EZB ohne Einfluss auf Realzins müsste den Nominalzins erhöhen

„‚Der Trend zu niedrigen Zinsen ist global und langfristig'“. Global kann man jedenfalls niedrige Zinsen beobachten und das könnte langfristig so bleiben (muss es aber nicht, siehe ‚Sinken die Zinsen schon lange und immer weiter?‘). Das erklärt aber noch nicht die Ursache dafür, insbesondere ob es vor allem realwirtschaftliche Gründe für die niedrigen Zinsen gibt (siehe ‚Führen zu viele Ersparnisse zu Negativzinsen?‘) oder eher die Notenbanken dafür verantwortlich sind. Richtig ist, dass nicht allein die EZB niedrige Zinsen setzt, diese aber in der Eurozone besonders niedrig und sogar nominal negativ sind.

Nominale Negativzinsen sind ohne aktives Handeln der EZB nicht möglich (siehe ‚Wie sind negative Nominalzinsen möglich?‘). Wenn ausgerechnet Marcel Fratzscher einen Mangel an risikolosen Wertpapieren beklagt, dann müsste er eigentlich für mehr Bargeld sein, welches nominal risikolos ist und auch nicht zu nominal negativen Zinsen führt (siehe ‚Geld als sicheres Anlagegut‘). Er will aber lieber mehr Staatsverschuldung, worauf Clemens Fuest die richtige Antwort gibt: „Der Einfluss der deutschen Finanzpolitik auf das globale Zinsniveau ist zu gering.“

Überhaupt ist es eine ganz schlechte Verteidigung der Zinspolitik der EZB, dass diese ohnehin wirkungslos sei. Dann bräuchte sie sich auch nicht so zu verhalten, sondern es würde sich stets derselbe Realzins ergeben. Daraus würde dann aber sogar logisch folgen, dass sie ihr Inflationsziel momentan mit höheren statt niedrigeren Zinsen erreichen würde, da sie die Inflation zu niedrig findet (was ohne Einfluss auf die Realzinsen aber eigentlich auch egal ist, siehe ‚Negative Zinsen und Deflationsängste‘) und nominal negative Zinsen setzt. Bei unverändertem (negativen) Realzins würde folglich die Inflation mit dem Nominalzins steigen. Tatsächlich glaubt die EZB das Gegenteil, was jedoch im Bereich der Negativzinsen keineswegs zutreffen muss, denn es gibt ‚Keine Evidenz für positive Wirkungen negativer Zinsen‘.

4 Gedanken zu „EZB ohne Einfluss auf Realzins müsste den Nominalzins erhöhen

  1. Fast alle Staaten auf der ganzen Welt sind hoffnungslos verschuldet. Politiker machen teure Wahlversprechen und Wähler verstehen nicht, das sie früher oder später selbst dafür bezahlen müssen.

    Über Null- oder sogar Negativzinen, sowie gewollte Inflation versuchen Notenbanken ihre Staaten teilweise zu entschulden, bzw. einen möglichen Währungszusammenbruch so weit wie möglich in die Zukunft zu verschieben.

    Das sind die Tatsachen, die niemand hören will. Die Lüge ist so süß, aber die Wahrheit so bitter…!

  2. So lange die EZB in Konkurrenz zu den Kapitalmärkten Staatspapiere und risikoarme Industrieanleihen nachfragt, somit die Preise treibt und den Langfristzins senkt, bieten sich andere Wege als die von Fratzscher geforderte zusätzliche Verschuldung an. Dieses Herumgeeiere der „Experten“ zur Begründung lockerer Geldpolitik ist interessengeleitet und verweist auf den Web-Fehler im Management der EZB.

  3. Wenn die Zinsen tatsächlich niedrig bleiben und sie auf lange Zeit bis zu einer Weltwährungsreform zum Negativen tendieren, so müssen Dividenden- Aktien theoretisch immer weiter ansteigen. Der Dax und Co. hätten also deutlich Luft nach oben, auch wenn die chinesische Lungenpest (nix Virus) für gelegentliche Dellen sorgt. Ähnliches müsste auch für den Goldpreis gelten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.