Parteien räumten konservative Positionen

„Die Rechte vernichtet den Konservatismus“, ist eine These, die auf den ersten Blick international Bestätigung findet:

Die Tories in Großbritannien, die Republikaner in den Vereinigten Staaten sind nur noch Karikaturen dessen, was sie früher einmal waren. In Ländern mit Mehrheitswahlrecht […] haben sich rechtsextreme Parteien gebildet, die den Konservativen die Wähler abjagen: die Lega in Italien, Vox in Spanien, der Front National in Frankreich, die AfD in Deutschland.

Richtig ist, dass die neuen Rechten nicht konservativ sind (siehe auch ‚Was bedeutet konservativ heute?‘):

Diese neuen Kräfte auf der Rechten sind alles andere als konservativ. Es handelt sich ganz einfach um reaktionäre Nationalisten.

Für nicht richtig halte ich jedoch die Ansicht, dass ganz plötzlich von außen eine neue rechte Gefahr für die Konservativen und letztlich die gesamte Demokratie entstanden wäre. Die „Verdrängung der konservativen Seite der CDU“ geschah z. B. nicht von rechts außen, sondern von links oben. Frau Merkel und ihre Getreuen haben aus der einstmals bürgerlichen CDU mit sowohl einem starken konservativen als auch liberalen Flügel eine linke Partei gemacht. Damit ließen sich insbesondere der SPD Stimmen abnehmen und neue Koalitionen schmieden, aber es tat sich eben rechts von der CDU und zunehmend auch CSU eine Lücke auf, die von einer erst gemäßigten und nun radikalisierten AfD gefüllt wurde.

In den anderen genannten Ländern war es ähnlich, dass jeweils die konservativen Eliten versagt oder ihre Positionen geräumt haben. Die konservativen Wähler stehen nun vor dem Dilemma, entweder links oder rechtspopulistisch wählen zu können, aber kein originär konservatives Angebot mehr vorzufinden (und häufig auch kein wirklich liberales). Die entscheidende Frage lautet nun, ob durch die Nachfrage ein neues Angebot entsteht oder die Nachfrage selbst verschwindet in einer Polarisierung von radikalen Positionen, die grundsätzlich nicht konservativ sind.

28 Gedanken zu „Parteien räumten konservative Positionen

  1. In diesen Betrachtungen „konservativ“, „liberal“, „links“, „sozial“ usw. stelle ich mir immer wieder die Frage :

    Kann man oder besser darf man das heute noch so bei allen politischen Themen pauschal einstufen ?
    Oder ist es nicht vielmehr so, dass die Mitmenschen z.B. bei Zuwanderung konservativ denken, hingegen bei Steuern sozial oder links ?
    Wollen linke oder konservativ denkende Mitmenschen nicht ehr eine liberale IT Infrastruktur ?

    Durch die umfangreiche Einbindung von mehr Mitmenschen im öffentlichen Dialog zu politischen Themen, ist es überhaupt richtig konservative oder linke Parteien zu haben ?

    Ist es so zu erklären, dass immer mehr Parteien eigentlich zu „Ein Themen“ Parteien werden ?

  2. Lieber Herr Prof. Dilger: Mussten Sie so einen Unsinn schreiben, weil Sie von der Antifa in Münster bedroht wurden…?

    • In Münster ist tatsächlich eine Hochburg weltfremder Linksradikaler. Überall auf den Uni-Toiletten Antifa-Aufkleber (allerdings sieht man das auf vielen Unis). Und von dem grotesk linksdominierten Stadtrat bracht man erst gar nicht zu reden. Es war bundesweit der einzige Wahlbereich, in dem die AfD bei der BTW 2017 die 5%-Hürde knapp verfehlte. Auch wenn ich mich ja über Herrn Dilgers mangelnde Einsichten hinsichtlich Offensichtlichem häufig ärgere, so muss man Ihm doch Respekt zollen. Anders als wir beide schreibt er nicht unter Pseudonym und muss sich aus beruflichen Gründen in einer links-liberal bis links-radikal dominierten Umgebung behaupten. Das bedeutet natürlich nicht, dass das was wir hier äußern in irgendeiner Weise anstößig wäre. In vielen Ländern der Welt, auch in unseren osteuropäischen Nachbarländern, sind dies normale Positionen der politischen Mitte.

