippt die erste Bank? Wann gibt es Kapitalverkehrskontrollen? Wann ist der Euro Geschichte und damit auch die Ersparnisse von Millionen? Wann wird der Goldbesitz verboten? Jetzt ist alles möglich, auch Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Arzneien. Klopapier ist jetzt schon aus, warum eigentlich, denn die große Mehrheit ist doch viel zu dumm, um zu kacken. Wer einen entsprechenden Bedarf hat, kann sich doch auch die gestrige Rede der Kanzlerin ausdrucken.

  6. Wenn das RKI am 10.12.2012 in der Drucksache 17/12051 des Bundestag vor so einem Ausbruch gewarnt hat, stelle ich nur eine einzige Frage an Frau Merkel und Ihre Regierung:

    Jeder Kranke in der BRD sollte Klage erhaben : Körperverletzung durch unterlassen.
    Jeder Verstorbene ist ein Fall von : töten durch unterlassen.

    Ich bin kein Jurist, aber diese Drucksache birgt Argumente, jeglichen Schaden bei der Regierung geltend zu machen

  7. Also ich oute mich dann mal. Ich fand die Rede gut. Gerade der historische Verweis auf den 2. Weltkrieg und die Wiedervereinigung muss doch jeden aufzeigen wie Ernst die Lage ist. Ich möchte nicht behaupten, dass man von Anfang an und in jeder Sache die richtige Entscheidung getroffen hat. Aber eins ist auch klar, frage ich 3 Wissenschaftler bekomme ich zum Teil 4 unterschiedliche Antworten. Im Endeffekt liegt es jetzt an uns Menschen, die notwendigen Richtlinien einzuhalten. Niemand ist damit geholfen, wenn wir jetzt Kurzarbeit im großen Still machen, aber sich im privaten noch zum Stammtisch getroffen wird. Und zum Thema Österreich und Kurz möchte ich darauf verweise, dass das jetzige Vorgehen der österreichischen Regierung doch nur darüber hinwegtäuschen soll, welche schwerwiegenden Fehler man zu beginn der Corona Epediemie in Tirol zu verantworten hat.
    Das einzig postive dieser Katastrophe ist wohl die Hoffnung auf einer längerfristiges Zusammenhalten der Gesellschaft. Denn jeder weiß, dass der Virus nicht zwischen jung oder alt, arm oder reich, deutscher oder nicht deutscher, links oder rechts unterscheidet.

    • Das Virus unterscheidet zwischen jung und alt (Alte erkranken eher schwer und sterben häufiger) und es ist keineswegs klar, dass der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft durch Isolation (und deren Verweigerung) gestärkt wird. Allerdings sind Sie selbst ein Beispiel dafür, wie sich viele in Zeiten der Not hinter der Regierung versammeln, selbst wenn sie nicht ganz unschuldig am Notzustand ist.

  8. Die Herren Spahn und vor allem Söder haben in der Krise sehr an Profil gewonnen. Vielleicht hat diese Krise zumindest bewirkt, die politischen Talente auszusieben. Herr Söder sollte sich das mit der Kandidatur noch einmal überlegen.

  9. Prof. Streeck, Virologe Uni Bonn mit der größten Erfahrung in der Betreuung von Ccoronakranken schreibt mit kühlem Kopf. Er sieht keine wesentliche Erhöhung der Sterblichkeit in Deutschland durch Corona, ähnlich Dr. Wodarg.
    Das Motiv für die Coronahysteriker wie auch der Klima- und Feinstaubpropagandisten ist schlicht Geltungssucht unter Ausnutzung panikbesetzter Ängste. Der Schnelltest hat im Übrigen 50% falsch-negative Resultate, wie ein Münzwurf.
    Nach Meinung von Prof. Streeck sind die gegenwärtigen Isolierungsmaßnahmen überzogen, sie müssten, um zu nützen, 12 bis 18 Monate durchgeführt werden mit resultierendem Ruin der Wirtschaft.

