Neue Partei vom neuen Präsidenten gewinnt ukrainische Parlamentswahlen

Präsident Wolodymyr ‚Selenskyjs Partei gewinnt laut Prognosen Parlamentswahl‘ in der Ukraine. Seine neue Partei „Diener des Volkes (Sluha Narodu)“ wird mit ca. 44 Prozent der Stimmen stärkste Partei, benötigt aber einen Koalitionspartner, damit der recht neue Präsident und vorherige Präsidentendarsteller ohne eigene aktive Politikerfahrung (siehe ‚Selensky wird neuer Präsident der Ukraine‘) eine Chance bekommt, seine Wahlversprechen wie Wirtschaftsaufschwung, Korruptionsbekämpfung und vor allem Befriedung der Ostukraine umzusetzen.

Ich sehe große Parallelen zu Frankreich. Dort war der vorherige Investmentbanker Emmanuel Macron nur kurz Wirtschaftsminister, um dann als Außenseiter in die Stichwahl zu kommen und in dieser relativ leicht Präsident zu werden (siehe ‚Wahlen in Frankreich und Schleswig-Holstein‘). Gleich darauf hat er mit seiner neuen Partei die Parlamentswahlen gewonnen (siehe ‚Macron gewinnt auch die französischen Parlamentswahlen‘).

Es ist auf den ersten Blick überraschend, dass neue Personen und Parteien durch eine Direktwahl des Präsidenten größere Chancen bekommen, obwohl sie dabei die Mehrheit benötigen, während für den Einzug ins Parlament nach dem Verhältniswahlrecht viel weniger Stimmen genügen, neue Parteien aber kaum zu so großen Erfolgen kommen. Vermutlich haben Personenwahlen ihre eigene Dynamik und einem neuen Präsidenten wollen viele Wähler dann auch eine echte Gestaltungschance geben, weshalb sie zumindest anfangs auch seine neue Partei wählen.

Große Hoffnungen können jedoch auch leicht enttäuscht werden, wie ebenfalls Frankreich zeigt. Ich hoffe, dass die Ukraine in dieser Hinsicht einen anderen, besseren Weg geht, was jedoch keineswegs sicher ist. Ihre Probleme sind noch viel größer als die Frankreichs, aber es gibt auch große Chancen, die der ukrainische Präsident hoffentlich ergreift.

38 Gedanken zu „Neue Partei vom neuen Präsidenten gewinnt ukrainische Parlamentswahlen

  1. Wie Sie bereits richtig andeuten, drängen sich auch hier Parallelen zu Frankreich auf. In beiden Fällen wurden – (nur) scheinbar aus dem nichts heraus – neue Retortenparteien zügig aus dem Boden gestampft und mit frischem Führungspersonal versehen (Rebublic en marche, Macron/ Sluha narodu, Selenskyj). Nicht nur sehen beide plötzlich aufgetauchten (normalerweise braucht man in der Politik einen langen Atem) Spitzenpolitiker verblüffend ähnlich aus (hier wurde wohl auf mediale Vorzeigbarkeit geachtet) und haben ein ähnliches Alter, auch ihre Retortenparteien sind ohne einen massiven Medienpush undenkbar. In Frankreich wurde alles massiv medial begleitet und gefördert und auch in der Ukraine scheint dies ganz offensichtlich der Fall gewesen zu sein. Seine neue Partei trägt den Namen einer TV-Serie.

    Wie jeder weiß, ist eine große mediale Verbreitung gerade in der Startphase einer Partei enorm wichtig. Es muss erst einfach mal eine bestimmte kritische Masse erreicht werden, um politisch überhaupt relevant zu sein. Interessanterweise hat man dies in der Anfangsphase der AfD auch gemacht, wenn man bedenkt, wie oft Lucke eingeladen wurde. Natürlich wurde er anders als macron und wohl auch Selenskyj nicht gerade wohlwollend behandelt. Trotzdem hat dies der AfD enorm geholfen. Heute braucht die AfD die Mainstreammedien nicht mehr so besonders, in der Frühphase war dies aber enorm wichtig.