    • Das ist weder Unsinn noch werde ich von der Antifa bedroht. Was halten Sie überhaupt für Unsinn an meiner Argumentation im Gegensatz zu der von Herrn Stein? Wollen Sie ernsthaft bestreiten, dass die etablierten Parteien konservative Positionen geräumt haben? Wahrscheinlich denken Sie umgekehrt, dass AfD & Co. konservativ seien. Für Teile mag das noch zutreffen, aber was ist z. B. an den Herren Höcke und Trump konservativ?

      Ich wende mich gegen politische Korrektheit von links und rechts, dass man die Dinge nicht mehr beim Namen nennen darf (wenn z. B. die DDR nicht mehr Unrechtsstaat genannt werden soll, weil das die Gefühle von SED-Anhänger verletzten könnte). Sie können dann doch immer noch zu anderen Schlüssen kommen, z. B. dass honoriger Konservatismus zu schwach wäre und die unfeinen Mittel der Linken kopiert werden müssten.

  3. Ein typischer Springerverlagsartikel, der nicht nur sachlich vor Fehlern strotzt, sondern auch klar tendenziös ist und einer altbekannten Agenda folgt. Dass es sich hierbei um einen Kommentar handelt, macht die Sache auch nicht wirklich bessser.

    Das fängt schon damit an, dass er gleich allen möglichen Kritikern des Status Quo Nationalismus unterstellt. Entweder aus Unwissenheit, oder wie ich bei der Agenda seines Auftraggebers (Springer-Konzern) annehme, aus voller Absicht. Dabei geht es beim Nationalismus um eine Verächtlichmachung und Herabwürdigung anderer Nationen und Nationalstaaten, sowie im Extremfall deren Infragestellung. Dass Derartiges nicht Teil der AfD-Poliitk oder der FN-Poltik ist, sollte mittlerweile selbst ein blinder Taubstummer mitbekommen haben.

    Desweiteren stellt er altbekannte Strohmänner auf und verneint Offensichtliches. Dass alle Altparteien und große Teile der westlichen Eliten aus Politik, Medien und supranationalen Organisationen (EU, UN) mehr oder weniger an einem Strang ziehen, ist doch ziemlich offenkundig. Sehr gut konnte man dies bei dem UN-Migrationspakt sehen.

    In Deutschland koaliert die Union mit jedem, sehr gerne und immer häufiger auch mit den Grünen. Nahezu alle Grünen-Ideen werden von der Union in die Tat umgesetzt. Von allen Altparteien (in Deutschland und außerhalb) wird eine stetige Zentralisierung und Souveränitätsabgabe an die EU forciert. Alles ohne hinreichende demokratische Legitimation. Der Verrat an der eigenen Bevölkerung findet seit den 60ern überall in Europa in einem parallen Ablauf unter unterschiedlichen Überschriften statt. Bei uns wurde der irreführende Begriff Gastarbeiter entwickelt, in England und Frankreich wurde der Bevölkerung eine angebliche Notwendigkeit auf Grund der kolonialen Vergangenheit aufgetischt. Alles lief parallel ab, nur unter unterschiedlichen Begriffen. Abgestimmt wurde nie darüber. Auch heute dieselbe Verschleierung und Irreführung auf allen Ebenen: Kompetenzabgaben an die EU, Eurorettung oder Masseneinwanderung und geltende Asylgesetzbrechung….

    Nein, was hier in Europa vor sich geht ist ein historisch beispielloser Akt. Binnen weniger Jahrzehnte finden ohne Volksabstimmungen gigantische Transformationsprozesse statt. Alle souveräne Autoritäten, wie Nationalstaaten, werden abgewickelt und unmündig gemacht und in multikulturelle ununterscheidbare tribalisierende Vielvölkerstaatengebilde transformiert. Mit dem Ziel: Vereinigte Staaten von Europa, bei der nur noch eine kleine Machtelite das Sagen hat. Dies ist nicht ein organischer gewachsener Prozess, den man als bürgerlich oder konservativ bezeichnen könnte, sondern eine radikal-globalistische kulturmarxistische Revolution von oben.

    Allen ängstlichen Konservativen kannn ich nur sagen: Diese Pseudo-Konservativen Kommentatoren bei der Welt und bei der FAZ haben genauso wenig für eure Anliegen übrig, wie die CDU. Ihr Ziel ist nur das der Zerstreuung und der Zementierung des Status Quo. Konservative Stimmen sollen verängstigt, und wieder bei der Union politisch neutralisiert werden.

