Biden liegt bei Demokraten vorn und nur noch Sanders dahinter

Elizabeth „Warren steigt aus Präsidentschaftsrennen aus“ wie zuvor schon Michael Bloomberg, dem rekordverdächtige Wahlkampfausgaben aus dem eigenen Vermögen nicht halfen (und auch nicht seine durchaus beachtliche Bilanz als New Yorker Bürgermeister). Beide hatten beim sogenannten Super Tuesday der Vorwahlen schlecht abgeschnitten. Schon davor hatte überraschend Pete Buttigieg aufgegeben, der ganz am Anfang ebenso überraschend geführt hatte (siehe ‚Nach chaotischer Vorwahl der Demokraten in Iowa Gemäßigter vorn‘).

Damit sind nur noch zwei ernstzunehmende Kandidaten im Rennen (und ohne realistische Chance Tulsi Gabbard), nämlich Joe Biden, der nun erstmals die lange prophezeite Führungsposition innehat, und Bernie Sanders. Das erlaubt nicht nur eine Richtungswahl, da Obamas Vizepräsident Biden gemäßigt ist und Bernie Sanders sich selbst als demokratischen Sozialisten bezeichnet, was in den USA viel krasser ist als in Deutschland, wo die SED nun wieder als ganz normale Partei gilt. Dementsprechend wünscht sich Donald Trump Bernie Sanders als Gegenkandidaten, weil er dann nahezu sicher gewinnt. Deshalb hat er fürs Anschwärzen von Joe Biden sogar ein Impeachment-Verfahren riskiert (siehe ‚Trump begeht Amtsmissbrauch‘ und ‚Donald Trump vom Repräsentantenhaus angeklagt‘). Entsprechend müssten jetzt eigentlich alle Demokraten, die Donald Trump aus dem Weißen Haus vertreiben wollen, also alle, für Joe Biden sein. Tatsächlich hat jedoch Bernie Sanders schon vor vier Jahren Hillary Clinton den Sieg gekostet, weil er seine innerparteilichen Gegner wohl noch mehr hasst als den Kandidaten der Republikaner.

Schließlich finde ich interessant, wie solche Vorwahlen vor allem ein Koordinierungsspiel darstellen. Letztlich ist es den meisten Wählern gar nicht so wichtig, welcher konkrete Kandidat gewinnt, solange nur die Richtung stimmt. Deshalb sind die Stimmen anfangs zersplittert, bis sich ein Favorit herauskristallisiert. Das ist nun für die beiden Hauptströmungen der Demokraten passiert. Für die Demokraten insgesamt wird es schwieriger und für das ganze Land gelingt es leider kaum noch, da Demokraten und Republikaner nicht einfach das jeweilige Wahlergebnis akzeptieren und danach vertrauensvoll zusammenarbeiten, sondern sich unversöhnlich in einer Art Dauerwahlkampf gegenüberstehen.

24 Gedanken zu „Biden liegt bei Demokraten vorn und nur noch Sanders dahinter

  1. Die überwiegende Mehrheit der Dozenten der Harvard Faculty of Arts and Sciences bekennt sich laut einer aktuellen Umfrage zu Frau Warren und bezeichnet sich als liberal oder sehr liberal, was in den USA sozialdemokratisch bis sozialistisch bedeutet. Gerade einmal drei von 260 Personen unterstützen Herrn Trump. Das passt zum üblichen Bild der linksliberalen Unis, die vielleicht doch nicht so divers sind, wie sie vorgeben zu sein.

    https://www.thecrimson.com/article/2020/3/3/faculty-support-warren-president/

    • Es hängt stark von den Fakultäten ab. Auch bei uns sind Geisteswissenschaftler im Schnitt linker als Wirtschafts- oder Naturwissenschaftler. Eigentlich sollte das ohnehin egal sein, wenn alle Parteipolitik und Wissenschaft strikt trennen und andere Argumente zulassen würden, wie es sich für gute Wissenschaftler gehört.

      • Es handelt sich hier gerade nicht nur um Geisteswissenschaftler. In der genannten Fakultät sind auch Naturwissenschaftler und Ökonomen vertreten. Ich könnte mir vorstellen, dass es in dieser Fakultät verpönt wäre, sich z.B. offen zu Donald Trump zu bekennen.