    Jetzt könnte man natürlich spekulieren, warum dies so gelaufen ist. Macron und auch Selenskyj, der sich natürlich für einen Eu-Beitritt ausgesprochen hat, sind ganz offensichtlich mit ihrer Agenda politisch gewünschte Kandidaten einflussreicher globalistischer Kreise, die die altbekannten Schwerpunkte (Ever-closer-union -VSE, Nato/transatalntische Bindung, Massenmigration durch open borders Politik, Interessenwahrung der Hochfinanz, etc) trotz einer zunehmenden Bevölkerungsunzufriedenheit weiterhin vor den „gefährlichen Populisten“ gewahrt wissen wollen. Hieran zeigt sich ganz deutlich das gefährliche und wettbewerbsverzerrende Demokratiedefizit westlicher Kartellmedien, die durch ihre massiven Block-Kampagnen (orchestriert und abgesprochen) notfalls jede Agenda und jeden Hype (Greta/ Rackete) durchgedrückt bekommen.

    Wer sich die Eignerstrukturen der westlichen Privatmedien anschaut, weiß, wie viel vom angeblichen Pluralismus übrig bleibt. Trotzdem bleibt es natürlich bis heute – auch für mich – ein Mysterium, warum an zumindest in der Anfangszeit der AfD eine kleine Chance geben wollte. Ob dies daran lag, dass man vorher schon die Piraten gepusht hatte, man weiß es nicht. Möglicherweise wollte man sich eine harmlose kleine 5-7% große kontrollierte Opposition heranziehen, die in einem kleinen Nischensegement – die FDP war ja gerade am schwächeln – etwas Vielfalt und Partizipation suggeriert. Zumindest Lucke schien ja auch so etwas vor zu haben, er sprach ja auch davon, dass die AfD eine 7% Partei sein sollte und gar nicht für mehr gedacht wäre. Dies alles kann natürlich Verschwörungstheoretikern Nahrung geben. Wie auch immer, dass Experiment „kontrollierte Oppposition“ – so es denn geplant war – ist mal gründlich schief gegangen. Daher auch die heutige Aggressivität inkl VS-Androhung. Zumindest in Frankreich sowie der Ukraine sind die Parallelen aber tastächlich verblüffend. Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, wann soetwas auch in Dutschland durchgezogen wird (besipielsweise als Ersatz für die SPD).

    • Das ist mir zu verschwörungstheoretisch. Die meisten Massenmedien sind offensichtlich nicht neutral, aber sie stecken auch nicht alle unter einer Decke einer großen Weltverschwörung, sondern folgen ihrer eigenen Funktionslogik. Eine neue Partei sollte nach diesen Regeln spielen und nicht gegen sie. Offensichtlich gab es anfangs Unterstützer für die AfD und insbesondere Herrn Lucke. Eine kleine Partei in Regierungsverantwortung kann auch mehr Macht haben als eine größere in Daueropposition, insbesondere wenn sie sich nicht rein opportunistisch verhält, sondern bestimmte Ziele ernsthaft verfolgt (wie die Grünen, auch wenn ich deren Ziele für ziemlich unvernünftig halte).

  2. Die Ukraine ist ein bettelarmes und ethnisch zerrissenes Land. Wir Deutschen und Europäer sollten uns dort heraushalten. Wie weit wollen wir Russland noch vor die Haustüre drücken?

    Geostrategisch sehe ich die Ukraine als Pufferstaat zwischen Russland und der NATO. Ich bin ganz bestimmt kein Russland- Fan, aber wir müssen die Russen auch nicht unnötig provozieren. Als Export-Nation brauchen wir Deutschen Partner überall auf der Welt. Unsere Kunden müssen zahlungskräftige sein, Freunde müssen es nicht unbedingt sein…

    • Der russische Präsident Putin hat die Ukraine dazu gebracht, kein Pufferstaat mehr sein zu wollen. Einen aolchen darf man nicht angreifen. Er zahlt einen hohen Preis für die erbeutete Krim.

      • So ist das nun einmal mit durch „Wiedevereinigung“ vereinnahmter Beute. Die Bundesrepublik Deutschland bezahlt auch einen viel zu hohen Preis für die (ohne Zustimmung ihrer eigenen Bevölkerung) erbeutete DDR.

      • Auch ohne formelle Volksabstimmung, die es in Deutschland leider nie gibt. waren fast alle dafür, wie auch die Wahlergebnisse 1990 zeigen. Herr Lafontaine hat in Ihrem Sinne gegen die Wiedervereinigung gestänkert und haushoch verloren.

      • Ich bin zwar ansonsten weiß Gott kein Fan des SPD-SED-Politkarrieristen Oskar Lafontaine, aber in dieser Angelegenheit haben sich seine Prognosen bewahrheitet. Auch wenn Lafontaine ein typischer Genosse ist, dumm ist er nicht. Aber Weitsicht wird in Deutschland nun einmal nicht belohnt. Der Deutsche MIchel ist es gewohnt, dass Politiker, die ihn vertreten sollen, nicht an sein Wohl, sondern ausschließlich an ihre Wiederwahl denken.