    Der ganzen These liegt überhaupt ein Denkfehler zugrunde. Warum wurden die Unionsparteien immer linker? Weil die Konservativen sich nicht der aufkommenden linksgrünen Diskurshegemonie widersetzt haben. Jetzt könnte man diskutieren, warum die vormals konservativen Altparteien dies taten. Warum sie plötzlich die linksradikale „no border no nation“ Ideologie in die praktische Politik umsetzten. Entweder, man nahm aus mangelnder politikwissenschaftlicher Unkenntnis und aus Opportunismus nicht den Kampf mit der links-grünen Ideologie auf, oder aber die gesamten „konservativen“ Altparteien in West-Europa dienen schon seit Jahrzehnten nur noch der Agenda globaler Eliten und verhelfen der alles Bestehende zersetzenden Ideologie der Alt-68er zur Umsetzung…

    • Müsste man nicht früher ansetzen und sich fragen, warum überhaupt eine linksgrüne Diskurshegemonie entstanden ist? Das ist doch der Schlüssel; in dem Moment, in dem solch eine Hegemonie existiert, können die Parteien nur noch darauf eingehen, ohne selber marginalisiert zu werden.

  4. Das klassisch Konservative lässt sich in Großstaaten nach napoleonischem oder preußisch-zentralistischem Vorbild einfach nicht bewahren. Regionalisierung ist die Zauberformel!

    • Subsidiaritätsprinzip!
      Katholische Soziallehre!
      Kritischer Realismus!
      Aber damit können selbst gebildete Leute heute nichts mehr anfangen…!?! 😦

      • Das stimmt wohl leider. Der napoleonisch-preußische Zentralstaatswahn hat schon zu viele erfasst. Sogar die einst so auf Bayern bedachte CSU beugt sich dem Berlinstaat und der EU. Nix mehr „Mia san mia“.

  5. Viele gute Argumente- danke! CDU/CSU und FDP und AfD kommen nach neuen Umfragen auf zusammen 50%. Das sollte doch Potential für 2 oder 3 weitere Parteien sein: Konservativ, Liberal, Katholisch oder sonst was. Prof. Lucke hat das doch mit seiner ersten Parteigründung auch geschafft. Und die AfD sahnt doch nicht nur bei Ex-Wählern der Union und der FDP ab, sondern sehr stark bei früheren Nichtwählern und auch bei Ex-Wählern von Rot-Rot.

    • Ich sehe zwischen der umverteilungssozialistischen CDU und der AfD eigentlich auch noch reichlich Platz für eine vernunftsorientierte Partei. Aber die wird nicht vom Himmel fallen, wenn es nicht einmal der FDP gelingt dieses Vakuum zu füllen, obwohl sie doch – von ihrem aktuellen „Spitzenpersonal“ abgesehen – alle Voraussetzungen dafür erfüllen würde.

    • In Bayern sind im März 2020 auch Kommunalwahlen, ABER …

      Interessanterweise hat es die AfD 2013 geschafft, innerhalb weniger Wochen nicht nur Partei zu werden, sondern alle Voraussetzungen für die Teilnahme an der Bundestagswahl zu erfüllen.
      Heute (fast sieben Jahre später und mit drei mal so vielen Mitgliedern) bekommt sie es in Bayern in den meisten Gemeinden nicht einmal auf die Reihe, überhaupt Listen für die Kommunalwahlen aufzustellen. Der empfundene Handlungsdruck scheint also selbst in der AfD nicht (mehr?) all zu groß zu sein.

      • Frau Miazga wird viel zu tun haben, die AfD Bayern wieder aufzubauen, bis zur Kommunalwahl 15.3.20 wird es knapp. – In NRW ist es gelungen, den nur scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch des Flügels zu stoppen und einen recht vernünftigen Landesvorstand zu wählen. – Mit Blick auf die Kommunahlwahl am 13.9.20 in NRW wird es interessant sein, welche bürgerliche Wählgemeinschaften etwa in Dortmund und anderen Großstädten antreten.
        Und in Hamburg dürfte es schon im Februar 2020 das zweite Land mit grüner Regierung geben, dort reicht es wohl locker zu grün-rot, die zusammen mit den Linken in einer Umfrage eine Zweidrittelmehrheit hatten. Unfasslich, dass bürgerliche Politik in westdeutschen Großstädten inzwischen fast chancenlos ist.