      • Ihrem Link konnte ich erst jetzt folgen. Gemeint sind nicht Fakultäten im inhaltlichen Sinne, sondern alle Professoren. Dass Präsident Trump da wenig Anhänger hat, finde ich nicht überraschend. Bedenklicher stimmt, dass die Mehrheit Sanders und Warren die besten Chancen gegen den Präsidenten einräumte, was reines Wunschdenken zu sein scheint (oder das Leben in einer Blase, was beides nicht gut ist für Top-Wissenschaftler).

      • Bei der Entscheidung der Studenten und Wissenschaftler für Kandidaten der Demokraten geht es wohl vor allem um die überfällige Reform der Kostentragung in der Ausbildung an den Universitäten/Highschools. Für Absolventen aller Fachrichtungen werden die Chancen immer geringer, innerhalb von 10 Jahren nach Ausbildungsabschluss die Abtragung der für die Ausbildung aufgenommenen Kredite überhaupt nur zu beginnen. Ich verfolge dieses Drama seit etlichen Jahren auf Grund etlicher verwandtschaftlicher Verbindungen in New Jersey und Washington. Hier geht es um „Kohle“ und nicht um Ideologie.

      • Studenten geht es nicht nur um ihre Studienkredite und bei Professoren wäre das teilweise schon unanständig, weil die Kredite auch ihre Gehälter erhöht haben.

      • Es sollte nicht überraschen, dass Menschen deren Beruf es ist analytisch zu denken mit Trump nichts anfangen können.

      • Derwaechter: Diese Aussage ist in ihrer Allgemeinheit natürlich falsch. Auch Analytiker können z.B. ein großes Interesse an innerer Sicherheit und einer wirtschaftsliberalen Politik haben.

      • Was war denn die große Steuerreform, wenn nicht wirtschaftsliberale Politik?

        Zu den Unis noch: Harvard gilt sicherlich generell als linksliberal und zieht daher vermutlich auch tendenziell derartig ausgerichtete Professoren an. Es gibt auch etwas konservativere Top-Unis wie z.B. Princeton. Die in https://thebestschools.org/rankings/20-best-conservative-colleges-america/ genannten konservativen Unis scheinen eher nicht ganz oben mitzuspielen.

      • Die Steuerreform von Donald Trump war ökonomischer Unsinn, nämlich Steuergeschenke vor allem an Superreiche wie ihn selbst zur Unzeit (nämlich im Boom statt in einer Krise).

        Bei den Universitäten ist zu bedenken, dass das gesamte politische System in den USA im Vergleich zu Deutschland verschoben ist. Echte Konservative gibt es in Deutschland doch kaum noch, Libertäre hat es hier noch nie in nennenswerter Zahl gegeben. Bernie Sanders nennt sich demokratischer Sozialist, was ist ein Sozialdemokrat anderes? Alle größeren deutschen Parteien mit Ausnahme der AfD entsprechen verschiedenen Ausrichtungen der Demokraten in den USA.

      • Keine Konservativen mehr in Deutschland, Herr Dilger? Richtig ist, dass Konservative in der CDU keine politische Heimat mehr haben. Und durch die Verschiebung des politischen Koordinatensysrems unter Merkel, werden Konservative an den rechten Rand gedrückt… 😦

      • Zumindest werden Konservative in Deutschland nicht mehr politisch vertreten, auch nicht von der AfD,am ehesten vielleicht noch regional von der CSU.

      • Alexander Dilger sagte am 06/03/2020 um 23:28 :“Studenten geht es nicht nur um ihre Studienkredite . . .“ Die FAZ hat in einem Beitrag im Zusammenhang mit dem Wahlprogramm von Sanders ausgeführt, dass die Arbeitseinkommen der Mittelschicht in den USA immer weiter hinter dem Produktionsfortschritt und der Entwicklung der Lebenshaltungskosten -vor allem für das Wohnen, die Gesundheit – zurückbleiben und vor diesem Hintergrund die ausbildungsbedingten Kreditbelastungen immer drückender werden. Das kann auch Dozenten betreffen- soweit sie sich nicht ohnehin in Solidarität mit ihren Studenten sehen.

      • Wer an guten US-Hochschulen ein marktgängiges Fach studiert, verdient schnell so viel mehr, dass die Studienkredite kein Problem darstellen. Probleme kann man in marktfernen Fächern bekommen oder an schlechten, z. T. völlig unseriösen Hochschulen. Zumindest letztere sollte der Staat nicht noch indirekt subventionieren.

