Nationale CO2-Steuer ist weder wirtschaftlich noch weise

„‚Wirtschaftsweise‘ wollen Heizen und Verkehr teurer machen“. Das ist weder wirtschaftlich noch weise und der Umwelt hilft es auch nicht. Insbesondere das Autofahren ist schon extrem teuer, das ‚Aufforsten ist gut und günstig‘ dagegen. Ein nationaler Alleingang ist ein Irrweg, also sollte man ihn auch nicht empfehlen, nur weil eine EU-weite Lösung politisch schwieriger ist. Sonst wird doch immer Europa beschworen, wobei man hier sogar eigentlich eine globale Lösung bräuchte.

Alle Sektoren in den EU-Zertifikatehandel einzubeziehen, wäre vernünftig, wenn man eine Mengenbegrenzung des CO2-Ausstoßes auf europäischer Ebene anstrebt. Das könnte seinerseits hinterfragt werden, weil alle formulierten Klimaschutzziele juristisch unverbindlich und sachlich fragwürdig sind. Doch für gegebene Ziele handelt es sich um das beste Mittel.

Insbesondere die ‚Energiewende ist teuer, unzuverlässig und dreckig‘, was wohl auch dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung inzwischen aufgefallen ist. Doch für die von ihm empfohlene neue nationale Steuer gilt im Prinzip dasselbe. Denn dann kaufen eben andere die fossilen Energieträger etwas billiger, während sie für die hiesigen Verbraucher viel teurer werden. Will man so vielleicht die Inflation ankurbeln, was die EZB angeblich nicht schafft? Aber selbst dabei ist ein deutscher Sonderweg nur schädlich.

7 Gedanken zu „Nationale CO2-Steuer ist weder wirtschaftlich noch weise

  1. „Insbesondere das Autofahren ist schon extrem teuer“. Naja, häufig ist das ökologischere Bahnfahren noch teurer. Zusätzlich ist man weniger flexibel und muss häufig noch schauen, wie man zum Bahnhof oder vom Bahnhof zum Bestimmungsort kommt. Finanziell sind da die Anreize auf jeden Fall noch zu Gunsten des fröhlichen Klimaschädigens – und da rede ich noch nicht vom Fliegen.

    „Denn dann kaufen eben andere die fossilen Energieträger etwas billiger, während sie für die hiesigen Verbraucher viel teurer werden.“ – Das können Sie als Ökonom doch nicht ernsthaft meinen. Die CO2-Steuer ist eine Mengensteuer, damit verschiebt sich die Nachfragekurve nach links. Wie von Ihnen richtig erkannt, verringert sich der Nettopreis (Preis im Ausland, vermutlich aber nur marginal), während sich der Bruttopreis erhöht (Inlandspreis, vermutlich erheblicher). Allerdings sinkt die abgesetzte Menge, sofern das Angebot nicht vollkommen preisunelastisch ist. Die Mengenwirkung ist also da und lässt sich nicht wegargumentieren.

    Alle Probleme mit ein paar Bäumchen regeln zu wollen greift wohl deutlich zu kurz.

    • Die Sondersteuern und -abgaben fürs Autofahren liegen deutlich über der allgemeinen CO2-Bepreisung. Das Bahnfahren ist über den Strompreis einbezogen, während der kommerzielle Flugverkehr zwar keine Kerosinsteuer zahlt, aber am EU-Zertifikatehandel teilnimmt.

      Schon bei einem perfekten Markt, den Sie unterstellen, würde eine substanzielle Steuern, die hierzulande die Preise deutlich erhöt und die Mengen gravierend senkt zu Lasten der Privathaushalte und Unternehmen, global nur zu marginalen Rückgängen der Preise und Mengen führen (wie wenn man sich selbst ins Knie schießt und damit tröstet, dass dadurch die Abnutzung der Schuhsohlen zurückgeht). Tatsächlich handelt es sich um einen Oligopolmarkt, bei dem die Reaktion auf einen Nachfragerückgang (durch Deutschland) nicht so eindeutig ist, insbesondere in der dynamsichen Betrachtung. Die Anbieter wollen nicht nur heute viel verdienen, sondern über die Zeit, so dass zukünftig drohende Nachfrageverknappungen zu einer sofortigen Angebotsausweitung anreizen.

  2. Ihr Kommentar ist heute leider etwas einseitig. Wenn Sie treuer Leser der Sachverständigenratsgutachten sind, wird Ihnen im Gutachten 16/17 sicherlich die Kritik des SVR an der völlig sinnlosen Energiewende aufgefallen sein. Bereits damals hatte der SVR erklärt, dass einzig eine globale (notfalls eine europ.) Lösung, idealerweise eingebettet in den Emissionsrechtehandel, etwas bewirken kann. Siehe hier: https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/publikationen/jahresgutachten/fruehere-jahresgutachten/jahresgutachten-201617.html
    Das ist auch jetzt der Tenor in dem neuen Sondergutachten. Der SVR sagt nun, dass notfalls auch eine CO2 Abgabe sinnvoll sein kann. Er macht damit einen Schritt auf die Bundesregierung zu, da die Sachzwänge offenbar momentan eine politische Aktion in diese Richtung erfordern. Ob man die deutschen Energiewende und CO2 Aktionen für sinnvoll oder nicht hält, wenn man etwas macht bzw. machen muss, dann sollte es in den Emissionsrechtehandel eingebettet sein. Andernfalls ist die Aktion (analog Energiewende) von vornherein eine Totgeburt. Diesen Tenor des SVR halte ich für völlig richtig und ich habe keine Argumente von Ihnen sehen können, die das infrage stellen.

    • Wenn man wirklich auf europäische oder gar globale Lösungen setzt, darf man keine nationalen Alleingänge empfehlen, wie es der Sachverständigenrat jetzt getan hat. Von einer nationalen CO2-Steuer kommt man nie wieder runter, während sie eine EU-weite Lösung erheblich erschwert bis unmöglich macht. Die Einbettung in den EU-Zertifikatehandel wäre richtig, erfolgt dadurch aber gerade nicht.

  3. Es gibt kein anderes Land auf der ganzen Welt, wo die Leute so gehirngewaschen sind, dass sie „freiwillig“ den Staat um Steuererhöhungen bitten. Politisches Sado-Maso: Geliebte Regierung, bitte quäle mich härter…!?!

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