Wissenschaftskommunikation ohne Zwang

Bundesbildungs- und -forschungsministerin Anja „Karliczek will Wissenschaftler zur Kommunikation zwingen“. Das ist einmal mehr ein falsches, illiberales Mittel für ein grundsätzlich richtiges Ziel. Dabei denkt sie wohl gar nicht an Zwang für alle Wissenschaftler, sondern eine Pflicht zur Öffentlichkeitsarbeit bei Drittmitteln aus ihrem Hause. Sie spricht sich auch gleichzeitig für Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit aus (siehe „Karliczek sieht ‚Verhindern von andersgearteten Meinungen‘ an Unis“), zu der auch die Freiheit gehört, sich nicht stets überall äußern zu müssen.

Neben der Frage, wie grundsätzlich freie Wissenschaftler gezwungen werden können und sollen, sehe ich zwei Probleme: Erstens ist Wissenschaftskommunikation nur als Komplement guter Wissenschaft sinnvoll, nicht als Substitut, kann sie also ergänzen, aber nicht ersetzen. Genau eine solche Zweiteilung droht jedoch, bei der es einerseits gute und andererseits massenmedientaugliche (oder auch politisch korrekte) Forschung gibt und diese wenig miteinander zu tun haben oder sich sogar widersprechen.

Zweitens kann jedoch eine Trennung von Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation im Sinne von Arbeitsteilung sinnvoll sein. Die Wissenschaftler konzentrieren sich dann auf ihre Forschung und publizieren diese in Fachzeitschriften, während Wissenschaftsjournalisten gerade die besten Fachbeiträge aufgreifen und für ein größeres Publikum verständlicher darstellen und auch vereinfachen, ohne sie völlig falsch wiederzugeben oder durch eingängigeren Unsinn zu ersetzen. Es kann außerdem andere Medien wie diesen Blog geben, wobei wie auch in der Hochschullehre die Gefahr droht, dass er für manche nicht tief genug geht, während er für andere bereits zu schwer und unverständlich erscheint. Das spricht aber nicht gegen solche Angebote, sondern für noch viel mehr auf ganz unterschiedlichen Niveaus und zu allen möglichen Themen.

2 Gedanken zu „Wissenschaftskommunikation ohne Zwang

    • Es ist leichter, fremde Beiträge zu beurteilen als eigene zu verfassen. Außerdem müssen Wissenschaftsjournalisten gar nicht alles an Fachbeiträgen beurteilen, sondern können sich dabei auf die wissenschaftliche Gemeinschaft verlassen. Ihre Aufgabe ist es, die für die Zielgruppe wichtigsten Beiträge zu identifizieren, deren wesentlichen Inhalt zu erfassen und verständlich für ihr Zielpublikum darzustellen.

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