      • „In NRW ist es gelungen, den nur scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch des Flügels zu stoppen und einen recht vernünftigen Landesvorstand zu wählen. “

        Das stimmt doch nicht. Es gibt keinen „unaufhaltsamen Vormarsch des Flügels“. Das ist eine durchgekaute Legende der Altmedien und Altparteien, die durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer wird. Mal ganz davon abgesehen, dass es gar nicht DEN Flügel gibt. Es gibt nur diejenigen, die 2015 mal die „Erfurter Resolution“ unterzeichnet haben und auch die haben das nicht selten nur dem damaligen Anlass entsprechend getan. Desweiteren gibt es noch diejenigen, die das ein oder andere Mal das Kyffhäusertreffen, zu dem JEDER hingehen kann, besucht haben.

        Ja es mag erklärte Höcke-Sympathisanten geben, häufig ist der Sachverhalt aber nicht derart schwarz-weiß, wie es Kamann von der Welt, eine Ammann vom Spiegel oder linksradikale „Rechtsextremismusforscher“ glauben. Viele Mitglieder und Sympathisanten möchten einfach keine FDP 2.0, 90er Jahre CDU oder eine opportunistische Wetterfähnchen-Partei nach Pretzell-Vorbild. SIe wollen dies unter anderem deshalb nicht, weil sie sich mit Metapolitik, Diskursherrschaft und korrumpierten Parteiensystemen befasst haben und eine grundsätzliche politische und auf den Parlamentarismus einwirkende Diskursverschiebung wollen. Nur weil man betreffend der letzten Jahrzehnte deutscher Politik sehr grundsätzlich kritisch ist, ist man noch nicht leicht ein unkritischer Höckeanhänger oder gar Rechtsextremist.

        Die Mehrheitsverhältnisse in der AfD-NRW haben sich gar nicht groß verändert und sind seit ein paar Jahren etwa gleich. Jetzt dominiert ein Pretzell-naher Altlasten Vorstand, der nur von 60% der DELEGIERTEN (also nicht der gesamten AfD-NRW) gewählt wurde mit verhältnismäßig knapper Mehrheit die gesamte AfD-NRW.

        Ich bin kein Mitglied und nur AfD-Wähler aus NRW (seit Anbeginn an!) aber ein Pretzell 2.0 Vorstand, der vom Welt-Kamann gelobt wird und dem jemand vorsteht, der von metapolitsichen und vorpolitischen Zusammenhängen keine Ahnung hat, muss ich mir bei der nächsten Wahl wieder regelrecht schön-trinken. Auch mit diesem Vorstand wird die NRW-AfD meine Stimme erhalten, aber nur widerwillig. Mir geht es nicht um Höcke, wohl aber um einen grundsätzlich-alternativen-patriotischen und Altmedien und Altparteien kritsichen Ansatz. Und das Personal überzeugt da nur sehr bedingt. Leute wie Keith oder Jacobi waren doch schon Pretzells Stützen. Schiller hat zwar ein schwieriges Umfeld in MS, dafür muss man ihm auch Respekt zollen, dennoch gehörte er doch auch zum erweiterten Pretzell-Umfeld. Von Helferich habe ich eigentlich inhaltlich eine gute Meinung, jedoch hat er sich leider auch ziemlich einseitig spalterisch betätigt. Allerdings war es taktisch vom sogenannten rechten Lager auch unklug von Röckemann, den ich grundsätzlich gut finde, nochmal anzutreten, Hier hätte taktischer vorgegangen werden müssen. Jetzt haben wird den Salat. Wahrscheinlich wollten sich die alten Pretzell-Seilschaften schon in Position bringen für die nächtsten internen Aufstellungs-Wahlen für die LTW und BTW. Jedenfalls ist dies nur ein Pyrrhussieg, der die AfD-NRW nur einseitg abbildet und nicht befriedet. Von einem Mangel an intellektuellen und inhaltlich im Stoff stehenden Funktionären ganz zu schweigen…

      • @Patriot
        „Es gibt keinen “unaufhaltsamen Vormarsch des Flügels”. Das ist eine durchgekaute Legende der Altmedien und Altparteien, die durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer wird. Mal ganz davon abgesehen, dass es gar nicht DEN Flügel gibt.“

