Manager wollen sich von Eigentümern emanzipieren

Es gibt ein neues „Statement on the Purpose of a Corporation“ vom Business Roundtable. Dieses wurde von 181 Topmanagern von US-amerikanischen Großunternehmen unterzeichnet. Für sich genommen klingt die kurze Erklärung fast selbstverständlich und trivial, doch tatsächlich handelt es sich um eine Abkehr vom Shareholder Value zu Gunsten des Stakeholder Value und damit um eine Art Aufstand. Denn die angestellten Manager sehen sich nicht mehr vorrangig den sie anstellenden Eigentümern verpflichtet, sondern betrachten diese als eine Anspruchsgruppe unter vielen. Die Manager wollen selbst entscheiden, wie sie der Gesellschaft insgesamt am besten dienen und die Interessen der verschiedenen Anspruchsgruppen gegeneinander abwägen bzw. in Wirklichkeit ihre eigenen Interessen am meisten befördern, ohne noch wirklich gegenüber jemandem verantwortlich zu sein.

Dabei ist der Interessensgegensatz zwischen den Stakeholdern zu einem Großteil konstruiert, während die Sonderinteressen der Manager real sind. Es ist durchaus im Interesse der Eigentümer, dass das Unternehmen sich an seinen Kunden orientiert und deren Wünsche (gegen entsprechende Zahlungen) befriedigt, seine Beschäftigten und Lieferanten gut behandelt (und im Gegenzug gute Leistungen verlangt), sich an die bestehenden Gesetze hält und auf die Umwelt Rücksicht nimmt. Kurzfristige Maßnahmen zur Steigerung des Aktienkurses sind hingegen gar nicht im langfristigen Interesse der Aktionäre, sondern auch wieder ein Sonderinteresse von Managern bei imperfekten Anreizen.

Manager sind keine Politiker, die demokratisch gewählt werden, um das Gemeinwohl im Blick zu haben (auch wenn diese ebenfalls häufig lieber ihre Eigeninteressen verfolgen). Sie sind Angestellte der Unternehmen und damit von deren Eigentümern. Sie sollen nicht öffentliche Beliebtheit anstreben, sondern ihren Job und mit anständigen Produkten bzw. Dienstleistungen Gewinne machen. Denn wenn sie die wohlverstandenen und langfristigen Interessen der Eigentümer vertreten, fördert das auch das Gemeinwohl am meisten, insbesondere wenn es gute Gesetze gibt und Wettbewerb zwischen Unternehmen herrscht (siehe auch „What companies are for“).

11 Gedanken zu „Manager wollen sich von Eigentümern emanzipieren

  1. Ob Nieten mit oder ohne Nadelstreifen. Das Problem nicht inhabergeführter Unternehmen wird immer ein ähnliches wie das der „parlamentarischen Demokratie“ bleiben. Die angestellten Manager machen sich die Company ebenso zur Beute wie Politiker den Staat. Je größer das Schiff, je anonymer die Kunden, Eigner oder Wähler, desto ausgeprägter ist dieses unheilvolle Raffke-Phänomen. Das ach so „soziale Wesen“ Mensch ist eben nicht wirklich im Stande zu abstrahieren.

  2. Wunderbar: Jetzt keine geplante Obsoleszenz mehr ! Kein Verhungern lassen von Besitzern älterer Smartphones, Druckern usw. wegen eingestellter Software-Versorgung mit der Folge der Erzeugung vieler Tonnen Elektroschrotts. Da sind nicht nur die Kunden, sondern auch die Klima-Aktivisten begeistert. Angeblich auf Betreiben der Finanz-Branche bereitet die Europäische Kommission derzeit eine Richtlinie mit Vorgaben für die Umweltverträglichkeitsprüfung von Investitionen vor. Wie derzeit schon bei manchen Grünen Fonds wird da Gutes Gewissen mangelnde Rentabilität überdecken. Das Gute Gewissen ist das künftige Geschäftsmodell in Europa. Über die Darstellung in den Bilanzen wird der Kommission auch noch etwas einfallen.

  3. Zum größten Teil sind die Kunden eines Unternehmers doch die Stakeholder. Es gibt auch Stakeholder,die Shareholder sind. Das war doch schon immer so und ist das primäre Standbein einer Firma. Der Shareholder ist Anteilsinhaber ohne Einfluss auf die Entwicklung. Das war auch schon immer so, und so verstehe ich jetzt nicht das Thema einer zukünftigen Änderung. Wenn die Shareholder abgehängt werden sollen, braucht eine Firma doch keine Dividenden mehr zu zahlen oder kann ganz auf werthaltige Papiere verzichten.

    • Es ist zwar schwierig, aber wenn die Unternehmensführung zu schlecht oder dreist wird, kann sie von den Aktionären ausgetauscht werden. Vermutlich wollen sie das jetzt noch weiter erschweren.

      • Ja klar. Enteigung erfolgreicher Unternehmer und ihrer Mitunternehmer. Aktionäre und Unternehmer sollen die Unternehmen nur noch durch die Verlustzone tragen, danach werden sie enteignet. Tolles Konzept. Passt gut zum gegenwärtigen Zeitgeist.

    • Und woher soll dann Ihrer Meinung nach das für die Gründung des Unternehmens erforderliche Kapital kommen? Wer trägt die unternehmerischen Risiken?

  4. Das ist die Geschäftsidee 2019 im Dilger Blog:
    Wir gründen einen gemeinnützigen Verein zur Förderung von Stakeholder Value unter besonderer Berücksichtigung des Klimawandels. Wir finanzieren uns mit Studienaufträgen und Zuschüssen der Frau Bundesumwelt-Minister Schulze. Ferner tragen wir auf der Basis des Erwerbs EINER Aktie auf Hauptversammlungen unser Anliegen firmenbezogen vor, erheben dort Umfragen und können dann auch Firmenspenden von solchen Unternehmen erwarten, die in unserer Beurteilung eher günstig dargestellt werden. Die Belange des Vereins werden – schon wegen der Fülle der Hauptversammlungen – von Regional-Geschäftsführern wahrgenommen. Die Studien wird der Verein nach Ausschreibung bevorzugt an das Institut für Organisations-Ökonomik an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster vergeben und dort die Drittmittel-Einwerbung erleichtern.

  5. Die Manager wollen selbst entscheiden, wie sie der Gesellschaft insgesamt am besten dienen und…

    Dieser Bullshit könne auch aus dem linksgrünen Schandmaul von A. Merkel stammen…!?!

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