    https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/neue-corona-symptome-entdeckt-virologe-hendrik-streeck-zum-virus-16681450.html

    • Den Artikel lese ich geringfügig anders, aber es ist natürlich sehr relevant, wie tödlich das Virus tatsächlich ist. Wenn es stimmt, dass die Todeszahlen gar nicht signifikant ansteigen werden, handelt es sich tatsächlich um Hysterie und sind die drastischen Maßnahmen in keiner Weise gerechtfertigt. Zumindest momentan gibt es jedoch noch die Unsicherheit, dass man es nicht genau weiß. Jedenfalls wäre es besser gewesen, die Ausbreitung des Virus am Anfang entschlossener zu bekämpfen, auch und gerade an der Grenze. Demnächst rechne ich mit Ausgangssperren, die ihrerseits nicht nur die Freiheit, sondern auch die Gesundheit der Bevölkerung gefährden.

      • Man hätte auf jeden Fall früher und entschlossenere handeln sollen. Keine Frage, das ist kein Ruhmesblatt.

        Dass das nicht geschehen ist liegt allerdings auch daran, dass die Gefahr in weiten Teilen der Bevölkerung und auch Politik nicht ernst genug genommen wurde. In der Bevölkerung ja z.T. jetzt noch nicht.

        Ich bin mir sicher, hätte Deutschland am schnellsten und entschiedensten eingegriffen hätten die selben Kommentatoren und Gegner, die Merkel jetzt Untätigkeit vorwerfen und auf andere Länder verweisen die mehr machen, Merkel Hysterie vorgeworfen und auf andere Länder verwiesen, die (noch) nicht aktiv geworden sind.

      • Es kommt schon auf die konkreten Maßnahmen an. Unkontrollierte Einreisen aus China und dem Iran bis zu dieser Woche sind doch auf jeden Fall ein Fehler gewesen. Ob die aktuellen drastischen Maßnahmen eine so gute Idee sind, darf auch bezweifelt werden, nicht nur weil ihre Folgen viel schlimmer sein könnten als die der Pandemie selbst, sondern vor allem auch weil sie kontraproduktiv wirken. Es kommt zu ganz vielen neuen sozialen Interaktionen, zu denen es sonst gar nicht gekommen wäre. Ich bin deshalb inzwischen fast sicher, dass es zu Ausgangssperren kommen wird, die aber vermutlich auch nicht richtig kontrolliert werden und deshalb wenig nutzen bei noch höheren Kosten.

      • „Es kommt zu ganz vielen neuen sozialen Interaktionen, zu denen es sonst gar nicht gekommen wäre.“

        Wieso denn das? Ich kenne die Lage in Deutschland nun nicht aus erster Hand. Hier in Norwegen habe ich seit Einführung der aktuellen Restriktionen letzten Donnerstag mit niemandem neuen interagiert und auch nur mit sehr wenigen Bekannten. Das geht m.W. fast allen hier so

      • Es gibt wohl viele Corona-Partys, doch da habe ich auch keine Erfahrung. Was ich selbst gesehen habe, sind große Menschenansammlungen und -gruppen ohne Abstand an öffentlichen Orten wie Parks. Ein anderes Beispiel ist die Ersatzbetreuung von Kindern in anderen Kindergruppen mit anderen Aufsichtspersonen nach Schließung der Kitas und Schulen.

      • Ich bleibe vorläufig in der Dominikanischen Republik, wo nur 32 Corona-Fälle existieren. Seit heute haben wir Ausgangssperre. Alles zu! Strände, Hotels, Parks, Kinos. Keine Veranstaltungen, noch nicht einmal Gottesdienste. Nur Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Arztpraxen sind geöffnet, bei der Fahrt dort hin darf nur eine Person im Auto sitzen. Polizei und Militär patrouillieren.

        Und in Deutschland erzählt Merkel im Fernsehen Larifari. Sämtliche Nachbarländer sind weiter…!😤

      • Coronaparties sind ärgerlich aber wohl ein Randphänomen. Und Ansammlungen in Parks gäbe es bei dem guten Wetter ja auch so.
        Die Zahl der durch die Massnahmen verhinderten Interaktionen dürfte jedoch um ein Vielfaches grösser sein.

