Fach Wirtschaft an allen Schulformen in NRW

Das Ziel der ‚Petition für Schulfach Wirtschaft‘ wird nach drei (bzw. vier) Jahren umgesetzt, zumindest in Nordrhein-Westfalen. Heute erklärte die liberale Schul- und Bildungs-„Ministerin Gebauer: Landesregierung bringt Einführung der Fächer Wirtschaft und Informatik für alle Schulformen auf den Weg“. An Gymnasien in NRW wurde das neu konzipierte Schulfach Wirtschaft/Politik bereits mit dem laufenden Schuljahr eingeführt. Im nächsten Schuljahr soll es das Fach Wirtschaft an Realschulen geben, Wirtschaft und Arbeitswelt an Hauptschulen und Wirtschaft/Politik an Gesamt- sowie Sekundarschulen. Ein Jahr später soll in allen Schulformen Informatik zum Pflichtfach werden. In beiden Fällen scheint mir der Engpass das Lehramtsstudium zu sein („Beim neuen Schulfach Wirtschaft wird die Lehrer-Lücke zum Problem“), welches wir in Münster auch noch nicht umgestellt haben.

7 Gedanken zu „Fach Wirtschaft an allen Schulformen in NRW

  1. Eine wirklich schöne Nachricht, die allerdings mindestens sechzig Jahre überfällig war.

    Wenn ich dann aber alleine in dem oben von Ihnen verlinkten WELT-Artikel lese „Die Grünen warnen vor „offenen Türen“ für Lobbyisten.“, „… die Hochschulen dort bieten bisher gar kein Lehramtsstudium für Wirtschaft an. Selbst wenn sich das mit der Einführung des neuen Schulfachs ändern würde, kämen fertig ausgebildete Wirtschaftslehrer frühestens 2026 an die Schulen.“ und „SPD und Grüne im Landtag sind, genau wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, strikt gegen Wirtschaft als Schulfach und fordern stattdessen mehr politische Bildung. „Mehr Demokratie wagen“ lautet ihr Credo.“, frage ich mich schon ernsthaft, wie das „Beste Deutschland aller Zeiten“ den Anschluss an den Rest der zivilisierten Welt halten bzw. jemals wieder erlangen will.

  2. Als Mitglied des Bonner Schulausschusses besuchte ich im Sommer unter Anderem jeweils mehrere mündliche Abi-Prüfungen im Fach „Wirtschaft“ an zwei Gymnasien und an einer Berufsfachschule. Das Fach ist an den drei Schulen wohl schon länger etabliert. Zumindest dort wurde von Lehrermangel in dem Fach nichts berichtet.
    Ich war zufrieden mir den – selbstverständlich im Notenrahmen unterschiedlichen – Leistungen der Schüler. Meine kleine (!) Stichprobe zeigte, dass die Lehrer ihre fachlichen Inhalte angemessen „rüberbringen“ können. Es besteht auf jeden Fall ein ökonomisches und soziales Verständnis, wenn es sich vorläufig auch manchmal nur auf Begrifflichkeiten beschränkt. Welch großer notwendiger Fortschritt gegenüber unseren Schulzeiten.
    Interessante Aussage einer Schülerin nach ihrer hervorragenden Leistung im Mündlichen: Sie war erst kurz zuvor ans Bonner Gymnasium gewechselt und musste sich im Vergleich zu den sozialökonomischen Schwerpunkten an der alten Schule auf neue Inhalte – klassisch liberaler Art – einstellen. Das spiegelt die durchaus unterschiedlichen ökonomischen Ausrichtungen der Lehrer.

    • In der Sekundarstufe II (Oberstufe der Gymnasien und berufsbildende Schulen) gibt es Wirtschaft schon lange als Wahlfach. Was die Schüler dann lernen, hängt stark von den Lehrern ab.

      • Die meisten Lehrer am allgemeinbildenden Gymnasium haben lediglich ein lausiges Verständnis von Wirtschaft, zumindest in B-W. Sie haben es ja auch kaum studiert. An beruflichen Gymnasien und Berufsschulen mag das evtl. anders aussehen, da hier mehr fachlicher Hintergrund vorliegen muss. Interessanterweise kommt man hier aktuell auch ohne Wipäd-Studium rein, insofern man ein Referendariat absolviert. Trotz der guten Bezahlung im höheren Dienst ist man hier in einem Massenstudienfach offensichtlich auf der Suche nach Lehrern. Das sagt wohl viel über den schlechten Ruf und die überaus schwierigen Unterrichtsbedingungen an deutschen Schulen aus.

  3. Es ist gut, was die FDP da erreicht hat. Wie nachhaltig die konkrete Umgestaltung an den Schulen sein wird, bleibt natürlich abzuwarten. Als Elternvertreter in einer Fachkonferenz eines Gymnasiums erlebte ich vor ein paar Tagen, wie sich die Veränderung mehr oder weniger stark vollziehen könnte. Einige Lehrer stellten es vor allem so dar, dass es eher ein neuer Name für das Fach Sozialwissenschaften sei als eine grundlegende inhaltliche Neuerung.

    • Entscheidend sind die Lehrer und ihre Ausbildung. Die vorhandenen Lehrer werden wenig ändern. Bis neue Fachlehrer kommen, vergehen viele Jahre, in denen das Fach schon wieder abgeschafft werden könnte.

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