Kakistokratie

Heute habe ich tatsächlich einmal etwas durch einen Tweet gelernt: Kakistokratie bezeichnet die Herrschaft der Schlechtesten. Es ist allerdings eine Wortschöpfung der Neuzeit, weshalb ich sie trotz Graecums noch nicht kannte. Bekannt waren mir die drei Grundformen der Herrschaft (Monarchie, Aristokratie und Demokratie) sowie ihre heruntergekommenen Formen (Tyrannis, Oligarchie und Ochlokratie), bei denen die Herrschenden nicht mehr dem Gemeinwohl, sondern nur noch sich selbst dienen.

Die Kakistokratie ist aber in gewisser Weise noch schlimmer und entspricht wohl zunehmend dem Handeln unserer politischen „Elite“, die keine Pöbelherrschaft ausübt, sondern noch schlechter regiert. Zugleich hält sie sich selbst für viel besser als das gemeine Volk, weil sie in politischen Spielchen brilliert und darüber die Sachprobleme sowie die normalen Menschen vergisst.

Nach den antiken Modellen vom Verfassungskreislauf müsste auf die Kakistokratie (bzw. Ochlokratie) übrigens eine (gute) Monarchie folgen. Historisch folgte häufiger direkt eine Tyrannis. Aber vielleicht gelingt noch die Rückbesinnung auf gute Demokratie und echte Gewaltenteilung, die als neuzeitliche Idee die drei guten Herrschaftsformen zu kombinieren versucht. Volksentscheide wären ein guter Anfang. Selbst wenn man dabei den Pöbel fürchtet, ist die Herrschaft der Schlechtesten einfach noch schlechter.

25 Gedanken zu „Kakistokratie

  1. Leute mit sehr guter Bildung und hervorragenden Ideen gehen in Deutschlsnd nicht (mehr) in die Politik. In der Wirtschaft oder der Wissenschaft, oft im Ausland, verdienen sie erheblich mehr und müssen sich mit weniger Schwachsinn herumärgern.

    Daher werden wir von Leuten regiert, bzw. als Abgeordnete vertreten, die teilweise keinen Hochschulabschluss, manchmal noch nicht einmal eine Berufsausbildung vorweisen können. Typen, die in einem mittelständischen Unternehmen noch nicht einmal einfache Führungsaufgaben erfüllen könnten. Polit-Schranzen, die nach der Schule Günstlinge eines Parteifunktionärs wurden und noch nie in einem Betrieb gearbeitet haben. Nicht selten sind auch selbstverliebte Egoisten ohne eigene Kinder.

    Nur wenn wir die Allmacht von Parteien in Deutschland brechen, gibt es eine Chance, bessere Leute in wichtige Positionen zu bringen!

    • -.-..Parteien in der jetzigen Form (Strukturen) gehören abgeschafft-.-.-.-Eine breite Diskussion darüber wäre fruchtbar-.-.Schon Simone Weil war für die Abschaffung der Parteien, da sie nur für Lügen taugen,-..-.Richard David Precht und Andere sind für den Umbau des Systems und Abschaffung der Parteien in dieser Form, wenn ich mich nicht täusche?.-..-.

      • Das wäre gut, allerdings müsste man sich nicht nur über die Alternative zu den Parteien verständigen, sondern vor allem einen Weg finden, wie die Abschaffung durch Abgeordnete von genau diesen Parteien gelingen kann.

    • Die Preisfrage lautet, wie das gelingen kann. Die AfD war anfangs ein Versuch (wie wohl auch die Grünen), der jedoch in dieser Hinsicht auf jeden Fall gescheitert ist (ganz unabhängig von unseren Differenzen über die aktuelle politische Ausrichtung der AfD).

      • Die AfD ist von Anfang an von mehr oder weniger Gescheiterten aus anderen Parteien dominiert. Allen voran von solchen aus der CDU (zu ihnen gehörte auch Bernd Lucke). Einige davon geben noch heute in äußerst manipulativer Weise den Ton an. Ob aus „gelernt ist gelernt“ oder als Agenten ihrer Mutterpartei CDU spielt dabei im Ergebnis keine Rolle.