      • Das ist doch lächerlich. Der Genosse lag völlig falsch. Die historische Leistung von Helmut Kohl lag darin, diese Chance zur friedlichen deutschen Wiedervereinigung genutzt zu haben. Seine drei größten Fehler waren die wirtschaftliche Abwicklung der DDR, die Vereinbarung des Euro und der Aufbau von Frau Merkel.

      • Schlimm genug.

        Und welchen Nutzen sehen Sie in dieser überstürzten „Wiedevereinigung“?
        Nur Ossis leben weiter in ihrem gewohnten Trott, den sie schon kennen (der Staat bevormundet alle).
        Als Bundesbürger der alten BRD haben wir nichts gewonnen, sondern nur viel Geld bezahlt und verlieren jetzt auch noch unsere Freiheit.
        Cui bono?

      • @francomacorisano

        Mag sein. Aber aus völllig anderen Gründen.

      • @300sel

        Ich habe ja schon an anderer Stelle erwähnt, dass ich Ihre kritischen außenpolitischen und geopolitischen Ansichten, losgelöst von dem engen vorgegebenen Korridor der hiesigen abhängigen Altparteien, ganz überwiegend teile. Auch Ihre sonstige kritische Unangepasstheit, die darauf beruht sich seine eigene Meinung selber zu bilden und sich nicht sofort mit vorgefertigten Labels wie Verschwörungstheoretiker abzugeben, finde ich positiv und ist mir sehr ähnlich.

        Leider trägt Ihre tiefe Abneigung Ostdeutschlands fast schon neurotische Züge. Für einen „Nicht-Linken“, der zudem noch AfD-Mitglied ist, ist ein derartig angeknackstes Verhältnis zur Deutschen Nation schon sehr ungewöhnlich. Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, aber Sie erinnern mich hierbei unmittelbar an die Antideutschen Alt-Grünen Claudia Roth, Jutta Dittfurth und Angelika Beer, die 1990 hinter dem Banner „Nie wieder Deutschland“ gegen einen vermeintlich aufkommenden deutschen Faschismus und gegen die auch von Ihnen kritisierte Wiedervereinigung demonstrierten:

        https://bayernistfrei.com/2018/06/27/claudia-roth-larmoyanz/12341469_444950229025043_3681969516224088183_n-2/

        Dennoch würde ich Sie sicher nicht als Antideutschen sehen, der wie die oben erwähnten von einer Mischung aus Selbsthass und Faschismus-Wahn getrieben ist. Sie scheinen, wie von mir an anderer Stelle schon einmal erwähnt, zu einer zweiten Kategorie an Leuten zu gehören, die ähnlich Oskar Lafontaine (und mein Mitte der 50er Jahre geborener Onkel und langjähriger SPD-Wähler) bedingt durch die 68er Sozialisation in der BRD mit einem gebrochenen/ angeknacksten Selbstverständnis zur Deutschen Nation und zum Deutschen Nationalstaat aufgewachsen sind. Aufgewachsen in der Hochphase des Ost-West-Konflikts und kombiniert mit einer emotionslosen konsumorientierten Durchrationlisierung des Lebens, bei der die Ellenbogengesellschaft, die im Hass auf laute spielende Kinder gipfelt und in der West-BRD besonders stark ausgeprägt ist, dominiert. Vielen wurden in dieser Zeit der Nationalstolz aberzogen und parallel verlaufend ein egoistischer Maximal-Individualismus propagiert, bei dem sich jeder selbst der Nächste ist und der in der Ablehnung der Wiedervereinigung mündet (in diesem Ihren Falle aus wirtschaftlicher/ selbstbezogener Zweckmäßigkeit, anders als aus ideologischen Gründen Roth, Dittfurth, etc).

        Lafontaine, der sicher anders als Roth und Dittfurth kein Antideutscher ist, dachte heir so wie Sie. Er hatte keinen unmittelbaren Hass auf Ostdeutschland, Ihm war aber deren wie auch die Idee der gesamtdeutschen Kulturnation egal. Im Lager der AfD ist dies jedenfalls ausgesprochen ungewöhnlich. Auch Herr Dilger, der sich ja nicht mehr besonders zur AfD bekennt, hat kein derart angeknackstes/ gleichgültiges Verhältnis zur historisch gewachsenen Deutschen Nation.