        Wie bitte?
        Ich kenne die AfD sehr gut von innen, bin seit Mitte März 2013 Mitglied und habe sowohl den ersten (den bayerischen) Landesverband als auch ihren allerersten Kreisverband (dessen Mitglied ich bin) mitgegründet und danach als Gründungsbeauftragter des Landesverbands noch eine ganze Reihe weiterer Gleiderungen in Bayern. Nicht errst als ehemaliges Mitglied des Konvents hatte ich Gelegenheit, die meisten AfD-Granden aus allernächster Nähe kennen zu lernen und weiß diese gut einzuschätzen. Die Behauptung, dass es „DEN Flügel“ gar nicht gebe, zeigt leider, dass Sie die Verhältnisse wohl nicht so gut kennen, wie man aus Ihren sonst doch erstaunlich gut informiert erscheinenden Beiträgen schließen könnte.
        Der „Flügel“ unterhält sogar einen Fanshop:
        https://www.derfluegel.de/2016/06/23/fluegelversand/
        Und das soll nur eine Fata Morgana sein?

      • @300sel

        Es hat sicherlich von 2013 auf Herbst 2015 eine inhaltliche Rechtsverschiebung der Partei gegeben, das bestreite ich auch gar nicht. Und natürlich bildet sich dies auch in der personellen Zusammensetzung ab, da ja 2015 viele relativ FDP-nahe Mitglieder die Partei verlassen haben. Aber vom Herbst 2015 bis heute hat es doch sowohl personell, als auch inhaltlich keine große Verschiebung mehr gegeben. Natürlich wird hier von Seiten des Establishments aus eigensüchtigen Gründen des Machterhaltes versucht etwas anderes zu zeichnen. Tatsache ist aber, alle als „besonders rechts“ dargestellten Akteure waren von Anbeginn an da und haben 2019 nicht wesentlich mehr Ämter und Funktionen, als sie diese 2015/16 auch bereits hatten.

        Sicherlich gibt es einen kleinen Kreis an festen Unterstützern des Flügels, die organisatorische Dinge erledigen. Hier handelt es sich glaube ich aber nur um ein oder zwei Dutzend Personen. Mehr nicht. Der Rest steht mehr oder weniger ideell der Erfurter Resolution, den Kyffhäusertreffen oder der Person Björn Höcke nahe, in unzähligen Abstufungen und ziemlich lose, da es keine Mitgliederlisten gibt! Bis vor einem Jahr gab es noch nicht einmal eine richtige Organisation, diese wurde nun durch „Obmännner“ nach dem Vorbild der Alternativen Mitte ergänzt. Ich persönlich habe diesen leichten Organisationsausbau kritisch gesehen, da die Fehler der Alternativen Mitte nicht widerholt werden müssen.

        Überhaupt ist auch aus „rechter“ und „grundsätzlich-kritischer“ Perspektive meiner Meinung nach mittlerweile der „Flügel“ nicht mehr so sinnvoll, wie er noch 2015 im Widerstand zu Lucke gewesen sein mag. Eine „Sache“ sollte immer der eigentlichen Agenda dienlich sein und nie nur dem Selbstzweck (Inszenierung, Kitsch, Personenkult, etc). Dieser groteske Popanz, zu dem mittlerweile (durch EIgenverschulden, aber auch aus Absicht von außen) das Thema „Flügel“ aufgeblasen wurde, behindert zunehmend die eigentlichen „rechten“ Anliegen. Auch diese Schreckgespenst-Legenden , die jedes sachlich-objektive Maß verloren haben, sind nur noch ein Bremsklotz.

        Eine Abschaffung oder zumindest ein massentauglicheres weniger Höcke-lastiges „Rebranding“ sollte man meiner Meinung nach mittlerweile in Betracht ziehen. Hans Thomas Tillschneider hat letztes Jahr die von ihm ins Leben gerufene „Patriotische Plattform“ aufgelöst, als er merkte, dass sie nicht mehr notwendig war. Dies war genau richtig. Man darf nie den Gegnern überflüssige Elfmetervorlagen liefern. Bestimmte Dinge haben zu einer bestimmten Zeit ihren Sinn, aber dieser muss immer wieder auf dem Prüfstand hinterfragt werden.

        Innerparteiliche Organisation mit dem Ziel ein Abrutschen der AfD hin zu einer FDP, CDU 2.0 zu verhindern ist richtig und wichtig. Dieses kann aber auch dezenter und ohne von außen angreifbares zum Teil kitschiges Brimborium erfolgen.