      • Alexander Dilger
        sagte am 07/03/2020 um 09:51 : „Wer an guten US-Hochschulen ein marktgängiges Fach studiert, verdient schnell so viel mehr, dass die Studienkredite kein Problem darstellen. . .“
        Sie könnten hier noch als weitere Einschränkung anfügen: „Und wer dort die Zulassungsbedingungen erfüllt und nicht gerade im Großraum San Francisco oder New York o.ä. wohnt“. Ich halte diese Argumentation gegenüber den erwähnten mehr allgemein gehaltenen Beschreibungen im erwähnten Artikel für nicht stringent. Jedenfalls scheint mir dieser Punkt in einem Wahlprogramm nicht aus der Luft gegriffen zu sein; er deckt sich auch mit eigenen Beobachtungen.

      • Sie unterschätzen die Linkslastigkeit der Universitätslandschaft ganz erheblich. Die Linken dominieren inzwischen in allen Wissensfeldern TOTAL: https://twitter.com/toadmeister/status/1039553830231388161

        Um die Meinungsvielfalt auf dem Campus wieder herzustellen, helfen nur noch gesetzliche Eingriffe. Von innen heraus ist das Problem längst nicht mehr zu lösen, für alle Nichtlinken gilt „need not apply“.

  2. Bernie und Biden sind beide noch älter als Trump. Nun gönnt man niemandem den Tod, nicht mal Trump, obwohl er sich immer wieder des Präsidentenamtes unwürdig erweist und mal eben die Demokratie ruiniert. Es gehört gerade bei so betagten Bewerbern einfach dazu, auch in einem Szenario zu denken, in dem ein Präsident das Ende seiner Amtszeit nicht erlebt. Insofern wird es noch mehr auf die runnig mates ankommen. Trump wünsche ich schon deswegen gute Gesundheit, damit Pence niemals Präsident wird. Denn dann würde es wirklich ernst und die Jagd auf Minderheiten wäre erst recht eröffnet

  3. Lauter weiße alte Männer: Biden, den besonders Frauen und Schwarze wählen, Sanders, den besonders Junge wählen. (Ich bin ein weißer alter Mann).

  4. In Deutschland werden Kanzlerkandidaten fast immer von Parteifunktionären in Hinterzimmern ausgekungelt. Parteivorsitzende haben ein ungeschriebenes „Zugriffsrecht“ darauf. Parteimitglieder können Wahlplakate kleben, Flyer verteilen, Beiträge bezahlen und ansonsten den Mund halten.

    In den USA bestimmt die Basis die Kandidaten. Es gab noch nie einen Parteivorsitzenden, der Präsident war oder wurde.

    Vorwahlen und auch Amtszeitbegrenzungen schränken die Macht von Parteien und Spitzenpolitikern ein. Damit wären uns 16 Jahre Kohl und 16 (oder noch mehr?) Jahre Merkel erspart geblieben.

    Amerika, Du hast es besser!

  5. Trump hat für Steuersenkungen enorme Schulden gemacht (also Steuern eher nur verschoben), fördert billiges Staatsgeld, privatisierte nichts, bejaht stattdessen gigantische Staatsausgaben auch für privatisierungsfähige Infrastruktur- außer Erfolgen bei der Deregulierung sehe ich da nicht viel Liberales (und ich befürworte noch im Gegensatz zu anderen Liberalen aus bestimmten Gründen und als liberal manches an seiner Zollpolitik…). Seine Ausgrenzung von Transgendern (eine höchst bemitleidenswerte und erfreulich kleine Gruppe) ist auch nicht liberal.
    Studiengebühren sind liberal und sozial. Die USA leisten sich aber höchst ineffektive Universitäten, die sie oft unerträglich teuer machen.

  6. Josef Fischer: Danke für Ihre Liste „konservativer“ Us-Hochschulen. Die Liste beginnt mit einem antisozialistischem Zitat Winstons Churchills, was anzeigen möge, daß „Konservative“ in den USA meist zumindest wirtschaftspolitisch eher liberal sind. Vor vielen Jahren wies ich in einem Artikel in „Eigentümlich frei“ aber auch auf bei denen meist übliche Mängel an Liberalismus in anderen Fragen hin. Von den auf „Ihrer“ Liste erwähnten 10 besten konservativen Hochschulen sind übrigens 10 religiöse: 1 katholisch, 1 mormonisch und 8 evangelikal, also theologisch eher biblisch-konservativere Protestanten, zu deren strikt konservativem Flügel ich gehöre.

  7. Pingback: Sanders steigt halbherzig aus | Alexander Dilger

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