        Persönlich sind bei mir alle Meetings, Seminare, Konferenzen und private Veranstaltungen abgesagt worden.

        Auf so viele Coronaparties wäre ich im Leben nicht eingeladen worden 🙂

      • Entscheidend ist nicht einfach die Zahl der Interaktionen, sondern wie nahe man sich dabei kommt und ob es immer wieder neue Personen sind. Von daher könnte es schon sein, dass Coronapartys besonders ansteckend sind, falls sich dort Wildfremde eng begegnen und z. B. die Flaschen kreisen lassen. Falls sich nur ohnehin bestehende Cliquen draußen treffen, sehe ich das weniger kritisch.

        Die hiesigen Parks waren zumindest vorgestern viel voller als üblich, weshalb ich sie jetzt meide. Wenn ich einsam durch fast leere Straßen oder Wälder laufe, besteht keine Ansteckungsgefahr, also auch kein Grund für eine allgemeine Ausgangssperre, sondern höchstens für ein Versammlungsverbot auch hinsichtlich rein privater Gruppen.

        Bei normalen Meetings etc. kann man hinreichend Platz lassen. Viel gefährlicher sind Massenveranstaltungen oder auch volle öffentliche Transportmittel, wo das nicht geht. Von daher halte ich es für problematisch, öffentliche Verkehrsmittel wegen der geringeren Nachfrage einfach auszudünnen, also die Leute darin wieder zu verdichten. In Kita-Gruppen kommen sich die Kinder natürlich auch sehr nahe, weshalb es keine gute Idee ist, solche Gruppen immer wieder neu zusammenzuwürfeln.

    • Dieser Artikel bringt es eigentlich gut auf den Punkt. Die Regierung geht der Bevölkerung nie weit voraus. Führung wäre eigentlich nötig, ist aber eigentlich auch nicht gewollt. Die Deutschen und Merkel ergänzen sich, deswegen ist sie ja auch so beliebt.

      https://www.nzz.ch/international/hat-die-deutsche-regierung-in-der-corona-krise-versagt-ld.1547525

      Mittlerweile denke ich, die Ausgangssperre sollte für alle unter 40 oder so aufgehoben werden. Ein paar wenige müssen dann Coronaparties auf der Intensiv machen, aber das ist deren freie Entscheidung gewesen. Der jetzige Modus ist nicht lange aufrecht erhaltbar, das sagen und wissen doch auch alle.

      • Von wenigen Gemeinden abgesehen gibt es noch keine Ausgangssperre, aber viele andere Einschränkungen, die Wirtschaft und Gesellschaft zum Erliegen bringen. Ich denke auch nicht, dass sich das über Monate oder gar Jahre durchhalten lässt, was den Nutzen noch fragwürdiger macht. Die Wirtschaft bricht zusammen und der Virus verbreitet sich trotzdem. Vielleicht ist die Hoffnung, dass sich das Problem jahreszeitlich stark abschwächt oder bald ein Impfstoff zur Verfügung geht.

      • Ein System, das auf einer gesunden Mischung aus Zwang und Entscheidungsfreiheit besteht, scheint mir die beste Lösung zu sein. Menschen ab einem gewissen Alter oder mit Vorerkrankungen müssen in jedem Fall zuhause bleiben (um nicht vom Arbeitgeber genötigt zu werden), der Rest darf frei entscheiden. Um das Gesundheitssystem nicht zu überbelasten, sollte man dabei gestaffelt nach Jahrgängen, Gesundheitszustand, Berufen und sonstigen Kriterien vorgehen.

        Neueste Erkenntnisse besagen übrigens, daß der Mensch nach einer Ansteckung wahrscheinlich Immunität hat. Sobald wir dort eine hinlängliche Erkenntnissicherheit besitzen, könnte man den Plan umsetzen.

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