Fed-Präsident stellt Zinssenkung unabhängig von Entlassungsdrohung in Aussicht

Der türkische Präsident Recep Tayyip „Erdogan enthebt türkischen Notenbankchef über Nacht seines Amtes“, weil er lieber niedrigere Zinsen wollte. US-Präsident Donald Trump würde am liebsten dasselbe aus dem gleichen Grund mit dem von ihm selbst ernannten Präsidenten der amerikanischen Notenbank tun, doch „Fed-Chef Powell bietet Trump die Stirn“. Er würde nicht einfach gehen, sondern will seine gesetzliche Amtszeit von vier Jahren durchhalten. Einstellen und Entlassen ist eben selbst für den mächtigsten Mann der Welt asymmetrisch.

In der Sache will Jerome Powell sogar einlenken und die niedrigen Zinsen nicht weiter erhöhen, sondern wieder senken, weil die Inflation gering ist und Wachstumsrisiken bestehen. Immerhin hat die Fed bei einem Leitzins zwischen 2,25 und 2,5 Prozent noch einen gewissen Senkungsspielraum, den die EZB in vergleichsweise guten Jahren nicht aufgebaut hat, so dass ihre Null- und Negativzinsen beim nächsten Konjunktureinbruch oder sogar einer schwereren Krise kaum noch gesenkt werden können. Nominalzinsen können nicht besonders negativ werden, solange das Bargeld nicht ganz verboten wurde. Aber schon negative Realzinsen sind auf Dauer schädlich, weil sie zu Fehlinvestitionen anreizen.

6 Gedanken zu „Fed-Präsident stellt Zinssenkung unabhängig von Entlassungsdrohung in Aussicht

  1. Dass sich die Fed besorgt zeigt liegt in erster Linie daran, dass US Firmen in den letzten Jahren riesige Schuldenberge erzeugt haben. Niedrige Zinsen würden die Risiken zwar kurzzeitig dezimieren, langfristig aber würden die Risiken der billigen Kredite für überschuldete Firmen noch größer werden.
    Billige Kredite werden in den US nicht oft für Investitionen genutzt, die Firmen kaufen ihre eigenen Aktien zurück, um ihren Gewinn zu erhöhen. Für die Amerikaner ist das alles ein leichtes, weil die Fed immer schnell zu Hilfe eilt. Ich bin der Meinung, dass das nicht mehr lange gut gehen kann. Für die kommende US Präsidentenwahl wird wohl noch einiges karschiert werden.

  2. Das Beispiel zeigt, dass sich die amerikanische FED ihre Unabhängigkeit bewahrt, ganz im Gegenteil zur EZB, die im vorauseilenden Gehorsam das tut, was Brüssel, vor allem der Club Med, will. Amerika, Du hast es besser!

  3. Nach neuesten Erkenntnissen soll ja die Niedrig- bzw. Negativzinspolitik längerfristig das Gegenteil von dem bewirken, was sie verspricht: unprofitable Unternehmen überleben und drücken die Margen ihrer Branchen, gleichzeitig fließen ihnen Bankkredite zu, zulasten effizienterer und innovativerer Unternehmen, was letztlich weniger Produktivitätsfortschritt, weniger Wachstum und weniger Innovation bedeutet. Wird diese Erkenntnis eigentlich von der EZB rezipiert?

    • Keine Angst. Die Kreditvergabe der Banken an kleine und mittelständische Unternehmen ist derart restriktiv, dass auch die niedrigsten Zinsen nicht dazu führen, dass unprofitablen Unternehmen überhaupt Bankkredite zufließen. Geld zu Niedrigstzinsen wird höchstens in Verbindung mit Staatsbürgschaften vergeben und dann auch nur an marode Banken und halbstaatliche Konzerne. Wirklich innovative Unternehmen bekommen Kredite, egal ob in einer Phase höherer oder niedriger Zinsen, ohnehin nur, wenn sie der Unternehmer mit mindestens 200% besichert. Die Ausfallrisiken liegen woanders.

    • Das ist wohl wirklich ein Dillemma oder sogar Paradox: Kurzfristig belebt es stets die Wirtschaft, wenn die Zinsen weiter sinken, sogar wenn sie schon negativ sind. Langfristig ist es trotzdem schädlich. Die meisten Politiker denken jedoch nur kurzfristig, während auch die EBZ keinen längerfristigen Plan zu haben scheint.

  4. Pingback: Fed senkt Leitzins auf real fast null | Alexander Dilger

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