Monetärer Anreiz für schnelles Gutachten

Momentan bin ich mit einem Projekt zu wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren beschäftigt. Da erreichte mich zufällig die Anfrage von einer ziemlich guten Fachzeitschrift, ob ich nicht als Gutachter für einen bei ihr eingereichten Beitrag tätig werden wolle mit einem interessanten, mir bislang so noch nicht bekannten Anreiz für ein zügiges Gutachten: Wenn ich es innerhalb von vier Wochen erstelle, bekomme ich 50 Euro dafür.

Grundsätzlich halte ich das Bezahlen für solche Gutachten durch wissenschaftliche Zeitschriften für keine gute Idee. Eine angemessene Bezahlung für das gründliche Lesen und Begutachten eines anspruchsvollen Fachartikels wäre sehr hoch. 50 Euro drücken da eher eine geringe Wertschätzung aus und führen zu einem ziemlich niedrigen Stundenlohn (zumal ich einen hohen Grenzsteuersatz habe und zusätzlich einen lästigen ‚Zwang zur elektronischen Einnahmenüberschussrechnung‘). Ohne Bezahlung mache ich das aus Pflichtgefühl, manchmal ist es auch inhaltlich interessant und eine gute Zeitschrift überträgt marginal ihr Prestige auch auf von ihr ausgewählte Gutachter. Wenn man es für Geld machen soll, kommen andere Überlegungen ins Spiel und ich würde viel eher ablehnen.

Das Bezahlen nicht für das Gutachten selbst, sondern dessen schnelle Anfertigung ist ein interessanter Spezialfall. Ich habe gar nicht mehr Arbeit, sondern muss diese nur zeitlich vorziehen. Doch ich ertappe mich schon bei dem Gedanken, diesen Beitrag besonders lange liegenzulassen. Immerhin wurde mir keine andere Frist gesetzt und der moralische Druck ist durch die angebotene Bezahlung bzw. den Verzicht darauf viel geringer. Wahrscheinlich versuche ich es trotzdem vorher, aber ich habe auch noch anderes zu tun, z. B. diesen Blog, der ebenfalls nicht wirklich gut bezahlt wird (siehe ‚Weniger Blogbeiträge meldefähig‘ mit Diskussion).

9 Gedanken zu „Monetärer Anreiz für schnelles Gutachten

  1. Für angebotene Einnahmen, die Ihnen Entscheidungsqualen verursachen, einfach ein Spendenkonto vorschlagen. Und für diesen Blog hier Themenvorgaben machen, die auch Ihnen noch persönlichen Erkenntnis-Gewinn bringen und insofern zu einem angemessenen Leistungsaustausch führen.

    • Das Geld würde trotzdem über ein Konto laufen mit entsprechenden Verpflichtungen gegenüber dem Finanzamt. Außerdem bin ich weiterhin für Hinweise dankbar, welches Organisationen spendenwürdig sind.

      In meinen Beiträge schneide ich doch ganz unterschiedliche Themen an. Am meisten Klicks und Kommentare generiert immer noch Parteipolitisches, vielleicht weil es am ehesten praktische Implikationen haben könnte. Intellektuell finde ich die meisten anderen Themen spannender.

      • Ein Vorschlag: http://www.friedensdorf.de
        Ein Honorarverzicht zu Gunsten des Spendenempfängers – aber mit Zahlungsnachweis für Sie zur Info- dürfte zu keinen steuerpflichtigen Einnahmen führen, wenn der Verlag in eigenem Namen spendet.
        Dort, wo die angebotene Vergütung in einem Missverhältnis zur Leistung steht, bietet sich so etwas an.
        Erfahrungen mit der beleglosen Einkommensteuererklärung 2018: Spendenangaben, Angaben zu haushaltsnahen Dienstleistungen ohne Belegnachforderung akzeptiert. Jahresbescheinigungen der Depot-Banken werden nachgefordert; es wird aber (lt. erbetener schriftlicher Mitteilung des FA) die elektronische Ausfertigung der Depot-Bank akzeptiert, die auch elektronisch weitergeleitet werden kann (u.a. per EMail, per Elster, Fax). Die EMail-Adresse des Veranlagungsbezirks muss aber erfragt werden (es läuft eben noch nicht ganz rund).

    • 300sel
      sagte am 13/07/2019 um 07:13 :“Der ultimative Überwachungsstaat lässt grüßen: . . . “
      Hallo Herr Meister, wenigstens haben Sie unter der Themenvorgabe nicht die übliche Sottise gegen Bernd Lucke unterbringen können 😉

  2. Ein Gutachten von einem Professor für 50 Euro? Jede Autowerkstatt verlangt mehr! Diese „Fachzeitschrift“ hat weltfremde Vorstellungen. Was zahlen die ihren eigenen Mitarbeitern, oder machen die Outsourcing nach China…???

    • Das Angebot des Verlages hat sicherlich einen beengten wirtschaftlichen Hintergrund, den man vor Geschimpfe mal erkunden sollte. Deshalb halte ich meinen Vorschlag für gesichtswahrend- eine WIN-WIN-Situation für alle Beteiligten.
      Zu Ihrem -abstrakten- Vergütungsvergleich: Den 5 Wirtschaftsweisen würde ich für ihr Gutachten zur Klima-Politik Deutschlands noch eine Strafgebühr fürs Lesen abknöpfen, wohingegen meine Autowerkstatt so lange tätig werden muss, bis der Schaden behoben ist. Was würden Sie denn dem Prof. Em. Paul Kirchhof -freiwillig – für sein Gutachten zur Finanzierung des ÖR Rundfunks bezahlen ?

      • Es gibt völlig verschiedene Arten von Gutachten. Hier geht es nicht um öffentlichte Gutachten für ein Thema, welches den Auftraggeber interessiert, sondern solche für wissenschaftliche Zeitschriften. Die besseren Journale holen zwei oder mehr Gutachten pro eingereichtem Artikel ein. Die Gutachten werden nur den Autoren des Beitrags anonymisiert mitgeteilt. Eine Bezahlung ist eher nicht üblich und als Einreicher von Beiträgen produziere ich auch einen Bedarf an solchen Gutachten.

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