      • @Patriot
        „Hans Thomas Tillschneider hat letztes Jahr die von ihm ins Leben gerufene “Patriotische Plattform” aufgelöst, als er merkte, dass sie nicht mehr notwendig war.“

        Die „Patriotische Plattform“ (PP) war nichts anderes als eine Partei in der Partei. Auf Grund der hohen personellen Überschneidung mit dem „Flügel“ darf man wohl annehmen, dass sich ein und der selbe Personenkreis damit eine organisatorische Struktur schaffen wollte, mit der ein jederzeitiger Spin-off der Flügelleute möglich wäre. Eigentlich das selbe Muster, nach dem Bernd Lucke mit seinem „Weckruf“ vorgegangen ist, aus dem dann zunächst „ALFA“, später „LKR“ und schließlich „Bernd Lucke und die Liberalkonservativen Reformer“ wurde. Nicht gerade von Erfolg gekrönt, wie wir heute wissen. Da die PP nie den öffentlichen Bekanntheitsgrad des „Flügel“ erreichen hätte können, entschied man sich wohl, die PP durch den „Flügel“ zu ersetzen und hat begonnen, diesem eine Struktur zu verleihen. Was die zahnlose „AM“ damit zu tun haben soll, erschließt sich mir jedoch nicht.

      • @Patriot 10.10.: Den Herrn Röckemann habe ich auch kennengelernt. Ich halte ihn nicht für einen Rechtsextremen. Und grundsätzlich war es vor ein paar Jahren gut, dass er (und Herr Renner) zum Aufbrechen der Pretzell-Macht beigetragen haben. Nur: So viel tolles hat Hr. Röckemann nicht geleistet oder von sich gegeben, sondern eher schlichtes. Und schlimmer: Er hat gehofft, sich im Glanze Höckes zu sonnen bei gemeinsamen Auftritten mit ihm und versucht, sich einer bestimmten Klientel anzudienen. Und das ist ganz, ganz dünne und armselig.

  6. Andreas Walter: Eine bürgerlich-liberale Wählergemeinschaft in Dortmund könnte doch gut der – wie ich übrigens- in Dortmund wohnende Prof. Dilger anführen.

    • Wenn Ihnen Ihre Zeit dafür nicht zu schade ist (das Ergebnis lässt sich abschätzen), dann probieren Sie Ihr Glück. Ich drücke Ihnen trotz schlechter Prognose die Daumen! Probieren kann man es ja.

      • Wählergemeinschaften (WG) oder -Vereinigungen haben riesengroße Chancen bei Kommunalwahlen, wenn sie die Wahlkreise möglichst vollständig besetzen können (was in Kleinstädten anspruchsvoll sein kann). Die Leute haben so die Faxen dicke von den Altparteien und AfD geht für viele auch nicht, da wird gerne eine WG genommen und deshalb sind diese ja bei Kommunalwahlen häufig sehr erfolgreich.

  7. Gründen Sie doch eine liberale Autofahrer-Partei! Es gibt Millionen Autofahrer, die zusätzliche (Klima-)Steuern, noch mehr Vorschriften und Verbote, sowie diese ganze, derzeitige Weltuntergangs-Hysterie ablehnen.

    Mit einem knackigen, kurzen Programm und wenn noch ein paar bekannte Köpfe mitmachen würden (Typen wie Günter Jauch, und bekannte Spitzensportler wären perfekt) ist die 5%-Hürde bei der nächsten Bundestagswahl 2021 zu knacken…!

  8. Ach, der Hannes Stein. Der Autor des WELT-Artikels lebt schon länger in New York, will aber noch deutsche und europäische Politik gekonnt beurteilen können. Er beschwert sich über „reaktionäre Nationalisten“, schickt aber selbst seine Kinder auf eine jüdische Schule, damit sie ihre Identität bewahren, wie er selbst einmal schrieb. Identity politics for me, but not for thee, gerade dieser Doppelstandard der Anywheres ist doch einer der Gründe, warum die neue Rechte populärer wird und die gesellschaftspolitisch desinteressierten Liberalkonservativen an Boden verlieren.

    • Das sehe ich etwas anders. In einer Welt mit freiem Aufenthaltsrecht kann doch niemand gezwungen werden, sich den Erwartungen der Umverteilungssozialisten zu Liebe in der „Heimat“ kaputt besteuern zu lassen. Und das ist auch gut so.

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