Meinungs- und Debattenfreiheit gerade an Universitäten

„Political Correctness bringt Debatten an Unis zum Schweigen“. In den USA ist das schon länger ein Problem und in Deutschland wird es das nun auch. Zum Glück war ich selbst bislang nicht betroffen, doch ich kenne mehrere Fälle an verschiedenen Universitäten. Schon vor einem halben Jahr trat der Deutsche Hochschulverband bzw. „DHV gegen Denk- und Sprechverbote an Universitäten“ ein und verabschiedete eine Resolution „Zur Verteidigung der freien Debattenkultur an Universitäten“. Ich bin Mitglied des DHV, unterstütze das und zitiere zustimmend:

Universitäten sind Stätten geistiger Auseinandersetzung. Die Suche nach Wahrheit und Erkenntnis lebt vom leidenschaftlichen, heftigen und kontroversen Ringen um Thesen, Fakten, Argumente und Beweise. An Universitäten muss daher jede Studentin und jeder Student sowie jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler seine Forschungsergebnisse, Thesen und Ansichten ohne Angst zur Diskussion stellen können. Das Grundgesetz bindet die Freiheit der Lehre lediglich an die Treue zur Verfassung. Darüber hinausgehende Denk- oder Sprechverbote gibt es nicht. Wer die Welt der Universitäten betritt, muss akzeptieren, mit Vorstellungen konfrontiert zu werden, die den eigenen zuwiderlaufen. Zur Verkündung vermeintlich absoluter Wahrheiten taugen Universitäten nicht. Widersprechende Meinungen müssen respektiert und ausgehalten werden. Differenzen zu Andersdenkenden sind im argumentativen Streit auszutragen – nicht mit Boykott, Bashing, Mobbing oder gar Gewalt.

Zugleich bedeutet dies auch: Unkonventionellen, unbequemen, unliebsamen Meinungen müssen Universitäten ein Forum bieten, solange es Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Thesen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind. Damit ist unvereinbar, dass sich in letzter Zeit Ausladungen von Personen häufen, die vermeintlich unerträgliche Meinungen vertreten. Soweit es sich um den Versuch handelt, die Äußerung wissenschaftlicher Auffassungen zu unterbinden, ist das einer Universität nicht würdig. […]

Ihre wichtige Aufgabe, Debatten anzustoßen und zu strukturieren, können Universitäten nur ausfüllen, wenn sie nicht denjenigen nachgeben, die sie maßregeln wollen, am lautesten schreien, mit Gewalt drohen oder sie sogar anwenden. Für die Freiheit von Forschung und Lehre muss täglich neu eingetreten und gekämpft werden. Jede einzelne Wissenschaftlerin und jeder einzelne Wissenschaftler steht insofern in einer besonderen Pflicht. Staat und Universitäten sind dazu aufgefordert, sie dabei zu unterstützen.

7 Gedanken zu „Meinungs- und Debattenfreiheit gerade an Universitäten

  1. Statt des Einknickens von „Rektor*innen“ vor radikalisierten Studentengruppen- das z.B. vermutlich zu der Absage einer Veranstaltung zum Thema „TTIP“ mit Prof. Lucke durch die Uni Düsseldorf am 26.4.16 führte, gehören die Rädelsführer wegen Nötigung angezeigt und in Folge ggf. exmatrikuliert. Das ist eben der Trend seit den 70-igern, dass linksgeprägter anarchistischer Gewalt von der Exekutive wie der Rechtsprechung ein Motiv-Vorschuss eingeräumt wird. Darauf setzt anarchistische Gewalt, dass Bürger, die beruflich Schwierigkeiten erwarten, eher nachgeben. Mit dem Appell an Einsicht muss der DHV sich an Mitglieder wenden- die Anarchisten sind dafür ganz unzugänglich.

  2. Es ist halt schade, dass etablierte Professoren so wenig gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit tun. Es gibt hier zwei Lager. Das erste ist selber stark linksgrün geprägt und hat daher ein Interesse daran, rechten Meinungen keinen Raum zu geben. Das zweite hat Angst vor Repressionen, was bemerkenswert ist, da man als Beamter de facto unkündbar ist. Einfache Arbeiter müssten viel mehr fürchten, beim Vertreten von konservativen Positionen ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

    • Es gibt noch mehr Typen von Professoren. Manche sind aus Überzeugung für politische Korrektheit statt Meinungsfreiheit. Andere laufen mit, solange das Karrierevorteile bringt (wenn der Wind sich dreht, laufen sie dann in eine andere Richtung). Viele halten sich für unpolitisch und wollen sich heraushalten (obwohl das auch eine politische Position ist). Wenige sind genauso autoritär vom Gegenteil überzeugt. Schließlich gibt es Professoren wie mich, die für Meinungsfreiheit und offene Debatten eintreten. Denn Wissenschaftler zeichnet nicht aus, dass sie die absolute Wahrheit verkünden, sondern dass sie nach Erkenntnis streben und stets kritisch sind.

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