  2. Hard times create strong people.
    Strong people create good times.
    Good times create weak people.
    Weak people create hard times.

    Rechte wissen das, Linke leugnen das und Liberale möchten keine Antwort geben.

    • Liberale wissen, dass es leider nicht so einfach ist. Wenn die politische Elite versagt, kann das, was nachkommt, noch viel schlimmer sein. Die Deutschen haben die 1918 gewonnene Demokratie 1933 wieder verspielt, während sie sie 1945 und 1989 von außen geschenkt bekamen, auch wenn das gerne anders dargestellt wird. Der wirkliche Härtetest für die Bundesrepublik Deutschland steht noch aus und wir sind sehr schlecht darauf vorbereitet.

  3. Grundlegend ist, dass man sich um „gute Demokratie“ zu bekommen und seiner Rechtsstellung darin mit den Begriffen mensch vs. Person beschäftigt. Dann mit Person vs. PERSON (natürliche und juristische) und den Formen der Statusminderung (Capitis deminutio minima, media, maxima), was sich bis heute in der Verwendung von Familienname oder stattdessen NAME ausdrückt und der Schreibweise, Gemeine oder (durchgängig) Versalien.

  4. „…….Kakistokratie .. “ muss ich mir unbedingt merken für die aktuellen – d.h. seit 2013 bestehenden politichen Verhältnisse – .

    “ …..die keine Pöbelherrschaft ausübt, “ ? Kann ich nicht teilen, was ist mit “ Stinkefinger zeigen in der Öffentlichkeit …..Pack …… beschimpfen ……Geindel ( Merz ) a la Goebbels .. “

    Keine Lust Claudia Roths perfiden Marsch hinterm Banner “ ….. Sch….. Deutschland …. Deutschland verrecke … “ etc.

    Meine Wenigkeit – ohne Überheblichkeit : …..Kommentar super gut und treffend.

    • Die Kakistokratie besteht vielleicht gerade darin, dass Angehörige des Pöbels nun die politische Elite bilden, was eine üble Kombination von Oligarchie und Ochlokratie darstellt (mit noch etwas Tyrannis durch eine Kanzlerin, die völlig willkürlich ihren Kurs ändert und Gesetze aussetzt).

  5. …..Volksentscheide auf Bundesebene machen mir Angst…..zuviel Manipulationsmöglichkeiten in der Fragestellung….auch Minderheiten treffen kluge Entscheidungen…. die „Schlechten“ in der Politik müssen benannt und aus der Verantwortung genommen werden….
    Weniger reine Berufspolitiker und eine bessere Presse könnte dabei helfen….

  6. Schon ein Wahlsystem, in dem Abgeordnete auf jeder Ebene grundsätzlich in ihren Wahlkreisen direkt gewählt sein müssen, würde sehr helfen.

    • So ein Wahlsystem hat leider auch den Nachteil, dass MInderheiten (auch bedeutsame) schnell völlig auf der Strecke bleiben.

      • Das ist nicht zwingend. Der politische Wettbewerb würde nicht nur den Medianwähler begünstigen, was zu einer gemäßigten Politik beiträgt, sondern auch das Werben um Minderheiten, solange ein Land nicht grundsätzlich in einer Hinsicht gespalten ist.

      • Deutschland ist multipel gespalten. Nicht nur in West und Ost.
        Sehen Sie sich doch nur die Themen Migration, Energiewende und Verkehrspolitik an.
        Vom Rentenmärchen und den bevorstehenden Kosten des Gesundheitssystems, sowie der Pflege, einmal ganz abgesehen (beides wird auf heutigem Niveau finanziell in spätestens 20 Jahren überhaupt nicht mehr zu stemmen sein).
        Der Wahrheit will aber gerade in Deutschland niemand ins Gesicht sehen.