        Sie sollten versuchen die Dämonen und Gespenster der Vergangenheit hinter sich zu lassen und die Deutsche Geschichte nicht von der post-45, kalter Krieg + 68er/ Reeducation-Geschichtsschreibung zu betrachten.

        Wir alle sind nach 45 geboren. Weder die beiden Weltkriege, noch die ewige bis heute anhaltende Ost-West-Teilung oder das allumsichgreifende Madigmachen der Deutschen Kulturnation geht auf uns hier im Forum, oder auf die großen Deutschen der Vergangenheit in Wissenschaft, Technik, Medizin und Lyrik zurück.

        Die Geschichte des gesamten Deutschlands, seiner großen Erungenschaften und geschichtlicher Fußstapfen (denken Sie nur an Luther) ist viel älter, als das seiner Gegner in Deutschland, Europa und Übersee.

        Sie sollten versuchen sich von den Umständen Ihrer post-68 Sozialisation zu lösen und diese als das betrachten, was sie waren: Spaltkeile fremder Interessen gegen Deutschland.

        Das sage ich Ihnen als jemand, der ebenfalls West-Deutscher ist.

      • Man sollte die eigene Nation nicht überhöhen, doch Patriotismus ist eine Tugend, wie man schon in der Antike wusste. Ohne Vaterlandsliebe ist kaum ein Staat zu machen.

      • Mit einer gesunden Portion Patriotismus habe ich kein Problem. Ich fühle mich auch durchaus als bayerischer Patriot. Aber gewiss nicht als völkischer Deutscher. Deutschland ist nicht erst durch den Zuzug von Gastarbeitern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Mehrvölkerstaat geworden. Die nordischen Völker, zu denen die Germanen gehören sind nun einmal nicht vom selben Holz geschnitzt wie Bayern oder Alemannen. Daran ändert auch die ganze völkische und rassistische Nationalduselei derer, die meinen, alle Deutschen gehörten seit jeher zusammen, nichts. Es trifft schlicht und ergreifend nicht zu.

        Hier in diesem Zusammenhang ein interessantes Zitat von Markus Vahlefeld:
        „Deutschland ist in seinem Wesen ein unregierbarer Vielfürstentümerstaat, in dem die Menschen eher regional als national fühlen.“
        Quelle: https://www.achgut.com/artikel/der_ganze_stolz_der_deutschen

      • Sehe Sie Ihre Identitäten als Bayer, Deutscher, aber auch Europäer und Weltbürger wirklich in Konkurrenz zueinander? Können Sie nicht alle zulassen? Gute Politik würde sie nicht gegeneinander ausspielen und die Menschen nicht zu einer Entscheidung zwingen wollen.

      • Natürlich lasse ich das zu. Aber deshalb muss ich die Bewohner des Kunststaats „Deutschland“ ebensowenig wie die Bewohner der künstlich geschaffenen EU zu einem „Volk“ verklären. Deutschland ist nun einmal von Beginn an ein Mehrvölkerstaat, ob das den Nationalisten gefällt oder nicht.

      • Die Diskussion hatten wir schon. Sie unterscheiden nicht richtig zwischen Volk und Volksgruppen. Gerade Deutschland ist eine Kulturnation, die vor allem durch die Sprache und gemeinsame Traditionen zusammengehalten wird, nicht rein ethnisch durchs Blut. Die Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschen sind z. B. größer als die zwischen Ost- und Westdeutschen. Gegenüber anderen Völkern überwiegen hingegen die Gemeinsamkeiten.

      • Ich bleibe dabei. Wir haben weder wirklich eine gemeinsame Sprache (nur Hochdeutsch als Amtssprache) noch in ganz Deutschland „gemeinsame Traditionen“, die wir nicht auch mit anderen Ländern hätten. Ein Sachse bleibt ein Sachse genau wie ein Altbayer ein Bayer bleibt und ein Franke ein Franke. Von den Bevölkerungen weiter auseinander liegender Regionen ganz zu schweigen.

      • Doch, haben wir. Das fällt aber nur auf, wenn man weiter weg ist (Österreich zählt nicht, weil eher zufällig die kleindeutsche Lösung gewählt wurde und dort auch die deutsche Sprache gesprochen wird).

      • Wir hatten das Thema vor etwa drei Jahren schon einmal.

