Deutsche Wirtschaft schrumpft mal wieder

Es ist das deutsche „Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal 2019 um 0,1% gegenüber dem Vorquartal gesunken“. Zum letzten Mal war das im 3. Quartal 2018 der Fall. Wenn die Wirtschaft (mindestens) zwei Quartale hintereinander schrumpft, wird das als Rezession bezeichnet. Eine solche hatte Deutschland zuletzt 2009 und ist diesmal Schlusslicht in der Eurozone. Eine Rezession droht jetzt wieder (wenn auch weniger schwer), da auch das aktuelle Quartal und wichtige Konjunkturindikatoren nicht so rosig aussehen. Hauptgrund für das aktuelle Schrumpfen (bei zunehmender Beschäftigung, also noch stärker schrumpfender Produktivität) sind zurückgehende Exporte durch große Risiken im Welthandel, insbesondere durch den Handelskonflikt der USA mit China, aber z. B. auch durch die Unsicherheiten eines möglichen Brexit. Daneben hinterlassen die staatlichen Angriffe gegen die Automobilindustrie ihre Spuren und geht auch die Bautätigkeit zurück.

Die Wachstumsraten sind übrigens preis-, kalender- und saisonbereinigt. Ohne Kalenderbereinigung (diesmal gab es einen Arbeitstag weniger) hätte es auch im Jahresvergleich ein Nullwachstum gegeben (mit der Bereinigung ein Wachstum um 0,4 Prozent). Ohne Saisonbereinigung wäre auch das 1. Quartal gegenüber dem 4. Quartal 2018 gefallen (mit der Bereinigung gab es ‚Geringes Wachstum nur durch den Staat‘), so dass wir schon mitten in der Rezession wären. Schließlich kann ‚Investieren gegen die Rezession‘ helfen, aber bitte auch langfristig sinnvoll, was angesichts des großen Investitionsstaus durchaus möglich wäre, doch mit der aktuellen Regierung vermutlich nicht passieren wird.

13 Gedanken zu „Deutsche Wirtschaft schrumpft mal wieder

  1. Die Rezession kommt und zwar weltweit, ein sicherer Indikator sind die inversen Zinskurven in den USA und Großbritannien. Der DAX reagierte sofort und stürzte gestern um 2,19% bzw. 257 Punkte ab. Der Dow fiel um mehr als 3%. Der Goldkurs reagiert schon länger auf die Nullzinsen. In den letzten 5 Jahren ist er in Euro um 38,2 %, seit einem Jahr um 29 % und seit Jahresbeginn um 17,79% gestiegen. Der deutsche Sparer hätte also eine Alternative gehabt und in der kommenden Wirtschaftskrise wird Gold als sicherer Hafen weiter nachgefragt werden.
    Alle reden über das Klima, aber tatsächlich muss man sich große Sorgen um das Wirtschaftsklima machen. In der deutschen Exportindustrie werden Kurzarbeit und Entlassungen die Themen bestimmen. Aber auch Saturn und Media Markt leiden unter hohen Verlusten. Die Deutsche Bank liegt schon länger am Boden und das Geschäftsmodell der Sparkassen funktioniert auch nicht mehr.. Was Gerhard Schröder mit dem Niedriglohnsektor begann, hat Merkel mit ihrer Politik sehr „erfolgreich“ fortgesetzt. Nun schlägt sich der Niedergang auch in den Wirtschaftsdaten nieder. Wer die Rezession nach Keynes mit noch mehr staatlichen Schulden bekämpfen will, erhöht nur die jetzt schon schwindelerregende Fallhöhe. Sollten die Notenbanken nun „all in“ gehen, werden sie vielleicht ein Strohfeuer entfachen, aber über kurz oder lang die Kontrolle komplett verlieren. Durch die falsche Politik werden riesige Geldmengen fehlgeleitet. Beispiel: Elektromobilität oder Windenergie. Kurzum: Auch die größte Blase der Wirtschaftsgeschichte – die Schulden Chinas – droht damit, im Rahmen der sich abzeichnenden weltweiten Wirtschaftskrise und des Handelskrieges mit der USA, zu platzen. Kurzum: ich gehe nicht davon aus, das wir nur eine „weniger schwere“ Rezession erleben, sondern befürchte eine sehr schwer Zeit auf uns zukommen..

    • Wahrscheinlich kommt es jetzt zu einer leichten Rezession in Deutschland, doch ganz sicher ist das noch nicht. Davon zu unterscheiden sind die Risiken eines tiefen Wirtschaftseinbruchs, sei es global oder hausgemacht in Deutschland. Beides ist möglich, ist aber getrennt von der aktuellen Wachstumsdelle zu sehen.

  2. Herr Nadolny, genau so sehe ich das auch. Was droht, ist nicht nur eine Delle. Die Weltwirtschaft trägt das ihre dazu bei. Auch wenn die Eskalation der Zölle gestoppt ist, die Unsicherheit bleibt. Die lockere Geldpolitik der EZB ist beitragend, genau so die Aktionen der FED. Das Instrument der Geldpolitik wurde ja schon oft angewendet, und es zeichnet sich ab,dass es nicht mehr effektiv ist. Boris Johnson wird einen weiteren Nagel in den Sarg schlagen.
    Was sollte man in Deutschland tun? Ich meine, Deutschland sollte Schulden machen. Bei Schulen, Pflege und Polizei zum Beispiel wurde zu lange gespart. Hier könnten Personalausgaben sinnvoll erhöht werden. Die Sanierung unserer Infrastruktur können und sollen wir zwar angehen, aber diese Ausgaben würden erst mittelfristig wirksam. Bei nahezu null Kosten sollten wir Schulden machen. In den USA und anderen Ländern hat man von Niedrigzinsen massiv Gebrauch gemacht. Nur die deutschen Finanzminister tragen die schwarze Null wie ein Mantra vor sich her. Unsere Erfahrung müsste doch ausreichen, mal hierzu ein Modell zu erstellen.