  7. Unser Wahlsystem der personalisierten Verhältniswahl (https://de.wikipedia.org/wiki/Verh%C3%A4ltniswahl) beinhaltet die Gefahr, dass Politiker korrumpiert werden. Um auf einen erfolgversprechenden Listenplatz zu kommen, sind Anpassung und Wohlverhalten wahrscheinlich. Der nicht grundgesetzkonforme Fraktionszwang tut ein Übriges, um das Wohlverhalten zu bewirken.

  8. Die heutige Kakistokratie ist geprägt von chaotischem Handeln. Früher zeichnete eine gute Regierung und Verwaltung die zeitnahe und sorgfältige Dokumentation aller Entscheidungsgrundlagen, Entscheidungen und der damit verbundenen Kommunikation aus.
    Typisches Beispiel heute: Kaum amtliche Informationen zu relevanten Vorgängen in der Flüchtlingskrise
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article206396003/Fluechtlingskrise-Kaum-amtliche-Informationen-zu-relevanten-Vorgaengen.html

  9. Pingback: Putin drückt neue Verfassung für neue Amtszeiten durch | Alexander Dilger

  10. Pingback: Zweieinhalb Argumente für Quoten | Alexander Dilger

  11. Danke, auch ich habe jetzt was gelernt! Das Wort Kakistokratie hat wohl mit der Kakophonie den Wortstamm gemeinsam.
    Wo ist die Lösung? – In der Sozialen Dreigliederung oder auch Dreigliederung des sozialen Organismus.
    Vor 100 Jahren hat Rudolf Steiner – auf Bitten einiger damaliger politisch Verantwortlicher – mittels seiner seherischen Fähigkeit die prinzipiellen Ideen menschlichen Zusammenlebens schauend und denkend herausgearbeitet und vorgestellt.
    In diesen, wenn man sich vorurteilslos und offen dafür interessiert und mit der – damaligen und heutigen – Wirklichkeit vergleicht, wird man erkennen, dass darin die (r)evolutionären Möglichkeiten angelegt sind, nach der die menschliche Entwicklung verlangt.
    Wenn vor gut 100 Jahren die Menschheit in ihrer Zeit noch nicht reif genug war – wie ist es heute?
    Geboren wurden die drei Begriffe Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit noch früher und sie wurden in ihrer eigentlichen Unvereinbarkeit bis heute nicht verstanden, sondern im Einheitsstaat wild durcheinander gemixt.
    Können wir heute dazu aufwachen und uns aufraffen, endlich den überholten Einheitsstaat neu zu gliedern in ein Geistesleben, ein Rechtsleben und ein Wirtschaftsleben?
    Erkennen wir die drei Glieder unseres Lebens und befähigen uns zu einer solchen Neugestaltung unserer zum Tode hin degenerierten Gesellschaft, wo sich die Politik maßlos in Kultur und Wirtschaft einmischt, obwohl sie sich auf das Rechtsleben zu beschränken hat; wo die Wirtschaft in Bildung und Kunst dominiert, selbst Gesetze diktiert, obwohl ihr Leben sich rein um Waren, deren Bedarf, Produktion, Verteilung und Konsum drehen muss; wo heute Politiker mir und den Ärzten meiner Wahl vorschreiben wollen, wann ich krank sei und welche Maßnahmen zu ergreifen sind; wo Wissenschaft und Kultur dem Mammon geopfert werden und Rechtsprechung zur Farce verkommen ist?
    Sehr geehrter Alexander Dilgner, Sie sagen: „Es gibt immer eine Alternative“. Ja, wir müssen ganz neu denken, dann verstehen wir uns selbst, unsere Mitmenschen, Rudolf Steiner und die soziale Dreigliederung, die Welt und ihre Entwicklungsnotwendigkeit.
    Zur Beschäftigung mit dem „neuen Gesellschaftsvertrag“ als Alternative zu „Great Reset“ ä la Klaus Schwab und Konsorten:
    Axel Burkart, Kraftwerk Mensch; Rainer Schnurre u.a.
    Viel Freude im Aufbruch!

    • Eigentlich ist mir das zu esoterisch, doch es natürlich gut, wenn Menschen auf verschiedenen Wegen zu ähnlichen Erkenntnisse kommen und sich für ihre Mitmenschen und die Gesellschaft einsetzen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..