        Es gibt nicht wenige Regionen in Deutschland, da verstehen Sie und ich kein Wort, wenn sich zwei Einheimische in ihrer Sprache unterhalten. Nicht nur in Ostfriesland.

        Von einer gemeinsamen Sprache kann zumindest umgangssprachlich folglich keine Rede sein.
        Und von gemeinsamen Traditionen, die alle Deutschen mehr miteinander verbinden würden als z.B. Bayern und Österreicher oder Ostfriesen und Westfriesen (also Fryslân im Nordosten von Nordholland) auch nicht. Ein Preuße bleibt nun einmal ein Preuße und hat mit einem Bayern weniger Tradition gemein als ein Tiroler, Salzburger oder Oberösterreicher und mit einem Badenser weniger als Letzterer mit einem Schweizer Alemannen oder ein Eupener (Belgien) oder Luxemburger mit einem Aachener usw.. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

      • Es ist ja nicht schlimm, dass Sie das Konzept der Nation nicht verstanden haben und sich nicht als Deutscher fühlen (wobei es natürlich schon paradox ist, dass sie dann ausgerechnet in der AfD mitmachen). Sie sollten aber zur Kenntnis nehmen, dass das für die meisten ihrer Mitbürger nicht zutrifft. Selbst die linken Deutschlandhasser sind typisch deutsch. Vor allem sind sich die übrigen Europäer ihrer jeweiligen Nation sehr bewusst und fast keiner würde seinen souveränen Nationalstaat gegen Vereinigte Staaten von Europa eintauschen wollen.

      • Ich habe das Prinzip der Nationalstaaten sehr wohl verstanden, sehe es aber im Gegensatz zu Ihnen kritisch. Auch in anderen Nationalstaaten gibt es Kritiker dieses Prinzips. Selbst für Sie dürfte aber doch wohl außer Zweifel stehen, dass sich die meisten (echten) Katalanen nicht als Spanier fühlen und die meisten Südtiroler nicht als Italiener. Weitere Beispiele finden Sie gerade in Europa, aber auch auf anderen Kontinenten sehr zahlreich.

      • Nationalstaaten kann man durchaus sehr kritisch sehen. Sie haben zu blutigen Kriegen und Bürgerkriegen geführt. Bei genauer Betrachtung galt das jedoch vor allem für ihre Entstehung, während etablierte Nationalstaaten relativ friedlich sind. Also warum sollte man sie mutwillig zerschlagen oder die EU als Imperium etablieren wollen, was auch nicht ohne Gewalt ginge?

        Die meisten Südtiroler sind doch definitiv keine Italiener. Ob Katalonien eine eigene Nation ist, ist umstritten, aber zumindest fühlen sich viele Katalanen nicht (mehr) als Spanier, wozu die Zentralregierung viel beiträgt. Das sind doch gerade keine Beispiel gegen das Nationalstaatskonzept, sondern vielleicht gegen die heutigen Grenzen, die davon abweichen. Gibt es auch nur ein Beispiel, wo eine eindeutige Nation von sich aus zerbrochen ist?

      • „Also warum sollte man sie mutwillig zerschlagen oder die EU als Imperium etablieren wollen, was auch nicht ohne Gewalt ginge?“

        Wer sagt denn, dass ausgerechnet ich „die EU als Imperium etablieren“ wolle?
        Wie Sie wissen, hätte ich gerne sehr viel kleiner geschnittene Staaten als dies im Falle von Großstaaten wie Deutschland, Spanien und Italien der Fall ist (das seit noch längerer Zeit zentralistisch geführte Frankreich mag ein Sonderfall sein, das wäre separat zu diskutieren).

        „Gibt es auch nur ein Beispiel, wo eine eindeutige Nation von sich aus zerbrochen ist?“

        Nun, was ist eine „eindeutige Nation“ ?
        War die Tschechoslowakei eine solche „eindeutige Nation“?
        Wie war es mit Jugoslawien?
        Mit Vietnam?
        Korea?
        Oder mit dem Kongo?
        Von der UdSSR – territorial immerhin aus dem Russischen Kaiserreich hervorgegangen – ganz zu schweigen …

      • Hatten Sie nicht gerade behauptet, Sie hätten das Prinzip von Nationalstaaten verstanden? Wie können Sie dann ernsthaft die Tschechoslowakei als Beispiel anführen, die doch schon in ihrem Namen zwei Nationen trägt und genau an dieser Sollbruchstelle zerbrochen ist? Jugoslawien war natürlich auch ein Vielvölkerstaat wie die Sowjetunion.