    • Herr Nadolny ist wohl kaum auf neue Schulden aus. Diese müssen auch irgendwann beglichen oder zumindest durch neue Schulden ersetzt werden, bei denen die Zinsen dann wieder deutlich höher sein können. Bei echten Investitionen wäre das kein Problem, doch bei reinem Staatskonsum (z. B. noch deutlich höhere Sozialausgaben durch ein bedingungsloses Grundeinkommen oder Pseudoinvestionen in Windrädchen) schon. Theoretisch könnte der Staat das Geld auch bunkern und von den negativen Zinsen profitieren. Betriebswirtschaftlich ist das eine echte Arbitragemöglichkeit, doch volkswirtschaftlich ist das zweifelhaft.

      • Ein Schuldgeldsystem muss exponentiell wachsen können, so wie ein Krebs. Deshalb braucht es immer wieder Nachschuldner, Nur kann man niemanden zwingen, sich zu verschulden, Also macht es der Staat, um das System am laufen zu halten. Die Staatsbürger müssen die Staatsschulden über steigende Steuern tilgen. Dazu werden notfalls auch neue Steuern erfunden (z.B. CO2). Paul C. Martin hat das schon vor vielen Jahren so formuliert: „Aufschulden bis zum Ende – heisst das Spiel und nicht Durchlaufen von Zyklen.“ Richtig, ich bin nicht für neue Schulden, aber das interessiert natürlich weder die EZB noch die Politik. Neue Schulden werden wohl kommen bis das Spiel aus ist und was dann passiert hat meine Oma 2 x erlebt und jedes mal mit einem vorgeschalteten Weltkrieg. Nur diesmal sind die Schulden viel größer als zu Omas Zeiten und damit auch die Fallhöhe. Sollte es in Deutschland keinen flächendeckenden mehrwöchigen Stromausfall geben, dann wird der Niedergang wohl sehr langsam ablaufen. Deutschland wird immer mehr Schulden machen müssen, bei immer weniger Wirtschaftswachstum. wenn das Ende des Geldsystem weiter hinausgezögert werden soill. Die Macht der Politik wird mit wachsender Steuerlast zerpröseln. Die Macht der organisisterten Kriminellen wird zunehmen, verschiedene Gruppen werden um die Macht in Deutschland kämpfen. Im Worst Case Szenario wird es zu einem Bürgerkrieg kommen. Überleben kann man den nur auf dem Land.

      • Die Wirtschaft wächst ebenfalls exponentiell (wenn auch nicht im Moment), ebenso die Inflation. Problematisch wird es doch nur, wenn die Schulden viel schneller wachsen und viele Schuldner sie irgendwann nicht mehr bedienen können. Solange es Null- und Negativzinsen gibt, passiert das jedoch kaum, sondern erst nach einem Zinsanstieg, nach dem es momentan nicht aussieht. Trotzdem reduziert die Bundesrepublik Deutschland ihre offenen Schulden, während steigende Staatsschulden gerade bedeuten würden, dass die Bürger weniger Steuern zahlen müssen bei gleichen Staatsausgaben.

    • Horst Krebs sagte am 15/08/2019 um 12:59 :“ . . . Ich meine, Deutschland sollte Schulden machen. Bei Schulen, Pflege und Polizei zum Beispiel wurde zu lange gespart. Hier könnten Personalausgaben sinnvoll erhöht werden. . . .“
      Vergessen Sie die impliziten Schulden der Öffentlichen Hand nicht !
      https://t1p.de/jeuj6e (Statista).

      • Leider kann ich den kostenpflichten Inhalt nicht einsehen, doch die Grundidee ist einfach: Der Staat hat nicht nur die offene Staatsverschuldung in Form von Staatsanleihen zu bedienen, sondern auch viele Zahlungsversprechen z. B. in Form von Pensionszusagen gegeben. Konjunkturell wirken diese übrigens schwächer, da die Zahlungen erst in der Zukunft liegen (die direkte Staatsverschuldung wird in der Regel sofort verausgabt).

  3. NEU: Scholz‘ Mogelpackung Soli:
    Nach dem bei Reuters vorliegenden Gesetzentwurf werden Selbständige, Freiberufler (!) und Unternehmer weiter auf unbegrenzte Zeit den Soli bezahlen. Ohne geringste Kürzung oder Senkung.
    Mit dem Soli werden weiterhin auch Dividendensparer belastet, unter ihnen auch Rentner. Freibetrag nur 850 EUR und nicht 16.000, wie Scholz behauptet. Auch der Altmaier-Entwurf ist nicht wesentlich besser, die Entlastung soll erst 2026 kommen.
    Für die Leute die Arbeitsplätze schaffen, und für die die Einsparung des Solis durchaus mal die Einstellung von 3-4 Lehrlinge zusätzlich darstellen kann.

    • Dafür will Herr Scholz doch jetzt SPD-Vorsitzender werden, was er zuvor noch kategorisch ausschloss. Er ist jetzt der prominenteste Bewerber, aber kaum der beste. Die SPD wird demnächst einstellig und muss dann wegen der Fünf-Prozent-Hürde zittern.

      • Olaf Scholz ist eben der neue Martin Schulz. Passt doch.

    • @Dr. Konorza

      Es ist, wie Sie es beschreiben: Der Mittelstand wird weiter kaputt besteuert. Die mittelbaren Folgen dieser suizidal-sozialistischen Abgabenpolitik werden aber alle treffen. Nur ein Narr sägt an dem Ast, auf dem er sitzt. Deutschland ist längst zum Narrenschiff geworden.

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