        Korea und Vietnam sind interessantere Beispiele, weil sie Nationalstaaten waren, die durch Kommunisten gewaltsam geteilt (und im Falle Vietnams dann auch gewaltsam wieder vereinigt) wurden. Das trifft im Grunde auch auf Deutschland zu, wenngleich der Ablauf der Teilung ein anderer war. Glauben Sie wirklich, dass die Südkoreaner eine friedliche Wiedervereinigung ablehnen würden, weil die Nordkoreaner jetzt so viel ärmer sind (bei der Teilung waren sie übrigens reicher, was ein gutes Beispiel für die wirtschaftlichen Folgen des realen Sozialismus ist)?

      • Da die Südkoreaner vermutlich doch etwas intelligenter sind als ein Pfälzer Saumagen, werden sie zumindest Nordkorea nicht mit sinnfreien Alimenten überhäufen wie die BRD die Ex-DDR.

        Ausgehend von etwa 5 Millionen echten Netto-Leistungsträgern in Deutschland, hat die so genannte „Wiedervereinigung“ jeden von diesen echten Steuerzahlern bislang gut 400.000 € gekostet. Mit diesem Geld hätte man sehr viel Sinnvolleres machen können, als zu versuchen, Kommunismus, Umverteilungssozialismus, Überwachungsstaat, SED- und FDJ-geprägte Politiker und kontaminiertes Brachland zu assimilieren.

      • Sie lehnen die Wiedervereinigung mit der DDR ab, vor allem aber die DDR-Bürger. Wie hätten Sie diese denn ganz konkret 1989 und 1990 aus der alten Bundesrepublik Deutschland fernhalten wollen? Was meinen Sie, was ohne deutsche Wiedervereinigung passiert wäre?

      • @Alexander Dilger
        „Sie lehnen die Wiedervereinigung mit der DDR ab, vor allem aber die DDR-Bürger.“

        Was behaupten Sie denn da schon wieder für einen Unsinn?

        Ich lehne doch keine Ex-DDR-Bürger als Menschen ab. Auch ihre Reisefreiheit gestehe ich diesen jederzeit uneingeschränkt zu und habe ich ihnen auch schon zu Zeiten der DDR 1.0 zugestanden.

        Meine Kritik richtet sich gegen die überstürzte „Wiedervereinigung“ und die Alimentierung der neuen Bundesländer sowie auch anderer Bundesländer durch „Solidaritätszuschlag“, „Finanzkraftausgleich“, usw., usf..

      • Hier noch die Antworten zu Ihren beiden obigen Fragen:

        „Wie hätten Sie diese denn ganz konkret 1989 und 1990 aus der alten Bundesrepublik Deutschland fernhalten wollen?“
        Gar nicht. Warum sollten DDR-Bürger die Bundesrepublik Deutschland nicht besuchen dürfen, wie jeder andere Mensch auch? Nur Begrüßungsgeld als Anreiz, unsere Luft mit Zweitaktern zu verpesten, hätte ich nicht bezahlt.

        „Was meinen Sie, was ohne deutsche Wiedervereinigung passiert wäre?“
        Nichts bzw. nichts Schlimmes. Jedenfalls nicht für die Bürger der Bundesrepublik Deutschland (alte Bundesländer).

      • @Patriot 23.07.2019 21:02 Uhr

        Sie liegen völlig falsch. Was mich stört ist der immer weiter und gieriger um sich greifende Umverteilungssozialismus. Angefangen vom „Finanzkraftausgleich“ (früher „Länderfinanzausgleich“) über das von Ostdeutschland herüber geschwappte Selbstverständnis, dass „Der Staat“ schon alles bezahlen und richten werde (aber wer ist „Der Staat“? und v.a. wer sind diejenigen, die das ganze bezahlen sollen?) bis hin zur systematischen Vernichtung des Mittelstands durch überbordende Bürokratie und eine nie dagewesene Abgabenlast.

        Da Sie die BRD vor der „Wiedervereinigung“ nicht kannten, ist es wohl schwer, Ihnen zu vermitteln, was ich meine. Aber fragen Sie doch am besten einfach mal Ihre Tante. 😉

      • So viel Patriotismus:

        Nicht noch mehr (wie Höcke), aber auch nicht weniger…!

      • Herr Höcke ist kein Patriot, sondern nationaler Sozialist. Die USA sind dafür kein Nationalstaat, was jedoch Patriotismus eher noch wichtiger macht, um das Land zusammenzuhalten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.